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Wenig Stillen...welche Konsequenzen?

Verfasst: 14.03.2011, 10:27
von Jonathan
Ich stille meine Tochter (gute 10 Wochen) seit Geburt nach Bedarf, eine Freundin mit Sohn bis auf einen Tag genau gleich alt stillt alle 3 bis 4 Stunden konsequent, eine andere entferntere Bekannte hat ihr Baby (bisschen jünger) von Anfang an auf 4 Stunden eingestellt, dann kann sie arbeiten gehen.

Ich stille nachts zu meiner großen Freude momentan sehr wenig, weil die liebe Maus so lange schläft, aber tagsüber dann entsprechend manchmal alle Stunde und gerade abends am Anfang manchmal stundenlang.

Bisher habe ich reichlich Milch und die kleine Maus gedeiht auch gut. Aber der Sohn von meiner Freundin auch und der wird auf diese Weise ja nicht unbedingt 8 mal am Tag gestillt. Er trinkt zwar dann oft beide Seiten, wenn er mal trinkt, aber eben viel seltener.

Bei der U2 hatte er sogar ein wenig besser zugenommen als meine Tochter, sie wurden im gleichen Alter gewogen, weil er leichter angefangen hat.

Jetzt frage ich mich eben, ob das irgendwann Auswirkungen auf die Milchmenge hat, wenn sie so viel weniger häufig stillen? Ich komme locker auf 8 bis 12 mal am Tag, andere aber eben nicht auf diese Weise. Abgesehen davon, dass ich niemals ein schreiendes Baby hätte haben wollen, nur weil es Hunger hat und die Zeit noch nicht um ist, frage ich mich eben auch, ob das langfristig einen Milchmangel zu Folge hat oder genauso gut auch gutgehen kann? MIr liegt es nicht daran, an meiner Freundin zu kritisieren, aber sie fragt mich ab und an wie ich es handhabe mit dem Stillen und ob ich immer noch nach Bedarf stille etc. Da sie das Thema häufig anspricht würde ich ihr eben auch gerne sagen können, falls es evtl irgendwann schwierig werden könnte mit dem Stillen, wenn sie immer so wenig anlegt. Sie stillt nämlich gerne.

Zudem interessiert es mich einfach 8) .

VIELEN DANK EUCH!

Re: Wenig Stillen...welche Konsequenzen?

Verfasst: 14.03.2011, 11:07
von jusl
Hallo Jonathan,

da stellst Du sehr gute Fragen! Ich versuch's mal aufzudröseln:

Ein Säugling hat selbst einige Möglichkeiten, auf Menge und Zusammensetzung der Milch Einfluss zu nehmen. Im wesentlichen sind das:
* Stillhäufigkeit,
* Stilldauer,
* Saugintensität,
* ein oder beide Seiten.

Im Grunde ist es ja einfach: Ein Baby welches eigentlich gerne 10 mal am Tag trinken würde aber nur 5 mal was kriegt, muss halt bei diesen 5 Mahlzeiten die doppelte Menge trinken, die es sonst getrunken hätte. So kommt es auf ungefähr die gleichen Kalorien.

Es gibt durchaus Fälle, in denen Babys mit einem aufgestülpten Rhythmus gut zurecht kommen. Allerdings müssen dafür einige Rahmenbedingungen stimmen - stimmen sie nicht, klappt das nicht! In meinem Beispiel mit den 5 oder 10 Mahlzeiten: der Magen des Babys muss z.B. groß genug sein, um die doppelte Menge Milch überhaupt fassen zu können. Und: die Mutter muss Brüste haben, die in kurzer Zeit eine große Menge Milch herstellen können. Und: das Speichervolumen der Brüste muss relativ groß sein, da sich in den vielen Stunden Stillpause immer einiges ansammeln dürfte, und die Mutter soll ja weder platzen noch Übervölle-bedingte Milchstaus erleiden. Und einiges mehr. Wenn alle diese Bedingungen also zufällig erfüllt sind, yo, dann kommt dieses Baby sicher auch mit 5 anstatt 10 Mahlzeiten klar.

