Ich habe eine Aussage hier aus dem Forum mal an einen Gesundheitsberater weiter gegeben (weil ich mir selber so unsicher war

- bitte steinigt mich jetzt nicht) und folgende Antwort erhalten:
"Die Getreideverdauung im Körper geschieht (stark vereinfach dargestellt) in drei Schritten:
Als erstes wird das Getreide durch Enzyme im Mund aufgespalten beim Kauen, als zweites wird das Getreide im Magen durch andere Enzyme und die Magensäure aufgespalten, und als drittes holt sich der Darm aus den fertig aufgespaltenen Bestandteilen die Nährstoffe raus"
Das ist so eigentlich falsch. Man kann nicht von einer Getreideverdauung sprechen, weil das Getreide aus den drei Nährstoffen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß besteht, die alle unterschiedlich verdaut werden. Die Kohlenhydratverdauung beginnt im Mund mit den Amylasen des Speichels und setzt sich erst im Dünndarm fort. Im Magen findet nur eine Eiweißverdauung und zu einem sehr geringen Anteil eine Fettverdauung statt. Der Hauptteil der Fettverdauung findet durch Lipasen im Dünndarm statt. Nur bei Säuglingen werden Fette auch im Mund ein wenig vorverdaut (Zungengrund-Lipase nennt sich das Enzym). Die Resorption der Nährstoffe findet im Dünndarm statt, das ist dann wieder richtig.
Die Enzyme im Magen entwickeln sich so im 9./10. Lebensmonat, die im Mund parallel zu den Zähnchen ca. im 10.-12. Monat. Erst dann kann der Körper das Getreide aufschließen, problemlos verdauen und hat Nutzen davon.
Die Aussage ist absolut falsch. Wäre dem so, könnte der Säugling die Muttermilch nicht verdauen, die ja ebenfalls aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß besteht. Tatsächlich ist das Verdauungsystem des Säuglings vollständig ausgereift und produziert alle nötigen Enzyme. Das einzige, was sich erst entwickelt, ist die Darmflora, sie bildet sich entsprechend der Nahrung aus.
Wenn man das Getreide vorher bearbeitet, kann man einen Teil des Aufschlusses schon vorwegnehmen. Mahlen und lange quellen lassen ist eine Möglichkeit dazu und reicht gegen Ende des ersten Lebensjahres meistens schon aus - auf die Verdauung achten.
Das Wort "Aufschließen" geistert immer wieder durch die Medien, vor allem, wenn es um Getreide geht. Es gibt aber kein "Aufschließen" der Nahrung, es gibt nur eine Verdauung und den Stoffwechsel. Getreide wird wie jedes andere Lebensmittel auch, mit den Zähnen (oder einer Mühle) zerkleinert, in seinem Nährstoffe aufgespalten, verdaut und resorbiert. Eine wie auch immer geartete "Aufschließung" ist dazu nicht nötig.
Für jüngere Kinder sollte man, wenn man überhaupt Getreide geben will, die Körner mahlen, quellen lassen, aufkochen und nochmal quellen lassen.
Das ist überflüssig. Die Empfehlung resultiert sehr wahrscheinlich aus dem Versuch, fehlernährten Kindern Vollgetreide zu geben. Fabrikzucker macht Vollgetreide unverträglich und so reagieren mit Fertigprodukten / Fabrikzucker ernährte Kinder auf Vollgetreide häufig mit Verdauungsstörungen und Blähungen. Naiv betrachtet wird dann das Getreide verantwortlich gemacht, Ursache ist aber der Fabrikzucker in der Nahrung.
Meine Kinder haben als erste Beikost übrigens fein pürierten Frischkornbrei bekommen. Ohne auch nur den Hauch irgendwelcher Beschwerden - im Gegenteil.
Wenn man, wie beim klassischen Frischkornbrei, das Getreide die ganze Nacht quellen lässt, könnten sich tatsächlich Bakterien vermehren. Eine Möglichkeit, das zu verlangsamen, besteht darin, das Getreide und Wasser luftdicht verschlossen im Kühlschrank quellen zu lassen.
Solchen Aussagen liegt die Angst zugrunde, Bakterien seien böse Krankheitserreger. Bakterien sind aber tatsächlich eher "Gesundheitserreger". Wir haben Milliarden Bakterien in unserem Verdauungssystem und sie sind auch dringend nötig, weil sie in einer symbiotischen Beziehung diverse Vitalstoffe produzieren, ohne die wir nicht überleben könnten. Würde man die Bakterien aus dem Verdauungssystem entfernen, würden wir recht schnell krank werden und sterben.
Ein bei Raumtemperatur stehender Frischkornbrei ist nichts anderes als ein Sauerteigansatz. Die entstehenden Bakterien sind harmlos und erwünscht. Der Rat, das eingeweichte Getreide in den Kühlschrank zu stellen - sogar noch luftdicht - ist falsch und überflüssig. Das Getreide sollte bei Raumtemperatur stehen und mit einem Teller abgedeckt werden.