@fanvonnora: Ui, ein spannendes Thema. Natürlich ist die Montessoripädagogik "verschult" - Montessori hat ihre Pädagogik ja ausschließlich in ihren Kinderhäusern und später in den Schulen eingesetzt! Da ging (bzw. geht es natürlich auch heute noch) in erster Linie um Wissenszuwachs. Nur hat sie die vorherrschenden, strengen, frontalen Methoden abgelehnt und sich dem Kind zugewandt.
Da man sah, wie glücklich die Kinder in diesen Einrichtungen waren und wie toll sie dort gelernt haben, haben Eltern begonnen, sich die Grundsätze ihrer Pädagogik auch in den Familienalltag zu holen.
Du hast meiner Meinung nach ganz recht, dass für viele Familien heute diese Grundsätze schon Alltag geworden sind. Doch wenn ich mir die Schüler in der Schule, in der ich derzeit unterrichte anschaue kann ich dir sagen: Wir sitzen auf einer Insel der Seeligen! In diesen Familien ist Achtsamkeit das wohl größte Fremdwort

Würde ich mit diesen Schülern auf Augenhöhe reden wollen, müsste ich anstatt "Guten Morgen! Kannst du mir bitte zuhören?" wohl eher "Heast, Oida, hoit de Pappn!" sagen

Und auch in meinem privaten Umfeld merke ich, dass der Umgang mit meinen Kindern ein gaaaaaaaaaaaaaanz anderer ist. Obwohl hier schon andere Sitten herrschen als in besagter Schule
Ich habe selbst vor ca. 14 Jahren meine Montessoriausbildung gemacht und bin jetzt als Dozentin tätig. Ich sehe sehr sehr deutlich, dass es gut und notwendig ist, dass die Ausbildung 2 Jahre dauert. Denn das Umdenken ist ein Prozess und das geht einfach nicht von heute auf morgen. Das braucht seine Zeit. Wenn wir als Dozenten dann sehen, wie sich die TeilnehmerInnen verändern, wie sie plötzlich achtsam werden, ohne, dass wir sie diese Achtsamkeit lehren, sondern einfach vorleben und tun bei unseren Präsentationen, so ist das wunderbar anzuschauen! Ich bin jedes Mal wieder erstaunt!
Sorry fürs Abschweifen
