Film Elternschule im Kino

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
Benutzeravatar
Tutti
SuT It-Girl
Beiträge: 4245
Registriert: 20.10.2012, 18:38
Wohnort: Berlin

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Tutti »

Frieher, es tut mir leid, dass du komplett allein gegen gefühlt alle diskutieren musstest.
Aber ich als Leserin hab es genau so empfunden :
Als Diskussion!

Und Diskussionen sind inspirierend, behellend, interessant, Horizont öffnend und natürlich kontrovers.

Beide Seiten sind ja sachlich und freundlich geblieben, das ist die notwendige Basis.

Also bitte zieh nun kein grundsätzliches "Das SuT passt wohl nicht zu mir" - Gefühl daraus.
There is no way to be a perfect parent
but a million ways to be a good one

E (05/12)
R (07/16)
Cocolin
Moderatoren-Team
Beiträge: 2569
Registriert: 17.08.2017, 13:14

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Cocolin »

Frieher, ich habe mitgelesen und fand die Diskussion sehr interessant und auch deinen Standpunkt. Tatsächlich ist es bei mir so: Nidos Punkten würde ich für mich so zustimmen, genauso sehe ich es und geht es mir. Aber ich habe auch mit vielen gesprochen, die es sehr ähnlich sehen wie du. Darunter einerseits Kollegen (also aus dem Fernseh-Bereich) und auch eine Sozialarbeiterin, die Frau eines Kollegen. Sie hatte quasi genau deinen Standpunkt, und arbeitet auch viel mit sehr schwierigen Familienverhältnissen. Ich finde es sehr interessant, wie der Hintergrund die Rezeption des Films anscheinend mitbestimmt. Es wäre schade, wenn du daraus jetzt ein "SuT ist zu radikal" ableitest, ich fand die Diskussion hier ist doch sehr sachlich geblieben. Aber das scheint grundsätzlich auch eine Schwierigkeit an dem Film zu sein: Erziehung und die Philosophie mit der man selbst da ran geht sind ein sehr emotionales Thema und es ist schwierig, es ganz und gar rational zu diskutieren.
Mod- Team Trageberatung
Zertifizierte Trageberaterin der Trageschule Dresden

mit R(07/17) und G(08/20)
Benutzeravatar
Flädi
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1909
Registriert: 20.12.2005, 14:10
Wohnort: in der Schweiz
Kontaktdaten:

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Flädi »

Frieher hat geschrieben: 23.07.2019, 09:12 Ihr Lieben, ich werde da jetzt nicht mehr drauf antworten. Ich fühle mich etwas sn die wand gestellt ob meiner anderen Meinung.

Ich steck da scheinbar nicht annähernd so tief drin wie ihr. Und wie ich schon sagte, bin ich auch nicht bereit so viel Energie da rein zu stecken.

Ich werde mich löschen lassen, dieser thread zeigt mir, dass ich der Radikalität des sut entwachsen bin.

Also macht euch keine weitere Mühe. So viel Aufmerksamkeit sollte der filn doch dann gar nicht bekommen.

Ansonsten, vielen Dank für eure interessanten Kommentare. Ich werde sie wirken lassen...
Aber dem thread, ja dem sut entziehe ich mich jetzt. 😉
Ich melde mich jetzt hier auch rasch zu Wort. Eigentlich wollte ich mich hier aus zeitlichen Gründen nicht einklinken...insbesondere auch, weil ich nach dem Sehen des Films auch etwas erstaunt war, ob den ganzen negativen Diskussionen. Meine Sicht auf das Ganze ist eher wie die deine. Das war auch der Grund, weshalb ich mich hier nicht geäussert habe. Der Film und die Thematik darin ist ein totaler Gegensatz zur ganzen Sutigen Sichtweise. Bedingt dadurch, dass es halt Extremfälle sind und in keiner Weise mit einem normalen Elternkindverhältniss vergleichbar sind. Das einzige was ich ankreiden würde ist der Kommentar, dass dieser Film ein Muss für alle Eltern ist. Aber das ist eine unqualifizierte Berichterstattung gewesen und dafür kann/können ja weder die Klinik noch die Filmschaffenden was. Alles andere besonders auch das Interview mit dem Arzt fand ich sehr interessant und konnte es auch gut nachvollziehen obschon es evtl. nicht unbedingt der Weg wäre den ich mit meiner Familie wählen würde....aber auch da kann ich es nicht definitiv ausschliessen...wer weiss wie es in einer Krisensituation wäre?!
Tochter 2005, Sohn 2007 und Tochter 2010
Leominor
alter SuT-Hase
Beiträge: 2998
Registriert: 22.03.2018, 15:59

