Waldorfkindergarten-Frust
- minamarie
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
ein wertvoller beitrag hennnamae! sowieso sollte man beim blick auf kindergärten versuchen sich in kinder reinzuversetzen die brauchen oft garnich viel zum glücklichsein
und in meinen eigenen kindergarten den ich wunderschön fand würd ich meine kids wohl heute nich geben wegen schlechtem betreuungsschlüssel und "schikane"- ich bekam einen tag die gummizähe schwarzwurzel einfach nicht zerkaut so sehr ich es versuchte und wurde bis zum abholen damit allein in die garderobe gesetzt um es aufzuessen. auch sonst wurde ich mit dem was ich nicht essen mochte aufgezogen und gezwungen. zu meiner kindergärtnerin habe ich noch heute eine gute beziehung- treffen uns ab und an beim blutspenden. meine kindergartenzeit habe ich als sehr glücklich, frei und liebevoll in erinnerung. ich bin froh das unsre jetzige kita die kinder nicht wie viele kitas mit kursen überlädt (einen tag englisch, einen tag computer usw)
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asujakin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Das ist für mich der Knackpunkt. Wenn man es genauer anschaut ist dem NICHT so- also ich meine den "individuellen" Part. In der Waldorfpädagogik hat alles seine "Zeit". Wenn die Zähne wackeln, wackelt die Seele. Fallen die ersten Zähne aus, ist das eine Zeit für gewisse Entwicklungsschritte - zumindest laut Waldorfpädagogik. Ein Kind soll nicht "verbildet" werden und manche Kinder werden gar gebremst (!) in ihrem Wissensdurst weil laut Waldorfpädagogik dafür nicht die Zeit ist. Nur in der "echten Welt" ist es nicht unbedingt so. Da kann ein Kind auch vorher schon diesen Schritt durch haben und emotional/seelisch weiter sein. Auch die Interessen von 3-jährigen können enorm auseinander gehen. Ebenso in der Schule - besonders in der Schule!hennnamae hat geschrieben: Waldorf betrachtet die Seele des Kindes - ganz individuell - aber trotzdem gibts nur Tücher und Wolle zum SpielenDa hat aber damit nichts zu tun, wie man dem Kind begegnet, wie man auf es eingeht, seine Seele pflegt.
Natürlich bin ich auch bei dir: Waldorf ist nicht gleich Waldorf. Aber mal ganz ehrlich: Die wenigen wirklich guten, respektvollen und freien Einrichtungen stellen leider (!) die Ausnahme dar... UND was noch viel wichtiger ist: Diese sind am weitesten entfernt von der eigentlichen Waldorfpädagogik sondern lassen viele neue Erkenntnisse und den momentanen Blick der Gesellschaft auf's Kind mit einfließen
Bleibt man aber nur bei der Pädagogik ansich, dann ist da wenig Individualität un die "Pflege" der Seele (sehr charmant ausgedrückt übrigens) ist dann doch eher ein "Lenken/Formen" von kleinen Menschen.
Wie bereits gesagt weiß ich dennoch, dass es tolle Einrichtungen gibt! Ich möchte da auch nicht alles total verteufeln und jemandem raten, sein Kind da nie hinzuschicken. Sondern einfach wirklich gaaaaaaaaaanz genau hinzuschauen, idealerweise mit Eltern zu sprechen, die ihre Kinder da schon länger drin haben. Kritische Stimmen zuzulassen usw (Eine Freundin von mir hat mittlerweile 3 Waldorfschulen mit ihrer Tochter durch und bei allen war es so, dass sobald sie Kritik übte wurde sie "gemobbt", ignoriert usw). Nur bissl hospitieren (auch wenn es über einen längeren Zeitraum geht) ist da leider nicht aussagekräftig genug. Hab nun (leider) schon oft mitbekommen, dass vorn herum alles prima ist und in Echt eigentlich wirklich nicht...
Von dem her...bei aller Romantik und Begeisterung bzw auch von aller Enttäuschung und Kritik sollte man versuchen das ganzheitliche Bild zu sehen
- hennnamae
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Da möchte ich entschieden widersprechen! Mein Waldorfkiga damals war nach allem, was ich mir mittlerweile aus Erwachsenenperspektive an Waldorf-Wissen angeeignet habe, SEHR nah am klassischen Waldorf, nur eben gut umgesetzt. Bis halt auf die Kochkisteasujakin hat geschrieben:Natürlich bin ich auch bei dir: Waldorf ist nicht gleich Waldorf. Aber mal ganz ehrlich: Die wenigen wirklich guten, respektvollen und freien Einrichtungen stellen leider (!) die Ausnahme dar... UND was noch viel wichtiger ist: Diese sind am weitesten entfernt von der eigentlichen Waldorfpädagogik sondern lassen viele neue Erkenntnisse und den momentanen Blick der Gesellschaft auf's Kind mit einfließen![]()
Das hat nicht unbedingt was mit konservativ und progressiv zu tun, sondern ist ne schlichte Verständnisfrage.
