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Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 15:17
von Doro31
Nachdem ich gestern - warum auch immer - wieder an J.s erste Lebenswoche denken musste und mir dabei wieder die Tränen gekommen sind, entschloss ich mich, die Geschichte hier zu posten. Vielleicht habt Ihr ja Hinweise, warum es mir immer noch so schwerfällt, daran zu denken, oder Tips, wie ich das verarbeiten kann.
Die Geburt war völlig problemlos. Etwa einen Tag später wurde mein Sohn blass und schlapp, hatte überhaupt kein Interesse mehr zu trinken. Der herbeigerufene Kinderarzt vermutete eine Neugeboreneninfektion und schickte ihn in die Kinderklinik, wo er auf der Intensivstation landete. Die Kinderklinik befindet sich in einem Extra-Gebäude, zu Fuß vielleicht 5 Minuten entfernt, für eine Wöchnerin mit Dammriss jedoch Ewigkeiten... Als ich schließlich zu ihm durfte, war es ein Schock, wie er aussah: Magensonde, Infusion und zig Kabel zur Überwachung von Puls, Atmung und Sauerstoffsättigung. Na ja, das werden einige hier wohl auch kennen.
Ich war wild entschlossen, zu stillen, und machte das auch den Ärzten dort klar. Am ersten Tag dort war er aber immer noch zu schwach zum Trinken an der Brust, bekam ein paar abgepumpte Tropfen Kolostrum per Magensonde und sonst das Fläschchen. Am nächsten Tag war er dank der Antibiotika wieder munter, und laut Arzt hätte er dann durchaus auf die normale Säuglingsstation können, dort war aber kein Platz mehr frei. So blieben wir auf der Intensiv mit allem drum und dran: Temperatur messen bei jedem Wickeln, vor und nach dem Stillen wiegen.
Das Stillen war für mich irgendwann die Hölle. Das fing erstmal mit den ganzen Kabeln an, die es nicht einfach machten, ihn auf den Arm zu nehmen. Alle fünf Minuten kam eine Schwester herein und fragte, ob er denn nicht schon fertig sei mit Trinken. J. hat sich Zeit gelassen und durchaus eine halbe Stunde gestillt (ist ja auch sein gutes Recht in dem Alter, oder?). Das Wiegen war auch tierisch nervig. Die Waage stand nicht im Zimmer, sondern war für die ganze Station, und so musste ich sie jedesmal organisieren. Mit den ganzen Kabeln und Schläuchen dran war das auch so eine Sache: Wenn mal 5 cm mehr Kabel auf der Waage lagen, hat sich das Gewicht natürlich gleich verändert :roll: Und dabei sollten dann vernünftige Werte herauskommen! Einmal nahm J. beim Stillen sogar 20g ab :? Zusätzlich begann J. ab dem dritten Tag dort mit Clusterfeeding. Damals hatte ich keine Ahnung davon, und die Schwestern dort wohl auch nicht. Es kann sich wohl jeder hier vorstellen, wieviel Spaß es macht, ein Kind abends zig Mal zu wiegen, und dabei noch vorwurfsvoll von den Schwestern angeschaut zu werden, warum der "denn nicht endlich satt sei". Nach dem dritten Mal anlegen abends habe ich dann irgendwann aufgegeben und das Fläschchen akzeptiert, das mir aufgedrängt wurde. Das ging so nach dem Motto "Sie sehen doch, dass er noch nicht satt ist, so können sie ihn doch nicht wieder hinlegen, ich mache Ihnen ein Fläschchen".
Das einzig positive, was sich über die Stillsituation dort sagen läßt, war, dass J. nach Belieben stillen durfte und nicht in den 4-Stunden-Rhythmus gepresst wurde, den die Frühchen dort haben. Immerhin etwas.
Mein Milcheinschuss kam dummerweise erst, nachdem ich von der Wöchnerinnenstation in ein Zimmer für Begleitpersonen in der Kinderklinik gezogen war. Überflüssig zu sagen, dass mir dort niemand damit helfen konnte, oder? Genausowenig wie mir jemand mit dem korrekten Anlegen helfen konnte. Dass ich da jemanden gebraucht hätte, wurde mir erst hinterher klar.
Meine Nachsorgehebamme hatte einiges an Reparaturarbeit zu leisten. Ich bin sehr froh, dass ich das Stillen durchgehalten habe, es ist jetzt so schön einfach und schnell :D

So, jetzt habe ich schon wieder Tränen in den Augen...