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Leominor »

Hm, ich finde das Thema sehr schwierig. Ich habe den Film zu etwa 3/4 gesehen, dann kam das Kind dazwischen. Ich fand vieles sehr heftig zu sehen. Auf der anderen Seite finde ich fehlen einem als Zuschauer komplett die Hintergrundinfos, was da bereits im Vorfeld an Therapien, Familienhilfen etc. gelaufen ist. Ich glaube nämlich schon, dass es Situationen gibt in denen eine solche Firm der Therapie, wohlgemerkt als letzter Ausweg, evtl. die richtige Lösung sein kann.

Versteht mich nicht falsch, das ist sicher nicht die richtige Methode um Kinder zu erziehen! Und diesen Film Elternschule zu nennen ist jetzt sicher auch nicht die beste Idee gewesen, weil es impliziert, dass dort evtl. doch allgemeine Erziehungstips gegeben werden. Und das ist ganz sicher nicht so! Wenn man den Film in der Mediathek anschaut, wird auch ein Vorspann eingeblendet, in dem das richtig gestellt wird.

Aber wie gesagt, ich kann mir vorstellen, dass diese Therapie als letzter Ausweg bevor die Eltern so am Ende sind, dass etwas schlimmeres passiert, durchaus gerechtfertigt sein KANN. WENN andere Formen der Hilfe nicht gegriffen haben.

Ich glaube tatsächlich, dass ich den Film vielleicht etwas anders bewerte, weil ich mit eigenen Augen gesehen habe, wozu Überforderung bei Eltern führen kann und mir einfach noch schlimmeres als diese Therapie vorstellen kann...
Leominor mit Tigermädchen (2017) und Bärenjunge (2020)
pqr
SuT-Legende
Beiträge: 8947
Registriert: 16.08.2015, 17:38

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von pqr »

Frieher

Ich unterschreibe mal bei Tutti und finde es auch schade, dass Du deshalb nicht mehr im SUT schreiben magst. Ich lese Deine Beiträge gerne und finde auch Diskussionen interessant, in denen ich mit einer ganz anderen Sichtweise konfrontiert bin als meine und bekomme dadurch oft spannende Impulse.
Viele Grüße
pqr

pqr mit Mini 04/2015
und Mini2 12/2017
Benutzeravatar
Dickkopf-Mama
Miss SuTiversum
Beiträge: 18547
Registriert: 04.10.2007, 12:33
Wohnort: Niedersachsen

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Dickkopf-Mama »

Das einzige was ich ankreiden würde ist der Kommentar, dass dieser Film ein Muss für alle Eltern ist. Aber das ist eine unqualifizierte Berichterstattung gewesen und dafür kann/können ja weder die Klinik noch die Filmschaffenden was.
Hmmm, ich glaube sowohl Klinik als auch Filmschaffende hätten mehr als genug Zeit gehabt sich von dem "...ein Muss für alle Eltern" zu distanzieren.
Statt dessen wurde dieses Zitat dem Film in den Ankündigungen vorangestellt.
Entweder nur in der Hoffnung, dass dies zu einer Aufmerksankeit führt die der Film sonst warscheinlich nie erhalten hätte oder weil sie es für richtig gehalten haben.
Liebe Grüße von Meike mit drei Dickköpfen ( * 2007),( * 2010) und (*2013)
Benutzeravatar
Pelufer
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8058
Registriert: 09.07.2013, 14:59

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Pelufer »

Wenn man sich die Homepage der Klinik anschaut, und das Gebaren vor der Kinoausstrahlung, würde ich auf letzteres tippen
Räuberhauptmann *5/13, Zaubermaus *4/16, Sternenprinzessin *+9.8.2019
Benutzeravatar
Giraeffchen
Moderatoren-Team
Beiträge: 5639
Registriert: 10.01.2011, 15:31

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Giraeffchen »

