asujakin hat geschrieben:Ich finde diese "perfektionistische" Entwicklung was die Mehrsprachigkeit angeht irgendwie sehr anstrengend und verkopft. Ich habe beide Sprachen perfekt gelernt ohne konsequentes OPOL und kenne zig andere Fälle in denen das so ist.
Asu, (tania, du siehst bzw. erlebst es ja offenbar auch so) das würde ich auch unterschreiben. Mein Mann ist zwar sehr konsequent darin, nur französisch zu sprechen, nichtsdestotrotz rutscht ihm auch mal ein deutscher Satz raus, halt in Situationen, wo andere, nur deutschsprachige Kinder dabei sind. Dafür singe ich mit meinen Töchtern sehr viele frz. Lieder und lese ihnen auch oft auf frz. vor. Ab und an möchte die Große gerne, dass ich französisch mit ihr rede, dann mach ich das halt einfach mal, das geht dann so ´ne halbe Stunde, und sie findet es total witzig.
Mein Mann und ich sprechen miteinander deutsch, auch sonst erleben die Kinder (leider) nicht allzuviel Französisch "live". Wenn wir bei den Schwiegis sind, wird aber fast nur Frz. gesprochen (d.h. auch von mir), dann rutscht mir halt auch mal ein kurzer Satz auf frz. gegenüber den Kindern raus (halt auch so kurze Sätzchen oder Anweisungen wie "Halt mal grad still", "Komm mal her" oder auch nur ein kurzes "Ja" oder "Nein". Und wenn wir in Frankreich sind und treffen auf andere Kinder
Mir geht es in dieser Diskussion auch weniger um die sprachwissenschaftlichen Hintergründe. Ich hab gestern auch noch mit meinem Mann drüber gesprochen.
Bei ihm ist es so, dass er selber zweisprachig aufgewachsen ist, aber das Deutsche war halt immer die stärkere Sprache (er nennt es immer so schön "Herzenssprache"); die Familie hat auch immer in D gelebt.
Als wir in der Schwangerschaft beschlossen haben, dass die Kinder auf jeden Fall zweisprachig aufwachsen sollen, war das für meinen Mann schon eine Herausforderung. Er konnte sich zunächst überhaupt nicht vorstellen, wie das wird, kam sich komisch vor bei dem Gedanken, zuhause, bei mir, im gewohnt "deutschen" Umfeld plötzlich immer frz. zu reden (obwohl ich gut spreche und so gut wie alles verstehe).
Und dann kam das Baby - und es ging!!
Er ist so stolz drauf, dass ihm das gelungen ist. Und das Schöne ist: Im Umgang mit den Kindern ist nun das Französische seine Herzenssprache geworden. Für ihn ist es sehr seltsam, mit den Kindern deutsch zu sprechen. Und für meine Ohren klingt es auch total ungewohnt, wenn ihm den Kindern gegenüber mal ein deutscher Satz rausrutscht. Für meinen Mann war es also sehr wichtig, sich konsequent an dieses OPOL zu halten (also nur für IHN, damit er da sozusagen "reinkommt").
Für ihn würde es sich demnach total seltsam anfühlen, wenn er z.B. im Kinderturnen, NUR deutsch mit den Kindern reden sollte, vor allem auf Anweisung von außen hin; Französisch ist DIE Sprache, die ihn mit den Kindern verbindet, die einfach ganz von selber kommt, wenn er eins der Kinder anschaut und zu sprechen beginnt. Es ist mehr dahinter als nur "Sprachwissenschaft" und OPOL und dergleichen.
Und soviel ich auch drüber nachdenke, ich FÜR MICH kann im Sachverhalt, den Maiglöckchen da schildert, einfach keine Unhöflichkeit, Ausgrenzung, was auch immer erkennen, so sehr ich mich auch bemühe. Ich unterstelle niemandem Kleingeistigkeit, auch wenn es gestern evtl. so rüberkam, ich kann einfach manche Gedankengänge schlicht nicht nachvollziehen. Aber es ist wirklich interessant zu sehen, an den Antworten hier, wie unterschiedlich Dinge wahrgenommen werden, wie unterschiedlich Mensch einfach sind. Und das meine ich jetzt ganz wertfrei, wirklich. Und man muss eben doch immer versuchen, Dinge auch mal aus dem Blickwinkel des Gegenübers zu betrachten.
Maiglöckchen, ich kann dich gut verstehen. Ich finde es auch wichtig, dass du der Gruppenleiterin schilderst, wie ihr Anliegen bei dir ankam. Und dass du ihr das genau so erklärst, wie du es hier geschrieben hast, dass du dich eben gar nicht ausgrenzen möchtest, dass das etwas ganz natürliches ist, dass du mit deinem Sohn russisch sprichst. Aber dass du versuchst, ihr streckenweise entgegenzukommen, indem du das Gesagte halt noch mal auf Deutsch wiederholst, wenn es ihr wichtig ist.
Maiglöckchen hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann mit ihr über bilinguale Erziehung sprechen will. Momentan eher nicht. Es erscheint mir in diesem Fall zwecklos.
Doch, sprich mit ihr drüber, über deine MOtivation. Räum das Missverständnis aus dem Weg.
Wenn es deinem KInd so gut gefällt dort, dann wär es doch schade, wenn das Verhältnis jetzt so getrübt ist. Vielleicht lässt sich das alles so ganz einfach lösen. Alles Gute. Nimm es dir nicht so sehr zu Herzen.
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin