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Re: Montessori
Verfasst: 29.04.2013, 08:22
von fanvonnora
@ Talgaro:
Ja, ich glaub, da hast du Recht: Ich sollte mal in die Praxis hineinschnuppern und mir ein "richtiges" Bild machen.
Ich merk - wenn ich deine Schilderungen so lese - dass ich doch sehr von der Theorie und nicht von der Praxis geprägt bin.
Hab ich ja geschrieben: Hab im Studium viel gelesen, hab aber noch nie mit einer M-Einrichtung zu tun gehabt.
Vielleicht würde der Blick in die Praxis meine Vorbehalte zerstreuen.
Was du schreibst, hört sich jedenfalls gut an.
Ich wusste z.B. nicht, ob und wie sehr der Ansatz von M.M. modifiziert und weitergeführt wird.
Habe- wg. Steiner wahrscheinlich - den Verdacht gehabt, dass auch Montessori eher "altacken" daher kommt

... Vorurteil ....
Schade, dass es hier weit & breit keinen M.-KiGa zum mal-Anschauen gibt

(Hier gibts NUR Regel-KiGas. Dooof

. Ich trauer auch einem Wald-KiGa hinterher. Das wäre was für unsere Tochter ... Aber: Anderes Thema

).
Re: Montessori
Verfasst: 29.04.2013, 11:01
von Feuerkind
fanvonnora ich kann dir wirklich nur raten mal in eine Einrichtung zu hospitieren, sofern du mal irgendwie die Möglichkeit hast.
Ich hatte damals eine Praktikumsbetreuerin, die auch so die "üblichen" Einwände gegen Montessori hat (es sind ja in der Theorie auch immer wieder die selben Argumente die gegen Montessori kommen) hatte.
Ich habe sie dann mal einen Tag eingeladen und das konnte wirklich vieles zerstreuen
Ich kam von der Praxis zur Theorie durch mein erstes Praktikum (das war eine Monte-Einrichtung aber ich hatte sie gar nicht danach ausgesucht) und ich glaube das war ein guter Weg so und ich habe dann immer die Kritikpunkte aus der Literatur nicht nachvollziehen können.
Kommunikation zB ist so eine Sache die oft "bemängelt" wird, weswegen ich u.a. meine Arbeit über die Sprachförderung und Sprachanregung geschrieben habe und wenn man dann mal reinschaut, auch warum wie gesprochen wird, dann sieht man, wie kommunikativ und sprachanregend die Umgebung wirklich ist.
Von meinem Standpunkt eine Sprachförderkraft her, waren die Montessori-Einrichtungen in denen ich war wirklich paradiesisch
Und ich sehe ja nun auch den Vergleich zu "Regel-KiTas" und hadere wirklich immer wieder mit mir,dass ich nun diesen Weg gegangen bin

Re: Montessori
Verfasst: 29.04.2013, 12:19
von KinderKinder
@fanvonnora: Ui, ein spannendes Thema. Natürlich ist die Montessoripädagogik "verschult" - Montessori hat ihre Pädagogik ja ausschließlich in ihren Kinderhäusern und später in den Schulen eingesetzt! Da ging (bzw. geht es natürlich auch heute noch) in erster Linie um Wissenszuwachs. Nur hat sie die vorherrschenden, strengen, frontalen Methoden abgelehnt und sich dem Kind zugewandt.
Da man sah, wie glücklich die Kinder in diesen Einrichtungen waren und wie toll sie dort gelernt haben, haben Eltern begonnen, sich die Grundsätze ihrer Pädagogik auch in den Familienalltag zu holen.
Du hast meiner Meinung nach ganz recht, dass für viele Familien heute diese Grundsätze schon Alltag geworden sind. Doch wenn ich mir die Schüler in der Schule, in der ich derzeit unterrichte anschaue kann ich dir sagen: Wir sitzen auf einer Insel der Seeligen! In diesen Familien ist Achtsamkeit das wohl größte Fremdwort

Würde ich mit diesen Schülern auf Augenhöhe reden wollen, müsste ich anstatt "Guten Morgen! Kannst du mir bitte zuhören?" wohl eher "Heast, Oida, hoit de Pappn!" sagen

Und auch in meinem privaten Umfeld merke ich, dass der Umgang mit meinen Kindern ein gaaaaaaaaaaaaaanz anderer ist. Obwohl hier schon andere Sitten herrschen als in besagter Schule
Ich habe selbst vor ca. 14 Jahren meine Montessoriausbildung gemacht und bin jetzt als Dozentin tätig. Ich sehe sehr sehr deutlich, dass es gut und notwendig ist, dass die Ausbildung 2 Jahre dauert. Denn das Umdenken ist ein Prozess und das geht einfach nicht von heute auf morgen. Das braucht seine Zeit. Wenn wir als Dozenten dann sehen, wie sich die TeilnehmerInnen verändern, wie sie plötzlich achtsam werden, ohne, dass wir sie diese Achtsamkeit lehren, sondern einfach vorleben und tun bei unseren Präsentationen, so ist das wunderbar anzuschauen! Ich bin jedes Mal wieder erstaunt!
Sorry fürs Abschweifen

