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Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 10.12.2010, 11:09
von boebsimama
Hallo ihr!

Inwiefern ist die Qualität/der Nährwert der MuMi von der Ernährung der Mutter abhängig?

Meine Info ist, das die Qualität (relativ) gleichbleibend ist, egal wie die Mutter sich ernährt. Sollte die Mutter sich minderwertig ernähren, tritt bei ihr ein noch erheblicherer Mangel auf, da alles Gute in die Milch geht und da bleibt nichts mehr über. (Mal abgesehen davon, dass sie dann total erschöpft und reizbar ist)

Sprich, selbst wenn die Mutter sich minderwertig ernährt ist das Kind optimal versorgt?

Re: Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 10.12.2010, 12:49
von jusl
Die Qualität (sprich: Menge und Zusammensetzung) der Muttermilch ist in der Tat relativ unabhängig von der individuellen Ernährung der Mutter. Dies ist auch höchst sinnvoll, wenn man sich die sehr unterschiedlichen, traditionellen Ernährungsgewohnheiten rund um den Erdball anschaut. Anhand von Muttermilchproben kann man nicht sicher feststellen, ob es sich bei den Spenderinnen z.B. um Japanerinnen, Südafrikanerinnen, Inuit oder Deutsche handelt.

Einige Bestandteile der Muttermilch sind überhaupt nicht über die Ernährung beeinflussbar, andere schon (z.B. gehen die Spiegel während entsprechendem mütterlichen Mangelzustand runter und bei deren Behandlung wieder rauf), Makronährstoffe wie Eiweiß und Fett gar nicht, die Zusammensetzung(!) der Fette aber schon.

Denise Both hat einen guten Artikel dazu geschrieben, ich habe ihn unten angehängt.

LG;
Julia

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Gibt es zu dünne Muttermilch?

Welchen Einfluss hat die Ernährung der Mutter auf die Qualität der Muttermilch?

Von Denise Both, IBCLC


Wohl jede von uns hat schon einmal eine Mutter getroffen, die der Meinung war, dass ihre Milch zu dünn für ihr Baby sei (oder die Schwiegermutter, Tante, der Ehemann oder sonst wer war dieser Meinung). Nicht selten glaubt die Mutter deshalb abstillen oder zufüttern zu müssen oder hat es bereits getan.

Was ist nun dran an der „dünnen Muttermilch"? Gibt es wirklich Frauen, deren Milch nicht nahrhaft genug ist? Kann die Mutter den Kaloriengehalt oder die Zusammensetzung der ihrer Milch durch die Ernährung wesentlich beeinflussen?

Obwohl sich Frauen in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Kulturen sehr unterschiedlich ernähren gibt es so gut wie keine Unterschiede in der Zusammensetzung der Muttermilch. Es ist sehr schwierig bis unmöglich, die Milchzusammensetzung deutlich über die Ernährung zu beeinflussen. Dies mag ein Schachzug der Natur sein, um das Überleben des Babys zu sichern.

Ernährt sich eine Mutter nicht gut, so geht dies zunächst nicht zu Lasten der Qualität der Muttermilch, sondern zu Lasten der Mutter. Erst wenn die Reserven der Mutter erschöpft sind (zum Beispiel bei schwer unterernährten Frauen in Hungergebieten), kommt es zu Veränderungen der Muttermilch, die jedoch weniger die Qualität als die Quantität betreffen.

In wie weit lassen sich nun die einzelnen Bestandteile der Muttermilch tatsächlich beeinflussen?

Keinen Einfluss hat die Ernährung auf den Gehalt der Muttermilch an Eiweiß, Laktose, Wasser und Kalorien. Ebenso lässt sich die Fettmenge nicht beeinflussen, wohl aber die Zusammensetzung der Fette. Das Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren steht in deutlichem Zusammenhang zur Ernährung der Mutter.

Wenig Einfluss lässt sich auf den Gehalt der Muttermilch an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) nehmen. Zumindest durch eine kurzfristige Ernährungsumstellung lässt sich nichts bewirken. Bei unterernährten Frauen lässt sich durch die Gabe von fettlöslichen Vitaminen eine teilweise Steigerung des Gehaltes der Muttermilch feststellen.

Mit Ausnahme von Jod, Fluor und Mangan ist der Gehalt an Mineralstoffen in der Muttermilch nicht durch die Ernährung beeinflussbar. Dabei ist besonders wichtig zu wissen, dass sich der Eisengehalt der Muttermilch nicht steigern lässt.

Demgegenüber ist der Gehalt an wasserlöslichen Vitaminen (B, C) durchaus abhängig von der Ernährung der Mutter. Es kann jedoch nicht zu einer Überdosierung von diesen Vitaminen kommen, da ein eventueller Überschuss ausgeschieden wird.

Selbstverständlich ist eine gute und ausgewogene Ernährung der Mutter wünschenswert, aber aus dem oben gesagten lässt sich ableiten, dass es keine „zu dünne" Muttermilch gibt.

