Seite 9 von 20
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 08:47
von vicci
"im übrigen herrscht gerade aus psychologischer ecke ein großer widerspruch bzgl. der psychischen entwicklung von langzeitstillkindern. (und wer darf nun entscheiden, wer "richtig" liegt??"
Na ich

In 2/3 dieser Welt wird langzeitgestillt, mit deutlich weniger pathologischen Auffälligkeiten....Und das nicht immer aus der "primitiven" medizinischen Situation heraus. Wir hingegen, die garnicht oder im Vergleich mit dem natürlichen Stillalter "wenig" stillen können uns vor psychischen oder psychosomatischen Krankheitsbildern kaum retten. das liegt bestimmt nicht nur am frühen abstillen, jenes ist aber Symptom einer Art und Weise Kinder großzuziehen (nochmal: ich meine niemanden hier persönlich).
Ich muß auch ganz ehrlich sagen, ich sehe den Unterschied schon deutlich bei vielen Kindern aus der LL. Sie sind nicht zwangsläufig aufgeschlossener oder mutiger, nicht unbedingt überdurchschnittlich selbstständig aber sie sind so gut wie alle überdurchschnittlich sozial! Nicht einmal mußte meine Lara weinen. Sofort war ein Großes zur Stelle und hat sie getröstet, bei der Hand genommen und zu mir geführt. Ein Großes beschreibt hier übrigens die Altersspanne von 6-11 Jahren. Sätze wie:"Ein Kind läßt man nicht weinen" oder "ich helfe Dir, komm ich bring Dich zur Mama" sind dort normal. Oder die 5-jährige meiner Freundin, die Lara an der Hand nimmt und sagt: "Ich passe gut auf sie auf", was sie in der Tat immer tut (und zwar so liebevoll, daß ich nie gebraucht werde, stimmt`s Nico

). Nicht, daß diese Kinder weniger wild oder unartig wären, sie geben aber weiter, was sie erfahren haben: Seine eigenen Ansprüche in Kompromiß mit denen anderer zu setzen, für den anderen einstehen. Klar muß ein Kind dafür nicht 6 Jahre gestillt werden aber Langzeitstillen ist Teil einer sehr fürsorglichen Erziehung.
Und da kann RTL mit seinen Psychologen 1000 Mal sagen, ich schade meinem Kind oder Langzeitstillen ist irrelevant, die Realität beweist mir das Gegenteil!
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 08:49
von vicci
Ginevere hat geschrieben:vicci: Ich finde deine Gedanken zu dem Thema sehr interessant und kann dem zu einem großen Teil auch zustimmen. Allerdings würde ich es besser finden, dafür einen Extrathread zu öffnen um das zu diskutieren.
In diesem Thread hat eine Mama ganz konkret um Hilfe gebeten. Und da finde ich Grundsatzdiskussionen irgenwie fehl am Platz. MEINE Meinung.

