Ich musste das Ganze jetzt erstmal sacken lassen, heulen und durchatmen.
Ich weiß jetzt grade nicht, wo ich genau stehe, was ich will.
Verstehe ich gut. Klar machst Du Dir Sorgen. Lass uns jetzt ganz in Ruhe schauen, was bei Euch geht und was nicht.
Die Familienhebamme hat sich die Gewichtsdaten auf die Kurve gezeichnet und sagt auch, dass es wenig ist, aber meint, dass sie ja total fit ist und gesund wirkt, nix auffällig oder so. Deswegen fällt es mir auch ein bisschen schwer das so ernst zu sehen jetzt, glaube ich.
Ja, das kann ich nachvollziehen. Es ist immer verwirrend, wenn man unterschiedliche Meinungen bekommt. Wenn die Familienhebamme das alles locker sieht - in Ordnung. Ihr Berufsstand weist sie als Fachfrau aus; wer bin ich, dass ich ihr da widerspreche.

Allerdings muss ich ganz klar sagen: Ein bissl was weiß ich auch, übers Gedeihen und über Gedeihstörungen. Ich habe die einschlägige Fachliteratur gelesen, entsprechende Fortbildungen besucht und vergleichsweise viel Beratungspraxis zu diesem Thema. Und die Regeln der Kunst, die ICH kenne, sagen EINDEUTIG, dass hier Handlungsbedarf besteht, ohne Wenn und Aber.
Meine Beratungsethik lässt eine weitere stillberaterische Begleitung hier nur zu, wenn wir uns diesbezüglich EINIG sind. Ansonsten werde ich Euren Fall umgehend abgeben, an Euren betreuenden KiA und/oder Familienhebamme, da sehe ich verantwortungstechnisch für mich überhaupt keine Wahl.
Ich mag ihr nicht noch öfter die Flasche geben, ich hab Angst dass sie dadurch noch mehr durcheinander kommt und ich sie dann später nicht mehr zur Brust zurück kriege.
Deine Angst ist verständlich und nicht unrealistisch. Allerdings: Das ist hier eine Prioritätenfrage, ganz klar. Oberste Priorität MUSS haben, dass eine gute Nahrungsversorgung Deines Babys jederzeit sichergestellt haben. Wenn das mit Stillen geht, schön - aber wenn das nur mit Flasche funktioniert, dann ist das ebenso. Dann muss mit Flasche gefüttert werden.
Aber jetzt einfach aufgeben ist mir auch zu schade irgendwo, ich hab soviel investiert an Zeit, Nerven und Geld. Und ich will doch einfach nur stillen, immer gibt es irgendwelche Probleme dabei
Ich kann Deine Gefühle wirklich gut nachvollziehen, Du hast viel investiert und hoffst auf entsprechenden Erfolg. Berücksichtige dabei aber auch, dass DU DICH zwischenzeitlich fürs Abstillen entschieden hattest. Auch dafür hattest Du Gründe. "Einfach nur stillen wollen" war vor vier Wochen NICHT Dein Wunsch.
Es ist vollkommen in Ordnung, seine Meinung zu ändern - auch mehrfach - aber die Verantwortung dafür wirst Du entsprechend übernehmen müssen. Es nützt nichts, jetzt mit getroffenen Entscheidungen zu hadern, die bereits in der Vergangenheit liegen. Was etwas nützt ist:
Jetzt zuversichtlich nach vorne schauen, konkrete Möglichkeiten ausloten, strukturiert an die Sache herangehen, offen bleiben.
Wenn ich das so mache wie du schreibst, jusl, brauche ich einen festen Plan, was Uhrzeit angeht und wann genau Flasche/BES. Ich habe aber Angst dass es mit dem BES zu stressig wird.
Bei der Planung bin ich sehr gern behilflich.

Dazu zunächst: Gib bitte mal eine realistische Schätzung ab, WIE OFT pro Tag Du gut mit BES stillen möchtest und kannst.
3-4 mal, wie bislang, geht das? Oder lieber weniger?
Und was mache ich, wenn sie trotz allem Aufwand ihr tägliches Soll nicht erreicht?
Das werden uns die künftigen Gewichtsdaten klar sagen, was dann zu tun ist.
Mein Vorschlag für jetzt ist: Kein Kopfkino! Ehe Du Dir überlegst, was Du machst, wenn der Fall XY eintritt, lass uns doch erstmal schauen, OB der Fall XY überhaupt eintritt.
Ich möchte Dich ermutigen, jetzt erstmal vernünftigen "Aufwand" zu treiben und zuversichtlich zu bleiben, dass dieser schon den gewünschten Erfolg bringen wird.
Einverstanden?
LG
Julia