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wird meine milch weniger?

Verfasst: 24.10.2010, 23:29
von babette413
Ich habe Anna sechs Monate voll gestillt, vor drei Wochen den Mittagsbrei eingeführt. Schon zuvor hatte ich hin und wieder das GEfühl meine Milch könnte nicht reichen da sie sehr oft Hunger hatter. Ich habe dann "einfach" mehr Milchbildungstee getrunken, dann ging es wieder. Bei der U5 vor zwei Wochen meinte dann der Kinderarzt sie wäre etwas zu leicht und meine Milch würde wohl nicht mehr ausreichen.
Dazu kommt dass seit etwa 6 Wochen der Milchflußreflex (äh, mir will grad nicht einfallen wie das genau heißt) hinkt. Heißt sie muss zwei bis drei Minuten saugen bis Milch kommt. Die Milch kommt dann zwar, aber ich habe zunehmend den Eindruck dass sie bald täglich weniger sättigt.

Ich stille so gerne, habe -gemeinsam mit meiner super Hebamme- alle Hürden erfolgreich bekämpft und trotz aller Anfangsschwierigkeiten eine super Stillbeziehung zu meinem Baby aufgebaut. Und noch immer genieße ich diese Momente. Aber ich habe angefangen, ihr am Abend ein Fläschchen zu geben weil ich den Eindruck nicht los wurde dass sie nicht satt wird. Und prompt schlief sie wieder länger.
Ich bin zwar nicht undankbar wenn ich nun abends flexibler bin, aber ich möchte das Stillen noch nicht ganz aufgeben. Andererseits hänge ich auch wieder nicht so am Stillen dass ich unbedingt unter allen Umständen weiter stillen muss. Ich sage mir, wenn mein Körper halt nicht mehr mag und Anna das Fläschchen so problemlos annimmt, dann soll es wohl so sein.

Wie sind denn hier die Erfahrungen? Gibt es so was, dass der Körper der Mutter nicht mehr stillen mag??? Ich dachte immer das Ende des Stillens käme, wenn dann, vom Kind.

Re: wird meine milch weniger?

Verfasst: 25.10.2010, 09:24
von jusl
Hallo,

klasse, dass Ihr eine schöne Stillzeit aufbauen konntet!
Ich geh mal der Reihe nach:
Schon zuvor hatte ich hin und wieder das GEfühl meine Milch könnte nicht reichen da sie sehr oft Hunger hatter.
Wie oft stillt Ihr denn so in 24 Stunden ungefähr?
Bei der U5 vor zwei Wochen meinte dann der Kinderarzt sie wäre etwas zu leicht und meine Milch würde wohl nicht mehr ausreichen.
SO ist dieser Zusammenhang nicht ganz richtig. Bräuchte Dein Kind mehr Kalorien, könnte es ja einfach länger oder öfter (oder beides) stillen, oder mehr feste Nahrung essen. "Etwas zu leicht" - für was? Oder im Vergleich wozu? Zu anderen Babys, zu ihrem bisherigen Gewichtsverlauf,...? Abgesehen davon: Viele Babys nehmen mit fester Nahrung WENIGER Kalorien auf, FALLS sie ANSTATT Stillen angeboten wird, als wie wenn sie vollgestillt würden. 100g gekochte Möhrchen haben etwa 20kcal, 100g Muttermilch etwa 70. Wird statt mittags Stillen pures Gemüse angeboten, kommt das einer Diät gleich - deshalb sind zwei Dinge sinnvoll: 1. Nicht anstatt, sonder ZUSÄTZLICH zum Stillen Beikost anbieten, und 2. jeglichen Babybrei je nach Menge mit 1-2 Teelöffeln Fett anreichern.
Die Interpretation von Gewichtsdaten ist eine Kunst für sich - vielleicht magst Du sämtliche Gewichtsdaten mal hier posten, so dass wir gemeinsam drüberschauen können?
Gibt es so was, dass der Körper der Mutter nicht mehr stillen mag???
Nein, aber es gibt es, dass die Mutter nicht mehr stillen mag ;-)
Du hast ja mehrere Möglichkeiten:
1. Du kannst weiterhin stillen, ohne künstliche Milch, und zusätzlich weiterhin feste Nahrung anbieten. Das ist der Normalfall und für Babys über 6 Monate die von der Natur vorgesehene, seit Urzeiten erprobte und nicht verbesserungsfähige Ernährung.
2. Du kannst weiterhin stillen, feste Nahrung anbieten und außerdem noch Flaschennahrung. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass Du damit bislang zufrieden scheinst (findest das Schlafverhalten Deiner Tochter besser und empfindest den Abend damit als "flexibler"), aber auch die Nachteile einer weniger guten Ernährung, Unsicherheiten Deinerseits bzgl. Qualität und Menge Deiner Milch, und Deine Milchmenge wird auf Grund der verringerten Nachfrage entsprechend dieser Menge auf jeden Fall abnehmen. Außerdem besteht das Risiko, dass Deine Tochter sich an den künstlichen Sauger gewöhnt und die Brust irgendwann ablehnt (das Gegenteil - Ablehnung der Flasche irgendwann - ist natürlich ebenso möglich).
3. Du kannst ganz auf Flaschennahrung und Beikost umsteigen. Du schriebst aber, dass Du eigentlich gern stillst, von daher siehst Du für diese Möglichkeit wahrscheinlich wenig Grund.

