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Re: Stillen auch nach 9 Wochen noch schmerzhaft

Verfasst: 19.01.2017, 16:33
von Apfel
Ja, ich bin stolz, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Das hätte ich, als ich begann hier zu schreiben, nicht gedacht. Eine Freundin sagte mir letztens, als ich mich mal wieder ausgeheult habe warum ausgerechnet wir so ein schwieriger Fall sind folgendes: Vielleicht ist euer Problem gar nicht so außergewöhnlich, du hältst nur außergewöhnlich lange durch, viele andere Frauen hätten schon längst aufgegeben und haben das Problem daher nicht! Das fand ich unheimlich tröstend.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der Preis für mein Aushalten nicht zu hoch war/ist. Ich merke bei jeder schmerzahften Stillmahlzeit wie ich innerlich wütend werde auf meine Tochter und habe da auch immer weniger Geduld bzw. Bereitschaft die Schmerzen auszuhalten. Mir kommt dann immer der Gedanke, dass sie es doch auch besser kann und ich werde ärgerlich dass sie es nicht auch tut. Das ist natürlich Quatsch, sie macht es ja nicht mit Absicht, aber während der Schmerzen kann ich da nicht rational denken. So vermießt mir das die Zeit mit meiner Tochter natürlich schon ganz schön... :(

Deshalb ersetze ich momentan bereits zwei Stillmahlzeiten durch Brei, ich brauche einfach zumindest etwas Pause von den Schmerzen am Tag. Da war ja auch meine Frage, ob es langfristig möglich ist nur noch abends und nachts zu stillen und tagsüber Brei, feste Nahrung und Wasser zu geben? Apfel-Dinkelbrei hat sie übrigens auch quasi inhaliert :lol:

Weiterhin so zu stillen wie bisher kann ich mir nicht vorstellen. Im Moment habe ich zwar bis auf die eine, seit Wochen nicht abheilende Wunde/Kruste keine Verletzungen an der Brustwarze und die Zeit zwischen den Mahlzeiten ist so ok bis schmerzfrei. Aber die Stillmahlzeiten selbst sind einfach noch zu häufig äußerst schmerzhaft und die Hoffnung auf eine dauerhafte Besserung habe ich aufgegeben. Selbst die gut aushaltbaren Mahlzeiten traue ich mich kaum zu genießen, aus Angst dass es wieder schlechter wird.

Wir stillen momentan immer in der gleichen Position. Kreuzgriff mit dem amerikanischen Umschnall-Stillkissen. Ich habe zwischendurch auch mal andere Positionen ausprobiert, was aber entweder gar nicht aushaltbar ist vom Schmerz (Liegeposition) oder zu neuen Wunden an anderer Stelle der Brustwarze führt (Footballhaltung). So wird natürlich immer die selbe Stelle vom Unterkiefer bearbeitet, das ist ja wahrscheinlich auch nicht so richtig hilfreich oder? So ganz heimlich hoffe ich natürlich bei aller Resignation immer noch auf DIE eine Postion bzw. DEN einen Trick mit dem auf einmal alles super klappt :?

Atsitsa, vielen Dank für deine Hilfe! Mir hat eine Stillberaterin (ich war mittlerweile ja bei 3 verschiedenen) gesagt, dass sie es auch unheimlich frustrierend findet mir nicht wirklich weiterhelfen zu können, bzw. keine Lösung zu finden. Ich hoffe ich frustriere dich also nicht allzusehr :wink:
Vielleicht kannst du mir noch etwas zu dem Problem mit dem Langziehen der Brustwarze sagen? Sie streckt wie gesagt beim Trinken den Kopf immer weiter in den Nacken und rutscht dabei gleichzeitig immer mehr mit dem Unterkiefer zu. Dabei zieht sie dann die Brust bzw. Brustwarze lang und das tut natürlich sehr weh an der Stelle des Unterkiefers. Was kann der Grund dafür sein? Zu wenig Milch? Ich halte dann im Moment mit der freien Hand gegen ihren Hinterkopf um das zu unterbinden, aber muss dabei teilweise ganz schön feste Gegendruck ausüben. Kann ich das machen oder kann ich ihr damit schaden?

Phytolacca, deinen Thread verfolge ich auch, du hast ja auch schon eine lange Schmerzgeschichte hinter dir und tapfer durchgehalten! Das Zahnen habe ich im Moment auch etwas in Verdacht, sie kaut an allem rum, hat rote Bäckchen, sabbert viel... Allerdings ist es oft nur auf einer Seite so und die andere geht besser, wobei die gute Seite immer wieder mal wechselt.

Re: Stillen auch nach 9 Wochen noch schmerzhaft

Verfasst: 07.05.2017, 18:39
von Apfel
Ich wollte noch einen "Abschlussbericht" hierlassen, vielleicht interessiert es ja jemanden.

Ich habe meine Tocher nun vor 2 Wochen das letzte Mal gestillt und damit bis zu ihrem 8. Monat ausgehalten. Bis zu ihrem 4. Monat habe ich sie vollgestillt und danach nach und nach Stillmahlzeiten durch Brei ersetzt. Zuletzt hat sie nur noch morgens und abends gestillt und über den Tag verteilt 3 große Breiportionen gegessen. Nachts schläft sie seit längerem durch.

Schmerzfrei ist das Stillen in der ganzen Zeit leider trotz aller Versuche, Tricks und Beratungen nie geworden und die Verletzungen an den Brustwarzen sind auch nie ganz abgeheilt (bis heute ist die rechte verkrustet!). Durch Magnesium- und Calciumeinnahme ist allerdings immerhin die Zeit zwischen den Stillmahlzeiten weitestgehend schmerzfrei geworden (bis auf Berührungen der Brustwarzen).

Da ich das Gefühl hatte, dass die Milchmenge durch die seltenen Stillmahlzeiten doch erheblich zurück gegangen ist und ich die ständige Nervostität bzw. Angst vor der nächsten Stillmahlzeit leid war (Wird es sehr weh tun? Trinkt sie vernünftig? Wird sie wieder zukneifen? usw...) habe ich mich dann zum Abstillen entschieden. Die ersten zwei Versuche ihr ein Pre-Fläschchen zu geben sind gescheitert (hatte sie in der ganzen Zeit ja auch nur zweimal im November bekommen, und da mit Muttermilch), mit einer dritten Saugervariante hat es dann aber geklappt und sie trinkt seitdem gern ihr Fläschchen am Morgen und Abend. Interessanterweise hat sie die runden Sauger nicht genommen, der jetzige ist abgeflacht, meine Brustwarzen hat sie ja auch immer flach und schräg genuckelt. Ich muss mich immer noch daran gewöhnen ihr nun ganz entspannt Milch geben zu können und ertappe mich immer noch bei nervösen Gedanken ans in Bett bringen :wink:

Mir ist das Abstillen doch überraschend schwer gefallen und ich habe ein paar Tage lang etliche Tränen vergossen. Trotz aller Schmerzen habe ich die Nähe, die ich ihr dadurch geben konnte, doch sehr genossen und hätte bei problemloserem Verlauf noch gerne länger weitergestillt. Und auch wenn 8 Monate Stillen für viele sicher eine kurze Zeitspanne sind, blicke ich doch mit Stolz zurück und freue mich, mein zu den schlimmsten Zeiten gesetztes Ziel von 4 Monaten verdoppelt zu haben.

Liebe Atsitsa, ich danke dir für deine Zeit und Hilfe und find es bemerkenswert, was du und deine Kolleginnen hier ehrenamtlich für Arbeit vollbringen!