Der Waldorfthread

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Elena
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Elena »

Kann ein Schulkind den Weg alleine machen? Oder einen Teil des Weges? Ich würde es für mich absolut ausschließen, das in Kauf zu nehmen - nicht nur wegen des Geschwisterkindes, ich finde es auch für das Schulkind in dem Alter sehr lang. Ich hatte auf dem Gymnasium einen so langen Weg, das war okay, aber als Grundschüler habe ich die 10min Fußweg durchs Dorf zur Schule geliebt. Meine Große (2. Klasse) ist nach Schule, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung um 14 Uhr auch erstmal ziemlich geschafft, die restliche Zeit ist zum Spielen.

Aber das ist vielleicht auch ein Aspekt - wenn das Kind nur bis 12 in der Schule ist und nicht noch in einer Betreuung, ist ja wieder Zeit gewonnen. Wenn es aber mit ordentlich Mittagessenshunger noch eine Stunde Bus fahren muss, ist es vielleicht auch wieder doof. Zumal das kleine Geschwister dann vielleicht Mittagsschlaf machen müsste und auch nicht glücklich ist im Bus... :?
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Centaureacyanus
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Centaureacyanus »

Ich würde den Weg frühestens einem Drittklässler allein zutrauen - es ist relativ kompliziert mit unübersichtlichen Umstiegen und so.
mit Kornblümchen *04/2014 und Mini-Kornblümchen *11/2015
und mit Dritt-Kind-Wunsch...
"Wir aber gehen unseren Weg im Namen JHWH's, unseres Gottes, für immer und ewig." Micha 4,5b
Lösche Benutzer 10716

Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Lösche Benutzer 10716 »

Nun habe ich mich durch den gesamten Thread gelesen :-)

Heute war ein Infotag an der Waldorfschule, an der wir unseren Sohn fürs kommende Schuljahr angemeldet haben. Ich bin weiterhin so unentschieden... Klar ist, dass die Waldorfschule mit einigen Kosten verbunden wäre: sowieso in finanzieller Hinsicht, aber auch mit einem längeren Schulweg, der definitiv erstmal nicht alleine zu bewältigen wäre, mit der Trennung von den Freunden, die definitiv hier im Ort zur Schule gehen werden...
Heute habe ich dann in einem Workshop die Arbeit in der ersten Klasse kennen lernen dürfen. Und habe mich immer wieder gefragt, wie es meinem Sohn hier wohl ginge. Ich glaube gut. Ehrlich gut. Viele grundlegende Ideen der Waldorfpädagogik teile ich. Gerade meinem vermutlich sehr sensiblen Kind tun sie gut. Und doch treiben mich viele Gedanken um. Wenn ich ehrlich bin, fällt es mir wahnsinnig schwer, neutral auf das Thema Schule zu schauen, eigene Schulerfahrungen wirken als neu aufgeflammte, diffuse Ängste und vernebeln meine Sicht. Und so bewusst mir das auch ist, fällt mir die Trennung hier schwer. Vieles spricht für mich sehr für Waldorf und heute konnte ich mir bildlich vorstellen, wie mein Sohn in dieser Klasse sitzt. Aber es ist Neuland: die anthroposophische Lehre ist mir fremd, irgendwie mutet es seltsam an, sich für eine Schule zu entscheiden, deren Wurzeln mir so fremd sind. Denn auch wenn Anthroposophie und Waldorf nicht gleichzusetzen sind, so ist die Pädagogik ja doch von den Weltanschauungen geprägt. So sagte die Lehrerin heute, dass die Lehren Steiners nicht aktiv gelehrt würden, sie aber natürlich einen Blick aufs Kind hätte, der von der Annahme geprägt sei, dass das Kind nicht zum ersten Mal auf der Welt sei.
Ich will das nicht werten. Aber ich entstamme anderen Traditionen. Diese Diskrepanz verunsichert mich, denn ich kenne die zukünftige Elternschaft nicht, den zukünftigen Klassenlehrer.
Das ist nun sehr wirr, ich schicke es dennoch mal ab...
fanta
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von fanta »

Wir hatten nun den ersten Elternabend der Gruppe meiner Tochter. Hach, mir ist so warm ums Herz geworden. So tolle Pädagoginnen und sie hatten alles so schön vorbereitet und durchgeführt!
Wir haben gemeinsam gebacken und so konnte ich das wöchentliche Ritual erleben, von Anfang bis Ende. Es wurde viel gesungen und natürlich ge"arbeitet".

