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Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 09:19
von nettie
Mein Sohn ist nun bald 11 Monate alt und wird noch immer viel gestillt, da er nur zu jeder Mahlzeit ein paar Löffelchen Brei probieren mag. Für mich ist das (inzwischen) auch ok, er kann sich gern langsam an das Essen gewöhnen.
Obwohl er immer etwas anhänglich bei mir war, ist es inzwischen so schlimm geworden, dass er nun immer zu mir will, sobald wir zusammen in einem Raum sind. Wenn Bekannte und Verwandte, die wir nicht täglich sehen, ihn auf dem Arm haben, ist er wohl noch etwas von ihnen abgelenkt, aber beim Papa ist es am schlimmsten. Ich kann nicht den Raum verlassen, dann fängt er an zu weinen, krabbelt hinterher, sucht mich und beruhigt sich meist auch erst nach ca. 15 min.
Dass ich keine großen Unternehmungen machen kann, finde ich gar nicht schlimm, aber duschen, kochen usw. sollte ja irgendwie zu schaffen sein. Mein Freund arbeitet von zu Hause aus, ist aber die meiste Zeit in seinem Büro. Gerade wenn er dann Zeit hätte, etwas mit dem Kleinen zu spielen, will der nicht, jedenfalls nicht, solange ich mit im Raum bin.
Nachts wird J. immer zum Einschlafen gestillt und wacht auch nachts immer mal auf, auch dann kann nur ich ihn beruhigen, meist mit stillen.
Meine Mutter sagt immer, das liegt daran, dass ich noch stille, aber da es immer mehr und häufiger wird, bin ich mir gar nicht so sicher. Kennt ihr das? Wie soll ich damit umgehen? Gehe ich lieber wieder ins Zimmer und beruhige ihn oder sollten wir versuchen, ihn langsam an die Zeit mit dem Papa zu gewöhnen?
Manchmal habe ich Angst, dass der Kleine keine so starke Bindung zu seinem Papa aufbaut, obwohl der sich wirklich bemüht mit schmusen, spielen, usw.
Abstillen kommt für mich noch nicht in Frage, über alle anderen Tipps freue ich mich sehr!

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 09:23
von EUfqtw
Ich glaube nicht, dass es am Stillen liegt. Denn bei meinem Sohn war es genau so, nur dass der Papa hier die Nr.1 für ihn war (und auch noch immer ist). Machen konnten wir da irgendwie nicht viel, wir haben es einfach durchgestanden :| Aber das Gefühl, so abgelehnt zu werden, ist ganz, ganz furchtbar.

Wie ist es denn, wenn du nicht im Raum bist?

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 09:39
von lysa
Ich glaube nicht, dass das am Stillen liegt! Meine Große wurde 3,5 Jahre lang gestillt - und war trotzdem ganz früh schon ein Papakind.
Vielleicht solltest Du wirklich mal rausgehen, evtl. nicht nur aus dem Zimmer, sondern der Wohnung, damit keine "Mama-Vibrations" mehr da sind, und die beiden mal machenlassen? Wenn's nicht klappt, kannst Du ja per Handy zurückgeholt werden.

LG
lysa

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 12:46
von vicci
Mensch Du arme! Da ist man leicht verunsichert, nicht?
Bei uns läuft das phasenweise genauso. Jeder, der meine Lara kennt, wird Dir versichern, dass sie ien sehr anhängliches Kind ist! Und doch: ab und an stiehlt sie sich davon, krabbelt an die Treppe, die runter zu Papas Büro führt und ruft "Baba babababa". Da hilft es wenig, wenn Mama kommt, dann muß es der Baba sein.
Wir haben das so geschafft und ich weiß nicht, ob es immer hilft, glaube aber ganz ganz fest daran, dass man Kindern die ersten Jahre unbedingt die Nähe geben sollte, die sie instinktiv verlangen: Ich habe Lara eine Zeit lang bedingungslos ÜBERALL hin mitgenommen. Zum Zahnarzt, Frauenarzt, zum Klo, unter die Dusche, zum kochen und und und. Noch heute sitzt sie beim Staubsaugen teilweise noch im Ergo auf meinem Rücken, ebenso beim Wäsche waschen. Und es ist besser geworden, sie weiß, wenn sie Mama braucht, dann kann sie sich auf mich verlassen. Papa war immer greifbar, hat mit ihr gespielt, ihr die Windeln gewechselt oder Zähne geputzt. Wenn sie aber Mama wollte, mußte sie nicht bei ihm bleiben.
Ich glaube, das ist eine Frage der inneren Einstellung: Je mehr Distanz man sich wünscht, je mehr "Freiheit" man sucht, desto anhänglicher werden die Mäuse. Hadere nicht, nimm Dein Kind einfach immer mit. Versuch "locker" zu lassen, dann kann Dein Kind das auch.
Und noch eines habe ich gelernt: Es gibt solche und solche Kinder. Meines ist anhänglich. Ich versuche sie zu nehmen, wie sie mir geschenkt wurde.
Dein Kind ist völlig normal!
LG
PS. Ich war genauso - mit der Flasche vom ersten Tag an....