Hast recht aber ich habe eigentlich schon lange fertig

Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 09:55
von Sakura
vicci hat geschrieben:In 2/3 dieser Welt wird langzeitgestillt, mit deutlich weniger pathologischen Auffälligkeiten....
ist das so? in china, was ja schon mal mehr als 1/5 der weltbevölkerung ist, scheint die flasche das allheilmittel zu sein, wenn ich an den melamin-skandal zurückdenke. in afrika und indien füttert mit der flasche, wer es sich statusmäßig und trinkwassermäßig leisten kann, und selbst wenn das trinkwasser nur so lala ist, greifen viele mamis zur flasche. teilweise auch, weil sie dann MÜSSEN, weil die eigene milch dank kostenlos gesponsorter flaschenmilch am anfang nicht reicht. die boykottaufrufe gegen nestle und co. haben ja einen grund.
und weniger pathologisch? hm... die bürgerkriege in afrika würde ich jetzt schon so ein bissl als pathologisch einstufen. SWS-abbrüche, weil der fötus weiblich ist, witwenverbrennung in indien... was ist pathologisch, was ist tradition? ist kinder prügeln mehr oder weniger pathologisch als witwenverbrennung, nur weil das eine wie das andere hier bzw. dort tradition hat?
du hast in vielem recht, was du schreibst, aber ich persönlich möchte stillen nicht als das allheilmittel begreifen. und auch nicht als das einzig wichtige im umgang mit einem kind. eine freundin von mir hatte eine ganz fiese entbindung, die in einem notkaiserschnitt endete. danach hat ihr kind so stark abgenommen, dass es zugefüttert wurde, und damit wurde dieser teufelskreis in gang gesetzt, den sie nicht wieder geschafft hat zu durchbrechen. sie ist also eine flaschenmami. sie füttert pre nach bedarf, auch nachts mehrmals, denn ihr flaschenkind schläft NICHT durch. und sie ist soooooo viel liebevoller mit ihrem kind als eine andere freundin von mir. diese andere freundin hat ihr erstes kind 12 monate voll gestillt, aber dann direkt geferbert. ihr zweites kind hat sie mit 9 monaten geferbert, erfolglos. erfolglos heißt, das kind hat es eben nicht "gelernt", sondern brüllt nachts immer noch. dieses kind wird tagsüber gestillt. und nachts brüllen gelassen.
du siehst, worauf ich hinaus will? ich finde, es ist das GESAMTBILD, was entscheidet. stillen ist EIN element. zugegeben ein immens wichtiges. aber ich finde, im umgang mit einem kind ist stillen eben NICHT das einzige, worauf es ankommt.
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 09:57
von weepi
hihihi Ich finde es, wie gesagt gut,das hier auch mal diskutiert wird.
Mit einmal durchatmen reagiere ich auch nicht mehr so emotional(geht ja schliesslich auch immer ein stueck weit um mich;) )
Vicci ruhig Blut, ich finde auch deine Ansaetze gut, ich kann verstehen das es dir absolut um Arne geht.Und ich merke auch das er vermehrt getragen wird.Also du hast definitiv nicht unrecht.
Nur in meiner Situation ging und geht es mit dem stillen einfach nicht mehr. Ich habe nun nicht das Gefuehl selber ein tiefgruendendes Problem zu haben, ich versuche mich schon zu reflektieren.Ich hatte ein persoenliches Problem,. dass sich anscheinend mit dem abstillen aufloeste,naemlich das ich einfach nimmer wollte.
Ich haette ihn auch niemals abgestillt wenn er weiter so wenig gegessen haette und natuerlich getrunken. Aber er hat es auf einmal angefangen.Und er tut es gerne und mit Hingabe, er geniesst auch das!
Und es ist schon lange klar das Arne ein absolutes Papa Kind ist.Den grossen konnte mein Mann weder abends ins bett bringen noch nachts beruhigen, das alles klappt bei Arne ganz wunderbar.Arne stillte und wollte danach sofort zu ihm auf den Arm.Haette mein Mann stillen koennen, ich haette gewusst wofuer er sich entscheidet;)
krikri ich kann dich absolut verstehen und mir geht es ganz genauso so.Ich habe gestillt ohne drueber nachzudenken. Den grossen wollte ich garnicht stillen, er wurde sofort auf die Intensiv verlegt und mein Mann regelte alles, also pumpte ich alle 2h ab, so kam ich zum stillen und bei Arne war es nun einmal selbstverstaendlich.Ich weiss also was du meinst, wenn man ans stillen denkt und keine glaenzenden Augen bekommt.Es war anscheinend kein Ausrutscher mit dem schlafen, er schlaeft immer noch durch.Und ja das ist fuer mich sooo erholsam!
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 10:28
von vicci
vicci hat geschrieben:Ginevere hat geschrieben:vicci: Ich finde deine Gedanken zu dem Thema sehr interessant und kann dem zu einem großen Teil auch zustimmen. Allerdings würde ich es besser finden, dafür einen Extrathread zu öffnen um das zu diskutieren.
In diesem Thread hat eine Mama ganz konkret um Hilfe gebeten. Und da finde ich Grundsatzdiskussionen irgenwie fehl am Platz. MEINE Meinung.

Hast recht aber ich habe eigentlich schon lange fertig

Ist so

2/3.
Aber genau das habe ich doch gesagt: Ein Element oder ich habe es glaube ich EINEN TEIL genannt.....
Ich habe auch nichts gegen Flaschenmamis. Eine meiner besten Freundinnen ist eine....Ich weiß nicht, wo dise Annahme herkommt

Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 10:32
von vicci
Sollte sich natürlich auf Sakua beziehen.....
Wußtest Du übrigens Sakura, daß einige Kriegsstämme in Afrika ihre Kinder bewußt frühzeitig abstillen? das ist EIN TEIL ihrer Erziehung zum Krieger...
LG
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 12:42
von krikri
Schön, dass es bei euch in die richtige Richtung geht.
Müsste die Programmierung nicht auch dafür sorgen, dass ein Kind diese Art Verlust verkraftet ohne in seiner Entwicklung Schaden zu nehmen?
Um so mehr, wenn sonst "alles stimmt"? In der Form das Rücksicht auf die Bedürfnisse genommen wird, meine ich. Ein Kind, dessen Bedürfnis nach Nahrung und Nähe usw. gestillt wird, müsste doch viel mehr auf Lebensfreude und Kompensationskraft programmiert sein, als darauf, Schaden zu nehmen. Evolutionär sollte sich das längst als günstiger erwiesen haben, oder nicht?
Irgendo las ich mal den Satz, Kinder erwarten keine perfekten Eltern. Perfekte Eltern kommen in der Natur nicht vor.
Es gab mal einen Fred zum Thema, da ging es sehr in den Bereich, wie ist es denn "natürlich", da es ja das sogenannte natürliche Abstillen gibt. Das war auch intererssant. Ich finde die Begriffswahl unglücklich, da es, wie ich das sehe, in der Natur auch nicht viele Fälle des Natürlichen Abstillens gibt.
GlG
krikri
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 13:10
von vicci
krikri hat geschrieben:Schön, dass es bei euch in die richtige Richtung geht.
Müsste die Programmierung nicht auch dafür sorgen, dass ein Kind diese Art Verlust verkraftet ohne in seiner Entwicklung Schaden zu nehmen?
Um so mehr, wenn sonst "alles stimmt"? In der Form das Rücksicht auf die Bedürfnisse genommen wird, meine ich. Ein Kind, dessen Bedürfnis nach Nahrung und Nähe usw. gestillt wird, müsste doch viel mehr auf Lebensfreude und Kompensationskraft programmiert sein, als darauf, Schaden zu nehmen. Evolutionär sollte sich das längst als günstiger erwiesen haben, oder nicht?
Irgendo las ich mal den Satz, Kinder erwarten keine perfekten Eltern. Perfekte Eltern kommen in der Natur nicht vor.
Es gab mal einen Fred zum Thema, da ging es sehr in den Bereich, wie ist es denn "natürlich", da es ja das sogenannte natürliche Abstillen gibt. Das war auch intererssant. Ich finde die Begriffswahl unglücklich, da es, wie ich das sehe, in der Natur auch nicht viele Fälle des Natürlichen Abstillens gibt.
GlG
krikri
Uuuuund wieder: Ich habe nicht gesagt, daß ein Kind zwangsläufig Schaden nimmt. Außerdem ist das so einfach ja auch nicht: Es nimmt Schaden oder nicht. Da gibt es vielerlei Schattierungen. Und unterschiedliche Temperamente. Das eine Kind stört es kaum abgestillt zu werden, das andere trauert um seine Brust und das dritte verliert sein Vertrauen durch den Verlust. Und trotz seines mangelnden Vertrauens in die Menschen, die es liebt (oder vielleicht gerade deshalb?), ist dieses Kind vielleicht sehr folgsam oder künstlerisch begabt oder einfach nett. Vielleicht alles "gute" Mütter, die sich alle Mühe gegeben haben sanft abzustillen.
Nun, Bezug auf die Natur nehmend: Die Muttermilch einer Katze unterscheidet sich grundlegen von unserer. Nestflüchter haben eine anders Zusammengesetzte Milch als Nesthocker. Elefanten eine andere als Mäuse....Das heißt nicht, daß Muttermilch nicht besonders fetthaltig sein kann....oder besonders dünn. Milch ist nicht Milch....Also warum muß bezweifelt werden, daß es ein natürliches Abstillen gibt? Es gibt Spezies, die stillen natürlich ab und welche, die tun es nicht. Es gibt fetthaltige Muttermilch und fettärmere. Da kann man nicht vergleichen - wir Menschen sind eine Spezies, die sich (wenn man sie läßt) natürlich abstillt.
LG
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 14:11
von krikri
vicci hat geschrieben:
Uuuuund wieder: Ich habe nicht gesagt, daß ein Kind zwangsläufig Schaden nimmt.
Ich hab gar nicht deine Äusserungen speziell gemeint. Ohne den Fred auswendig zu können, kommt es mir aber doch so vor, als wenn weepi von einigen Stimmen sehr deutlich darauf aufmerksam gemacht wurde, wie sehr ein Abstillen zu diesem Zeitpunkt die Bedürfnisse ihres Kindes verletzt. Daher meine Frage.
vicci hat geschrieben:
Es gibt Spezies, die stillen natürlich ab und welche, die tun es nicht. ....
- wir Menschen sind eine Spezies, die sich (wenn man sie läßt) natürlich abstillt.
LG
Mag sein, dass es Spezies gibt, die "natürlich abstillen". Ist Dir eine bekannt? Als ich hier zu diesem Thema schon mal fleissig mitdiskutiert habe, konnten wir keine finden.
Ich finde die Begriffswahl unglücklich, weil es in der Natur eben mindestens sehr weit verbreitet ist, nicht dem Nachwuchs die Entscheidung zu überlassen, wie lange gestillt wird.
Ein "natürliches" Stillverhalten, wie überhaupt ein natürliches "Brutpflegeverhalten" - im Sinne eines Ursprünglichen - konnte für Menschen nicht gefunden werden, da es in allen Gesellschaften ganz unterschiedlich gehandhabt wird.
Ich glaube, es war Gerald Hüther, der gesagt hat, Kinder erwarten keine perfekten Eltern. Die kommen in der Natur nicht vor.
GlG
krikri
Re: mittlerweile ungluecklich
Verfasst: 04.10.2011, 14:22
von miss_undercover
vicci, ich würde Dir echt mal ans Herz legen, Renz-Polsters "Kinder verstehen" zu lesen (ich weiß, ich empfehle das oft, aber es ist auch SO ein tolles Buch)
Da beschreibt er ganz klar, dass es artgerecht ist, Menschenbabys auch mehrere Jahre lang zu stillen, enttarnt aber auch den Mythos, dass das selbstständige Abstillen des Kindes irgendwie "natürlicher" sei als das von der Mutter eingeleitete Abstillen. Menschenmütter haben schon immer überall auf der Welt aus ganz unterschiedlichen Gründen abgestillt - und Menschenkinder sind evolutionär darauf vorbereitet, das gut wegzustecken, und zwar auch "schon" mit 11 Monaten
