Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Angela83
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Angela83 »

Also Amelie bekommt jeden morgen einen Frischkornbrei, den gleichen wie ich auch! Ich muss sagen dass ihre Verdauung davor wirklich schlecht war und seit es den FKB gibt klappt es wieder super!
Wir ernähren uns komplett Vollwertig und da gehört Getreide als Hauptbestandteil dazu!
Lg
Angela mit Amelie 12/07, Annika 04/10 und Bauchmädchen 10/21
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Angela83
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Angela83 »

Ich habe eine Aussage hier aus dem Forum mal an einen Gesundheitsberater weiter gegeben (weil ich mir selber so unsicher war :oops: - bitte steinigt mich jetzt nicht) und folgende Antwort erhalten:
"Die Getreideverdauung im Körper geschieht (stark vereinfach dargestellt) in drei Schritten:
Als erstes wird das Getreide durch Enzyme im Mund aufgespalten beim Kauen, als zweites wird das Getreide im Magen durch andere Enzyme und die Magensäure aufgespalten, und als drittes holt sich der Darm aus den fertig aufgespaltenen Bestandteilen die Nährstoffe raus"
Das ist so eigentlich falsch. Man kann nicht von einer Getreideverdauung sprechen, weil das Getreide aus den drei Nährstoffen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß besteht, die alle unterschiedlich verdaut werden. Die Kohlenhydratverdauung beginnt im Mund mit den Amylasen des Speichels und setzt sich erst im Dünndarm fort. Im Magen findet nur eine Eiweißverdauung und zu einem sehr geringen Anteil eine Fettverdauung statt. Der Hauptteil der Fettverdauung findet durch Lipasen im Dünndarm statt. Nur bei Säuglingen werden Fette auch im Mund ein wenig vorverdaut (Zungengrund-Lipase nennt sich das Enzym). Die Resorption der Nährstoffe findet im Dünndarm statt, das ist dann wieder richtig.
Die Enzyme im Magen entwickeln sich so im 9./10. Lebensmonat, die im Mund parallel zu den Zähnchen ca. im 10.-12. Monat. Erst dann kann der Körper das Getreide aufschließen, problemlos verdauen und hat Nutzen davon.
Die Aussage ist absolut falsch. Wäre dem so, könnte der Säugling die Muttermilch nicht verdauen, die ja ebenfalls aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß besteht. Tatsächlich ist das Verdauungsystem des Säuglings vollständig ausgereift und produziert alle nötigen Enzyme. Das einzige, was sich erst entwickelt, ist die Darmflora, sie bildet sich entsprechend der Nahrung aus.
Wenn man das Getreide vorher bearbeitet, kann man einen Teil des Aufschlusses schon vorwegnehmen. Mahlen und lange quellen lassen ist eine Möglichkeit dazu und reicht gegen Ende des ersten Lebensjahres meistens schon aus - auf die Verdauung achten.
Das Wort "Aufschließen" geistert immer wieder durch die Medien, vor allem, wenn es um Getreide geht. Es gibt aber kein "Aufschließen" der Nahrung, es gibt nur eine Verdauung und den Stoffwechsel. Getreide wird wie jedes andere Lebensmittel auch, mit den Zähnen (oder einer Mühle) zerkleinert, in seinem Nährstoffe aufgespalten, verdaut und resorbiert. Eine wie auch immer geartete "Aufschließung" ist dazu nicht nötig.
Für jüngere Kinder sollte man, wenn man überhaupt Getreide geben will, die Körner mahlen, quellen lassen, aufkochen und nochmal quellen lassen.
Das ist überflüssig. Die Empfehlung resultiert sehr wahrscheinlich aus dem Versuch, fehlernährten Kindern Vollgetreide zu geben. Fabrikzucker macht Vollgetreide unverträglich und so reagieren mit Fertigprodukten / Fabrikzucker ernährte Kinder auf Vollgetreide häufig mit Verdauungsstörungen und Blähungen. Naiv betrachtet wird dann das Getreide verantwortlich gemacht, Ursache ist aber der Fabrikzucker in der Nahrung.