Leominor hat geschrieben: 23.07.2019, 11:27
Aber wie gesagt, ich kann mir vorstellen, dass diese Therapie als letzter Ausweg bevor die Eltern so am Ende sind, dass etwas schlimmeres passiert, durchaus gerechtfertigt sein KANN. WENN andere Formen der Hilfe nicht gegriffen haben.
Natürlich gibt es diese Familien, die vollkommen am Ende sind und nichts dringender brauchen als Unterstützung. Jetzt. Niedrigschwellig.
Spinnen wir den Faden also mal weiter und gehen davon aus, da sind jetzt Familien, die haben alles und alles ausprobiert und sind jetzt in Gelsenkirchen gelandet. Und da ist dann ein Fernsehteam, das filmt ihre Kinder, die sich gerade übergeben, denen der Rotz aus der Nase läuft, weil sie nicht mehr aufhören können zu schreien und zu weinen, weil sie so überfordert sind, die sich winden, weg wollen, Stinkefinger zeigen. Dazu werden die Szenen kommentiert, nicht besonders empathisch kommentiert.
Diesen Film kann heute jeder downloaden, speichern, einmotten, wasauchimmer damit tun, er wird immer präsent sein für den, der es will.
In 15, in 20 Jahren so wie heute. Die dann erwachsenen Kinder können dann sehen, wie sie im Fernsehen vorgeführt wurden, als ihre Eltern als letzten Ausweg diese Möglichkeit gewählt haben.
Ein ganz bitterer Beigeschmack, zu all dem, was schon geschrieben wurde.



(Mein Großer hatte als Baby ganz schlimm Neurodermitis und uns wurde vorgeschlagen, von einem Facharzt, es doch mal in Gelsenkirchen zu versuchen. Das war das erste 'Angebot', was uns diesbezüglich gemacht wurde. Wir hatten keine besondere Not geäußert, klar, es war superanstrengend und auch belastend, aber eben weit entfernt von familiärer Ausnahmesituation, in der nichts mehr geht. Wären wir gefahren, dann wäre mein Kind nach diesem Programm behandelt worden. Ich war damals in einem Betroffenen- Forum zum Austausch und da waren einige, denen Gelsenkirchen unter ähnlichen Bedingungen wie uns angeboten wurde. Und auch Eltern, die da waren. Die es abgebrochen hatten, die es durchgezogen hatten. Letztere zweifelten teilweise sehr deutlich und litten unter dem, was sie erlebt hatten. Entlasteter als vorher war kaum jemand. Ich weiß, nicht repräsentativ, aber zumindest ein kleiner Ausschnitt aus der Welt derer, die davon betroffen waren).


Zum Diskussionsthema an sich: Gerade solche emotionalen Themen bieten ja viele Möglichkeiten, wo man mit seiner eigenen Meinung steht und da ergeben sich zwangsläufig natürlich auch z.T. große Unterschiede. Dass man sich in die Enge getrieben fühlen kann, wenn viele Menschen anders denken als ich, kann ich verstehen. Gerade hier gibt es zu diesem Thema eine (vermutlich nicht nur gefühlte) Mehrheit *gegen* das gängige Procedere der Gelsenkirchener und es wurde ja auch schon oft dargelegt, warum.
Was unterm Strich aber für alle stehen bleibt, ist: Es gibt Familien, denen muss geholfen werden und die Möglichkeiten dazu sind nicht immer rosa, sondern oft schmerzlich und hart. Das ist schwer auszuhalten, aber manchmal die einzige Chance, etwas zu verändern. Und das ist der Punkt, der alle hier eint, denke ich.
Was aber nie, nie verloren gehen darf, gerade im Umgang mit Familien, die ohnehin schon Probleme haben, sind Empathie und Respekt. Und, selbst bei sachlicher Betrachtung, ist im Film davon nicht viel zu sehen. Meist sind es eben weinende, kotzende, verrotzte oder auch 'unerzogene' Kinder, die beim Betrachter in den meisten Fällen sicher ein Bild erzeugen, dass diesen Kindern in ihrer Gesamtheit nicht gerecht wird. Sie befinden sich in Situationen, in die sie gezwungen wurden und aus denen es keinen Ausweg gibt, außer zu kooperieren, egal, wie sich das anfühlt.
Der erste, wichtigste Satz meiner Heilpädagogikmentorin war: Ich muss den anderen da abholen, wo er steht. Und das, was ich ihm zur Hilfe anbiete, muss er annehmen können. Es kann anders nicht klappen. Darauf war unser ganzes Ausbildungskonzept aufgebaut.