Und was ist verkehrt daran, allem seine Zeit zu geben? Ich konnte z. B. vor der Schule schon lesen (wie eine enge KiGa-Freundin von mir auch!). Dennoch wurden wir beide gleichzeitig eingeschult, wobei ich zurück gestellt worden war (sie ist 10 Tage jünger als ich gewesen, ich glaube, sie ist also regulär eingeschult worden). Wir sind also BEIDE mit 7 engeschult worden. Nur weil wir schon lesen konnten und intellektuell in der Lage waren, schulisch mit zu kommen, bzw dorthingehende Interssen hatten, hieß das noch lange nicht, dass unsere Seele bereit war, das wir "reif" waren. Für mich wäre es für meine emotionale Entwicklung katastrophal gewesen, mich ein Jahr früher gehen zu lassen, meinem "Wissensdurst" nachzugeben (ok, ich hatte emotional noch eine wesentlich größere Belastung als andere Kinder in dem Alter, weil meine Eltern gerade auf die Scheidung zusteuerten, aber auch für meine Freundin OHNE diese Extraprobleme war das ganz richtig so, "erst" mit 7 eingeschult zu werden)
Und Wissensdrang muss sich nicht unbedingt auf die intellektuellen Bereiche beschränken. Ich habe an "Grundwissen", meiner Basis, so viel im KiGa gelernt, das hätte auch an Theorie keine Schule in dieser Form bieten können. Unsere Umwelt bietet soooooo viel, was es zu erforschen gilt - wieso nicht da mal die Nase hinhalten? Denn das ist es doch auch im ersten Jahrsiebt: Sich selbst in der Welt einfinden, es geht doch um den Leib, wie steht der zur Welt, die uns umgibt?
Mädel 12/2006
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asujakin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Ja aber was wenn ein Kind eben mehr möchte? Wenn ein 3-jähriger gern Vorschulkindersachen mitmachen möchte, aber nicht malen möchte? Nie, weil er malen hasst? Wenn ein Kind rechnen möchte, gern politische Zusammenhänge erklärt haben möchte usw? In keiner anderen Pädagogik wird ein Kind so gebremst und auch "geleitet" und das lässt sich nicht abstreiten, obgleich es natürlich auch Einrichtungen gibt, die da nicht (mehr) so streng hinterher sind.
Ich möchte ja nichts verteufeln aber mir fehlt bei dir irgendwie der kritische Blick dafür *grübel*
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- minamarie
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
naja einen teil der erziehung/bildung/bespaßung der kinder übernehmen ja auch noch die eltern
wie schon von anderen gesagt wurde- wenn der wunsch zu weben so enorm ist holt man sich für paar euro nen webrahmen, wenn das kind so interessiert an mathe ist fragt es auch die eltern usw.. ist doch auch schön durch die kita nicht alles zu verpassen sondern seinem kind noch ein extra bieten zu können?alles hat seine vor- und nachteile
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asujakin
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Eingefleischte Waldorfeltern sehen das evtl. anders -alles schon erlebt. Die Frage ist glaube ich wirklich wie nah man an der ursprünglichen Pädagogik bleibtminamarie hat geschrieben:naja einen teil der erziehung/bildung/bespaßung der kinder übernehmen ja auch noch die elternwie schon von anderen gesagt wurde- wenn der wunsch zu weben so enorm ist holt man sich für paar euro nen webrahmen, wenn das kind so interessiert an mathe ist fragt es auch die eltern usw.. ist doch auch schön durch die kita nicht alles zu verpassen sondern seinem kind noch ein extra bieten zu können?alles hat seine vor- und nachteile
- minamarie
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
das glaube ich dir sehr gerne das idealisten auch daheim am konzept festhalten. ich selbst würde halt die bedürfnisse meines kindes über meine ideologie jeder art (religion, geschmack usw) stellen (ist zumindest mein ehrlicher plan aber bei manchen kleinigkeiten ertappt man sich ja selbst nichmal wie mans verbockt *lol*)
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weepi
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Oh je da bin ich aber froh das fuer uns sowas garnicht in betracht kam. Dafuer bin ich wahrscheinlich zu kritisch. Wir sind in einer Elterninitiative und haben nur 2 gruppen, wobei eine U3 ist. Das kind kann diverse sachen, wenn es lust hat und es klar ausspricht/zeigt, das finde ich wichtig. Da wird niemand ausgeschlossen, was soll das auch????!!!!ich dachte immer grad in dem etwas kritischerem Umfeld , wuerde das genauso praktiziert, das man auf das Kind eingeht und es foerdert ohne es zu ueberfordern. Klar gibt es regeln, so ist das Leben in einer Gemeinschaft auch. Ne, ne da lob ich mir unsere einrichtung (wo ich aktiv mitentscheide).
- hennnamae
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Wenn ich keinen kritischen Blick hätte, würd ich mich eher nicht damit auseinander setzen. Außerdem kommt im geschriebenen irgendwie immer viel weniger Bandbreite rüber als im Gesprochenen.asujakin hat geschrieben:Ja aber was wenn ein Kind eben mehr möchte? Wenn ein 3-jähriger gern Vorschulkindersachen mitmachen möchte, aber nicht malen möchte? Nie, weil er malen hasst? Wenn ein Kind rechnen möchte, gern politische Zusammenhänge erklärt haben möchte usw? In keiner anderen Pädagogik wird ein Kind so gebremst und auch "geleitet" und das lässt sich nicht abstreiten, obgleich es natürlich auch Einrichtungen gibt, die da nicht (mehr) so streng hinterher sind.