Dennoch gibt es einige wenige Ernährungsformen, die ein Risiko für die Qualität der Muttermilch darstellen. Die Milch von Müttern, die sich makrobiotisch oder streng vegan (ohne jegliche tierische Eiweiße) ernähren, kann einen Mangel an Vitamin B12, Vitamin D und Eisen aufweisen. Ein Mangel an B-Vitaminen ist ein Risiko für die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. Wollen Mütter, die diese Ernährungsformen für sich gewählt haben, auch in der Stillzeit streng auf jegliches tierisches Eiweiß verzichten, so muss überlegt werden, ob entweder die Mutter oder das Kind entsprechende Präparate einnehmen.



Hier ein paar Beispiele, in wie weit sich die Zusammensetzung der Muttermilch durch die Ernährung beeinflussen lässt oder eben nicht.
Eiweiß
Der Eiweißgehalt der Muttermilch wird nicht durch die Ernährung beeinflusst. Erstaunlicherweise ist er auch bei dauerhaft unterernährten Frauen hoch.
Fett
Der Fettgehalt der Muttermilch wird durch die Ernährung nicht beeinflusst. Die Zusammensetzung des Muttermilchfetts (Fettsäurenzusammensetzung und Verhältnis von ungesättigten zu gesättigten Fetten) lässt sich jedoch deutlich über die Ernährung der Frau beeinflussen.
Laktose
Der Laktosegehalt der Muttermilch kann nicht über die Ernährung beeinflusst werden.
Energie
Der Energiegehalt der Muttermilch bleibt unabhängig von der Ernährung. Selbst dauerhaft unterernährte Frauen bilden Muttermilch mit annähernd gleichem Energiegehalt.
Fettlösliche Vitamine lassen sich nur schwer beeinflussen, kurzfristige Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten scheinen keinen Einfluss zu haben.
Vitamin A
bei unterernährten Müttern bewirkt die Gabe von Vitamin A eine Erhöhung des Vitamin-A-Gehaltes der Mutter
Vitamin D
Gehalt in der Muttermilch nur gering beeinflussbar, um eine deutliche Erhöhung zu bewirken, müssten so hohe Dosen gegeben werden, dass es für die Frau schädlich ist.
Vitamin E
bislang nicht untersucht
Vitamin K
bei unterernährten Müttern Erhöhung des Gehaltes in der Muttermilch durch zusätzliche Gabe möglich, bei Müttern mit ausgewogenem Ernährungszustand nicht.
Wasserlösliche Vitamine (B, C) sind stark durch die Ernährung der Frau abhängig.
Mineralstoffe: Mit Ausnahme von Jod, Fluor und Mangan ist der Gehalt an Mineralstoffen in der Muttermilch nicht über die Ernährung beeinflussbar.

Eine stillende Mutter, die sich ausgewogen ernährt, braucht normalerweise keine zusätzlichen Vitamin- oder Mineralstoffpräparate. Bei nachgewiesenen Mangelzuständen, sollten diese allerdings gezielt behandelt werden.

Re: Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 10.12.2010, 17:42
von boebsimama
Super! Vielen Dank! :daumenhoch:

Re: Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 13.12.2010, 19:04
von tonia1976
Ich bin überzeugt, dass die Qualität der Milch direkt von der Ernährung der Mutter abhängt. Und da ist die Natur auch manchmal grausam. Ich kenne einige Berichte von den Müttern, die sich vegan-roh ernährt haben und der B-12 Mangel hat als erstes das Kind erwischt und nicht die Mutter.

Bei den Kühen ist es ja auch bekannt, wenn sie grünes Gras fressen haben sie mehr wertvollen Omega 3, als die Kühe, die Getreide-Kraft-Futter bekommen.

Es lohnt sich schon etwas gesünder zu ernähren, da das Kind durch die Milch direkt das bekommt, was die Mutter isst ( Industriezucker). Es ist also vom Vorteil, wenn die Mutter sich auch mit dem grünen Frischfutter versogrt :-)

Re: Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 13.12.2010, 23:33
von jusl
Es stimmt, dass die Zusammensetzung der Fette (aber nicht die MENGE der Fette, also der Fettgehalt) von der Ernährung abhängt. Und frische Lebensmittel sind sowieso immer gut ;-). Aber Industriezucker kriegt das Baby nicht ab, auch wenn die Mutter viel Süßes isst - die milchbildenden Zellen bilden immer MILCHZUCKER, keine anderen Zuckerarten.

LG;
Julia

Re: Qualität der MuMi ernährungsbedingt?

Verfasst: 13.12.2010, 23:38
von Mamma Ju
Es gab mal an meiner Uni (IHI Zittau) eine Untersuchung von Muttermilch im Vergleich zur Nahrung der Mutter. Hier wurde (wenn ich mich recht entsinne :roll: ) vorallem untersucht wie welche (Schad) Stoffe aus der Nahrung in der MM wieder auftauchen. Ich weiß allerdings garnicht ob es dazu auch eine Veröffendlichung gab....

Wenn es euch interessiert könnte ich dazu mal Näheres in Erfahrung bringen. :)