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Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 16.07.2009, 00:19
von Iris
Liebe Eva,
ich denke nun schon den ganzen Tag an dich und deine Kinder. Es ist so unfassbar traurig. Ich wünsche dir liebe Menschen um dich herum, die dich stärken für dein Leben mit den Kindern und die dir helfen, Svens Andenken in euch zu bewahren.
Ich bete für euch und für deinen Mann.

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 16.07.2009, 13:06
von Julemaja
Mich hat Dein Beitrag sehr berührt und ich finde es aussergewöhnlich von Dir, dass Du nicht verzweifelst, sondern den Dingen ein Sinn zu geben versuchst.

Ich denke auch, dass Dein Mann und Deine Kinder die gemeinsame Zeit dann sehr viel intensiver erlebt haben, als das mit Vollstillen möglich gewesen wäre.

Pass bitte gut auf Dich und Deine Mäuse auf...

Anja

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 16.07.2009, 13:41
von Hauptstadtkind

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 22:00
von kassandra
Hallo,

es tut mir unendlich leid, dass dein Mann euch so jung und früh verlassen musste. Mir kommen die Tränen, wenn ich an euch denke und dass eine kleine Familie ohne Mann und ohne Papa sein muss.

Liebe Grüße

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 22:47
von Eva-M.
Vielen Dank für eure lieben Worte.

Ich kann im Moment noch gar nicht richtig trauern, weil ich dafür keine Zeit habe.. Ich ziehe aus Bayern zurück nach Niedersachsen, renne von einem Amt zum anderen, kann aber nichts bewerktstelligen, weil mir das wichtigste - die Rentenbescheide- fehlen. Zum Glück hab ich etwas gespart und hab meine Eltern, weil es geldmäßig echt nicht gut aussieht. Möchte mal wissen, wie ich das hätte machen sollen, wenn ich nicht meine Eltern und etwas Gespartes hätte... Echt ätzend. Heiraten und Kinder kriegen ist einfacher.

Ich bin noch nicht an dem Punkt des Zweifelns angelangt, nur manchmal kommt in mir die Frage auf: Warum muss ich das alles ertragen? Zwei Kaiserschnitte, einer davon äußerst traumatisch, die extrem wenige Milch, mein Sohn mit Milcheiweißallergie, dazu noch die Ohnmacht und Hilflosigkeit in Anbetracht der Colitis Ulcerosa und Dermatose von Sven (mein Mann). Er hat unter seinen Krankheiten sehr gelitten, ein normaler Familienalltag war kaum möglich. Ich frage mich, warum das nicht mal gerecht verteilt werden konnte. Ich meine, ich bin glücklich, dass mich ein so toller Mann geliebt hat und dass ich zwei super Kinder von ihm habe. Aber warum war uns nicht ein bisschen Glück neben der Kinder vergönnt?

Und nun geh ich zurück in meine Heimat und meine Cousinen bekommen Kinder und haben eine glückliche Familie... Eine SMS von einer Cousine musste ich löschen: "xy ist da ... wir sind überglücklich". Ich konnte es nicht ertragen. Ich habe Angst, diese Familien bald nicht mehr ertragen zu können. Zu hören, wie toll und schnell die Spontangeburten waren, wie reichlich die Milch fließt, wie problemlos alles ist, die Papas mit ihren Kindern spielen zu sehen und zu wissen: Das ist alles für dich vorbei. Nicht, dass ich jemanden meine Lage wünsche, nicht, dass ich neidisch bin und es ihnen missgönne. Aber hätten wir nicht auch ein bisschen Glück verdient? Manchmal frage ich mich, was wir gemacht haben, um so bestraft zu werden? Oder was ich vielleicht noch verbrechen werde? War ich zu hochmütig, weil ich stolz auf meinen Mann war, weil er ein spitzenmäßiges Diplom hingelegt hat und er erfolgreich bei der Arbeit war? War ich zu glücklich darüber, dass wir finanziell nun nach seinem Studium dastehen, dass sein Job krisensicher war?

Diese Gedanken kommen manchmal, meistens verdränge ich sie und versuche es halt zu akzeptieren, dass Gott mir diese Aufgabe gegeben hat. Meine Hebamme, eine tolle, gläubige Frau die in ihrer Gemeinde auch in der Seelsorge tätig ist, hat mir gesagt, dass ich diese schwere Last von Gott bekommen habe, weil ich stark genug bin sie zu bewältigen und daran nicht zerbrechen werde. Ich halte mich an ihre Worte fest, rufe sie auch ab und an mal an, weil ein Gespräch mit ihr mir oft mehr gibt als mit anderen Leuten die sagen: "Das ist doch der Beweis: es gibt keinen gott!". Meine Mutter hat überlegt, ob sie aus der Kirche austritt, dass hat mir auch zu schaffen gemacht, obwohl ich keine erzkatholische Christin bin. Ich selber denke, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir glauben und ich bilde mir ein, dass Sven mir Zeichen schickt. Außerdem glaube ich, dass es einen Sinn gibt, den wir bloß nicht sehen und schon gar nicht verstehen können. Aber diese Einstellung kommt vielleicht auch ins Wanken, wenn mich die Trauer richtig erfasst.

Sorry, dass ich hier so gar nichts zum Thema stillen schreibe....

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 22:58
von Alexandra
Liebe Eva,

ich ziehe meinen Hut vor Dir.

Strafe - nein, das wäre nicht der Gott, an den wir Christen glauben: den liebenden Gott. Daß Du anch dem Warum fragst ist ganz normal - wer täte das nicht in Deiner Situation?

Ich kann verstehen, daß Du das Glück um Dich herum nur schwer aushältst. Da ist gute Begleitung einfach unheimlich wichtig. Hast Du Kontakt zu einer Hospizgruppe? Dort wirst Du ausgebildete Trauerbegleiter finden und Selbsthilfegruppen, wo Du Dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst. Gerne nenne ich Dir per PN auch den Namen einer Userin, der vor 1,5 Jahren ein sehr ähnliches Schicksal erlitten hat. Sie wohnt auch in NRW, vielleicht sogar in der Nähe Deines zukünftigen Wohnortes? Vielleicht ist sie bereit für Kontakt, ich kenne sie auch nur übers Internet, könnte mir das aber gut vorstellen, so, wie ich sie hier erleben durfte.

Gibt es etwas, was wir als Forumsgemeinschaft für Dich tun können? Brauchst Du Babysitter für Behördengänge, jemanden zum Quatschen, Leute zum Treffen? Schau mal, wir haben hier Unterforen zum verabreden, zum Hilfe suchen - ich bin mir ganz sicher, daß Du einige liebe Leute finden könntest.

Ich würde Dir so gerne etwas schreiben, was Dir irgendwie "hilft" - wohl wissend, daß das unmöglich sein dürfte :cry: Bitte lasse es mich wissen, wenn wir als Forum etwas tun können, ja? Und scheue Dich nicht, hier IMMER zu schreiben, wenn Dir danach ist! Wenn Du lieber in geschützterem Rahmen schreiben magst, verschiebe ich Deinen Beitrag auch gerne in das entsprechende Forum.

Liebe Grüße Alex

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 23:05
von Gluehsternchen
Ich möchte dich ganz lieb drücken.
Mir fehlen grade die Worte und ich denke ganz fest an dich!
Soltlest du hier in die Nähe ziehen (ich weiß nicht wo in Niedersachsen du hinziehst)
meld dich doch, wenn du Hilfe brauchst, vor Ort.

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 23:09
von Prinzenmutti
:cry: es ist echt traurig. Ich wünsche dir liebe Menschen die dir zur Seite stehen.

Wohin nach Niedersachsen ziehst du denn?

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 23:11
von Alexandra
:oops: Oh weia, NRW und Niedersachsen zusammen geschmissen, sorry *peinlichdas* :oops: :oops: :?

Re: Vielleicht hatte mein Nicht-Stillen-Können doch einen Sinn..

Verfasst: 20.07.2009, 23:54
von paula108
Deine Hebamme hat das toll ausgedrückt!
Wünsche dir weiterhin so viel Kraft und gaaaaaanz viel Glück für die Zukunft.
Vertrau darauf, alles wird gut.