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Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 13:56
von Lösche Benutzer 5914
Hallo,
ich weiß gar nicht, ob das Thema hierher gehört oder eher ins Beikost-Forum, aber ich denke eher hierher, weil sich meine Frage eher auf das Stillen bezieht.
Also: seit einiger Zeit gibt es bei uns Mittags Beikost, allerdings immer zu einer bestimmten Zeit, weil ich es schön finde, wenn wir als Familie zusammen am Tisch sitzen. Jetzt wo die Maus auch etwas isst, soll sie mit dabei sein.
Allerdings habe ich immer nach Bedarf gestillt und das kollidiert manchmal etwas mit unserem Mittagessen. Wenn meine Tochter 2 Stunden vor dem Breikost-Mittagessen gestillt hat, dann isst sie mit recht großem Appetit mittlerweile. Aber es kommt auch vor, dass sie etwa 1 Stunde vor dem Mittag die Brust will und wenn sie dann schon mal Mumi hatte, isst sie natürlich nicht mehr so viel Brei!
Bisher habe ich einfach nach Bedarf gestillt und mir das egal sein lassen. Sie will manchmal so deutlich an die Brust, sitzt mit weit aufgerissenem Mund auf meinem Schoß und "haut" mir auf die Brust :lol: - aber sie versteht ja nicht, wenn ich sage "Du jetzt nicht, in 1 Stunde gibt es Mittag". - Aber auf diese Weise ist es immer tagesabhängig, wieviel sie Mittags isst.
Sollte ich dennoch weiter nach Bedarf stillen oder ab einer gewissen Zeit vor dem Mittag ein Still-Stopp einführen sie einfach versuchen abzulenken :?:
Das käme mir irgendwie komisch vor, weil ich das noch nie so gemacht habe... :?

Was meint ihr? Wie macht ihr das?

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 14:07
von jusl
Aber auf diese Weise ist es immer tagesabhängig, wieviel sie Mittags isst.
:mrgreen: Also, ich selbst bin seit rund 30 Jahren abgestillt, aber dennoch ist es höchst tagesabhängig, wieviel ich mittags esse ;-)

Du brauchst Dir überhaupt keine Sorgen bzgl Beikostmenge, Stillhäufigkeit, Stillpausen oder Ablenkversuchen zu machen. Es hat keinerlei Nachteile, einfach nach Bedarf weiterzustillen, und mittags (oder auch sonst am Tage) isst Dein Kind einfach so viel Festes, wie es eben essen mag. Muttermilch ist auch nach der Vollstillzeit ein höchst wertvolles Lebensmittel, was einen Großteil des Nährstoffbedarfs eines kleinen Kindes deckt. Es ist daher überhaupt nicht nötig, das Stillen hinauszuzögern, damit ein kleines Kind mehr Festes isst.

LG,
Julia

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 14:10
von Lösche Benutzer 1828
jusl hat geschrieben:
Aber auf diese Weise ist es immer tagesabhängig, wieviel sie Mittags isst.
:mrgreen: Also, ich selbst bin seit rund 30 Jahren abgestillt, aber dennoch ist es höchst tagesabhängig, wieviel ich mittags esse ;-)
:mrgreen:

Ich würde sie natürlich einfach weiterstillen, wenn sie das mag. Und ihr Essen anbieten, wenn sie das mag.

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 14:25
von Lösche Benutzer 5914
Stimmt natürlich, ich hatte heute Mittag auch irgendwie keinen Hunger - wohl zu warm :wink:
Hintergrund meiner Frage: eine befreundete Mama füttert ihrer Kleinen (gleiches Alter wie meine Tochter) jetzt auch schon einem Abendbrei und sie wollte wissen, ob ich nicht auch langsam mal damit anfangen will oder ob sich die Mittagsmahlzeit bei uns noch nicht etabliert habe. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es mit dem Brei nicht so eilig habe, habe ich mich dann gefragt, ab wann eine Mahlzeit denn als "etabliert" gilt und mich gefragt, ob ich etwas ändern müsste.
Naja, beim 1. Kind macht man sich halt so viele Gedanken. Ist vermutlich auch schiet-egal, wann dann die nächste Mahlzeit festes Essen dazu kommt, solange die Milch noch schmeckt. :mrgreen:

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 14:45
von jusl
Da liegst Du richtig - zumal ja das klassische Mahlzeitenkonzept, das wir wohl alle noch im Ohr haben ("Starten Sie mittags mit Möhrchen, bis Sie die Stillmahlzeit innerhalb einer Woche ersetzt haben, dann kommt abends ein Milchgetreidebrei und einen Monat später der nachmittägliche Obstbrei!"), mittlerweile als überholt gilt.

Es ist nicht notwendig....

* ... darauf hin zu arbeiten, eine Stillmahlzeit zu ersetzen,
* ... darauf hin zu arbeiten, irgendwelche Mengen zu steigern oder zu begrenzen,
* ... zu Beginn mit Beikost nur EINMAL TÄGLICH etwas anzubieten - sondern dies kann selbstverständlich auch von Anfang an öfter sein!,
* ... auf die Erfüllung irgendwelcher Kriterien zu warten, bis man die nächste Mahlzeit zu irgendeiner bestimmten Uhrzeit anbieten darf.