Re: Montessori
Verfasst: 29.04.2013, 12:54
von Seelentattoo
Ich finde montessori auch sehr ansprechend. So eine Schule hätte mir wohl auch mehr Freude bereitet.
Und weil ich mit einem derartigem grauen an meine eigene Schulzeit zurückdenke, beschäftige ich mich jetzt schon damit, was ich dem Zwerg später mal für ne Schule zukommen lassen kann.
Eine Regelschule wird es nicht werden. Auch wenn ich dann Geld dafür berappen muss, aber ich verdiene glücklicherweise nicht so schlecht, dass es wohl hinhauen wird.
Ich hoffe nur, dass dann auch ne Monte- Einrichtung in der Nähe ist.
Und mal reinschnuppern in so einen schulalltag möchte ich. Ob die Praxis so gut ist, wie sich die Theorie liest.
Ich bin jetzt erst drüber gestolpert und lese mich langsam in das Thema ein. Mal gucken, was daraus dann auch den weg zu uns findet (einiges zum spielen auf jeden fall, weil es mich selbst interessiert

)
Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 14:29
von Butterfly1992
Nach den Seminar, finde ich die Pädagogik weiter interessant auch wenn es Widersprüche zwischen den Texten und den Montessorimaterial gibt. Ich würde gerne wissen wie oft das Material in den Einrichtungen eingesetzt wird und ob es auch Projekte wie Murmelbahnbau aus Altagsmaterialen gibt.
Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 14:52
von KinderKinder
Inwiefern gibt es Widersprüche?
Das mit dem Murmelbahnbau (als Beispiel) wird wohl in jeder Einrichtung anders gehandhabt. Ich habe schon von Einrichtungen gehört, in denen AUSSCHLIESSLICH Originalmaterial verwendet werden darf.
Nach MEINER Interpretation der Montessoripädagogik würde ich meinen, dass das von Montessori selbst gar nicht so vorgegeben wurde und Dinge, die die Kinder gerade beschäftigen sehr wohl auch ihren Platz haben dürfen / sollen / müssen.
In den Einrichtungen, die ich kenne, haben sehr wohl auch VIELE andere Materialien und Themen Platz. Ich bin auch eine derjenigen die behauptet: "Würde Montessori heute noch leben, sie würde in jeder Klasse mehrere Computer aufstellen!" Nachprüfen kann man das natürlich nicht

aber mutmaßen...
Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 14:57
von Lösche Benutzer 1828
An unserer Schule gibt es PCs in den Klassenräumen - und natürlich würde sie das. Weil sie eben zum Leben dazugehören mittlerweile.
Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 19:38
von netteanne
fanvonnora:
Bei Montessori ist das Spiel ja quasi die Arbeit - oder andersrum.
Wenn Kinder einen Turm bauen, dann arbeiten sie hart und sind hochkonzentriert!
Für manche Bereiche gibt es eben die Materialien zur Anschaulichkeit, besonders in der Mathematik, wo es später immer mehr um Abstraktion geht.
Aber besonders in der kosmischen Erziehung, in der Natur, arbeiten die Kinder eben mit dem, was da ist.
Beobachte mal deine Kinder, wenn sie draußen im Garten sind. Viele nennen es spielen, aber wenn du genau hinsiehst, kannst du erkennen, dass sie ganz schön hart arbeiten an einem Ziel. Das kann eine fertige Sandburg sein, aber in den ersten Lebensjahren ist es das Ziel, einfach nur den Sand zu schaufeln, um ihn zu schaufeln. Erst später schaufeln sie ihn in den Eimer, um ihn irgendwohin zu bringen.
Und das hast du eben im Alltag auch, Wasser in den Becher gießen, Essen auf den Teller füllen, Verschlüsse öffnen und schließen usw.
Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 20:41
von Talgaro
Unsere Erziehrinnen/Lehrerinnen schaffen auch eigenes Material und natürlich werden ständig Anregungen dazugeholt. Weiter vorn hatte ich auch von den Projekten bei uns berichtet, was da alles einfließt ist eine Freude mit anzusehen!

Re: Montessori
Verfasst: 30.04.2013, 20:42
von olgaga
Ich setz mal kurz ein Abo