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 14:10
von EhMiws
vicci hat geschrieben:Mensch Du arme! Da ist man leicht verunsichert, nicht?
Bei uns läuft das phasenweise genauso. Jeder, der meine Lara kennt, wird Dir versichern, dass sie ien sehr anhängliches Kind ist! Und doch: ab und an stiehlt sie sich davon, krabbelt an die Treppe, die runter zu Papas Büro führt und ruft "Baba babababa". Da hilft es wenig, wenn Mama kommt, dann muß es der Baba sein.
Wir haben das so geschafft und ich weiß nicht, ob es immer hilft, glaube aber ganz ganz fest daran, dass man Kindern die ersten Jahre unbedingt die Nähe geben sollte, die sie instinktiv verlangen: Ich habe Lara eine Zeit lang bedingungslos ÜBERALL hin mitgenommen. Zum Zahnarzt, Frauenarzt, zum Klo, unter die Dusche, zum kochen und und und. Noch heute sitzt sie beim Staubsaugen teilweise noch im Ergo auf meinem Rücken, ebenso beim Wäsche waschen. Und es ist besser geworden, sie weiß, wenn sie Mama braucht, dann kann sie sich auf mich verlassen. Papa war immer greifbar, hat mit ihr gespielt, ihr die Windeln gewechselt oder Zähne geputzt. Wenn sie aber Mama wollte, mußte sie nicht bei ihm bleiben.
Ich glaube, das ist eine Frage der inneren Einstellung: Je mehr Distanz man sich wünscht, je mehr "Freiheit" man sucht, desto anhänglicher werden die Mäuse. Hadere nicht, nimm Dein Kind einfach immer mit. Versuch "locker" zu lassen, dann kann Dein Kind das auch.
Und noch eines habe ich gelernt: Es gibt solche und solche Kinder. Meines ist anhänglich. Ich versuche sie zu nehmen, wie sie mir geschenkt wurde.
Dein Kind ist völlig normal!
LG
PS. Ich war genauso - mit der Flasche vom ersten Tag an....
Hallo Du!

Das hast du wirklich schön geschrieben- und ich denke und fühle genau SO!

LG
FRA

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 15:29
von Lösche Benutzer 6191
nettie du schreibst von uns, oder?
bei uns ist es wirklich genau gleich und es wird auch immer schlimmer. manchmal, wenn ich außerhalb des raumes bin ist arnau auch mit papa zufrieden, weil er mit spielen abgelenkt war, als ich ging oder so...und wenn er dann merkt, dass ich wieder rein komme, gibts voll das geschrei im sinne von - du wars ja weg! UND HAST MICH GAAAAAANZ ALLEINE GELASSEN :roll:
ich schätze und hoffe dass es eine phase ist und besser wird und solange das mit stillen zu regeln ist, ist es ja auch noch ok...naja und wenn ich halt aufs klo gehe - dann lass ich die tür offen und er kommt in die richtung und beim kochen setz ich ihn gaaaanz weit weg ins kinderzimmer oder so und renn schnell zurück, wenn ich was machen muss was spritzt , damit es erledigt ist, bis er wieder bei mir ist :roll:

aber das krasse ist vor allem, dass er aufwacht, wenn ich nicht verfügbar bin. z.b.: er schläft abends tief und fest, ich denke, das ist meine gelegenheit zu duschen und in naja, 70% der fälle höre ich geschrei, wenn ich das wasser abdrehe...obwohl er dann bei papa ist
- das ist wirklich ne seltsame sache

mein mann ist aber zum glück nicht so gefühlsmäßig, so dass es ihn nicht so sehr stört, dass die kinder lieber zu mir wollen
wenns andersrum wäre, würde ich vermutlich depressiv werden

auf jeden fall nettie - du bist nicht alleine, aber eine patentlösung kann ich dir nciht anbieten - wenn einer eine hat, dann nehm ich sie aber auch gerne :oops:

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 15:35
von maionn
ohhh genauso ist das bei mir auch!! aber ich versuche jrtzt die situation einfach anzunehmen. die minnis sind soooo schnell groß und wir werden uns nach diesen momenten sehnen.
nervig nur wenn andere personen ihren kommentar dazu abge en und einfach nichtverstehen dass die mama einfach noch total gebraucht wird! das hat nix mit verwöhnen zutun.... :)

liebe grüße

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 22:18
von anoukh
dieses verhalten kenne ich auch sehr gut...

zum einen von meinem kleinen bruder (um die 10 monate), der sehr auf meine mutter fixiert ist.
besonders wenn seine mama im raum ist faellt ihm ein, dass er doch gerne bei ihr waere :lol:
denn mitunter ist er auch zufrieden in anderen armen wenn mama nicht im raum ist - das zumeist aber mit ablenkung.

meine kleine tochter (5 monate) gibt mich momentan nicht mal fuenf minuten her - sobald ich ihrem sichtfeld entschwinde, weint sie bitterlich.
in dieser extremen form zwar noch nicht, wohl aber etwas abgeschwaecht kenne ich das von ihr von frueher.

insgesamt habe ich nicht den eindruck dass das stillen wirklich ausschlaggebend ist.
sicherlich ist es ein faktor, der zu einer engeren bindung zwischen mama und baby beitraegt - nicht nur liebevolle gefuehle, freundschaft, trost, waerme bedeutet die muetterliche brust - nein, sie ist auch ueberlebensnotwendig.
und gerade wenn die babys mit viel freude und neugierde in die welt hinauswollen, neues entdecken, neues erlernen und ausprobieren - gerade dann wollen sie meinem empfinden und erfahrung nach immer mal wieder zu ihrem sicheren hafen, der mama zurueckkehren. bzw. ihren sicheren hafen staendig in ihrer naehe wissen. schließlich ist das neue ja noch so aufregend und vielleicht auch gefaehrlich??

auch wenn es in der tat oft anstrengend ist, so kann ich zumindest einiges verstehen und so auch annehmen.
alles liebe,
anoukh

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 22:33
von nwsurgeon
Hallo Mädels,
Vicci das hast Du wikrlich schön geschrieben.
Im Buch "Oje, ich wachse" wird jedes Kapitel über einen Entwicklungssprung mit dem Unterkapitel "Zurück zu Mama" eingeleitet. Die Kleinen brauchen diese Rückversicherung, bevor sie etwas neues wagen.
Mit Stillen und Tragen geben wir ihnen ein festes Vertrauensfundament, auf dem sie zu starken und freien Persönlichkeiten, mit der Fähigkeit Bindungen einzugehen, heranwachsen können.
Alles Liebe

Re: Stillen und Anhänglichkeit

Verfasst: 13.08.2010, 23:00
von Tigerlein
Also mein Sohn war auch sehr, sehr anhänglich. Er ist zu niemand anderem gegangen, nichtmal zu den Omas oder einer Freundin, die wir wirklich 2-3 Mal die Woche gesehen haben, er hatte wenn Besuch da war oder wir unterwegs waren irgendwie Körperkontakt, und wenn er mich nur mit einer Hand festgehalten hat. Alle Welt hat auch immer das Stillen dafür verantwortlich gemacht. Ich denke schon, dass es ein klein wenig dazu beigetragen hat, aber es kommt einfach auf den Charakter des Kindes an. Mein Sohn ist noch immer eher schüchtern in neuen Situationen und beobachtet lieber. Wir haben ihm immer die Nähe gegeben, die er gebraucht hat und er fing irgendwann ganz alleine an sich abzunabeln. Erst hat er mich losgelassen und hat angefangen die Welt zu erkunden, sein Radius wurde Stück für Stück größer. Dann hat er beschlossen er bleibt mal ganz allein bei seiner Freundin zum Spielen, dann ist er bei der Oma geblieben, so ging es Stück für Stück voran. Und als ich 3 Tage ins Krankenhaus mußte, hat er sogar entschieden, dass er mit der Oma nach Hause fährt und hat sich von ihr ins Bett bringen lassen, obwohl er auch bei mir hätte bleiben können.

Ich kenne aber genauso ein Stillkind, das sich von jedem kommentarlos betreuen ließ. Wie gesagt, es kommt da auch ganz stark auf den Charakter des Kindes an.