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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 07.08.2012, 22:36
von Muschelsucherin
@Hennnamae:
Zu der Kochkisten-Geschichte nochmal.
Sowas mag ja ok sein, wenn man es grundsätzlich in Ordnung findet, dass sich größere und ältere Menschen über kleinere und jüngere Menschen erheben und meinen diese bestrafen zu dürfen.
Ich lehne Bestrafungen von Kindern grundsätzlich ab. Sie entsprechen in keiner Weise dem Umgang, den ich mit meinen Mitmenschen pflegen möchte und schon gar nicht mit Schutzbefohlenen.
Zu Hause wenden wir solche Methoden nicht an und deswegen möchte ich meine Kinder auch ungern außer Haus solchen Disziplinierungsmaßnahmen aussetzen.
Für mich sind Kinder und Erwachsene gleichwertig.
Rudolf Steiner hat ausdrücklich geschrieben (oder gesagt), dass das NICHT so ist, dass der Erwachsene ganz klar ÜBER dem Kind steht und das Kind den Erwachsenen als natürliche und von Gott gegebene Autorität anerkennen muss.
Das Kind soll zum Erwachsenen aufschauen.
(Quelle: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft)
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 07:44
von LaLeMi
Ja, das ist wohl das Problem; die besten Einrichtungen sind die, die eigentlich schon gar nicht mehr so nah am Ursprung dran sind - und die vielleicht auch noch relativ neu sind (unsere bestehen ja hier alle schon 20 Jahre und z.T. viel länger).
Hennamae, sicher , Schlussendlich haben wir uns ja auch passendere Einrichtungen gesucht - leider ist in der Provinz die Auswahl ja insgesamt nicht endlos groß; in der Großstadt wären wir da sicher schneller weg gewesen.
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 09:47
von hennnamae
Muschelsucherin hat geschrieben:@Hennnamae:
Zu der Kochkisten-Geschichte nochmal.
Sowas mag ja ok sein, wenn man es grundsätzlich in Ordnung findet, dass sich größere und ältere Menschen über kleinere und jüngere Menschen erheben und meinen diese bestrafen zu dürfen.
Ich lehne Bestrafungen von Kindern grundsätzlich ab. Sie entsprechen in keiner Weise dem Umgang, den ich mit meinen Mitmenschen pflegen möchte und schon gar nicht mit Schutzbefohlenen.
Zu Hause wenden wir solche Methoden nicht an und deswegen möchte ich meine Kinder auch ungern außer Haus solchen Disziplinierungsmaßnahmen aussetzen.
Für mich sind Kinder und Erwachsene gleichwertig.
Rudolf Steiner hat ausdrücklich geschrieben (oder gesagt), dass das NICHT so ist, dass der Erwachsene ganz klar ÜBER dem Kind steht und das Kind den Erwachsenen als natürliche und von Gott gegebene Autorität anerkennen muss.
Das Kind soll zum Erwachsenen aufschauen.
(Quelle: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft)
Ich habe betont, dass ich die Kochkistenlösung für NICHT gut halte - die Tatsache, dass man sich Regeln schafft, damit die Gruppe funktioniert, hingegen schon.
Hast du ne Seitenzahl, dann lese ich den Kontext nochmal nach. Dann mag ich dazu nochmal was sagen. Denn für mich gibt es so viele Begriffe in diesem Wust. Gleichwertig, gleichwürdig, gleichberechtigt, etc. Und die sagen alle gänzlich unterschiedliches aus. Ein Kind kann z. B. nicht gleichwertig in Bezug auf die "Hackordnung" sein - in seinem Wesen ist es aber dennoch absolut gleichwürdig.
Ich denke und merke, es hat einfach sehr sehr viel damit zu tun, mit welchem Anspruch man an Erziehung geht - oder eben halt NICHT. Ich praktiziere ausdrücklich Erziehung. Andere eben ausdrücklich nicht. Wir alle aber wohl aus den gleichen Gründen: Weil wir der Würde und dem Wesen unserer Kinder gerecht werden wollen.
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 09:49
von hennnamae
hennnamae hat geschrieben:Muschelsucherin hat geschrieben:@Hennnamae:
Zu der Kochkisten-Geschichte nochmal.
Sowas mag ja ok sein, wenn man es grundsätzlich in Ordnung findet, dass sich größere und ältere Menschen über kleinere und jüngere Menschen erheben und meinen diese bestrafen zu dürfen.
Ich lehne Bestrafungen von Kindern grundsätzlich ab. Sie entsprechen in keiner Weise dem Umgang, den ich mit meinen Mitmenschen pflegen möchte und schon gar nicht mit Schutzbefohlenen.