Klassische Rahmenbedingungen, die das Stillverhalten mitbestimmen sind beispielsweise:
* Saugbedürfnis, Temperament, Gesundheitszustand und Allgemeinverhalten des Babys
* Saugtechnik und Saugintensität des Babys
* Hormonlage der Mutter
* Zeitspanne bis zum MSR
* Speichervolumen der Brust
* Auslöseverhalten des MSR
* Empfindlichkeit der Milchproduktion gegenüber äußeren Störreizen
Jetzt frage ich mich eben, ob das irgendwann Auswirkungen auf die Milchmenge hat, wenn sie so viel weniger häufig stillen?
Wie Du siehst - das kann man nur individuell beantworten. Eine Frau, deren Brüste zufällig nur maximal 60 g Milch auf einmal liefern (gibt's!) hat ÜBERHAUPT KEIN PROBLEM, wenn sie 12-14 mal am Tag stillt. Will oder soll eine solche Mutter jedoch mindestens 3 Stunden Pause zwischen den Stillmahlzeiten einhalten, werden sich unvermeidlich massive Stillprobleme entwickeln, und Zufüttern wird bei Beibehalten dieser Abstände unvermeidlich werden.
Da sie das Thema häufig anspricht würde ich ihr eben auch gerne sagen können, falls es evtl irgendwann schwierig werden könnte mit dem Stillen, wenn sie immer so wenig anlegt.
Viele Frauen benötigen häufigeres Stillen, um die erforderliche Milchmenge bilden zu können. Aber es gibt auch problemlos stillende Frauen, die monate- und jahrelang nur 6 x täglich stillen. Ferndiagnosen und -prognosen sind da nicht möglich.

Eben deshalb ist Stillen nach Bedarf ja auch so empfehlenswert: Es stellt sicher, dass das Baby immer genug Milch bekommt, EGAL wie die zufällige Kombi von mütterlichen und kindlichen Eigenschaften und Rahmenbedingungen genau aussieht. Und für die Fälle, in denen es tatsächlich nicht so ganz "aneinander passt" (z.B. zufriedenes Seltenstiller-Baby mit Mutter, deren Brüste sehr häufiges Stillen bräuchten oder umgekehrt), gibt es ja gerade Stillberatung ;-) - da gibt es dann zahlreiche Möglichkeiten, wie man etwas mehr Harmonie in die Sache hineinbringen kann.
Bei der U2 hatte er sogar ein wenig besser zugenommen als meine Tochter,
Achtung, Sprache! 8) :lol: Das Baby hat nicht besser zugenommen als Deine Tochter. Es hat zufällig etwas mehr zugenommen. Vielleicht hat es auch etwas mehr Sauerstoff geatmet an dem Tag, vielleicht sind seine Haar etwas länger. Dem kommt aber KEINERLEI Bedeutung zu, und schon gar keine normative im Sinne von "besser oder schlechter". Ein gesundes, nach Bedarf gestilltes Baby nimmt einfach entsprechend SEINER Wachstumskurve zu - dies ist ein nicht verbesserungsfähiger Zustand. Ob's dabei nun 150 oder 160 gramm die Woche waren, ist dabei vollkommen bedeutungslos.

Ich hoffe die Antwort war hilfreich für Dich,
liebe Grüße
Julia

Re: Wenig Stillen...welche Konsequenzen?

Verfasst: 14.03.2011, 12:07
von Jonathan
Hallo Julia,

vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!!!! Äh, ok, dass es nicht so einfach zu beantworten sein würde hatte ich mir gedacht, aber dass soooo viel zu beachten ist :wink: .

Ich hatte am Anfang auch ein wenig das Problem, dass auf gar keinen Fall die Stillabstände zu lang werden durften, weil meine Brust sonst geplatzt wäre 8) . Ich war also schwer darauf bedacht, dass meine Tochter auch oft genug trinkt, bzw. habe vorsichtig ausgestrichen. Auch jetzt laufe ich zum Beispiel immer auf der nicht stillenden Seite aus, egal, ob sie kurz vorher daran getrunken hat, auch dann kommen immer ein paar Tropfen mit.

Von der betreffenden Freundin habe ich Stilleinlagen geschenkt bekommen, weil sie nie ausläuft. So unterschiedlich kann man sein, Wahnsinn!! Trinkt meine Tochter 8 Stunden an einer Brust nicht dann braucht sie nur ein wenig muckeln oder die Brust anschlabbern, noch nicht mal saugen, und ich laufe aus. Würde ich auch tags Stillabstände von 4 Stunden haben, dann würde ich dauernd auslaufen, ständig, und der Druck wäre nicht besonders angenehm.

Meine Tochter trinkt aber auch gerne, so sind wir uns einig, was die Stillabstände angeht, meistens zumindest.

Nochmals vielen lieben Dank für die Antwort, zumindest bisher scheint es bei den beiden zu passen und dann ist es ja prima! Er schrie eben am Anfang so viel und ich hätte halt zumindest die Brust angeboten, weil meine Tochter abends oft stundenlang mehr oder weniger trinken wollte und hätte es nie übers Herz gebracht ihr kein Essen anzubieten. Wenn sie dann nicht will ist ja auch ok, dann wäre es was anderes gewesen, aber sie wollte immer.

Re: Wenig Stillen...welche Konsequenzen?

Verfasst: 14.03.2011, 12:10
von Jonathan
Ich bin zu blöd zum Zitieren, aber Du hast recht wegen meiner Sprache beim Zunehmen, ich wollte das Zunehmen eigentlich nicht bewerten und habe es so doch getan.