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Erstmal würd ich schauen, wieso das Kind nicht malen mag. Und obs tatsächlich nicht malen mag
Es sagt ja auch niemand, dass man mit den Kindern nicht reden darf - nur halt die Ebene, auf der Wissen vermittelt wird, ist halt mir das... Wenn ein Kind politische Zusammenhänge möchte, ist für mich nicht die Frage, welche Infos es haben möchte, sondern was an seelischem Futter es da grad braucht. Ich denke da gehts (im Kiga/Grundschulalter) nicht um das Vermitteln komplexer politischer Systeme, sondern um die Moralität und das Menschenverständnis, was hinter dieser Frage steht. Ich finde gerade diesen Blick hinter die Frage des Kindes in der Waldorfpädagogik so wertvoll, die aber leider sicher so einigen Pädagogen abgeht. Denn kann man die Frage auf der Ebene beantworten, die das Kind gerade braucht. Es ist halt nicht immer alles so vordergründig, wie es scheint.
Mit "du bist zu klein" das Kind abzubügeln ist weder sinnvoll noch im Waldorf-Sinne. Im Gegenteil, wie ich sagte, eben dieses Erspüren, was da halt grad wirklich das essentielle ist.
Mädel 12/2006
Bub 05/2010
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Re: Waldorfkindergarten-Frust
Danke Hennamae für Deine geduldigen Beiträge. Ich mag vieles von Dir gern dick drucken, denn offenbar lesen die meisten hier wieder nicht bis zum Ende...
Ich selbst war voller üblicher Vorurteile, was Waldorf angeht, bis ich den Kindergarten damals betrat - alles, was ich ab da dort erlebte, bestärkte mich in meinem Entschluss. Und meine glücklichen und zufriedenen Kinder geben mir recht. Warum müssen denn alle immer und immer wieder in dasselbe Vorurteilshorn blasen, obwohl sie noch nie eine solche EInrichtung von innen gesehen haben?!
Ja, es gibt sicher Unterschiede, aber die gibt es in staatlichen Einrichtungen und bei Montessori ganz genauso.
Ich weiß auch nicht, ob allgemein vom Kindergarten erwartet wird, dass er die gesamte "Erziehungs"arbeit übernimmt.
Für mich stellt der Kindergarten für die Kinder eine schöne Abwechslung dar, eine Alternative zu Zuhause, die gern auch ganz anders sein darf. Hier zu Hause könnte ich vieles überhaupt nicht umsetzen oder will es nicht. Wenn mein Kind politische Zusammenhänge erklärt haben möchte, dann mache ich das am Nachmittag. Und sollte er einmal die Woche beim Malen keine Lust haben, dann wird es sicher nicht seine Seele zerstören, wenn er daneben sitzt und eben nicht malt.
Es ist doch in jedem Kindergarten ganz unabhängig vom Konzept so, dass die Kinder nicht ALLES ZU JEDER ZEIT machen können - wie soll das mit so vielen Kindern auch funktionieren?! Und wie gesagt, die ganz individuellen Wünsche fördere ich halt daheim, dafür bin ich doch da. Wenn sich mein Kind am Tag für drei oder vier Stunden in eine Gruppe einordnet, zerstört das sicher nicht seine Individualität. Auch in einer Familie muss man sich doch einordnen und seine eigenen Bedürfnisse manchmal zurückstellen, anders funktioniert es doch auch da nicht.
Im übrigen ist auch bei uns ein Verein Arbeitgeber der Erzieherinnen und dieser VErein besteht aus Eltern - alle mehr oder minder waldörflich. Ich selbst komme GAR NICHT aus dem waldörflichen Umfeld und mir wurde vor kurzem ein Vorstandsposten angeboten...
Ich selbst war voller üblicher Vorurteile, was Waldorf angeht, bis ich den Kindergarten damals betrat - alles, was ich ab da dort erlebte, bestärkte mich in meinem Entschluss. Und meine glücklichen und zufriedenen Kinder geben mir recht. Warum müssen denn alle immer und immer wieder in dasselbe Vorurteilshorn blasen, obwohl sie noch nie eine solche EInrichtung von innen gesehen haben?!
Ja, es gibt sicher Unterschiede, aber die gibt es in staatlichen Einrichtungen und bei Montessori ganz genauso.
Ich weiß auch nicht, ob allgemein vom Kindergarten erwartet wird, dass er die gesamte "Erziehungs"arbeit übernimmt.
Im übrigen ist auch bei uns ein Verein Arbeitgeber der Erzieherinnen und dieser VErein besteht aus Eltern - alle mehr oder minder waldörflich. Ich selbst komme GAR NICHT aus dem waldörflichen Umfeld und mir wurde vor kurzem ein Vorstandsposten angeboten...
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)
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