soda hat geschrieben: 21.07.2020, 17:17
Meine hätte den Stein eventuell geworfen.
Meine weint dafür kaum, sie äußert Enttäuschung und Ärger fast nie übers Weinen (was ich bei den meisten anderen Kindern zwischen 4-8 aber noch sehr oft beobachtet habe), eher über Wut (und ich muss/möchte dann sagen, dass ich mir vorstellen kann, dass sie in Wirklichkeit nicht hauen oder zerstören will, sondern zeigen will, wie traurig/wie enttäuscht sie ist und dass ich das verstehen kann. In letzter Zeit kommt dann öfter mal ein: Ja.).
Sie kann schon Gefühle zeigen, aber nicht immer so, dass andere das nachvollziehen können (sind dann die anderen zu wenig empathisch?). Na klar, es muss auf lange Sicht einfach sozialverträglich sein. Gibt zwar auch Erwachsene, die immer rumpöbeln und nur mit wenigen Leuten klar kommen, aber das ist für die dann normal auch nicht so einfach.
Ich komme wie Schneekugel manchmal an meine Grenzen, wenn ich sie zu etwas motivieren muss, was ich in meiner Position als Erwachsene mit sehr wenigen äußeren Zwängen privat/beruflich nicht zu tun bereit wäre. Nur allein weil ich genau weiß, dass man da nicht ankommt, wenn man sich vorher nicht an die nötigsten Regeln gehalten und Dinge durchgehalten hat, die doof waren, deswegen verkneife ich mir dahingehend meine Gedanken zu Regeln, die für sie eben nun mal gelten müssen und halte sie dazu an, die einzuhalten.
Könnte aber auch sein, dass sie verstandesmäßig und intuitiv begreift, dass einige dieser Regeln scheinbar nur Selbstzweck sind oder einem Zweck dienen, der ihr nicht wichtig ist und den sie ablehnt.
Joa, die Sache mit dem Stein kommt mir im Rückblick auch recht knapp vor.
Weinen kommt im Vergleich zu Wut auch deutlich weniger vor. Deshalb hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, weil er nur weint, wenn ihn etwas sehr mitnimmt. Und normalerweise versuche ich (meistens erfolgreich) körperliche Zwangsmaßnahmen (von der Tür wegziehen, mit Gewalt ins Auto setzen) echt zu vermeiden. Er war wohl echt verblüfft. Ich hab mich eben nochmal entschuldigt und er sich bei mir und wir wollen einen schönen Abend zusammen haben (in genau 7 Minuten

). Ich hoffe mal, das wird.
Ich komme auch an meine Grenzen, wenn ich was erklären soll, was ich selbst nicht machen würde und selbst unnötig finde. Ich kann auch jetzt schon im Vorfeld nachvollziehen, dass es keinen Sinn macht ein ganzes Arbeitsblatt voller 1er zu malen, wenn man die 1 schon kann. Ich werde mich da wohl mit der In-der-Schule-ist-der-Lehrer-der-Chef-Erklärung behelfen + dass er die 1 dann eben schneller schreiben kann. Und je schneller er ungeliebte Aufgaben macht, umso schneller sind sie fertig. Für unser Kind wäre dieses System gut mit den Klassen 1-3 (hab vergessen wie das heißt).
Sabina hat geschrieben: 21.07.2020, 17:24
Missie hat geschrieben: 21.07.2020, 14:34
Und ich muss jetzt auch unbedingt mal erwähnen, dass er auch ein ganz ganz tolles Kind ist! Und oft sind die Leute sehr verwundert, wenn seine "Stimmung" kippt, da er sich zuvor ganz anders verhielt...
Er textet gerne andere Erwachsene zu, die sind immer ganz angetan. Er kann sich auch sehr gut ausdrücken.
1 zu 1 Situationen mit Erwachsenen sind in der Regel absolut problemlos.
Mein ‚solches‘ Kind hat schon jeher bevorzugt mit Erwachsenen zu sprechen. Bis ca. Mitte erster Klasse haben die Gleichaltrigen gar nicht wirklich verstanden, was er sagen wollte weil er so viele Fachwörter etc. benutzt. Das wurde viel besser weil er gelernt hat auf deren ‚Niveau‘ zu sprechen und die anderen Kinder natürlich auch kognitive Fortschritte gemacht haben. Das hat sich also etwas angeglichen.
Trotzdem wählt er immer den Erwachsenentisch wenn wir irgendwo zu Besuch sind und hat gerade heute wieder erwähnt, dass er beim nächsten Treffen mit Familie xy nicht spielen will sonden A. (den Vater) zutexten. Ich weiss, dass ihm das total entspricht und dass A. auch gern mit ihm spricht. Momentan versuche ich aber trotzdem ihm auch beizubringen, dass er manchmal stört. Dafür hat er überhaupt kein Gespür.
Dafür hat er gestern, als ich mit allen drei Zwergen alleine zuhause war und die Jüngste gleich doppelt von einer Wespe gestochen wurde, hervorragend verhalten. Zwar nicht empathisch tröstend aber praktisch organisierend. Er hat sehr wohl gemerkt, dass es jetzt ernst gilt und er helfen muss (vermutlich bin ich einfach genügend ausgetickt

