Hallo Anja,
ich bin keine Stillberaterin, auch keine Oecothrophologin oder Ernährungsberaterin oder oder ...
Ich persönlich kann den Punkt des "aufrechten" (freien) Sitzens jedoch nicht ganz nachvollziehen.
Anders sieht es aus mit dem Zungenstreckreflex (heißt das so), also wenn ein Baby immer Nahrung wieder aus dem Mund schiebt ... ist für mich ein relativ sicheres Zeichen, dass das Baby noch nicht Beikostreif ist.
Im Gegenzug ein Baby, das sich wirklich aktiv fürs Essen (der anderen bzw. ihre Tätigkeit) interessiert, danach greift und es zum Mund führt.
Das Sitzalter bzw. die Fähigkeit sich aktiv Aufrecht zu halten ist jedoch von vielen Dingen abhängig und zwar nicht (nur) von in Stein gemeiselten Zeitfenstern oder gar universellen Genen. Vieles ist auch eine Frage des Handlings und geprägt von kulturellen Einflüssen oder aber auch z.B. von Einschränkungen.
Soweit ich weiß sind Kinder in anderen Kulturen zum Teil sehr viel früher in motorischen Abläufen. Gleichzeitig erlebe ich in unserem Kulturkreis immer wieder Säuglinge, die motorisch eher langsam oder noch sehr inkompetent sind, was nicht sehr verwundert, wenn sie entweder den ganzen Tag auf dem Rücken liegen und von oben passiv stimuliert sind bzw. viel wert auf die (verbale) Interaktion gelegt wird. Auf der anderen Seite werden Säuglinge auch sehr "körperfern" gehändelt, d.h. in Positionen gebracht, die sich noch gar nicht können und Dingen ausgesetzt, die nicht ihrem Entwicklungsstand entsprechen, sei dies ein zu frühes Hinsetzen oder auch das Trainieren der Beikost, d.h. Brei immer wieder rein bis das Baby "gelernt" hat die Zunge nicht mehr raus zu strecken
Mein erstes Kind hat sich mit 6 Monaten selbstständig hingesetzt (hat keiner vorher mit ihm trainiert) ... wirklich beikostwillig war es viele Monate später.
Mein zweites Kind hat mit 5,5 Monaten gekrabbelt und ca. 3 Wochen später sich hingesetzt. Sein erstes Bio-Dinkelbrötchen hat es mit ca. 5,5 Monaten gelutscht / gemümmelt ... ob ich das wieder so machen würde? Keine Ahnung, ich hatte mich bei diesem Kind auf eine lange Vollstillzeit eingestellt, hatte ja Übung und dieses Kind wollte es anders. Es gab nie Brei und es bekam tendenziell die Sachen entweder von unserem Schoß oder vom Boden
D.h. ich würde einem beikostinteressiertem Kind, dass noch nicht sitzen kann, das Essen einfach hinlegen, wenn es in Bauchlage ist, sodass es sich in den Unterarmstütz begeben kann und dran rummümmeln kann. Einem motorisch beweglichen Kind, dass sich rollen und drehen kann und "bewusst" ist würde ich also vor der Kompetenz zum aufrechtem Sitzen etwas zu essen geben, wenn es dies will. Eben aus dem Grund, dass die motorische Entwicklung unserer Kinder zu 50% gesellschaftlich beeinflusst ist und keine starre Größe hat.
Mit 4 Monaten würde ich einem Baby tendenziell nichts anderes geben außer (Mutter)Milch ... außer es ist ganz klar, dass es definitiv, ganz dringend essen will und die Nahrung auch schluckt, es soll tatsächlich Babys geben, die mit 4-5 Monaten gerne und viel Brei essen. In anderen Kulturen hatten die Mütter ihre Babys auf dem Schoß, kauten die Nahrung, spuckten sie aus und gaben sie dann dem Baby ... soll es noch immer geben
LG