Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

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EhUKr

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von EhUKr »

asujakin hat geschrieben:Ich finde diese "perfektionistische" Entwicklung was die Mehrsprachigkeit angeht irgendwie sehr anstrengend und verkopft. Ich habe beide Sprachen perfekt gelernt ohne konsequentes OPOL und kenne zig andere Fälle in denen das so ist.
Hast du nicht vor kurzem geschrieben, dass du kein/kaum Deutsch konntest, als du mit 6(?) nach Deutschland gezogen bist? Meine Kinder werden voraussichtlich ihre ganze Kindheit und Jugend in einem nicht deutschen Umfeld aufwachsen und mir ist es wichtig, dass sie gut Deutsch sprechen. Ich spreche mit den Kindern auch schon mal Englisch, naemlich dann, wenn wir in einer Gruppe sind und die Aussagen relevant sind fuer die Gruppe bzw. das Gruppengeschehen. Wenn nicht, spreche ich Deutsch. Wenn mich Leute dann fragend anschauen (oder direkt fragen), dann uebersetze ich auch. Mein Grosser wechselt bei jeder Gelegenheit zu Englisch, sein Englisch ist viel besser und es ist teilweise echt schwierig fuer mich, das Deutsch beizubehalten.

Liebe Gruesse
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lala
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von lala »

Maya, die Analogie zum Dialekt ist gut. Ich muss ja gestehen, dass ich mich schon manchmal ein wenig komisch gefühlt habe, wenn ich wo zu Besuch war, wo ich kaum ein Wort verstanden habe. Ist jetzt aber wieder eine ganz andere Situation als die der Spielgruppe, von daher muss ich das ja jetzt nicht ausbauen. Wie weiter oben aber schon geschrieben: es gib in vielen Familien ja auch "Spezialworte" wie zum Beispiel fürs Stillen (Aber ja auch ganz allgemein, je kleiner die Kinder sind, desto spezieller ihr Wortschatz, den oft nur die Mutter versteht.). Werden diese in einer Spielgruppensituation benutzt, empfindet Ihr die Ausgrenzung dann auch so stark?

Wisst Ihr, wenn eine ausländische Mutter mit ihrem Kind eine Spielgruppe besucht, die ganze Zeit am Rande sitzt und sich in ihrer Sprache mit ihrem Kind unterhält und ansonsten nicht beteiligt, dann würde ich wirklich gut verstehen dass die Leitung interveniert. Aber in dem hier beschriebenen Fall stimme ich mit ihr überhaupt nicht überein.
Viele Grüße von lala mit größerer Tochter (03/05) und kleinerer Tochter (11/07).
lily
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von lily »

Obwohl alle wichtigen Punkte eigentlich schon angesprochen wurden, würde ich auch gerne noch meinen Senf dazu geben...
danke, Maja, Jusl, Coccolone, Seerose und ihr anderen, ihr sprecht mir aus der Seele!
Sowohl in meiner Pekipgruppe als auch im Musikgarten sind Mütter, die ihren Kindern kleine, persönliche Dinge in der Muttersprache sagen - mich hat das noch nie gestört, die Gruppenleiterinnen auch nicht. Man kann aber selbst da durchaus die "Zweiklassengesellschaft der Bilingualität" erkennen - der Schwedin wird überall offenes, freundliches Interesse entgegengebracht, die Mazedonin musste sich das eher "erarbeiten".
Bin übrigens die Tochter einer "höflichen", gut integrierten Migrantin. Ich verstehe ihre Muttersprache nicht, und wenn ich meine Oma besuche, sitzen wir uns stumm lächelnd gegenüber.
Ich freue mich sehr, dass meine Mutter mittlerweile mit meinem Sohn in ihrer Muttersprache spricht, auch wenn der diese wohl nicht lernen wird - der Klang ihrer Stimme ist einfach anders, wärmer und irgendwie herzlicher, echter.
Warum sollte man darauf verzichten?
lg
lily
lg von
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Sabsi
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von Sabsi »

Stören ist zu viel gesagt, aber ich fand es schon auch irgendwie komisch, als im Musikgarten eine Mama tschechisch (?) mit ihrer Tochter gesprochen hat. Von OPOL hatte ich da vorher schon gelesen, also ich wusste, dass das so wohl "richtig" für's Kind sein wird, empfand es aber doch irgendwie als nicht so passend in der Gruppe.