Vielleicht magst Du genauer beschreiben, woran Du merkst, dass Deine Tochter "nicht satt" wird?

Liebe Grüße,
Julia

Re: wird meine milch weniger?

Verfasst: 25.10.2010, 09:51
von babette413
Erstmal herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort!

Also heute hab ich Anna ca. halb fünf, halb sieben und grade eben (halb zehn) gestillt. Und es schien auch ordentlich was zu kommen. Aber ich meine dass zwei oder drei Stunden zwischen den Mahlzeiten nicht grade lange sind. Gestern abend hab ich sie um halb fünf angelegt. Da brauchte es schon sehr, sehr lange bis überhaupt Milch kam und dann war sie nicht satt. Obwohl ich zu dieser Zeit eigentlich täglich stille. Wir haben dann ein Fläschchen gemacht und sie hat 140 ml verdrückt um dann kurz vorm Zubettgehn nochmal 140 ml zu trinken. Also ich meine schon daran zu erkennen dass sie wohl noch Hunger hatte. Sie war auch nach dem Anlegen nur sehr kurz zufrieden.
Heute bzw. jetzt geht es einigermaßen, habe aber auch schon wieder Milchbildungstee intus.

Sie wog bei der U5 (da war sie 6 Monate und 10 Tage alt) 6.940 Gramm bei 67 cm. Sie ist kein Fliegengewicht und sieht auch nicht aus als wäre sie kurz vorm Verhungern und sie ist supergtu drauf. Ein wahrer Sonnenschein. Aber ich hab selbst gemerkt dass sie seit etwa August nicht mehr zugenommen hat, da hatte ich mich nämlich mal mit ihr auf die Waage gestellt und 7.000 Gramm gewogen.... Da ich aber kein Freund des ständigen Wiegen und Messens bin, hab ich das nicht wieder gemacht. Aber da wir sehr viele Tage hatten an denen Anna alle zwei Stunden Hunger hatte, hatte ich schon oft das Gefühl dass das mit meiner Milch nicht mehr so der Hit ist. Andererseits schlief Anna da auch schon durch - von etwa sieben Abends bis fünf oder sechs morgens - sodass meine Hebamme meinte es sei völlig normal dass sie nach solchen Nächten ausgehungert sei.

Nun gut. Du sagst ja richtig, ich bin nicht total unglücklich. Wir hatten ja tolle 6 Monate. Mich verwundert aber die Situation - besonders das mit dem Milchflußreflex und ein bisserl ärgerlich bin ich auch auf meinen Körper der da scheinbar den Hahn abdreht - ohne dass Anna den Anstoß dafür gäbe. Gut, mittags trinkt sie nicht mehr aus der Brust - sie frisst sich aber auch förmlich satt mit Kürbis/Kartoffel/Fleisch (incl. Öl) .

In Summe hätte ich gerne gehabt dass ich weiterhin nachts und morgens stillen kann. Zumal ich das von anderen so gehört habe. Na ja und das scheint ja auch (noch) zu funktionieren - zumindest wenn ich mit Tee nachhelfe. Da mich aber die Situation verwundert/überrascht, wollte ich mal bei Euch Profis nachfragen.

Re: wird meine milch weniger?

Verfasst: 25.10.2010, 10:20
von jusl
Da ich aber kein Freund des ständigen Wiegen und Messens bin, hab ich das nicht wieder gemacht.
Das versteh ich sehr gut ;-). Zumal es bei Euch ja keine med. Indikation für irgendwelche Gewichtskontrollen zu geben scheint.
Zu den Gewichtsangaben kann ich so leider gar nichts sagen - Personenwaage ist viiiiel zu ungenau ;-), und es ist auch die Angabe ALLER Daten notwendig (also nicht nur einer), um zu schauen, ob es da irgendwelche Auffälligkeiten gibt. Aber DAS kann ich sagen:
Zwei Dinge sind normal: 1. Gewichtszunahme findet meist in Schüben statt. Insbesondere bei Baby die schon mehrere Monate alt sind, ist wochenlanger Stillstand völlig normal (und danach gibt's wieder einen Schub). Dies gilt übrigens genauso fürs Längenwachstum. 2. Bei Stillbabys, die in den ersten Monaten sehr viel zugelegt haben, fällt dieser Stillstand meist noch deutlicher aus. Meine zweite Tochter nahm zwischen 6 und 12(!) Monaten gerade mal 800 g (!) zu. Sie war aber mit 6 Monaten auch ziiiemlich dick (vollgestillt). ;-) Mit 12 Monaten war sie immernoch groß und kräftig, aber nicht mehr ganz so dick ;-)
Wir haben dann ein Fläschchen gemacht und sie hat 140 ml verdrückt um dann kurz vorm Zubettgehn nochmal 140 ml zu trinken.
280 ml tägliche Zufüttermenge ist schon ganz schön viel... d.h. Deine Milch ist schon ganz schön zurückgegangen, und es ist gut möglich, dass dies hier:
Sie war auch nach dem Anlegen nur sehr kurz zufrieden.
genau daran liegt. Sie ist ja eigentlich reichliches Sprudeln gewöhnt, sozusagen. Da Du jetzt deutlich weniger stillst, geht Deine Milch deutlich zurück; vielleicht mag sie das nicht so.
Aber da wir sehr viele Tage hatten an denen Anna alle zwei Stunden Hunger hatte, hatte ich schon oft das Gefühl dass das mit meiner Milch nicht mehr so der Hit ist.
Vielleicht ist folgende Information für Dich hilfreich: Das statistische Durchschnitts-Baby trinkt in 24 Stunden 8-12 Mal. Es gibt einige Babys, die kommen auch mit nur 6 oder 7 Mahlzeiten aus, und einige Babys trinken auch noch öfter als 12 Mal, aber die allermeisten Kinder liegen bei mind. 8-12 Mahlzeiten. Wenn Deine Tochter sogar mehrere Stunden am Stück schläft (das tun längst nicht alle Babys in dem Alter!), dann ist VOLLKOMMEN KLAR, dass sie tagsüber spätestens(!) alle 2 Stunden trinken mag. Wie sollte sie sonst auf mind. 8 Mahlzeiten kommen, rein rechnerisch? ;-)
Andererseits schlief Anna da auch schon durch - von etwa sieben Abends bis fünf oder sechs morgens
Das ist extrem lang. Eigentlich gibt es nur zwei Sorten Babys (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen):
Die eine Gruppe schläft mit etwa 3 oder 4 Monaten erstaunlich lange am Stück (vielleicht so 5-7 Stunden oder sogar noch länger), die Eltern klopfen sich auf die Schulter und sind hochzufrieden mit dieser "Tendenz". Dann werden die Kinder 6-7 Monate alt und schlafen VIIIIEL "SCHLECHTER" als mit einem Vierteljahr! Wachen ständig auf, wollen nachts oft stillen. Dies bleibt dann viele Monate so. Dieses Verhalten ist derart verbreitet, dass es als nichts weiter als normal bezeichnet werden muss.
Die andere Gruppe schläft NIE lang am Stück, weder mit einem Vierteljahr noch sonst irgendwann. ;-)

Im ersten Lebensjahr schlafen Babys normalerweise nicht durch (und ganz ehrlich: danach auch nicht ;-)). Sie brauchen nächtliche Betreuung, die Nähe der Eltern, Beruhigung und häufige Mahlzeiten - so gedeihen sie am besten und fühlen sich am wohlsten.
Mich verwundert aber die Situation - besonders das mit dem Milchflußreflex und ein bisserl ärgerlich bin ich auch auf meinen Körper der da scheinbar den Hahn abdreht
Wie gesagt: Die naheliegendste Ursache dafür ist, dass Du seltener stillst, auf Grund der zugefütterten Flaschenmilch und der durch Festes ersetzten Stillmahlzeiten. Wenn Du diesen Prozess gerne umkehren möchtest: kein Problem, das kannst Du auf jeden Fall machen. Günstig wäre es in diesem Fall, wieder bewusst häufiger zu stillen und die Flaschenmilch wieder zu reduzieren und schlussendlich ganz wegzulassen. Dann dürfte der Spuk mit den Milchspendereflex-Problemen und Unzufriedenheit an der Brust recht schnell wieder vorbei sein.

LG,
Julia

Re: wird meine milch weniger?

Verfasst: 26.10.2010, 12:46
von babette413
Danke nochmal für Deine ausführliche Antwort. Ich hatte gestern schon mal geschrieben, dann war aber der Beitrag irgendwie nicht angekommen :-(

Jedenfalls ist es ja nicht so dass die Milch weniger wurde seit ich die Flasche gebe oder der Milchspendereflex nachgelassen hat nachdem ich mit Beikost begonnen habe. Es ist genau umgekehrt - ich hab das Fläschchen gegeben weil ich sie nicht mehr zufrieden bekommen hab am Abend. Und auch die Beikost hab ich letztlich unter innerlichem Stress eingeführt weil ich das immer stärker werdende Gefühl hatte dass sie nicht satt wird. Der Milchspendereflex macht seit ca. 6 Wochen Probleme - Beikost gebe ich noch keine 4 Wochen.

Dass Babies auch in Schüben schwerer werden (können) war mir neu. Allerdings widerlegt das nicht meinen Verdacht dass meine kleine schon lange hätte schwerer werden wollen (daher die so vielen Tage an denen sie alle zwei Stunden "kam") - ich hab halt nicht mehr hergegeben. Das alles ist ja kein wirkliches Drama denn Anna ist ja wirklich ein tolles gesundes Baby und ganz sicherlich nicht ausgehungert. Ich hätte aber vermutlich auch keinen großen Fehler gemacht wenn ich ihrer Gier auf Essen (z.B. beim Familien-Abendessen) mehr Beachtung geschenkt und die Beikost früher eingeführt hätte.