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 15:36
von Feleni
Oh je, ich drück dich mal.....

Ich glaube, es ist der Gedanke, daß man mit seinem Wunsch (stillen zu wollen) so allein gelassen wird.
Es ist scheinbar einfacher die Flasche zu geben. Grad im Klinikalltag machen es sich viele Schwestern und Ärzte wohl so recht einfach. Und wenn man dann als (Erstlings-)Mama so penetrant ist und auch noch drauf beharrt, dann schießt man denen einfach quer.
Leider ist das Fachwissen zum Thema Stillen auch nicht allen präsent, daher wird viel Unsinn erzählt, und wenn die frische Mama es besser weiß (also ggf. wirklich weiß, weil informiert) dann fühlen die sich arg in ihrer Kompetenz beschnitten. Das
wird einem auch gezeigt.

Ich hatte es nichts so schlimm, aber ich weiß noch wie ich Anlegeprobleme hatte. J. hat Hunger, ich will ihn anlegen, aber mir fehlten immer 2 Hände, grad die ersten zwei Tage. Also nach der Schwester klingeln. Die nimmt Kopf und Brust, "ditscht" beides zusammen, J. saugt an und gut. Sie geht, J. lässt los, ich krieg ihn nicht wieder ran, klingel, genervte Schwester kommt, nimmt Kopf und Brust, ditsch, ansaug, "geht doch"....
Jedes verd*** mal. Bis mir dann der Kragen geplatzt ist und ich sie anfuhr, daß sie mir das doch mal zeigen solle, und nicht immer nur grabsch und dock...
Ich war aber auch nur 3 Tage in der Klinik.

Da hab ich auch gedacht, das ist doch Fachpersonal für Geburt, die müssten das doch wissen und sich kümmern. Tja, naive Erstlingsmutter war ich da... Hab ja auch brav den 2. Tag abgepumpt, weil ich es sollte. Wozu auch immer? ICh weiß auch nicht, was J. da getrunken hat, denn ich hab ja nicht gestillt... Und mir echt naiverweise nichts dabei gedacht...

Ich wünsch Dir alles Gute!

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 17:27
von Doro31
Danke, Feleni, der Drücker tut gut. Als ich das vorher zu Ende geschrieben hatte, war ich erstmal völlig ausgelaugt. War wahrscheinlich einfach nötig, sich das Ganze mal von der Seele zu reden. Und jetzt hat sich mein Gefühlschaos auch etwas gelichtet. Zum einen bin ich traurig, wenn ich an diese verlorene erste Woche denke - statt gemütlich mit meinem Sohn im Bett zu kuscheln, hatte ich die Wahl, ob ich auf einem Stuhl an seinem Bett sitzen wollte, oder (als ich dann das Bett in der Kinderklinik hatte) alleine im Bett auf meinem Zimmer liegen. Dort hat mich mein Mann auch einige Male in Tränen aufgelöst vorgefunden :cry: Und außerdem bin ich wütend - klar, die Krankenschwestern sind ausgebildete Kinderkrankenschwestern und keine Stillexpertinnen, aber es war quasi eine reine Frühchenstation. Da hat man doch des öfteren mal mit frisch entbundenen Müttern zu tun. :evil:
Ehrlich, ich bewundere sämtliche Eltern von Frühchen, die das ja noch viel länger aushalten müssen. Ich war nach dieser Woche völlig am Ende; ich glaube, meine Hebi ist ziemlich erschrocken, als sie mich daheim das erste Mal sah.