).
Meine Mutter erzählt immer wie spannend sie die Reaktionen ihrer drei Kinder fand wenn sie Migräne hatte (das waren jeweils ungefähr zwei Tage pro Monat). Eines hat Geschenke gemacht, eines hat massiert, gestreichelt, geschmust und eines hat sich um Haushalt, Essen etc. gekümmert. Jedes eine Qualität für sich, keines schlechter.
Das mit dem Wespenstich hätte hier ebenfalls 1:1 so ablaufen können. Er rennt zu hause auch immer nach dem Kühlpack.... .
Und was die Erwachsenengespräche betrifft: Es kommt halt immer bei allen komisch an, wenn das Kind nicht mit den anderen Kindern spielen will. Außerdem möchte ich mich auch male mit den Erwachsenen unterhalten und andersrum. Hahaha - stören??? Die Idee kommt ihm gar nicht. Obwohl er sich selbst ja durchaus gestört fühlen kann.
Bei guten Bekannten (z.B. meiner besten Freundin / seinen Cousins) klappt es gut. Mein Patensohn (schon 10) ist noch sehr verspielt und sie bauen und bauen. Das läut alles gut. Immerhin. Habe auch noch keine Negativ-Botschaft vom Wasserspielplatz heute mit den Nachbarn bekommen, juchu!
Missie hat geschrieben: 21.07.2020, 17:59
So, jetzt müssen wir nur noch heraus finden, warum die Kinder so ähnlich ticken.

Ich bin mir mit der ASS Geschichte nicht so sicher. Und auch die Tatsache, dass das Kind in Therapiesituationen in der Regel so vorbildlich und freudig engagiert mitarbeitet, führte seit jeher zu Unverständnis bei den Menschen, was denn mit DIESEM Kind nicht stimmen solle... Elternhaus ist auch in Ordnung. Dann passt doch alles.
Und dann erzählen einem die Erzieherinnen vom Tag.
Man kommt an den Rande der Verzweifelung, weil das Kind nicht aufhört, seine Schuhe und Jacke durch den Flur zu schleudern und dabei andere Kinder zu treffen. Es fliegt aus dem Schwimmverein. Usw. Usf.
Ich habe oft gedacht oder gehofft, vllt ist ja doch alles ok - gerade, wenn wir lange nur mit der Familie zusammen waren. Dann klappt es oft ganz gut. Aber es kommt IMMER der Punkt an dem klar ist, dass doch irgendetwas nicht stimmt/der Norm entspricht.
Ich bin mal gespannt, wie die Wege weitergehen und sich das entwickelt.
Sabina, deiner ist schon in der Schule - klappt das gut oder besser als der Kiga war?
Soda, meiner hätte den Stein geworfen. Oder abgelegt und dafür den nächst zu ihm stehenden gehauen/ getreten/ gekniffen.
Ich würde auch gern wissen "ob was nicht stimmt" oder "ob was nicht der Norm entspricht". Letzteres wäre ja erträglich. Im Kindergarten ist er ne zeitlang mit ausgestrecktem Arm durch die Garderobe gegangen und hat 70Jacken von den Haken gefegt. Das hat zum Glück aufgehört.
Aber, ja, genau solche Situationen sind das.