Im Fabelkurs hatten wir zwei Mamas, die sich gern mal auf französisch unterhalten haben. Das hat mich so persönlich auch nicht gestört, wenn die mal fünf Minuten unter sich geschwätzt haben (wenn ich mit meiner Freundin, die mit ihrer Tochter neben mir gesessen hat, geflüstert habe, dann hat auf der anderen Seite des Raumes auch keiner verstanden, was wir gesprochen haben, obwohl es auf deutsch war...) aber unhöflich fand ich es trotzdem irgendwie. Ich sehe durchaus einen Unterschied, ob sich da nun zwei Frauen in einer anderen Sprache unterhalten oder eine Mutter mit ihrem Kind. Ersteres hat schneller einen Unhöflichkeits-Touch in meinen Augen.
Aber wenn die Leiterin im Ausgangspost damit ein Problem hat, dann finde ich es legitim, wenn sie darum bittet, in ihrer Gruppe deutsch zu sprechen. Dem Kind wird das die Muttersprache nicht verhageln, wenn die Mutter eine Stunde in der Woche gegen die Regel verstößt, zumal ja sowieso ein großer Teil der Kommunikation wie schon festgestellt wurde auf deutsch läuft und somit OPOL eh nicht durchgehalten werden kann. Der Leiterin dann gleich kleingeistigkeit zu unterstellen, finde ich unverschämt.
... das Leben geht weiter weil es muss ... es hält nicht an ... nur weil Du stehen bleibst ...

Tochter 3/07 und Sohn 4/10
Maiglöckchen
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von Maiglöckchen »

Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Meinungen. Ich habe alle Beiträge mehrmals gelesen und alles, was ihr gesagt habt, ist für mich sehr sehr wichtig. Vielen lieben Dank dafür.
Ich würde gerne jeder von euch persönlich antworten, das schaffe ich aber nicht- es wird schneller geschrieben, als ich lesen kann :) sorry!
Wenn ich mit D. schwanger war, habe ich mir viele Gedanken über Zweisprachigkeit gemacht, habe viel darüber in der Fachliteratur gelesen und wusste ziemlich genau, wie man es „richtig“ machen soll. Als D. dann in meinen Armen lag, waren alle Gedanken und alle theoretische Kenntnisse irgendwie nicht mehr so wichtig, was kam war meine Muttersprache, ich sang, sprach zu ihm und es fühlte sich gut und richtig an.
Ich spreche 6 Sprachen, darunter 2 als Muttersprachen, manchmal ist es leichter für mich mich auf Deutsch zu verständigen, z.B. in den Situationen wo es vorteilhafter wäre, dass auch andere mitbekommen was dem Kind gesagt wird. Z. B. wenn meine deutschen Freundinnen zu Besuch kommen, wird stets Deutsch gesprochen. Etwas anderes käme mir nicht in den Sinn. Es ist die Frage der Erziehung, andere Menschen zu respektieren, dazu gehört für mich auch die Sprache zu sprechen, die anderen verstehen.
In der Waldgruppe ist es so, dass die Kinder ziemlich „frei“ sind und die Eltern sind meistens mit ihren Kindern zusammen, separat von der Gruppe, z. B. beim Balancieren, Naturmaterialien sammeln, etc. ich höre gar nicht was die anderen Eltern dabei den Kindern sagen und spreche selbstverständlich Russisch mit meinem Sohn. Zum Basteln/ Brotzeit/ Abschlusskreis sind wir dann wirklich als Gruppe da und dann spreche ich Deutsch. Warum sollte es denn stören? Warum ist es unhöflich?
Mich stört es nicht im geringstem, wenn eine türkische oder französische Mutter mit ihrem Kind die Muttersprache spricht, deswegen habe ich nie gedacht, dass unsere Kommunikation mit meinem Sohn unhöflich sein kann. Ich habe um Ihre Meinungen gebeten, um mich entscheiden zu können, wie ich mich weiter verhalten soll. Ich will nicht gegenüber anderen Eltern und der Gruppenleiterin unhöflich sein, aber ich will, dass meine Entscheidungen als Mutter respektiert werden.
Die Bemerkungen von der Gruppenleiterin haben mich zu tiefst verletzt, wahrscheinlich zum Teil deswegen, weil es nicht wirklich „nur“ um die Sprache ging. Es ging wohl (leider!) um die Nationalität. Ich bezweifle es, dass eine Englisch oder Französisch sprechende Mutter die gleichen Kommentare zu hören bekommt. Russisch gehört wohl zu den „schlechten“ Fremdsprachen. Es hat mich auch deswegen verletzt, weil meine Kompetenz als Mutter angezweifelt wurde, meine Bemühungen nicht anerkannt und es fühlte sich als ein Angriff gegen mich und meinen Sohn. Ich war froh darüber, dass D. während des Gesprächs im Schnee spielte und das Ganze nicht mitbekam. Er mag die Gruppenleiterin und schickte ihr „Luftküsschen“ und ich stand einfach da und konnte kaum fassen, was sie mir gesagt hat.
Ich denke, ich werde der Gruppenleiterin sagen, dass ihre Bemerkungen mich verletzt haben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann mit ihr über bilinguale Erziehung sprechen will. Momentan eher nicht. Es erscheint mir in diesem Fall zwecklos.
Liebe Grüße,
Maiglöckchen mit kleinem Löwen, geboren im August 2008
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tania
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von tania »

