Rinrin hat geschrieben: 27.06.2019, 09:59
[...]
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich über die pre-Seite des Stillens nur mäßig (also passiv - was ich nebenbei so gelesen hab) informiert habe, da das bei uns nie Thema war.
Wo du das mit dem 10-fachen [Eisen]Gehalt schreibst meine ich mich zu erinnern dass das der Grund war warum viele Leute meinen „Mumi ist ab Zeitpunkt xyz nur noch wie Wasser - da ist ja nix drin“.
So, ich wollte ja noch Literatur nachliefern was Eisen, Pre und Stillen angeht

Hat etwas gedauert, weil ich die Paper nochmal lesen wollte, um keinen Quatsch zu schreiben
Erstmal vorweg, dass Mumi irgendwann "wie Wasser" ist, ist natürlich totaler Quatsch - die Leute scheinen zu vergessen, dass Formula ja versucht Mumi so gut wie möglich nachzuahmen

Sie ist halt nur eine Kopie und niemals so gut wie das Original
In
diesem Artikel steht was über die historische Entwicklung von Formula, u. a. "For example, iron was added in 1959 to reduce the risk of iron deficiency in formula-fed infants". Man hat dann sehr viel Eisen zugesetzt, weil es eben viel schlechter bioverfügbar ist als das in der Mumi (das als Lactoferrin vorliegt). Der Faktor 10 kommt übrigens laut dem Artikel hin.
Seitdem hat man aber einige Studien dazu durchgeführt, wie der Einsenstatus bei Still- und Formula-Kindern wirklich ist.
Hier gibt's einen Übersichtsartikel. Die beziehen sich auf 44 Studien zum EIsanstatus in Babys und Kleinkindern in Europa. Eisenmangel ist ganz schön verbreitet (auch wenn der für sich noch nicht problematisch sein muss), z. T. hatten 25% der untersuchten Kinder einen. Als Problem sehen sie aber vor allem, wenn Kinder U1 statt Muttermilch oder Formula Kuhmilch bekommen. Klingt dämlich, aber ich habe sogar im Bekanntenkreis ein Baby, das mit 6 Monaten auf Brei abgestillt wurde und seitdem Kuhmilch als einzige Milchquelle hat (z. B. im Abendbrei). DAS sollte man nicht machen.
In Deutschland gab es zwei große Studien, von denen ich weiß, die DINO-Studie (das ist die mit den Fleischgläschen

) und die PINGU-Studie, hier ganz kurz zusammengefasst:
https://www.ernaehrungs-umschau.de/prin ... bei-babys/
In der
DINO-Studie kam raus, dass im Alter von 7 und 10 Monaten unter den Stillkindern Eisenmangel verbreitet war, unter den Flaschenkindern nicht. Naja, und, dass es keinen Unterschied macht, ob die Babys 12% oder 8% Fleisch in ihren H*pp-Gläschen haben

Daraus wurde dann die Empfehlung abgeleitet, bei Stillkindern früh (ab 4 Monaten) mit Zufütterung eisehaltiger Beikost zu beginnen.
Eine Auswertung der
PINGU-Studie kam dann zu dem Ergebnis, dass es so einfach leider nicht ist. Ein paar interessante Feststellungen:
* wegen einer Anpassung der Formula (weniger Eisen) gab es hier auch unter den Flaschenkindern vermehrt Eisenmangel
* überhaupt war der Anteil von Kindern mit zu niedrigen Eisenwerten sehr hoch (mehr als ein Drittel der Kinder im Alter von 10 Monaten!)
* es wurde kein positiver Effekt auf den Eisenstatus durch frühe Zufütterung nachgewiesen
Also... Das Thema ist noch lange nicht durch und es gibt keine einfachen, eindeutigen Ergebnisse

Man ist sich noch nicht mal sicher, wie man "Eisenmangel" genau definieren soll. Aber generell ist die Eisenaufnahme bei Kindern in Deutschland niedriger als wünschenswert wäre.
Mir ist übrigens noch eine andere relativ aktuelle
Studie zu Kindern in China begegnet, bei der tatsächlich auch wieder beobachtet wurde, dass die Stillkinder im Alter von 9 Monaten eine stärkere Tendenz zu Eisenmangel haben als die Flaschenkinder. Hier wurde aber auch deutlich eisenhaltigere Pre-Nahrung gefüttert als in der PINGU-Studie.
Achja, generell starten Flaschenkinder auch früher mit Beikost als Stillbabys. Das kann natürlich auch in manche Ergebnisse mit reinspielen (wobei die Auswertung der PINGU-Studie das berücksichtigt). Fand ich aber trotzdem interessant, das "wissenschaftlich belegt" zu finden, passt nämlich auch zu meinen persönlichen Erfahrungen.
Achja, die Artikel unterschieden alle zwischen Eisenmangel und Eisenmangelanämie, ich hab das hier jetzt vereinfacht...