Hallo,
um das beantworten zu können, muss man erstmal den Begriff "sich selbst abstillen" definieren. Ich persönlich gebrauche ihn im "strengen" Sinne, das heißt:
"Ein Kind stillt sich selbst ab" = "Ein Kind wird die gesamte Stillzeit hindurch nach Bedarf gestillt und wächst dann am Ende von allein aus seinem Stillalter heraus". Hier wird Stillen nicht durch etwas anderes ersetzt wie z.B. Nuckelflaschen, Schnuller, Herumtragen zum Einschlafen usw. (d.h. es findet keine Umgewöhnung statt), sondern das Kind lässt reifebedingt bzw. entwicklungsbedingt die Stillzeit einfach hinter sich. So wie es früher die Krabbelzeit einfach hinter sich gelassen hat und jetzt eben läuft.
Dies also in klarer Abgrenzung zu "mein Baby (6 Monate) hat sich abgestillt (weil ich angefangen habe, das Stillen nach und nach durch Flaschenmilch zu ersetzen und das Kind nun - am besten saugverwirrt - nun gar nicht mehr stillen mag/kann)".
Manchmal benutze ich zwar die Formulierung "Ein Baby stillt sich zur Flasche hin ab." - damit ist dann aber eindeutig eine Umgewöhnung gemeint, und eben KEIN reifebedingtes Herauswachsen aus dem Stillalter.
Wenn Du also der Verwendung des Begriffs "sich selbst abstillen" im zu Beginn dargestellten "strengen" Sinne zustimmst

, dann merkt man "mein Kind stillt sich gerade selbst ab" z.B. daran, dass...
* das Stillen für das Kind einfach an Bedeutung verliert,
* das Kind seltener danach fragt,
* es irgendwann auch mal einen Tag (oder eine Woche...) gar nicht zum Stillen kommt, weil es einfach was "Besseres" zu tun hat,
* es einverstanden ist, gar gleichgültig die Achseln zuckt, wenn man auf den geäußerten Stillwunsch antwortet "Jetzt nicht, lass uns doch stattdessen...",
* es entweder länger bzw. durchschläft oder es sich nachts problemlos
anders beim Wiedereinschlafen helfen lässt (z.B. einfach kuscheln),
* es kein Saugbedürfnis mehr hat (also keine anderen Nuckelflaschen, Daumen, Schnuller mehr "braucht", insb.
anders Trost, Beruhigung, Einschlafhilfe findet),
* es gut am Familientisch mitisst.
Einem Kind, welches gerade der eigenen Stillzeit entwächst, kann man ruhig "aus Spaß" anbieten, noch mal zu stillen - entweder will es gar nicht, oder es macht freudig mit - als Rollenspiel(!).
Und genauso:
Einem Kind, welches gerade der eigenen Stillzeit entwächst, kann man ruhig sagen "Jetzt nicht, lass uns erst..." - dies ist kein mütterlich forciertes Abstillen, sondern ein Ermutigen(!) der Kindes, immer flexibler zu werden und ganz bald auch ganz ohne Stillen auszukommen. Ein solch ermutigendes Verhalten der Mutter widerspricht dem "natürlichen Abstillen" (= "sich selbst abstillen") nach meinem Verständnis EINDEUTIG NICHT.
Achso, ich denke jetzt erstmal an Kinder in einem Alter, in dem sie ihre Ablehnung noch nicht durch Sprechen mitteilen können.
Die meisten Kinder, die im Alter für natürliches Abstillen sind, KÖNNEN sich bereits durch Sprechen mitteilen

Und es muss ja kein perfekt durchgestylter Satz sein, auch Unterzweijährige können ihrem Still- bzw. Nichtstillwunsch sicher für die Mutter verständlich Ausdruck verleihen, ohne große Worte
Konkret:
Kann man schon dann von selbst Abstillen sprechen, wenn das Kind es nicht mehr selber aktiv einfordert?
(Vorausgesetzt, das Kind wurde nicht an Nuckelflaschen/Schnuller gewöhnt und fordert jetzt anstatt Stillen halt DIESE ein): JA.
Oder erst, wenn das Kind ablehnt,wenn man es ihm anbietet?
Nein. Sicherlich lehnen viele Kinder dann tatsächlich ab, aber es gibt definitiv auch die Rollenspiel-Kinder, die ein solches Angebot suuuuperlustig finden und sofort "mitstillen" würden.
Drängt man dem Kind mit letzterem das Stillen dann quasi schon auf?
Also, eine freundliche Frage ist ja nun kein "Aufdrängen". Wenn ich als Mutter das Gefühl habe, meinem Kind würde Stillen jetzt wirklich gut tun (z.B. weil es jetzt sehr aufgeregt oder verwirrt oder verunsichert ist), dann biete ich Stillen an, nachdrücklich, denn ich bin ja der Überzeugung, dass es jetzt das Beste für mein Kind ist. Aber wenn's meinem Kind praktisch wurscht ist und es offensichtlich kaum mehr Bedarf hat, dann biete ich auch nicht mehr an, denn ich möchte es ja darin bestärken, künftig sein Kinderleben ohne Stillen meistern zu können.
Allerdings glaube ich nicht, dass man sich unbedingt da so genaue Gedanken machen muss - meiner Erfahrung nach kriegen dieses gemeinsame(!) Herauswachsen aus der Stillzeit die meisten Mutter-Kind-Paare gut hin. Ohne genauen Schlachtplan
LG;
Julia