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schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 18.02.2013, 22:36
von amanite
ich habs ja schon immer geahnt, vor ein paar tagen hab ichs dann auch von jemand externen "unbetroffenem" bestätigt bekommen.
meine tochter ist "schuechtern" oder wie auch immer man das am besten ausdrücken soll.

erstmal vornweg,bei uns ist das anscheinend genetisch/veranlagungsmäßig bedingt.
ich selbst leide extrem unter meiner unsicherheit, war als kind ultraschüchtern, und hatte immer gehofft, mal ein kind zu haben, was nur so vor selbstsicherheit strotzt. 8) :shock: :D
das mein kind ein sensibelchen ist, das ist nicht zu übersehen, find ich aber auch positiv, schätze es, dass sie die welt so klar und genau wahrnimmt und die feinen dinge spürt, etc.

so nun aber mal zur problematik: als beispiel, sie spricht nicht, aus angst.
wir sind jetzt bei einer tollen logopädin, und sie hat mir meine these bestätigt, mein kind will sprechen, setzt an, aber dann bricht sie ab, und traut sich nicht das wort auszusprechen.
die logopädin siehts nicht dramatisch, kennt das wohl öfters und meint dass sie das mit wenigen stunden herauskitzeln kann, dass sie sprechen wird. also das ansich ist jetzt nicht das problem.

ABER ich hab so ein bisschen die ahnung, dass es wohl in zukunft so weitergehen könnte. ich betone KÖNNTE. nicht dass ich hier ne selbsterfüllende prophezeiung rausposaune.

nachdem ich hier mal wieder im SUT gewühlt hab, und durch zufall auf das thema "wie lobe ich/nicht loben" gestoßen bin. mach ich mir grad so meine gedanken. ich lobe sie bei jedem kram, und dachte bisher ihr mit positiver bestätigung zu einem größeren selbstbewusstsein verhelfen zu können. tja, dank SUT hab ich mal wieder gelernt, es gibt auch andere/bessere arten es umzusetzen. und alles zu loben ist anscheinend eher nicht so der goldene weg gewesen.

solche dinge suche ich als denkanstöße, wie ich sie besser durchs leben begleiten kann.

versteht mich nicht falsch, ich weiß sie ist schüchtern, und das wird sie vermutlich wohl auch bleiben. schuechternheit bedeutet auch schutz, das weiß ich aus meiner eigenen erfahrung heraus. und ich will ihr keinesfalls druck erzeugen, sich zwanghaft zu ändern, denn das würde nix bringen. ich suche eher nach ein paar guten denkanstößen, wie man mit schuechternen kindern am besten "umgeht". wie oben an dem beispiel mit dem loben, hab ich eher dazu geneigt, es geradezu "falsch" zu machen, obwohl ich meinte, ich würde gutes tun. also anders gesagt, was hilft einem schuechternen kind am ehesten, was braucht ein schuechternes kind.

wenn ich mal ganz ehrlich sein darf... ich würde mir wünschen, dass sie ihre sensibilität weiter in sich tragen kann, aber ihre schuechternheit ihr nicht im weg steht. manchmal merke ich schon, dass sie das teilweise hat, z.b. wenn sie (manchmal) ohne scheu auf andere leute zugeht. in solchen momenten sehe ich dass sie gerade sehr glücklich ist und "mit sich im reinen". und das ist was wundervolles für mich. wenn ich aber sehe, dass sie angst hat zu sprechen, dann frage ich mich, was lief "falsch" bisher. es tut mir ein bisschen weh, zu sehen, wie sie in sich gefangen ist.

viele denkanstöße, ich hoffe ihr wisst was ich meine.

eventuell buchtips?
liebäugle auch wieder mit jesper juul (will ich eh schon lange) aber welches wär da sinnvoll?
das buch so sag ichs meinem kind, denk ich, werd ich wohl auch mal lesen, glaube das passt auch gut dazu.

danke euch!

Re: schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 19.02.2013, 09:34
von EliseG
Ich war selbst ein sehr zurückgezogenes Kind, bin darum nicht mal im Kiga gewesen, hatte aber dann in der Schule keine argen Probleme mit gleichaltrigen. Dank vieler Rhetorikschulungen und meinen Erfahrungen in der politischen Jugendarbeit konnte ich immer besser über meinen Schatten springen. Ich falle aber auch heute noch öfters zurück zum alten Schema (aber meist, wenn ich kein Kind dabei habe und nicht stark sein muss).

Mein ältester Sohn war von Anfang an Mamakind und sehr zurückhaltend. Mit anderen Kindern gings meist gut, solange diese nicht zu wild waren. Er hat auch jetzt noch oft Phasen, in denen er schüchtern ist, ist aber dann wieder total selbstbewusst. Ich konnte beobachten, dass sein Selbstwertgefühl immer dann stieg, wenn wir ihn zu 100% akzeptierten. Sprach er nicht mit Erwachsenen, dann helfe ich ihm. Will er keinen Schwimmkurs, dann lassen wirs einfach bleiben, ect. Sobald er dann ganz sicher ist, dass wir hinter ihm stehen, probiert er dann plötzlich Dinge aus. Ich habe lange gebraucht, das zu lernen (man hat schließlich immer Wünsche für das Kind bzw sich selbst im Kopf). Achja, und umso stärker ich selbst bin, umso mehr spüre ich diese Stärke auch bei den Kids!

