Richtig ausführlich steht es in Rüdiger Posths "Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen". Er ist Kinderarzt und Kindertherapeut und beschreibt die Entwicklungsphasen der Kinder bis zur Einschulung. Dies ist eher ein Fachbuch als ein Buch für Eltern (da kann die Zeitschrift "Psychologie heute" noch so sehr auf die Rückseite schreiben, dass dieses Buch in jedem Elternregal stehen sollte - die Hälfte würde es nicht verstehen). Aber nichtsdestotrotz ist das Buch GROSSARTIG!!
Die Tipps mit "Ich will bei euch schlafen" und
www.ferbern.de ist übrigens großartig. Ich verschenke das Buch, seitdem ich es gelesen habe, allen Ersteltern zur Geburt (bzw. meist schon während der Schwangerschaft - da hat man noch Zeit *lol*).
Warum fragst du?
Rüdiger Posth beantwortet auch übrigens in folgendem Forum Fragen und hat dort auch seine grundsätzlichen Ansätze erklärt:
http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung ... stsein.htm
Kleiner Auszug:
"Glaubt man, man könne einen kleinen Säugling dahingehend trainieren, einen höheren Grad an Frustration auszuhalten und zu ertragen, d.h. man beabsichtigt, seinen Toleranzspielraum auszuweiten und fügt ihm dazu Unlustgefühle zu, z.B. indem man ihn erst einmal eine gewisse Zeit schreien läßt, bis man sein Signal erhört, dann riskiert man, dass die in dieser Art sich unkalkulierbar auftürmenden Streßempfindungen verfestigen und als erster Erfahrungsschatz von Gefühlen in der tiefsten Seele abspeichern. Den theoretischen Ort eines solchen Speichers nennt man seit S.Freund das Unterbewußtsein. Es heißt deswegen so, weil es permanent "unterhalb" des tatsächlichen, wachen Bewußtseins arbeitet und durch normale Denkvorgänge nicht erreicht werden kann. Je stärker das Unterbewußtsein eines Menschen mit mißliebigen Gefühlen belastet ist, desto bedrohter von diesen Gefühlen ist sein weiteres Leben. Das jedenfalls ist die tiefenpsychologische Vorstellung von der psychischen Grundstruktur eines Menschen.
Ob dieses von S.Freud entwickelte, sogenannte Instanzenmodell des menschlichen Bewußtseins (Bewußtsein, Vorbewußtes, Unterbewußtsein) so ohne weiteres haltbar ist, das ist einstweilen noch Forschungsgegenstand. Es gibt aber inzwischen gute Hinweise im menschlichen Gehirn für eine tatsächliche Existenz des Unterbewußtseins und zwar in den innersten und am tiefsten gelegenen Hirnstrukturen, die man als Limbisches System zusammenfaßt, s.o., und die vor allem über den Gyrus cinguli in engster Verbindung mit den mittleren und unteren Anteilen des Frontalhirns (Stirnhirns) stehen. Schäden in diesen Hirnanteilen, das läßt sich an Hirnverletzten oder an durch Krankheit Hirngeschädigten feststellen (A.Damasio, Neurologe und Forscher in den U.S.A.), verlieren große Teile ihres Gefühlslebens und ihre Lebensfähigkeit im gesamten psychosozialen Agieren.
Es ist, und damit will ich das Kapitel Schreien beenden, also ein sehr hohes Risiko, wenn man seinen kleinen, auf einen selbst extrem angewiesenen Säugling schreien und leiden läßt. Ein Risiko ist es deswegen, weil die im Säugling kulminierenden Angstgefühle durch "Verdrängung" ins Unterbewußtsein eine Hypothek für sein späteres Leben werden könnten. Ein Risiko ist es auch, weil die Ordnungsstrukturen im Säuglingsgehirn durch "Synapsengestaltung" behindert und sogar dauerhaft geschädigt werden könnten. Tröstet man den Säugling aber zügig und nach schneller Klärung der Ursache für sein Schreien, dann vermehrt man seine Gefühle von Vertrauen und Zuversicht, die sich im Säugling selbst als Gefühl von Freude und Glück ausnehmen. Dies ist der Weg zu Icherfahrung und Selbsterleben, Empfindungen, die der Säugling braucht, um aus der primären (Mutter-)bindung zur eigenen Person und Persönlichkeit zu finden. Dieses Glück kann man in den Augen seines Säuglings unmittelbar ablesen und miterleben!"
Ich hoffe, ich konnte dir damit helfen!