Meine Kinder haben als erste Beikost übrigens fein pürierten Frischkornbrei bekommen. Ohne auch nur den Hauch irgendwelcher Beschwerden - im Gegenteil.
Wenn man, wie beim klassischen Frischkornbrei, das Getreide die ganze Nacht quellen lässt, könnten sich tatsächlich Bakterien vermehren. Eine Möglichkeit, das zu verlangsamen, besteht darin, das Getreide und Wasser luftdicht verschlossen im Kühlschrank quellen zu lassen.
Solchen Aussagen liegt die Angst zugrunde, Bakterien seien böse Krankheitserreger. Bakterien sind aber tatsächlich eher "Gesundheitserreger". Wir haben Milliarden Bakterien in unserem Verdauungssystem und sie sind auch dringend nötig, weil sie in einer symbiotischen Beziehung diverse Vitalstoffe produzieren, ohne die wir nicht überleben könnten. Würde man die Bakterien aus dem Verdauungssystem entfernen, würden wir recht schnell krank werden und sterben.

Ein bei Raumtemperatur stehender Frischkornbrei ist nichts anderes als ein Sauerteigansatz. Die entstehenden Bakterien sind harmlos und erwünscht. Der Rat, das eingeweichte Getreide in den Kühlschrank zu stellen - sogar noch luftdicht - ist falsch und überflüssig. Das Getreide sollte bei Raumtemperatur stehen und mit einem Teller abgedeckt werden.
Lg
Angela mit Amelie 12/07, Annika 04/10 und Bauchmädchen 10/21
Lalumama
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Lalumama »

Ich sehe das genau wie Angela! Wir hatten und haben auch nur positive Erfahrungen mit Frischkornbrei, und Getreide aller Art.
Lösche Benutzer 1828

Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Vielen Dank für Deine Mühe, Angela.

Ich habe Getreide ja auch gegeben - ich konnte es aber nicht so erklären wie Du. Aber das kling für mich logisch. Auch, wenn wir von Vollwerternährung leider noch weit weg sind :oops:
Kulturell bedingt fände ich es schon schade, dass ein Kind hier in Deutschland Probleme mit Getreide haben könnte - wir essen nun mal viel Brot, Müsli usw.
Maja
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Maja »

Angela83 hat geschrieben:
Die Enzyme im Magen entwickeln sich so im 9./10. Lebensmonat, die im Mund parallel zu den Zähnchen ca. im 10.-12. Monat. Erst dann kann der Körper das Getreide aufschließen, problemlos verdauen und hat Nutzen davon.
Die Aussage ist absolut falsch. Wäre dem so, könnte der Säugling die Muttermilch nicht verdauen, die ja ebenfalls aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß besteht. Tatsächlich ist das Verdauungsystem des Säuglings vollständig ausgereift und produziert alle nötigen Enzyme. Das einzige, was sich erst entwickelt, ist die Darmflora, sie bildet sich entsprechend der Nahrung aus.
Es gibt verschiedene Verdauungsenzyme, sowohl im Mund als auch im Magen. Und der menschliche Körper kann die nicht alle von Geburt an bilden, sondern die Produktion entwickelt sich nach und nach (und das ist im Speichel und der Magenflüssigkeit nachweisbar), genau wie auch die Resorptionsfähigkeit des Darms sich nach und nach aufbaut.
Das trifft übrigens für alle Säugetiere so zu. Es hat seinen Grund, dass die Evolution viele Arten so ausgestattet hat, dass zunächst arteigene Milch getrunken wird.

Und ob wir den Mahl- und Quellvorgang "aufschließen" oder "aufspalten" nennen ist m.E. egal. Kommt aufs gleiche raus.

Viele Grüße!
2004/2006/2014
Linéathé
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Linéathé »

Da kann ich ja froh sein mir keine Gedanken machen zu müssen, da beide Kinder beschlossen haben erst mit 10 Monaten überhaupt etwas anderes als Muttermilch zu sich zu nehmen.
Ist aber eine sehr interessante Diskussion.

Werd gleich mal recherieren gehen.
Liebe Grüße Néa
GwAMg

Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von GwAMg »