Es ist viel mehr so, dass

* ... Stillbabys auch nach dem Beikoststart nach Bedarf gestillt werden sollten,
* ... beikostreife Kinder beinahe frei aus einem gesunden und abwechslungsreichen Angebot vom Familientisch auswählen dürfen,
* ... beikostreife Kinder ihre Essensmengen frei selbst bestimmen dürfen,
* ... beikostreife Kinder sehr flexibel sind bzgl. der Essenshäufigkeit. Manchmal mögen sie 2 Tage lang gar nix essen, dann wieder 8 mal Tag. Beides ist normal.


Du siehst, in einem modernen Verständnis für Babyernährung geht es weniger darum, nach irgendwelchen Plänen (die sich ja auch immer willkürlich ändern, je nach dem wen man fragt ;-)) ein Baby "zu füttern", sondern darum, einem Baby, (welches körperlich bereit ist, neben Milch auch Festes zu verdauuen) zu ermöglichen, in seinem eigenen Tempo und nach seinen eigenen Ernährungsbedürfnissen gesundes Essen kennenzulernen. Der Grundgedanke dahinter ist, dass kleine Kinder unter der Voraussetzung, dass sie Zugang zu geeignetem(!) Essen haben, sich INSTINKTIV entsprechend ihrer Bedürfnisse SELBST ernähren. Genauso wie das jedes Eichhörnchen, jede Ameise und jede Schnecke kann ;-)

LG;
Julia

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 15:21
von Julinka
Also, ich habe das kleine J einfach weiter nach Bedarf gestillt und die feste Nahrung zusätzlich angeboten.

Ich habe ich habe ihn ja vorher auch nach Bedarf gestillt, deshalb wollte ich ihn dann mit der festen Nahrung auch nicht plötzlich zeitlich binden.
Ähnlich ist es mit der Essensmenge. Vorher macht man sich ja auch keine Gedanken, wieviel ml die Babys trinken beim Stillen, bzw. man kan es ja gar nicht so richtig messen. Warum also bei der festen Nahrung mit der Kontrolle der Menge beginnen?

LG

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 25.06.2010, 23:56
von Montana
Jusl hat im Prinzip schon alles gesagt - danke für den guten Beitrag!

Ich stille ebenfalls noch häufig, mal mehr mal weniger, mal trinkt sie viel Wasser zusätzlich, mal isst sie mehr, mal weniger. Und wenn ich grad gestillt habe, warte ich halt noch etwas länger mit dem Essen (wobei meine ohnehin fsat stündlich eine Kleinigkeite essen oder stillen könnte). Bei zu großem Hunger ist es ohnehin eher so, dass sie dann erst recht nichts essen möchte, sondern nur an die Brust will. Und unsere Essenszeiten sind ohnehin sehr unterschiedlich (abhängig vom AUfstehen, von den Tagschläfchen, vom Tagesprogramm...). Ich versuche halt abzuschätzen, wann sie was essen könnte und wann ich für den kleinen Hunger stille. Oft hat sie auch lediglich Durst, da stille ich nicht mehr, sondern biete ihr Wasser an.

Vergiss auch nicht, dass es in der Beikost nicht um eine möglichst große Nahrungsaufnahme geht, sondern um NahrungsERFAHRUNG: wie schmeckt was, wie fühlt es sich in der Hand und im Mund an, wie isst man es am Besten, etc. Muss ich mir jedoch auch immer wieder in Erinnerung rufen ;-)

Und wie schon gesagt, biete ihr doch auch öfter eine Kleinigkeit an, gerade jetzt bietet sich Obst perfekt an und schmeckt ja den meisten.

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 26.06.2010, 08:41
von Sagittaria
Viel gibt es da nicht mehr zu sagen :D

Deine Kleine ist ja echt noch sooooo klein - da ist doch Beikost noch gar kein Thema, da heißt es doch viel Stillen und dazu ein bißchen was "anderes" dazu.

Gerade im ersten Lebensjahr sollte zu jeder Mahlzeit eh noch gestillt werden, wenn das Kind dies möchte natürlich.

Das Motto heißt viel Muttermilch zu wenig Beikost - nicht umgekehrt :wink:

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 26.06.2010, 12:44
von Doro31
Julia, Deine Ausführungen sind einfach immer klasse - alles so schön verständlich auf den Punkt gebracht :D Gibt es diese Empfehlungen eigentlich irgendwo von "offizieller" Seite als Flyer oder so? Bei mir in der Krabbelgruppe wurde nur ein Prospekt mit diesem "Jeden Monat eine Mahlzeit ersetzen"-Schema verteilt, und eine Mutter verzweifelt schier, weil ihr Kind einfach noch nicht so viel essen will. Ich habe ihr gesagt, dass das bei uns auch noch lange nicht soweit ist, weiß aber nicht, ob ich ihr damit wirklich helfen konnte.

Re: Bedarfsstillen und Beikost

Verfasst: 26.06.2010, 13:04
von Lösche Benutzer 1828
viel hilft schon, auf die natürlich Kompetenz des Kindes zu vertrauen - warum sollte ein Kind "nicht essen" wollen?
Jedes Kind willl essen- wenn es soweit ist. Es wird dann essen - man kann ihm das ruhig selber überlassen. Einfach gesunde, ausgewogene Kost anbieten und abwarten.
Ich habe nie eine Mahlzeit ersetzt - Kind aß mit, wenn es wollte und was es wollte. Gestillt wurde weiterhin nach Bedarf. Anfangs auch mal vor und während unserer Mahlzeit.
Diese ganzen Pläne finde ich sehr irritierend - warum sollte ein gesunder Mensch, nur weil er sehr jung ist, nach Plänen essen müssen?
Jedes Kind stillt sich irgendwann ab und wenn da kein Zeitdruck besteht, kann Frau das ganz locker angehen.