Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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chennai
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von chennai »

Das ist ja blöd, clermontine... vielleicht gibt sich das ja später mal noch, gerade wenn ihr mal öfter oder länger in D sein könnt? Vielleicht kann er ja auch mal alleine nach D bzw. länger bleiben oder so? Einfach, dass er einen Deutsch-Boost erfährt (tolles Wort :roll: - ich hoffe man versteht mich auch so, ist halt schon spät :oops:)

Ich hätte ehrlich gesagt etwas Schiss davor, ihm vorzuschlagen, dass er Frz. mit dir sprechen soll und du weiterhin D. OK, besser überhaupt eine Kommunikation, aber dennoch wäre mir nicht wirklich wohl dabei meine Muttersprache so 'aufzugeben'... tut mir leid, wenn ich da keine wirkliche Hilfe bin...

Meine Große spricht mittlerweile auch lieber NL und v.a. wenn sie spielt plappert sie ständig auf NL. Allerdings gibt jeder D-Aufenthalt dann doch wieder Auftrieb für ihre Deutsch Motivation. Mit mir spricht sie schon recht konsequent D, allerdings hätte ich ganz gern gehabt, dass sie auch mit ihrer Schwester D spricht, doch da überwiegt NL doch wieder.

Die Kleine (1,5) spricht nun auch schon munter drauf los, hat richtig Spaß, wieder und wieder ihre 'Vokabeln' durchzugehen (Auge, Nase, Mund etc.) und sagt desöfteren dann auch gleich das NL Wort mit dazu!

@Isabella, bei uns gibt's also bisher tatsächlich keine Probleme oder Verzögerungen, Sprachgenies kann ich dennoch (noch ;) ) nicht erkennen. Kinder sind halt verschieden und meine sind offenbar im sprachlichen Bereich eher schnell und entwickeln sich recht problemlos darin. Unsere Paarsprache Englisch hat die Große zumindest noch nicht wirklich geknackt, hat wohl aber Interesse daran (wenn auch nicht wirklich Ehrgeiz es echt zu lernen)
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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June
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von June »

@Coccolone: Meine Herzenssprache ist auch nicht meine Muttersprache ;-) Sondern Englisch und das schon seit vielen Jahren. Mein Freund ist Amerikaner, spricht hervorragend Deutsch und ich höre ihn gern Deutsch reden, habe meinerseits aber gar kein Bedürfnis, meine Muttersprache zu verwenden. Nun spreche ich ja auch des Berufes wegen den ganzen Tag Englisch, denke auf Englisch. Deutsch ist meine Muttersprache, aber meine Persönlichkeit ist viel mehr vom Englischen beeinflusst und habe ich die Wahl zwischen beiden Sprachen, z.B. in meinem internationalen Freundeskreis, spreche ich immer Englisch,


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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

June, da geht's mir ganz aehnlich wie dir. :D Ich habe aber auch halt mein ganzes Erwachsenenleben (bis zu meiner Rueckkehr nach D vor etwas ueber 2 Jahren) in UK verbracht. Ich habe dort studiert, gearbeitet, meinen Mann kennen- und lieben gelernt (das macht was die Herzenssprache angeht viel aus finde ich), mein Kind bekommen... Alles halt auf Englisch. ;) Und das praegt natuerlich sehr. Ich habe glaub' auch so einige Englische/Britische Eigenarten uebernommen... :lol: Es ist komisch, aber D ist zu Hause, weil meine Familie und Freunde hier leben (und wir mittlerweile auch wieder). UK bzw. London ist zu Hause, weil es eben einfach zu Hause ist. Das ist ortsgebundener, wohingegen D als zu Hause mit den Menschen zu tun hat. (Wobei wir natuerlich in UK auch Familie und Freunde haben.) Keine Ahnung ob das jetzt irgendeinen Sinn ergibt, aber ich schick's mal ab.
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coccolone
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

chennai hat geschrieben:Ich hätte ehrlich gesagt etwas Schiss davor, ihm vorzuschlagen, dass er Frz. mit dir sprechen soll und du weiterhin D. OK, besser überhaupt eine Kommunikation, aber dennoch wäre mir nicht wirklich wohl dabei meine Muttersprache so 'aufzugeben'... tut mir leid, wenn ich da keine wirkliche Hilfe bin...
Na ja, das hat ja nichts mit "aufgeben" zu tun. Aber bevor clermontines Sohn gar nicht mehr mit ihr kommuniziert, weil er kein Deutsch sprechen will... Um bei mir als Beispiel zu bleiben, ich beherrsche die Muttersprache meiner Oma und spreche sie auch mit Leuten, wenn sie *kein* Deutsch koennen. Es geht also, wenn es muss. Ich spreche aber halt lieber Deutsch (oder Englisch), wenn ich die Wahl habe. Habe ich sie nicht, klappt's aber eben auch.

Ich denke einfach, dass man die Mehrsprachigkeit ruhig flexibler angehen kann. Was heute funktioniert, muss nicht zwingend morgen auch noch funktionieren.

