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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 18:36
von Gabriela
Ist ein Kaiserschnitt eigentlich - summa summarum und ganz ehrlich ohne Glorifizierung - weniger schmerzhaft, als eine Geburt?
Hmm... ich hatte ja sozusagen beides, da sekundäre Sectio. So rein vom Schmerzempfinden her fand ich die Wehen kurz vor dem vollständig eröffnet sein ganz, ganz schlimm. Ich dachte, ich sterbe... Dann kam die PDA, die Schmerzen wurden erträglicher. Wehenpausen hatte ich so gut wie keine, maximal 20 Sekunden.

Dann kam die Entscheidung zur Sectio, die Umlagerung, und dadurch wirkte die PDA nur noch einseitig, so dass ich den Schnitt auf der einen Seite spürte. DAS waren dann wirklich gewaltige Schmerzen, aber ganz anders als Wehenschmerzen. Wehen waren wie extrem hohe Wellen. Die Schnittsschmerzen waren wie giftigste Pfeile, wie wenn Dir jemand die Haut verbrennt. Halt wie wenn man aufgeschlitzt wird, im wahrsten Sinne des Wortes! :shock:

Nach wenigen Sekunden bekam ich dann übrigens ne Vollnarkose und war weg.

Nach dem Aufwachen tat mir die Schnittwunde als solches nicht wirklich weh. (Ok, die Ärzte hatten mir unter der Sectio noch eine Rippe gebrochen, das war wohl Schmerzüberlagerung, denn die Rippe tat ziemlich weh.) Auch als ich ziemlich zügig die Schmerzmittel absetzte, kamen keine Schmerzen direkt von der Kaiserschnitt-Narbe. Es ging mir nach dem KS blendend, allerdings hatte ich unter dieser Geburt wohl schon genug Schmerzen ertragen müssen...

Ach ja, um Deine Frage noch kurz und bündig zu beantworten: Bei mir wäre ein geplanter Kaiserschnitt ohne irgendwelche Komplikationen wohl viel weniger schmerzhaft als eine Spontangeburt gewesen. Ich habe aber auch eine superduper Wundheilung, bin kerngesund und stark. Ich vertrage Medikamente ohne irgendwelche Nebenwirkungen etc. Für meinen Körper wäre also eine geplante Sectio sicher problemlos gewesen... TROTZDEM würde ich nie im Leben einen Kaiserschnitt einer Spontangeburt vorziehen!

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 20:38
von inkognito
xknäckebrotx hat geschrieben:
ihr kennt sicher die geschichte von adam und eva.dadurch dass sie von den verbotenen früchten gegessen haben wurden sie bestraft.die bestrafung war dass sie unvollkommen sind und es weitergeben.du sollst unter schmerzen dein kind gebären,oder so...wenn sie diesen fehler nicht gemacht hätten,wäre die geburt (anscheinend) ganz schmerzlos,und alles würde normal verlaufen,ohne komplikationen.
Da glaube ich aber nicht dran, nicht im Geringsten - das ist für mich eine der übelsten Geschichten, mit denen Frauen dazu angehalten werden, schön still zu halten und sich dafür zu schämen, dass sie eine Frau sind - weil es ja letztendlich alles Evas Schuld ist :shock:

Anders herum: Warum hat Gott denn dann irgendwann die Medizin und Geburtshilfe mit ins Spiel gebracht, wenn es sein Wille wäre, dass Frauen unter der Geburt leiden müssen?
och, g'tt ist auch nicht immer zu verstehen. vielleicht tats ihm ja leid, das mit den schmerzen. :lol:

sag mal, ist das das buch was mal der eine hier, der rln oder so, der sich hier mal angemeldet hat, weil das buch hier so zerrissen wurde und er sich erklären wollte herausgegeben hat?

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 21:08
von jusl
Soweit ich das verstanden habe, geht es der Autorin ja wesentlich um die SCHMERZEN dabei. Genau das ist allerdings ein Punkt, den ich persönlich nur schwer nachvollziehen kann. Das Wort "Schmerzen" ist bei uns einfach zu 99% negativ besetzt - allerdings ist genau dies zu hinterfragen, finde ich. Ich frage mich: war die Frau wohl schonmal bergwandern? Sich die letzten Meter zur Hütte raufkämpfen, die Waden brennen wie 1000 Nadelstiche, aber dann kommt eben das saugeile Gefühl, wenn man oben ist? Schmerzen ohne Ende, aber tauscht man dieses wunderbare Erlebnis (nach dem man wirklich stolz auf sich sein kann!..) ein gegen ein "Ach, warum gehste denn zu Fuß?... Hättest doch auch mit dem Auto rauffahren können!".
Oder der Endorphin-Kick bei intensivem Sport, wo Schmerzen und Highsein einander abwechseln - klar mag sich manche Couch-Potatoe fragen "warum tut sie sich das an?!? Ist doch sooo anstrengend..." (Sport-Junkies antworten Bewegungsmuffeln dann ja gerne sowas wie "Du hast ja keeeiiiine Ahnung!.." :lol: - würde sagen, das stimmt auch. :lol: )

Der Ansatz ist da einfach unterschiedlich. Für die einen sind Schmerzen ein nicht zu akzeptierendes Übel, welches möglichst immer ausgeschaltet sein sollte - diese Leute erleben Schmerzen mit peinigender, erniedrigender, schwächender psychologischer Wirkung. Für die anderen sind Schmerzen erstmal einfach Teil der menschlichen Gefühlspalette, die durchaus auch erlebt und erfahren sein wollen (auch wenn es sicher angenehmere, bequemere Gefühle gibt) - hier ist nach Erleben die psychologische Wirkung eben eher stärkend und stolz machend.

Dass jemand nach einer schmerzhaften, aber eben überstandenen Aufgabe STOLZ empfindet, scheint mir übrigends HÖCHST natürlich zu sein. Gibt es das nicht seit Beginn der Menschheit?? Prüfungen bestehen, Riten durchlaufen, an Grenzen herantasten und überschreiten, Narben davontragen, aber aus alldem eben GESTÄRKT wieder hervorkommmen..? Das scheint mir einer der Ur-Antriebsfedern der Menschheit überhaupt zu sein!

LG;
Julia

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 21:26
von Altraia
Übrigens hat bei mir das Erleben und Aushalten der natürlichen Geburtsschmerzen dafür gesorgt, dass ich Schmerzen danach eben NICHT mehr so negativ besetzt habe und seither viel besser mit Schmerzen umgehen kann. Mir hat es sehr viel gebracht.

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 22:28
von jusl
Ja mir auch. Spätestens seit meiner Zwillingsgeburt (die schmerztechnisch wirklich alles andere als positiv-angenehm war, wie im Geburtsberichte-UF nachzulesen ist) gehe ich mit dem (sehr guten!) Gefühl "Ich überstehe ALLES, komme was mag!" durchs Leben. :lol:

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 22:41
von Muschelsucherin
Ich lese hier gespannt mit.

Für meinen Teil: Ich hasse Schmerzen! Mein Schmerzempfinden ist wohl auch eher an der unteren Skala anzusiedeln, ich knicke relativ schnell ein. Habe ich Schmerzen, wünsche ich mir, dass diese SOFORT irgendwie beendet werden. Das war auch unter den Eröffnungswehen so. Andere hatte ich ja nicht. In meinem Kopf kreiste nur ein Gedanke: Warum macht keiner, dass das hier aufhört, denn es wird vermutlich noch viel schlimmer als jetzt werden.
Wenn ich Schmerzen habe, verkrampfe ich mich. Ich fühle mich krank und elend, so war´s auch während der Wehen. Ich spürte da nix von irgendwelchen starken Wellen, die mir mein Kind näher bringen oder was man sonst so liest.
Seit Mitte der SwS fange ich wieder an sehr stark über die Geburt nachzudenken. Im Moment zweifle ich wieder ein wenig daran, dass ich das schaffen werde, weil ich schmerzmäßig echt ne Nullnummer bin.

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 15.12.2009, 23:02
von Gluehsternchen
@Baba

genauso geht es mir.
Ich verkrampfe mich und will mich klein machen, unter den Wehen wollte ich mich einrollen!!!!
Schmerzen sind für mich ein Dauerthema, ich glaube ich bin übersensibel durch die täglichen Schmerzen :(
Ich hasse es...

Aber geburtsschmerzen sind mit Abstand das schlimmste an Schmerzen was ich je erlebt habe!
Danach kommt lange nichts, irgendwann Migräne, dann den kleinen Zeh anstoßen ;)

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 16.12.2009, 08:22
von Lösche Benutzer 1828
jusl hat geschrieben:Soweit ich das verstanden habe, geht es der Autorin ja wesentlich um die SCHMERZEN dabei. Genau das ist allerdings ein Punkt, den ich persönlich nur schwer nachvollziehen kann. Das Wort "Schmerzen" ist bei uns einfach zu 99% negativ besetzt - allerdings ist genau dies zu hinterfragen, finde ich. Ich frage mich: war die Frau wohl schonmal bergwandern? Sich die letzten Meter zur Hütte raufkämpfen, die Waden brennen wie 1000 Nadelstiche, aber dann kommt eben das saugeile Gefühl, wenn man oben ist? Schmerzen ohne Ende, aber tauscht man dieses wunderbare Erlebnis (nach dem man wirklich stolz auf sich sein kann!..) ein gegen ein "Ach, warum gehste denn zu Fuß?... Hättest doch auch mit dem Auto rauffahren können!".
Oder der Endorphin-Kick bei intensivem Sport, wo Schmerzen und Highsein einander abwechseln - klar mag sich manche Couch-Potatoe fragen "warum tut sie sich das an?!? Ist doch sooo anstrengend..." (Sport-Junkies antworten Bewegungsmuffeln dann ja gerne sowas wie "Du hast ja keeeiiiine Ahnung!.." :lol: - würde sagen, das stimmt auch. :lol: )

Der Ansatz ist da einfach unterschiedlich. Für die einen sind Schmerzen ein nicht zu akzeptierendes Übel, welches möglichst immer ausgeschaltet sein sollte - diese Leute erleben Schmerzen mit peinigender, erniedrigender, schwächender psychologischer Wirkung. Für die anderen sind Schmerzen erstmal einfach Teil der menschlichen Gefühlspalette, die durchaus auch erlebt und erfahren sein wollen (auch wenn es sicher angenehmere, bequemere Gefühle gibt) - hier ist nach Erleben die psychologische Wirkung eben eher stärkend und stolz machend.

Dass jemand nach einer schmerzhaften, aber eben überstandenen Aufgabe STOLZ empfindet, scheint mir übrigends HÖCHST natürlich zu sein. Gibt es das nicht seit Beginn der Menschheit?? Prüfungen bestehen, Riten durchlaufen, an Grenzen herantasten und überschreiten, Narben davontragen, aber aus alldem eben GESTÄRKT wieder hervorkommmen..? Das scheint mir einer der Ur-Antriebsfedern der Menschheit überhaupt zu sein!

LG;
Julia
das hast Du toll geschrieben - ich bin zwar leider kein Sportler, aber trotzdem hat man doch auch solche Erlebniss - ich weiß noch, eine lange, anstrengende Wanderung im Urlaub, ich war fix und fertig, aber es war so TOLL,wirklich unten angekommen zu sein, dieses Erlebnis nimmt mir keiner - und ja, auch darauf war ich stolz

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 16.12.2009, 08:24
von Lösche Benutzer 1828
Altraia hat geschrieben:Übrigens hat bei mir das Erleben und Aushalten der natürlichen Geburtsschmerzen dafür gesorgt, dass ich Schmerzen danach eben NICHT mehr so negativ besetzt habe und seither viel besser mit Schmerzen umgehen kann. Mir hat es sehr viel gebracht.
auch das, ja,stimmt.....und ich weiß, dass ich auch viel stärker bin,als ich vorher dachte, das zieht sich durch viele Lebensbereiche

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Verfasst: 16.12.2009, 08:25
von Lösche Benutzer 1828
Gluehsternchen hat geschrieben:@Baba

genauso geht es mir.
Ich verkrampfe mich und will mich klein machen, unter den Wehen wollte ich mich einrollen!!!!
Schmerzen sind für mich ein Dauerthema, ich glaube ich bin übersensibel durch die täglichen Schmerzen :(
Ich hasse es...

Aber geburtsschmerzen sind mit Abstand das schlimmste an Schmerzen was ich je erlebt habe!
Danach kommt lange nichts, irgendwann Migräne, dann den kleinen Zeh anstoßen ;)
ich habe solch schlimme Zahnarztangst und meinte irgendwann mal, ich bekäme lieber ein Kind als das öfter über mich ergehen zu lassen - und doch, ich meinte das ernst.....