Trotzdem bezweifle ich nicht, das bloße Verhaltenstherapie hilfreich sein kann, wenn sie individuell ausgelotet wurde. Dieses Konzept schert jedoch alle über einen Kamm und kann damit nicht der Heilsbringer schlechthin sein, zwangsläufig.
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


Bild Bild


"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren)
Leominor
alter SuT-Hase
Beiträge: 2998
Registriert: 22.03.2018, 15:59

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Leominor »

Giraeffchen hat geschrieben: 23.07.2019, 14:28

Natürlich gibt es diese Familien, die vollkommen am Ende sind und nichts dringender brauchen als Unterstützung. Jetzt. Niedrigschwellig.
Spinnen wir den Faden also mal weiter und gehen davon aus, da sind jetzt Familien, die haben alles und alles ausprobiert und sind jetzt in Gelsenkirchen gelandet. Und da ist dann ein Fernsehteam, das filmt ihre Kinder, die sich gerade übergeben, denen der Rotz aus der Nase läuft, weil sie nicht mehr aufhören können zu schreien und zu weinen, weil sie so überfordert sind, die sich winden, weg wollen, Stinkefinger zeigen. Dazu werden die Szenen kommentiert, nicht besonders empathisch kommentiert.
Diesen Film kann heute jeder downloaden, speichern, einmotten, wasauchimmer damit tun, er wird immer präsent sein für den, der es will.
In 15, in 20 Jahren so wie heute. Die dann erwachsenen Kinder können dann sehen, wie sie im Fernsehen vorgeführt wurden, als ihre Eltern als letzten Ausweg diese Möglichkeit gewählt haben.
Ein ganz bitterer Beigeschmack, zu all dem, was schon geschrieben wurde.



(Mein Großer hatte als Baby ganz schlimm Neurodermitis und uns wurde vorgeschlagen, von einem Facharzt, es doch mal in Gelsenkirchen zu versuchen. Das war das erste 'Angebot', was uns diesbezüglich gemacht wurde. Wir hatten keine besondere Not geäußert, klar, es war superanstrengend und auch belastend, aber eben weit entfernt von familiärer Ausnahmesituation, in der nichts mehr geht. Wären wir gefahren, dann wäre mein Kind nach diesem Programm behandelt worden. Ich war damals in einem Betroffenen- Forum zum Austausch und da waren einige, denen Gelsenkirchen unter ähnlichen Bedingungen wie uns angeboten wurde. Und auch Eltern, die da waren. Die es abgebrochen hatten, die es durchgezogen hatten. Letztere zweifelten teilweise sehr deutlich und litten unter dem, was sie erlebt hatten. Entlasteter als vorher war kaum jemand. Ich weiß, nicht repräsentativ, aber zumindest ein kleiner Ausschnitt aus der Welt derer, die davon betroffen waren).
Da gebe ich dir völlig recht. Durch so einen Film werden die Persönlichkeitsrechte der Kinder massiv verletzt und man kann nur hoffen, dass sie nicht auf Grund des Films noch weitere Probleme bekommen.

Und Neurodermitis oder Asthma mit so einer Therapie behandeln zu wollen dürfte sicher ähnlich sinnvoll sein, wie bei Vollmond 3x um eine Eiche zu tanzen. Mit dem Unterschied, dass letzteres vermutlich zumindest keinen bleibenden Schaden anrichtet... Wenn euch für euer Kind diese Therapie wegen Neurodermitis so angeboten wurde, dann fällt mir dazu echt nichts mehr ein...
Leominor mit Tigermädchen (2017) und Bärenjunge (2020)
Lösche Benutzer 20453

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 20453 »

Giraeffchen, ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag und speziell auch für deine persönlichen Erfahrungen.

Es ist vieles schon geschrieben worden, was ich definitiv nicht besser schreiben kann, zumal ich es bis heute nicht über mich gebracht habe, den Film anzuschauen.
Ohne ihn gesehen zu haben drängt sich mir aber der Eindruck auf, dass sowohl Kinder als auch Eltern in dem Film teils mit traumatischen Vorerfahrungen in die Klinik kommen und dann einer "Therapie" ausgesetzt werden, die darauf nicht nur keine Rücksicht nimmt, sondern geradezu zu einer Retraumatisierung führt.
Bei Erwachsenen wäre der Aufschrei groß, da ist Gewalt in der Therapie mit Recht ein Riesenthema. Aber bei Kindern? Ich bin fassungslos.
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“