Ich bin da ganz bei Traeumi - aber im Grunde sind wir uns da alle einig, glaube ich.
Ich glaube, dass grundsätzlich jedes (!) Pferd für artgerechte Herdenhaltung geeignet ist. Und gleichzeitig bin ich mir sicher, dass ganz viele Pferde das nie gelernt haben.
Und - und das wiegt eigentlich viel schwerer -, dass ein Großteil der Haltungskonzepte schlecht gemacht sind.
Wenn die Fläche zu klein, das Futter zu wenig, die Herdenzusammenstellung unpassend, die Fluktuation zu groß, die Umgebung zu stressig… (you name it) ist, dann ist es kein Wunder, dass viele Pferde damit nicht klar kommen und die "Ruhe" in der Box vermeintlich bevorzugen. Liegt dann aber nicht am ungeeigneten Pferd, sondern am schlechten Management.
Ich möchte und werde mein Pferd nie mehr in eine geschlossene Box stellen. Besonders den Ausdruck "über Nacht" finde ich geradezu absurd. Im Sommer kommen die Boxenpferde bei uns ganztägig in der Herde auf die Wiese und "über Nacht" rein. Tatsächlich geht die Weidezeit aber nur von 9 bis 16/17 Uhr, bleiben also Minimum 16 Stunden Boxenzeit. Selbst wenn dann noch Bewegung plus Pflege von zwei Stunden dazukommen, sind es immer noch locker 14 Stunden rumstehen. Das passt doch hinten und vorne nicht zu den natürlichen Bedürfnissen eines Pferdes?!
Leider ist der Offenstall bei uns auch alles andere als optimal, aber aus Gründen ein gangbarer Kompromiss für mich.
Sieben Wallache auf einer langweilig rechteckigen Fläche von ca. 500 qm plus überdachte Liegefläche (die jeden Tag mit Stroh übergestreut und nur alle zwei Monate oder so gemistet wird…). Gefüttert, sowohl Kraftfutter als auch Heu, wird in Fressständern, in die die Pferde selbstständig reinlaufen und rückwärts wieder raus. Nach vorne und zu den Seiten sehen sie nichts, hören aber natürlich alles. Wenn es irgendwo rumpelt, rennen die sensiblen oder rangniedrigen Pferde also rückwärts raus, um zu checken, was los ist.
Sehr entspanntes Fressen. Nicht

Noch dazu wird in der Weidezeit kein (!!) Heu gefüttert - es sei denn, man bucht und bezahlt es extra. Was nicht alle Besitzerinnen im Offenstall nötig finden, was wiederum bedeutet, dass im Moment nur drei von sieben Pferden abends Heu bekommen… man kann sich ausmalen, wie die Stimmung dann ist, besonders für die rangniedrigen… rausholen sollte man sein Pferd in der Zeit natürlich auch nicht, sonst wird das Heu in der Zeit von den anderen gefressen.
Sobald das Heu gefressen ist (und das ist spätestens um 20 Uhr der Fall), gibt es nur Stroh, bis es am nächsten Tag um 9 Uhr auf die Weide geht.
Meiner ist zum Glück der Stellvertreter des Herdenchefs und kommt so weit gut klar. An die blöden Fressständer hat er sich zum Glück gewöhnt bzw ist abgestumpft.
Auf der Pro-Seite steht aber auch etwas: perfekt befestigter Boden und deshalb nirgendwo Matsch, gute Futterqualität, gutes Weide-Management, Full-Service, top Böden in der Halle und auf dem Platz, sehr aufmerksame Stallbesitzer, die wirklich ein Auge auf die Pferde haben und ich kann mit dem Fahrrad hinfahren - für mich super wichtig.
Trotzdem ist mir völlig klar, dass das keine optimale Offenstall-Haltung ist und ich mache die ganzen Zugeständnisse nur mangels Alternative.