Wir sind damals zufällig an diesen Waldorfkindergarten geraten und freuen uns von Jahr zu Jahr mehr über das, was wir da mitbekommen. Bzw was unsere Kinder da mitbekommen.
Mein Mann und ich hatten vorher nie mit Waldorf zu tun gehabt und kannten nur die gängigen Vorurteile und Geschichten. Und plötzlich können wir uns gar nichts schöneres für unsere Kinder vorstellen!

Hach, ich wollte einfach mal schwärmen :-)
LG fanta
(Sohn 2011 und Tochter 2013)
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Nuala
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Nuala »

Das liest sich sehr schön! :)
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Grünfrosch
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Grünfrosch »

Das hört sich wirklich sehr heimelig an!

Bei uns wird es jetzt auch ernst: im November starten die Elternabende für die neuen Erstklässler. Ehrlich gesagt, fand ich den Brief, der dazu einlädt, recht unfreundlich formuliert. :? Wir werden dazu aufgefordert, zu zweit zu kommen (wer passt auf die Kinder auf?) und von den 5 (!) Abenden darf man keinen versäumen, sonst gehen sie davon aus, dass man die Schulanmeldung nicht aufrecht erhalten will. Uffz! Ich finde, 5 Wochen hintereinander einen Elternabend zu haben, ganz schön anstrengend. Klar möchte ich mich informieren, fühle mich aber vom Brief gerade echt abgeschreckt.

War das bei euch vor der Einschulung auch so? Musstet ihr auch 5mal hintereinander in die Schule kommen, möglichst beide Elternteile?
Große Maus 08/10 und kleine Maus 08/13
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Mamalinchen
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Mamalinchen »

Ich brauche mal Nachhilfe von den "Waldorf-Profis". Unser KiGa ist eine kleine Elternini. Wir haben einige Elemente von Waldorf übernommen (jahreszeitliche Puppenspiele, Laternen, einige Spielsachen) aber ohne die Ideologie. Eine Erzieherin hat früher mal in dem Bereich gearbeitet und einiges mitgebracht, aber sie ist keine richtige Waldorf-Erzieherin. Nun haben wir seit einigen Wochen eine ausgebildete Waldorf-Erzieherin bei uns und es klappt gar nicht im Team. Vieles hängt sicher mir ihrer Persönlichkeit und Arbeitsweise zusammen, aber einiges sicher auch mit ihrem Waldorf-Ansatz. Ich würde das gerne versuchen zu trennen, um im Gespräch mit ihr bessere Lösungsansätze für die aktuellen Probleme zu finden. Aber ich kenne mich in der Ideologie nicht so gut aus.Vielleicht könnt ihr mir helfen.
Beispiele:
1) Wenn sie mit unserer Sozialassistentin (seit 3 Jahren bei uns) alleine ist, erwartet sie, dass diese sich nach ihr richtet und hilft nicht, wenn diese sie um etwas bittet. Oft geht es dabei um Abläufe, die dadurch dann im Chaos enden... Ist die Autorität durch die "höhere" Kraft so festgelegt?
2) Die größeren Jungs (2-4 Kinder) sind ihr oft zu wild. Sie versucht sie dann oft mit Vorlesen oder so ruhiger zu kriegen. Manchmal passt das gut, aber oft vernachlässigt sie dann 10 kleinere Kinder. "Früher" wurden die Raufbolde einfach mal für 10 Minuten nach draußen (Außengelände) geschickt, um sich auszutoben. Ist Aggression unerwünscht bei Waldorf?
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Nuala
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Nuala »

Beide Punkte haben meines Erachtens nicht mit Waldorf zu tun, sondern mit der Persönlichkeit der Erzieherin.
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Kuschelmaus
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Kuschelmaus »