wir praktizieren nicht OPOL. ich bin grundsätzlich kein konsequenter mensch und ich rede mit meinem kind auch italienisch und englisch (unsere paarsprache), je nach kontext. ich wähle auch die sprache bewusst nach umgebung. wir sind jedes jahr einmal länger in deutschland und die ersten tage rede ich in der öffentlichkeit viel italienisch mit meinem sohn, einfach, weil ich mich dran gewöhnen muss, dass plötzlich alle verstehen, was wir sagen :oops: klar, reine kopfsache, aber so rum geht es auch :lol:

in gruppen unterscheide ich zwischen sachen wie "frag die frau doch selber, ob sie noch ein lied spielt" oder "ist dir kalt? musst du pipi?". ersteres machen wir auf italienisch (umgebungssprache), zweiteres auf deutsch. wobei *öhöm* grad nochmal überlegt, zweiteres mach ich auch oft auf italienisch.. also wie ich es drehe und wende, ich bin inkonsequent.

unter der begrifflichkeit "unhöflich" sehe ich das ganze grundsätzlich nicht.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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cocotte
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von cocotte »

asujakin hat geschrieben:Ich finde diese "perfektionistische" Entwicklung was die Mehrsprachigkeit angeht irgendwie sehr anstrengend und verkopft. Ich habe beide Sprachen perfekt gelernt ohne konsequentes OPOL und kenne zig andere Fälle in denen das so ist.
Asu, (tania, du siehst bzw. erlebst es ja offenbar auch so) das würde ich auch unterschreiben. Mein Mann ist zwar sehr konsequent darin, nur französisch zu sprechen, nichtsdestotrotz rutscht ihm auch mal ein deutscher Satz raus, halt in Situationen, wo andere, nur deutschsprachige Kinder dabei sind. Dafür singe ich mit meinen Töchtern sehr viele frz. Lieder und lese ihnen auch oft auf frz. vor. Ab und an möchte die Große gerne, dass ich französisch mit ihr rede, dann mach ich das halt einfach mal, das geht dann so ´ne halbe Stunde, und sie findet es total witzig.
Mein Mann und ich sprechen miteinander deutsch, auch sonst erleben die Kinder (leider) nicht allzuviel Französisch "live". Wenn wir bei den Schwiegis sind, wird aber fast nur Frz. gesprochen (d.h. auch von mir), dann rutscht mir halt auch mal ein kurzer Satz auf frz. gegenüber den Kindern raus (halt auch so kurze Sätzchen oder Anweisungen wie "Halt mal grad still", "Komm mal her" oder auch nur ein kurzes "Ja" oder "Nein". Und wenn wir in Frankreich sind und treffen auf andere Kinder

