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Vorder-und Hintermilch

Verfasst: 03.04.2011, 10:35
von Petra40
Zu diesem Thema habe ich jetzt unterschiedliche Angaben gefunden:

Unter anderem als Argument gegen die Manipulation von Stillabständen ("Hinauszögern") wird darauf hingewiesen, dass es, wenn in diesem Fall oder auch sonst das Kind nicht lange genug trinkt, im schlimmsten Fall zu Gedeihstörungen kommen kann, weil das Baby nicht ausreichend fetthaltigere Hintermilch bekommt ( so gelesen sowohl in "Mein Kind will nicht essen") als auch in "Our Babies, Ourselves").

Bei meiner Recherche im Internet bin ich jedoch mehrfach auf die Aussage gestoßen, der Unterschied zwischen Vorder- und Hintermilch sei nicht so gravierend wie bisher angenommen und somit nur von akademischer Relevanz, jedoch nicht von Bedeutung für den Stillalltag.

Was ist nun richtig? Kann mich jemand aufklären? (... Julia? ;-))

Allen einen schönen Sonntag wünscht

Petra

Re: Vorder-und Hintermilch

Verfasst: 03.04.2011, 11:28
von jusl
Hallo,

also als gesicherte Fakten gelten:

* Der Fettgehalt der Milch steigt im Laufe der Stillmahlzeit - zunächst kommt fettärmere Milch, nach dem MSR steigt der Fettgehalt deutlich an. In manchen Publikationen findet sich der Hinweis, dass der Fettgehalt umso höher steigt, je mehr MSRe (bemerkt oder unbemerkt) die Mutter während einer Mahlzeit hat.

* Diese Tatsache hat durchaus Bedeutung für den Stillalltag: die Kombination aus Mutter mit ständiger Übervölle (d.h. mit "viel Milch", also "viel Vordermilch") und Baby mit kleinem Magen kann nachweislich das Risiko für Gedeihstörungen beim Baby erhöhen. Klingt vielleicht zunächst paradox ("viel Milch macht Gedeihstörungen"), aber der Grund ist einleuchtend: das Baby muss erstmal "Unmengen" fettarmer Milch "abtrinken", ehe dann der Fettgehalt steigen würde; aber sein Bäuchlein ist schon voll, und das Baby entsprechend schon "satt", ehe die fettreichere Milch kommt. So bekommt das Baby dauerhaft Milch mit zu geringem Fett- und Kaloriengehalt; dieses Problem sollte dann auf jeden Fall stillberaterisch angegangen werden.

* Es gibt drei Möglichkeiten, am natürlichen Stillrhythmus zu manipulieren: Abstände hinauszögern, Dauer der Mahlzeit beschränken, und ein oder beide Brüste geben bzw. den Wechselzeitpunkt bestimmen oder gar nicht wechseln. Beim Stillen nach Bedarf bestimmt das Baby alle drei Parameter selbst. Dies stellt normalerweise sicher, dass das Baby genau die richtige Menge Milch in genau der richtigen Zusammensetzung erhält. Aus diesem Grund wird Stillen nach Bedarf ohne Einschränkung empfohlen.
Wird jetzt an EINEM dieser drei Punkte gedreht, z.B. Mindestabstände eingehalten, dann können viele (allerdings nicht alle!) Babys dies mit den anderen beiden Punkten ausgleichen, z.B. durch längere Mahlzeiten und mehrfaches Wechseln der Seiten innerhalb einer Mahlzeit.
Werden sogar ZWEI Punkte manipuliert, etwa Abstände hinauszögern PLUS Beschränkung der Stilldauer auf eine willkürliche Minutenanzahl, wird's noch schwerer fürs Baby, an "seine" Milch in ausreichender Menge zu kommen.
Werden ALLE DREI Faktoren von außen bestimmt à la "Stillen Sie maximal 10 Minuten an der einen Seite, wechseln sie dann für weitere 5 Minuten auf die andere Seite, und stillen Sie alle 3-4 Stunden!", dann hat das Baby kaum noch Möglichkeiten nach SEINEM Bedarf zu stillen: die meisten Babys werden so auf kurz oder lang Stillprobleme/Gedeihprobleme entwickeln. (Sozusagen alle, außer diejenigen Babys, bei denen dieser vorgeschriebene Rhythmus zufällig ihrem eigenen entspricht.)

Ich hoffe, diese Informationen helfen weiter :)
LG
Julia

Re: Vorder-und Hintermilch

Verfasst: 03.04.2011, 11:49
von Petra40
Auf jeden Fall, danke! :D