Was ich auch etwas sonderbar fand, war die Tatsache, dass ich als stillende Mutter auf der Station dort Anspruch auf Wasser oder Stilltee hatte. Meinem Mann durften die Schwestern dort nichts bringen! (Wobei ihnen das schon peinlich war: Sie brachten uns quasi immer eine Flasche Wasser und ein Glas und meinten, sie würden ja nicht kontrollieren, wer daraus trinkt.)

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 20:29
von ~Anna~
Doro31 hat geschrieben: Ehrlich, ich bewundere sämtliche Eltern von Frühchen, die das ja noch viel länger aushalten müssen.
Es ist sehr schade was euch da passiert ist! Aber umso schöner das ihr es geschafft habt eine gute Stillbeziehung aufzubauen! :D

Ich möchte hier als stillende Frühchenmutter aber deutlich machen das es durchaus babyfreundliche Kliniken mit gut ausgebildetem Personal (IBCLC-Stillberaterinnen) auf der Neointensivstation gibt. Ohne die Unterstützung dort hätte ich es sicher nicht geschafft!

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 20:38
von kuscheltiger
Ich kann Dir so gut nachfühlen...
Wir sind aufgrund verschiedenster Komplikationen in eines DER Krankenhäuser hier gegangen, aber von Stillen KEINE AHNUNG.
Im Nachhinein war es erschreckend, wie viel ich mir anlesen mußte, da war es aber schon zu spät.

Ich drück Dich mal ganz fest und halte meine Tränchen zurück... :(

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 21:10
von Snoozel
Ich habe bei meinem großen Sohn (Frühchen 33. SSW) auch krampfhaft versucht zu stillen und habe den Kampf leider verloren. Ich hatte einen Not-KS, mir ist trotz Zusage mich zu wecken, nachts nicht Bescheid gegeben worden, wenn er an der Brust nicht so schnell war, kam die Schwestern mit der Flasche und übten großen emotionalen Druck auf mich aus. Er würde so nicht zunehmen, er würde dann auch nicht Hause kommen etc. pp.

Er hatte nach dem KH den "perfekten" 4 h Stunden-Rhythmus und er hat nach 6 Wochen Kinderklink die Brust nie mehr angenommen.

Ich finde es großartig zu lesen, das du es geschafft hast. :wink:

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 08.03.2010, 22:38
von Mayotte
Liebe Doro! Das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor. Meine Tochter war wegen Neugeboreneninfektion auch eine Woche in der Kinderklinik und wurde sofort nach der Geburt dorthin "entführt". Bei uns war die KiKli auch in einem extra Gebäude und ich konnte mit meinem Dammriss dort die ersten Tage nicht selber hin und lag auf der Wöchnerinnenstation (dieselbe Klinik?). Auch ich musste übrigens vor und nach jedem Stillen wiegen. Außerdem hatten wir auch etliche Kabel, was das Herausnehmen und Anlegen meiner Tochter wirklich schwierig machte, ebenso das Wiegen. Mir wurde alles mögliche gesagt, als es mit dem Stillen nicht sofort klappte (bzw. nach ein paar Tagen nicht in der gewogenen Menge wie vorgeschrieben). Also erstmal wären meine Brustwarzen nicht okay fürs Stillen (die eine Schwester), eine andere meinte ich solle es doch einfach lassen, man merke ja ander Waage, dass es nicht klappe etc. etc. Mein großes Glück waren eine 1-Tages Praktikantin, mit deren Hilfe es nach drei Tagen zum ersten Mal kurz mit dem Stillen geklappt hat und eine ICBLC-Krankenschwester, die leider erst am vierten Tag Dienst hatte und außerdem meine Nachsorgehebamme. Es hat echt eine ganze Weile gedauert, bis meine Tochter und ich diese erste Woche (auch hier eine Gemeinsamkeit) aufgearbeitet hatten und es tut mir auch jetzt noch weh, wenn ich daran denke... Bin echt froh, dass Du von Dir erzählt hast! Ganz liebe Grüße von ewo

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 09.03.2010, 14:33
von Lissi23
Ach je, du arme!!!