Mamalinchen hat geschrieben:Ich brauche mal Nachhilfe von den "Waldorf-Profis". Unser KiGa ist eine kleine Elternini. Wir haben einige Elemente von Waldorf übernommen (jahreszeitliche Puppenspiele, Laternen, einige Spielsachen) aber ohne die Ideologie. Eine Erzieherin hat früher mal in dem Bereich gearbeitet und einiges mitgebracht, aber sie ist keine richtige Waldorf-Erzieherin. Nun haben wir seit einigen Wochen eine ausgebildete Waldorf-Erzieherin bei uns und es klappt gar nicht im Team. Vieles hängt sicher mir ihrer Persönlichkeit und Arbeitsweise zusammen, aber einiges sicher auch mit ihrem Waldorf-Ansatz. Ich würde das gerne versuchen zu trennen, um im Gespräch mit ihr bessere Lösungsansätze für die aktuellen Probleme zu finden. Aber ich kenne mich in der Ideologie nicht so gut aus.Vielleicht könnt ihr mir helfen.
Beispiele:
1) Wenn sie mit unserer Sozialassistentin (seit 3 Jahren bei uns) alleine ist, erwartet sie, dass diese sich nach ihr richtet und hilft nicht, wenn diese sie um etwas bittet. Oft geht es dabei um Abläufe, die dadurch dann im Chaos enden... Ist die Autorität durch die "höhere" Kraft so festgelegt?
2) Die größeren Jungs (2-4 Kinder) sind ihr oft zu wild. Sie versucht sie dann oft mit Vorlesen oder so ruhiger zu kriegen. Manchmal passt das gut, aber oft vernachlässigt sie dann 10 kleinere Kinder. "Früher" wurden die Raufbolde einfach mal für 10 Minuten nach draußen (Außengelände) geschickt, um sich auszutoben. Ist Aggression unerwünscht bei Waldorf?
Also bei uns ist das ganz normal. Die Erzieherinnen sind für die Erziehung zuständig und sehr präsent bei Eltern und Kindern und die Kinderpflegerinnen sind im Hintergrund und kochen oder räumen auf, erledigen andere Sachen ohne Hilfe der Erzieherin.

Das mit dem lesen etc kann ich leider nicht sagen aber ich finde es dennoch doch ein guter Ansatz.
Bild

Das Wesen wahrer Liebe lässt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam!
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Mirimama
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Mirimama »

Mamalinchen, ich vermute mal, euer Gespräch hat bereits stattgefunden. Wie ist es gelaufen?

Falls noch nicht und noch Interesse an Gedankenanstößen besteht: Ich denke, es ist ähnlich, wie wenn du Probleme hättest mit jemandem, der z.B. türkische Wurzeln hat, und du fragst dich jetzt, ob die Probleme kulturell, im Sinne seiner Herkunft , bedingt sind. Letztlich ist das ja gänzlich unerheblich. Natürlich ist Sensibilität wichtig und im Hinterkopf zu haben, dass die andere Person möglicherweise ganz andere biografische Erfahrungen gemacht hat, ist auf jeden Fall hilfreich. Aber was nun wie genau sollte sich im persönlichen Gespräch klären. Ansonsten läufst du Gefahr, dass deine Deutungen ihrer Selbstwahrnehmung völlig widersprechen.
Ich würde mir erstmal genau die Probleme verdeutlichen und aufschreiben und dann ins Gespräch gehen und in Ich-Botschaften die Beobachtungen schildern. Fragen, wie sie die Sache sieht. Wiederholen, was davon bei dir angekommen ist. Auf Bestätigung warten und dann gemeinsan Lösungen arbeiten. Vielleicht geht sie ja tatsächlich von einem anderen Hierarchieverhältnis aus. Dann müsstet ihr besprechen, dass ihr das so nicht wollt. Etc.

Entschuldige bitte, falls ich jetzt zu belehrend geklungen habe. Das wär so nicht gemeint. Ich wollte dir das nur als Tipps geben. Ich hoffe, du kannst was damit anfangen. Ansonsten bitte ignorieren.
Ich und my little lovers of life (07/11, 07/14, 07/17 und 02/22)
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