Zu Hause wenden wir solche Methoden nicht an und deswegen möchte ich meine Kinder auch ungern außer Haus solchen Disziplinierungsmaßnahmen aussetzen.
Für mich sind Kinder und Erwachsene gleichwertig.
Rudolf Steiner hat ausdrücklich geschrieben (oder gesagt), dass das NICHT so ist, dass der Erwachsene ganz klar ÜBER dem Kind steht und das Kind den Erwachsenen als natürliche und von Gott gegebene Autorität anerkennen muss.
Das Kind soll zum Erwachsenen aufschauen.
(Quelle: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft)
Ich habe betont, dass ich die Kochkistenlösung für NICHT gut halte (
*) - die Tatsache, dass man sich Regeln schafft, damit die Gruppe funktioniert, hingegen schon.
edit:
*= sie mein Wesen aber auch nicht angegriffen hat, bzw. mich nachhaltig beeinflusst hat (was bei anderen durchaus anders sein kann)
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 10:10
von Mamika
Muschelsucherin hat geschrieben:@Hennnamae:
Zu der Kochkisten-Geschichte nochmal.
Sowas mag ja ok sein, wenn man es grundsätzlich in Ordnung findet, dass sich größere und ältere Menschen über kleinere und jüngere Menschen erheben und meinen diese bestrafen zu dürfen.
Ich lehne Bestrafungen von Kindern grundsätzlich ab. Sie entsprechen in keiner Weise dem Umgang, den ich mit meinen Mitmenschen pflegen möchte und schon gar nicht mit Schutzbefohlenen.
Zu Hause wenden wir solche Methoden nicht an und deswegen möchte ich meine Kinder auch ungern außer Haus solchen Disziplinierungsmaßnahmen aussetzen.
Für mich sind Kinder und Erwachsene gleichwertig.
Rudolf Steiner hat ausdrücklich geschrieben (oder gesagt), dass das NICHT so ist, dass der Erwachsene ganz klar ÜBER dem Kind steht und das Kind den Erwachsenen als natürliche und von Gott gegebene Autorität anerkennen muss.
Das Kind soll zum Erwachsenen aufschauen.
(Quelle: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft)
Ich habe jetzt nicht den ganze Thread verfolgt und im Moment auch nicht die Zeit dazu...
Ich finde meine Ausgabe von "die Erziehung des Kindes..." gerade nicht. Das steht sicherlich so da drin. Allerdings meine ich, dass das so verkürzt etwas problematisch ist... Die Anthroposophie achtet den Menschen, unabhängig von seinem Alter. Erziehung im Sinne der Anthroposophie soll dem Kind helfen, sich alters- und wesensgemäß so zu entwickeln, dass er ein freier und mündiger Mensch wird. Ein Mensch, aus dem sein Wesen so frei wie möglich sprechen kann.
Ein Kind ist noch in Wachstums- und Entwicklungsprozesse eingebunden, aber natürlich ein vollständiger und wertvoller Mensch.
Das Erziehungsleitbild im ersten Jahrsiebt ist "Autorität". Gemeint ist dabei keineswegs der den Rohrstock schwingende, strenge Erzieher /Lehrer, sondern jemand, der sich so verhält, dass er nachahmenswert ist. Denn das kleine Kind soll durch Nachahmung lernen, nicht durch Belehrungen.
Ich denke, dass grundsätzlich Konfliktpotenzial da besteht, wo Eltern, die sich dem "Unerzogen"-Konzept o.ä. hingezogen fühlen, meinen, Waldorfeinrichtungen wären so ähnlich. Ich höre das auch häufig von älteren Leuten: "Oh, Waldorf! Das ist doch so antiautoritär." Nein, ist es keineswegs. Natürlich gibt es viele verschiedene Einrichtungen... Aber das Grundkonzept ist eben keineswegs ganz offen, alternativ und antiautoritär. Das kann man mögen oder auch nicht. So wie mit allen anderen Konzepten ja auch...

Ich denke eben nur, dass viel Frust von Erwartungen kommt, die sich eben nicht mit der Realität decken... (war jetzt auf keinen hier im Thread gemünzt. Wie gesagt, ich habe den Thread gar nicht ganz gelesen...

)
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 10:54
von hennnamae
Mamika hat geschrieben:Das Erziehungsleitbild im ersten Jahrsiebt ist "Autorität". Gemeint ist dabei keineswegs der den Rohrstock schwingende, strenge Erzieher /Lehrer, sondern jemand, der sich so verhält, dass er nachahmenswert ist. Denn das kleine Kind soll durch Nachahmung lernen, nicht durch Belehrungen.