Mein Sohn war auch 5 Tage auf der Neugeborenenstation und leider ist es dort so üblich, dass die Babys abgepumpte Mumi bekommen - also eher nix mit stillen, vollstillen sowieso nicht. In der Zeit hab ich 2 Stillversuche gemacht - aber die Schwestern waren ja auch sowas von ungeduldig und geklappt hat es so natürlich dann auch nicht und ich hab mehr oder weniger aufgegeben im Krankenhaus zu stillen, das war im Nachhinein auch gut so, so konnte ich uns beiden wenigstens den Stress ersparen, den du leider hattest (wiegen usw.)
War ich froh, dass gleichzeitig eine Mami auch ihre kleine Tochter neben uns liegen hatte, die bei dem ersten Kind auch genau das gleiche erlebt hat. Sie hat auch beim zweiten Kind im Krankenhaus auf das Stillen verzichtet um daheim in Ruhe das Baby an die Brust zu bekommen.

Genauso hab ich es dann auch gemacht und es hat geklappt!!! :P Auch wenn ich trotzdem noch etwas traurig bin, über die "verlorenen" ersten Tage.

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 09.03.2010, 17:12
von Doro31
Ewo, hast Du auch in der Stadt mit dem Rutenfest entbunden? Dann waren wir in derselben Klinik!

So im Nachhinein wurde mir auch klar, dass wir sehr viel Glück hatten, dass es bei uns mit dem Stillen noch geklappt hat. Lissi, die Mutter neben Dir musste das Ganze zwei Mal mitmachen? Wie schrecklich! :cry: Davor graut mir auch etwas - wir wollen schon noch ein zweites Kind, und was, wenn es wieder so läuft?

Re: Stillstart in Kinderklinik

Verfasst: 09.03.2010, 17:35
von Mystiki
Hallo,

ich hatte fast das gleiche Problem wie du. Arthur kam vor fast 2 Wochen morgens auf die Welt. Den ganzen Tag über war seine Atemfrequenz und Temperatur erhöht. Die Temperatur wurde zum Abend hin höher und es wurde ein Kinderarzt hinzu gerufen. Der hat ihm dann Blut abgenommen und per Schnelltest im Labor checken lassen. Bis dahin hab ich mir nichts weiter dabei gedacht. Um Mitternacht kam dann die Krankenschwester mit dem Arzt zu mir und man erklärte mir das die Entzündungswerte erhöht sind und Arthur auf die Neonatalogie muss. Ich war dann echt fertig und hab mir Vorwürfe gemacht weil der Arzt meinte das er sich entweder noch im Mutterleib angesteckt hat oder auf dem Geburtsweg. Der KiA hat ihn dann mitgenommen und die Krankenschwester blieb noch kurz bei mir und hat mit mir geredet. Da kam dann auch das Thema auf das ich dann abpumpen muss :shock: ich war wirklich geschockt und hatte dann Angst das es mit dem Stillen dann überhaupt nicht mehr klappt. Kurze Zeit später ist sie mit mir dann zur Neo (war ein Stockwerk tiefer und nicht weit zum laufen) und die Krankenschwester von der Neo sagte mir dann das ich ruhig stillen kann wenn er vorher auch gut gezogen hat (und das hatte er GsD). Ja und da lag dann nun mein kleiner Schatz mit intravenösen Zugang und bekam Antibiotika ( auch er hatte noch die ganzen Kabel an sich, aber keine Magensonde, das stillen klappte soweit gut).
Mich nervte auch immer dieses Wiegen vor dem Stillen und danach, Fieber messen, Krankenschwester holen damit er wieder an die Geräte angeschlossen werden konnte wenn ich fertig war. Wenn er mal nicht so viel getrunken hat, bekam er dann noch ein Fläschchen, aber das war nicht oft nötig. Am dritten bekam er dann das Antibiotika oral weil er sich seinen Zugang schon ein paar mal kaputt gemacht hat (seine kleinen Hände war schon ganz zerstochen und blau). Letzten Freitag durften wir endlich nach Hause. Arthur geht es wieder gut und das Stillen klappt auch :)