Also, dass ein Kind mit ALLESN Enzymen auf die Welt kommt ist doch wirklch quatsch..ich mein, dann dürfte man ihnen ja auch alles füttern was man will, die Verdauung muss ausreifen, deswegen geben wir unseren Kindern doch so lange nx anderes außer MuMi! Und Kohlehydrate sind nicht gleich Kohlehydrat! Welche KH kommen denn in MuMi hauptsächlich vor? Laktose, ist ein Zweifachzucker, also ein ganz ganz kurzes KH...Die KHs in Getreide sind in der Regel um einiges länger, bnötigen also auch andere Enzyme! Übrigens, Amylose, also das KH, weldches im Mund von der Amylase gespalten wird kommt in Mumi gar nicht vor, also ist auch das Enzym unnötig! Genauso verhält es sich auch mit Fetten und mit EIweißen! Die bestehen nämlich aus Aminosäuren, davon gibt es 21 die ordnen sich an zu Eiweißen, allerdings nciht immer gleich, des wegen unterscheidet sich z.B. Kuhmilcheiweiß von Frauenmilcheiweiß vom Hühnereiweiß vom Soyaeiweß vom....und um all diese unterschiedlichen Verbindungen spalten zu können brquchts verschiedene Enzyme, die der Körper erst nach und nach bildet! Sonst könnte ich meinen Knd doch Problemlos Kuhmilch geebn von Geburt an, wenn doch die Enzyme da sind....aber weil se es nciht sind würde das Eiweß nicht aufgespalten werden udn würde so die Darmwand belasten, weil es ja durch diese hindurch muss um ins Blut und vn dort in die Zelln zu glangen...

"Gesundheitsberater" ist kein geschützter Begriff, nicht war??
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Angela83
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Angela83 »

ana85 hat geschrieben:"Gesundheitsberater" ist kein geschützter Begriff, nicht war??
keine Ahnung jedenfalls hat der Mann mehr Ahnung als mancher Arzt! Aber ganz klar mit der Einstellung Der "Vollwerternährung"! Damit ist wohl auch nicht jeder hier einverstanden...
Lg
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Pips
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Pips »

Ich hab jetzt mal eine Verständnisfrage (oder auch nicht...):
Es gibt doch in puncto Ernährung nur 3 Qualitäten, die abzubauen/aufzuspalten... sind:
a) Eiweiß
b)Kohlenhydrathe
c)Fett

Aus was besteht denn dann bitte Gemüse??? Wenn es sich hier (wie ich doch stark vermute) hauptsächlich um Kohlenhydrathe handelt, dann frag ich mich schon, wieso man das dann füttern 'darf' und das 100%-ige Kohlenhydrat (Getreide) nicht... :?: :?: :?: Bild
P.S. Mir ist auch klar, daß man zwischen lang- und kurzkettigen Sacchariden unterscheidet, das kann aber in puncto Stärke aus Obst/Gemüse dann auch wieder nicht das Problem sein...

Irgendwie kann ich auch den Zusammenhang 'Allergie' und 'Getreide' nicht ganz nachvollziehen... Anfang des vorigen Jahrhunderts war es 'normal' wenigen Monaten alten Säuglingen "Getreidesuppe" zu füttern (*grusel*). Allergien waren damals nicht wirklich bekannt - jedenfalls nicht in dem Ausmaß wie sie es Ende des vorigen Jahrhunderts sind... Da muß wohl doch was Anderes dahinterstecken... Bild
P.S. Allergien werden meines Wissens durch Proteine ausgelöst (ja im Getreide sind die auch drin, ist klar!). Und Karotte/Möhre ist sogar relativ hochpotent allergen, weswegen ja gerne auf Pastinake umgestiegen/zurückgegriffen wird.
Gruß vom Pips :D
Wenn wir einfach schon ganz früh erfahren dürfen, dass wir sind, und dass wir, weil wir sind, gut sind, ich glaube, das kann eine Gesellschaft wirklich grundlegend verändern. Alexandra 2011
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Re: Können Babys tatsächlich noch kein Getreide verwerten?

Beitrag von Maja »

Pips hat geschrieben:Ich hab jetzt mal eine Verständnisfrage (oder auch nicht...):
Es gibt doch in puncto Ernährung nur 3 Qualitäten, die abzubauen/aufzuspalten... sind:
a) Eiweiß
b)Kohlenhydrathe
c)Fett
Richtig. Und von jedem dieser Dinge gibt es zig verschiedene Sorten, und die brauchen zig verschiedene Verdauungssäfte im Körper, damit alles Gute rausgeholt werden kann :wink:

Zu Allergien:
Früher waren die Menschen insgesamt robuster, also die, die ihre Kleinkindzeit überhaupt überlebt haben. An Kuhmilch und Getreidesuppe sind damals genug Babys gestorben...
Außerdem gab es keinen Sagrotan Wäschespüler und keine Impfungen und keine Antibiotika und auch sonst vieles nicht was heutzutage das Leben "risikoloser" macht - das Immunsystem hatte einfach immer gut zu tun und keine Zeit für Allergien. Was uns nicht umbringt, macht uns härter :wink:
2004/2006/2014
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