Danke, dass dus richtig rum drehst. Ich bin leider (noch) nicht so prima drin, als dass ich die richtigen Worte finden könnte.
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 13:24
von Muschelsucherin
Mamika hat geschrieben:
Das Erziehungsleitbild im ersten Jahrsiebt ist "Autorität". Gemeint ist dabei keineswegs der den Rohrstock schwingende, strenge Erzieher /Lehrer, sondern jemand, der sich so verhält, dass er nachahmenswert ist. Denn das kleine Kind soll durch Nachahmung lernen, nicht durch Belehrungen.
)
So sehe ich es ja eigentlich auch.
ABER die Erzieherin meines Sohnes empfinde ich halt als so gar nicht nachahmenswert in ihrem Schimpfen und mit ihren Bestrafngsmaßnahmen.
Was lernt mein Sohn denn da?
Dass es ok ist, andere zu demütigen und sich über sie zu erheben.
Und er soll Gehorsam lernen.......bahhhhhhh.
Was erzieht man sich denn da?
Unmündige Ja-Sager!
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 13:28
von asujakin
hennnamae hat geschrieben:Ein Kind kann z. B. nicht gleichwertig in Bezug auf die "Hackordnung" sein - in seinem Wesen ist es aber dennoch absolut gleichwürdig.
Das ist für mich irgendwie so GANZ anders. Wenn ich mein Kind unterdrücken muss, erziehen, klein halten, FORMEN - dann nehme ich es NICHT an wie es ist in all seinem Wesen. Das ist das was Waldorf ja immer wieder betont. Wir nehmen das Kind an wie es ist, greifen es da auf wo es steht. Aber letztendlich lässt man es dann NICHT so wie es ist...das hat für mich NULL mit Gleichwürdigkeit zu tun...
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 13:36
von Muschelsucherin
Heannnamae, hast du Steiner denn mal gelesen oder einen Waldorfkiga mal länger besucht oder hospitiert NACH deiner eigenen Kigazeit?
Das ist nämlich was völlig anderes als deine Kindheitserinnerungen.
Ich habe jetzt 4,5 Jahre Waldorferfahrung und viel viel viel gelesen.
Asu, ich gebe dir vollkommen recht.
Re: Waldorfkindergarten-Frust
Verfasst: 08.08.2012, 13:40
von hennnamae
asujakin hat geschrieben:hennnamae hat geschrieben:Ein Kind kann z. B. nicht gleichwertig in Bezug auf die "Hackordnung" sein - in seinem Wesen ist es aber dennoch absolut gleichwürdig.
Das ist für mich irgendwie so GANZ anders. Wenn ich mein Kind unterdrücken muss, erziehen, klein halten, FORMEN - dann nehme ich es NICHT an wie es ist in all seinem Wesen. Das ist das was Waldorf ja immer wieder betont. Wir nehmen das Kind an wie es ist, greifen es da auf wo es steht. Aber letztendlich lässt man es dann NICHT so wie es ist...das hat für mich NULL mit Gleichwürdigkeit zu tun...
Hackordnung steht extra in "", weil es ja eben nicht um Unterdrückung geht. Es ist halt vielmehr so, wie Mamika schreibt. Nichtsdestotrotz sehe ich mich halt in der Rolle als Mutter und mein Kind eben als mein Kind. Ich weiß nicht, wie ich es besser umschreiben soll.
Es geht ausdrücklich nicht um Unterdrücken, gezieltes Formen, Umgestalten der Persönlichkeit des Kindes. Doch, formen eigentlich schon irgendwie. Es geht darum, die Möglichkeit zu schaffen, dass das die beste Anregung bekommt. Leitung versteht sich halt als Anregung.
Und ein Kind zu Erziehen, heißt noch lange nicht, es in seinem Wesen zu verändern. Woher kommt deine Erziehungs-Phobie. Du betonst zwar immer wieder, dass du aus einem "freien Elternhaus" kommst, aber irgendwie musst du sehr schlechte Erfahrungen mit Erziehung gemacht haben, dass du da solch eine Panik hast

Du kannst dich auch nicht von Erziehung frei sprechen. Allein, dass du existierst, dass du mit deinem Kind interagierst, etc. ist schon Erziehung.
@ Muschelsucherin: Viel besucht, einiges gelesen, etc. Aber ich schrieb sehr bewusst aus der Kinderperspektive, denn darum gings ja auch