Mein persönliches Fazit: Liebe dein Kind, wie es ist und versuche möglichst wenig Erwartungen zu haben. ;)

Re: schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 19.02.2013, 22:55
von Glucke85
hallo!
deine tochter braucht wahrscheinlich das, was alle kinder brauchen: einen sicheren hafen. egal ob schüchtern, draufgängerisch oder verschmust. ich denke nicht, dass du dir allzu viele sorgen machen musst ihrem "schüchternen temperament" nicht gerecht zu werden.
freunde von mir haben ebenfalls eine sehr schüchterne tochter (ähnlich wie die mutter) und dann und wann rutsch dem vater, sehr offen und kontaktfreudig, raus, dass die kleine doch mal ein bißchen mutiger sein soll oder er "verteidigt" ihre schüchternheit. leider merken beide dann nicht, dass sie ihrem kind damit nicht die möglichkeit geben, sich so angenommen zu fühlen wie es ist. sondern jetzt schon vorschläge für verhaltensänderungen bekommt- und sie ist zwei. finde das eher ungünstig. ich unterstelle dir dieses verhalten auch gar nicht, versteh mich nicht falsch. wollte dir nur ein negativbeispiel zeigen für den umgang mit den eigenen emotionen und wünschen bezogen auf das kind und dem was das kind von natur aus mit bringt.

Re: schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 19.02.2013, 22:59
von Lösche Benutzer 8492
Vielleicht hilft dir hier etwas weiter? Da habe ich vor ein paar Tagen gefragt.
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 0&t=166573

Re: schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 23.02.2013, 12:39
von amanite
danke euch für eure antworten. ja ihr habt definitiv recht, dass das wichtigste ist, dass man sein kind so annimmt wie es ist, und es sich einfach geborgen und unterstützt fühlt.

hab die letzten tage nochmal beobachtet. aber ich merke immer mehr, dass es auch aufgrund ihres noch kleinen alters und da sie noch nicht spricht, total kompliziert ist. heute hab ich seifenblasen gemacht, sie wollte dann auch, aber wenn ich es ihr hinhalte schüttelt sie den kopf, vergräbt sich in mir und schaut zwischendrin immer wieder sehnsüchtig auf die seifenblase. da sie es schonmal geschafft hat zu pusten, und ganz tolle seifenblasen bei raus kamen, weiß ich, dass sie es kann. aber sie traut sich einfach nicht, und ich weiß nicht woran es hängt. weiß nicht, ob es an meinem verhalten liegt, ob ich irgendwie zuviele erwartungen non verbal rüberbringen oder sowas. keine ahnung. es ist jetzt auch nur ein beispiel, womit ich zeigen will, wie es abläuft. nicht dass ich jetzt ein drama damit hätte, dass sie keine seifenblasen macht. nee das nicht. es tut mir nur weh, zu sehen dass sie will, aber sich selbst im weg steht.

gestern waren wir bei der logopädin. aber auch bei ihr hat sie sich total wenig getraut. war immer ganz woanders, wollte sich garnicht auf sie und ihre gebärden einlassen. zwischendurch hat sie immer wieder ganz angestrengt geseufzt, weil das alles so anstrengend für sie ist. es ist nicht einfach für mich da so daneben zu sitzen und zu sehen, wieviel ihr diese "einfach" kommunikation abverlangt. die logopädin meinte auch, dass es für sie sooo anstrengend ist, und man es immer wieder sieht. wenn ich dann andere kinder voller freude vorsich hin brabbeln höre, die sich gar keinen kopf darum machen, ob sie was sagen. ich frag mich dann einfach, warum es für sie so schwer ist. wisst ihr, ich frag mich dann, ob ich irgendwas falsch mache. z.b. dass sie meine gehemtheit im umgang mit anderen wahrgenommen hat, und das jetzt sozusagen für sich auch übernommen hat. so sachen denk ich mir dann halt.

Re: schuechternes Kind - wie begleite ich am besten?

Verfasst: 23.02.2013, 21:02
von Lösche Benutzer 8492
Beim Lesen dachte ich es handelt sich um ein Kindergartenkind :oops: . Warum geht ihr denn schon zur Logopaedie? Ich frage, weil mein Grosser ein halbes Jahr aelter ist und der Arzt im Sommer meinte, dass er zur U7 noch locker Zeit hat mit dem Sprechen zu beginnen?

Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei uns am besten funktioniert, wenn ich ihn einfach machen lasse - oder auch nicht machen lasse. Im Sommer hat er sich oft nicht getraut zu rutschen, dann habe ich ihn nicht weiter gedraengt, jetzt rutscht er immer und immer wieder, ganz ohne Druck. Ich bin inzwischen aber auch soweit, dass ich meist weiss, wo es wirklich schrecklich waere, wenn ich ihn draengen wuerde und wo es wirklich nur ein ganz bisschen Ueberwindung braucht und ich auch mal in die richtige Richtung schubsen kann.