Mir persoenlich waere die Kommunikation wichtiger, als auf einer bestimmten Sprache zu verharren. Auch wenn ich natuerlich die Traurigkeit durchaus verstehen und nachvollziehen kann. Aber vielleicht ist es nur eine Phase und wer weiss, wie es in ein paar Wochen, Monaten aussieht?! Dann aergert sich vielleicht der Papa, dass der kleine nur noch Deutsch spricht. ;)
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greenie bird
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Re: AW: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von greenie bird »

Ich kenne sehr viele, wo die Kinder auf der Landessprache antworten, obwohl die Eltern eine andere Sprache mit den Kindern sprechen.
Wenn man nun die andere Sprache aufgeben würde, weil das Kind sie nicht spricht,so büßt man ja auch noch das Hörverstehen ein-die denkbar schlechtere Lösung, finde ich.


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Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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Uta
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Uta »

Ich finde das recht sinnvoll, weiter die eigene Sprache zu sprechen und das Kind so antworten zu lassen, wie es möchte. Unsere sechsjährige Nichte spricht - im Gegensatz zu ihrem großen Bruder - fast nie englisch mit dem englischen Daddy. Sie weiß ganz genau, dass der inzwischen genug deutsch versteht. In den Ferien war sie jetzt in England. Am Telefon hat sie sich erstmal bei der deutschen Oma beklagt, wie schrecklich anstrengend es sei, dass sie jetzt dauernd Englisch reden müsse mit der Verwandtschaft. Sie hat es aber trotzdem getan, obwohl sie nur eine Woche da war. :-)
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pallina
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von pallina »

meine 6 jährige tochter antwortet ihrem vater, der schon immer italienisch mit ihr spricht und für den deutsch eine fremdsprache ist, immer auf deutsch.

mit allen anderen menschen, die italienisch mit ihr sprechen, spricht sie italienisch, auch dann, wenn sie weiß, dass die betreffende person auch deutsch verstehen würde.
sie besucht eine 2sprachige schule und hat dort auch keine probleme im italienischunterricht. (sie wird italienisch alphabetisiert, dh. sie hat jede woche 7 stunden italienischunterricht und 5 stunden deutsch).
pallina mit drei kindern, geboren 2006, 2010 und 2016
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von clermontine »

Also mein Sohn lasse ich schon franzoesisch mit mir sprechen. Er weiss ja, dass ich das verstehe. Er spricht aber wirklich nur das aller Notwendigste mit mir.
Mit Herzenssprache meine ich vor allem die Sprache, in der ich wirklich alle Facetten und Nuancen meiner Gefuehlslage ausdruecken kann. Ich bin sprachlich sehr vielseitig, englisch, spanisch, franzoesich, alles fliessend, aber eben doch nicht ganz das Gleiche wie die Muttersprache.
Ich denke einfach mein Sohn spuert, dass ich mich trotz allem mir der franzoesischen Sprache nicht so wohl fuehle. Es war wirklich harte Arbeit sie zu erlernen, war auch die letzte, die hinzukam. Als ich in Frankreich ankam vor vier Jahren konnte ich ausser Guten Tag, Auf Wiedersehen, Bitte und Danke kein Wort.
Ich lass ihn auch sprechen wie er mag. Er macht grad enorme Fortschritte, welche wichtig fuer ihn sind. Seine ganze Umgebung spricht ja franzoesisch und nun endlich mit bald 3 1/2 kann er sich nach und nach mehr ausdruecken. Das ist richtig toll.
Ich muss nur lernen damit umzugehen, aus seiner Sicht besteht ja sicherlich kein Problem, da ich ihn ja trotz allem verstehe.
LG Clermontine mit Sohn (09/09) und Tochter (04/12)
Nusserl
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Nusserl »

Ich will nur mal einwerfen, dass mein GG ja zweisprachig aufgewachsen ist. Mama sprach deutsch, Papa und Umgebung Italienisch. Irgendwann hat er seiner Mutter nicht mehr auf Deutsch geantwortet, weil er gemerkt hat, dass alle anderen Italienisch sprechen. Leider hat sie dann angefangen auch Italienisch mit ihm zu sprechen und Deutsch ist fast vergessen worden Nur mehr bei den Grosseltern in Wien hat er Deutsch gesprochen. Er ist dann nach dem Studium extra nach Wien gezogen, weil er es so schade fand, dass sein Deutsch so schlecht war.
Aber heute ist er umso motivierter mit unseren Kinder viel Italienisch zu sprechen.

Ich denke es ist normal, wenn sich ein Kind zeitweise weigert die zweite Sprache zu sprechen. Aber irgendwann kommt die Motivation sicher wieder. Für den Elternteil ist es sicher schwer solange konsequent in der eigenen Sprache weiter zu sprechen mit dem Kind. Aber ich finde es lohnt sich.
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chennai
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von chennai »

Danke, Nusserl, das mein ich mit 'aufgeben'... Klar kann man ein Kind ja nicht zwingen in einer bestimmten Sprache zu sprechen, aber ich sage meiner Großen schon hin und wieder mal 'sprich bitte Deutsch mit mir'. Aber wenn das Kind sich weigert, bleibt einem ja nicht viel übrig als das zu akzeptieren...

Clermontine, ich versteh auch dein Herzenssprache-Anliegen. Ich habe jahrelang kaum ein deutsches Buch gelesen, weil ich Englisch als Sprache einfach viel toller fand, hab Englisch studiert und am Gymnasium unterrichtet, Englisch ist unsere Paarsprache, oft denke ich auf Englisch, aber trotzdem ist es nicht meine Muttersprache und gerade z.B. in Konfliktsituationen merk ich schon ein Defizit und kann mich auf Deutsch geschickter ausdrücken. Aber das mag bei anderen anders sein.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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