Mir geht es in dieser Diskussion auch weniger um die sprachwissenschaftlichen Hintergründe. Ich hab gestern auch noch mit meinem Mann drüber gesprochen.
Bei ihm ist es so, dass er selber zweisprachig aufgewachsen ist, aber das Deutsche war halt immer die stärkere Sprache (er nennt es immer so schön "Herzenssprache"); die Familie hat auch immer in D gelebt.

Als wir in der Schwangerschaft beschlossen haben, dass die Kinder auf jeden Fall zweisprachig aufwachsen sollen, war das für meinen Mann schon eine Herausforderung. Er konnte sich zunächst überhaupt nicht vorstellen, wie das wird, kam sich komisch vor bei dem Gedanken, zuhause, bei mir, im gewohnt "deutschen" Umfeld plötzlich immer frz. zu reden (obwohl ich gut spreche und so gut wie alles verstehe).
Und dann kam das Baby - und es ging!!
Er ist so stolz drauf, dass ihm das gelungen ist. Und das Schöne ist: Im Umgang mit den Kindern ist nun das Französische seine Herzenssprache geworden. Für ihn ist es sehr seltsam, mit den Kindern deutsch zu sprechen. Und für meine Ohren klingt es auch total ungewohnt, wenn ihm den Kindern gegenüber mal ein deutscher Satz rausrutscht. Für meinen Mann war es also sehr wichtig, sich konsequent an dieses OPOL zu halten (also nur für IHN, damit er da sozusagen "reinkommt").
Für ihn würde es sich demnach total seltsam anfühlen, wenn er z.B. im Kinderturnen, NUR deutsch mit den Kindern reden sollte, vor allem auf Anweisung von außen hin; Französisch ist DIE Sprache, die ihn mit den Kindern verbindet, die einfach ganz von selber kommt, wenn er eins der Kinder anschaut und zu sprechen beginnt. Es ist mehr dahinter als nur "Sprachwissenschaft" und OPOL und dergleichen.

Und soviel ich auch drüber nachdenke, ich FÜR MICH kann im Sachverhalt, den Maiglöckchen da schildert, einfach keine Unhöflichkeit, Ausgrenzung, was auch immer erkennen, so sehr ich mich auch bemühe. Ich unterstelle niemandem Kleingeistigkeit, auch wenn es gestern evtl. so rüberkam, ich kann einfach manche Gedankengänge schlicht nicht nachvollziehen. Aber es ist wirklich interessant zu sehen, an den Antworten hier, wie unterschiedlich Dinge wahrgenommen werden, wie unterschiedlich Mensch einfach sind. Und das meine ich jetzt ganz wertfrei, wirklich. Und man muss eben doch immer versuchen, Dinge auch mal aus dem Blickwinkel des Gegenübers zu betrachten.

Maiglöckchen, ich kann dich gut verstehen. Ich finde es auch wichtig, dass du der Gruppenleiterin schilderst, wie ihr Anliegen bei dir ankam. Und dass du ihr das genau so erklärst, wie du es hier geschrieben hast, dass du dich eben gar nicht ausgrenzen möchtest, dass das etwas ganz natürliches ist, dass du mit deinem Sohn russisch sprichst. Aber dass du versuchst, ihr streckenweise entgegenzukommen, indem du das Gesagte halt noch mal auf Deutsch wiederholst, wenn es ihr wichtig ist.
Maiglöckchen hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann mit ihr über bilinguale Erziehung sprechen will. Momentan eher nicht. Es erscheint mir in diesem Fall zwecklos.
Doch, sprich mit ihr drüber, über deine MOtivation. Räum das Missverständnis aus dem Weg.

Wenn es deinem KInd so gut gefällt dort, dann wär es doch schade, wenn das Verhältnis jetzt so getrübt ist. Vielleicht lässt sich das alles so ganz einfach lösen. Alles Gute. Nimm es dir nicht so sehr zu Herzen.
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Hilde Domin
Gaby
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von Gaby »

Ich empfinde es in dem von Dir genannten Kontext nicht als unhöflich und würde mich auch nicht daran stören.

Am WE war meine Kleinste zu einem Kindergeburtstag eingeladen, ich bin mitgekommen, die Mutter des einladenden Kindes ist Russin, spricht aber auch perfekt deutsch. An dem Geburtstagstisch saßen viele Kinder und jede Menge Mütter, weil die Kinder halt alle erst so um die 3 Jahre waren. Unter den Müttern waren noch zwei, die auch russisch sprechen. Ich hätte es als unhöflich empfunden, wenn in dieser Gruppensituation in der großen Runde am Tisch die russisch sprechenden Frauen russisch gesprochen hätten, das haben sie aber auch nicht, es wurde ausschließlich auf deutsch miteinander gesprochen. Wenn es aber lediglich um eine direkte Kommunikation zwischen Mutter und Kind geht, stört es mich nicht, wenn diese in einer anderen Sprache abläuft, etwas anderes wäre es wieder, wenn die Mutter sich in der anderen Sprache an mehrere Kinder, also auch meins, richtet, weil es sie dann halt nicht verstehen würde. Kommt halt immer darauf an.

Ich habe allerdings durchweg den Eindruck, dass Eltern, deren Muttersprache nicht deutsch ist, recht gut und intuitiv erspüren, welche Sprache in der jeweiligen Situation "angebracht" ist.

Ohne mich jetzt genauer mit OPOL beschäftigt zu haben, liegt es aber für mich auf der Hand, dass der Elternteil, dessen Muttersprache nicht die des Landes ist, in dem er wohnt, in zahlreichen "öffentlichen" Situationen automatisch im Beisein seines Kindes die Landessprache spricht, einfach als normale Integration, weil man sich ja nun einmal in dem Land befindet. Hach, das war jetzt irgendwie doof ausgedrückt, ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine. Das schließt aber doch nicht aus, dass ansonsten weiterhin mit dem Kind in der Muttersprache gesprochen wird.

Ich musste übrigens auch gleich an das hier bei uns noch weit verbreitete Plattdeutsch denken (was ja kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache ist), das ganz selbstverständlich neben dem Hochdeutsch gesprochen wird, auch wenn sicherlich längst nicht alle, die hier wohnen, Plattdeutsch verstehen.
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
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tania
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von tania »

@cocotte: danke, dass du den aspekt noch eingebracht hast. eigentlich selbstverständlich, aber wir haben es alle nicht erwähnt!
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Sibi
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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Beitrag von Sibi »

Maiglöckchen hat geschrieben:Mein Mann unterstützt die Gruppenleiterin und meint, dass es beleidigend und unhöflich ist in einer deutschen Spielgruppe Russisch mit D. zu sprechen, auch wenn es um private Sachen geht und ich soll nur Deutsch verwenden.
Ich will eure Meinung wissen, meint ihr wirklich, es ist beleidigend/störend/unhöflich, dass ich mich mit meinem Sohn in meiner Muttersprache unterhalte? Was würdet ihr machen?
Ohne den Thread gelesen zu haben - ich find's affig. Natürlich ist es schön und höflich, wenn Du im Beisein anderer Deutsch sprichst. Andererseits ist es doch ein "Gesetz" der Bilingualität, dass jeder Elternteil mit dem Kind "seine" Sprache spricht, weiß das die Gruppenleiterin?

Gerade, wenn es um kurze Dinge zwischen Dir und Deinem Kind geht, finde ich es normal, dass ihr "eure" Sprache sprecht.

Ich hatte immer viel Kontakt zu Kindern mit immigrierten Eltern (v. a. ehemalige "Ostblockstaaten") und hätte mich sehr gewundert, wenn die Eltern auf einmal deutsch mit ihren Kindern sprechen. Wobei du offenbar sehr gut deutsch sprichst - das wird dann vielleicht eher gegen Dich verwendet, als wenn jemand vor sich hin stottert.
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