Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
- Sabina
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Kambly, ich gebe dir recht zum Thema Resilienz. Möchte aber ergänzen, dass es in meinen Augen verschiedene Arten von Resilienz gibt. Die Eine entsteht meiner Meinung nach durch das Erfahren von Selbstwirksamkeit. Wenn man alleine oder mit den Freunden durch Wald, Feld und Dorf streift, mal einem seltsamen Kauz begegnet und etwas Angst hat, mal hinfällt und das Knie aufschürft, mal den Weg nicht mehr findet oder wenn man mal alleine zuhause bleiben muss, etwas Angst hat, sich aber selbst etwas zu essen richtet, wenn man alleine einkaufen darf oder den Schulweg meistern muss, dann fördert das, finde ich eine Resilienz im Sinne von ‚ich kann Situationen überstehen, die mir Angst machen‘. Das können Eltern natürlich kaputt machen, indem sie ihre Kinder keine Selbstwirksamkeit erfahren lassen.
Die andere Art von Resilienz ist jene vom ‚inneren Sicherheitsgefühl‘, eigentlich dem Urvertrauen. Das, was andere vielleicht als behütet bezeichnen würden. Dieses Urvertrauen, so glaube ich, kann aber nur weiterbestehen, wenn man in den frühen Jahren liebevoll und geborgen aufwächst also genau das Gegenteil von schreien lassen und im Gitterbett einsperren.
Gerade bei neurodivergenten Kindern, die vielleicht mehr Halt und Sicherheit brauchen um dieses Urvertrauen aufzubauen finde ich es ganz wichtig das zu unterscheiden und bin gerade etwas aufgebracht nach einem Gespräch mit der Mutter einer Freundin meiner Kleinsten. Die meinte man müsse das autistische Kind einfach mal abhärten damit es lernt mit den schwierigen Situationen umzugehen.
So bin ich getreu dem Motto ‚zuerst, gib ihnen Wurzeln und später, gib ihnen Flügel‘ aufgewachsen und mache das auch mit meinen Kindern so. Eine ständige Gratwanderung zwischen Halt geben und eine Herausforderung zumuten. Unterstützen und alleine machen lassen. Kurze Leine, lange Leine.
Das ist super anstrengend, war es aber auch bereits für meine Mutter und Schwiegermutter. Unterstützung der Grosseltern im Alltag haben weder wir noch hatten die unsere Eltern damals. Aber dank der Art, wie ich aufgewachsen bin, weiss ich, dass meine Mutter, mein (verstorbener) Vater und meine Schwiegereltern jederzeit für uns da sind, sollte es brennen.
Und trotz aller Anstrengung: ich mag es genau so und habe keine grossen Erwartungen an regelmässige me time oder so. Feierabend habe ich ab ca. 22 h, respektive bereite ich dann meist für die Schule noch was vor. Das letzte Mal eine Nacht alleine war ich im Frühjahr 2016. Meine Kinder schlafen nicht auswärts, verabreden sich selten, tolerieren nur mässig wenn Besuch kommt und lassen sich auch nur im Notfall betreuen. Der Haushalt ist weit entfernt von perfekt, mit Freunden halte ich online Kontakt. Kann ich mittlerweile alles gut akzeptieren. Diese Akzeptanz hilft mir die Anstrengung auszuhalten. Und, um auf Kambly zurückzukommen, diese Resilienz gegenüber Stress, respektive das Gefühl von ‚es wird alles gut!‘ führe ich zurück auf meine behütete Kindheit, in der ich zu jeder Zeit wusste: Mama und Papa sind da wenn ich sie brauche!
Die andere Art von Resilienz ist jene vom ‚inneren Sicherheitsgefühl‘, eigentlich dem Urvertrauen. Das, was andere vielleicht als behütet bezeichnen würden. Dieses Urvertrauen, so glaube ich, kann aber nur weiterbestehen, wenn man in den frühen Jahren liebevoll und geborgen aufwächst also genau das Gegenteil von schreien lassen und im Gitterbett einsperren.
Gerade bei neurodivergenten Kindern, die vielleicht mehr Halt und Sicherheit brauchen um dieses Urvertrauen aufzubauen finde ich es ganz wichtig das zu unterscheiden und bin gerade etwas aufgebracht nach einem Gespräch mit der Mutter einer Freundin meiner Kleinsten. Die meinte man müsse das autistische Kind einfach mal abhärten damit es lernt mit den schwierigen Situationen umzugehen.
So bin ich getreu dem Motto ‚zuerst, gib ihnen Wurzeln und später, gib ihnen Flügel‘ aufgewachsen und mache das auch mit meinen Kindern so. Eine ständige Gratwanderung zwischen Halt geben und eine Herausforderung zumuten. Unterstützen und alleine machen lassen. Kurze Leine, lange Leine.
Das ist super anstrengend, war es aber auch bereits für meine Mutter und Schwiegermutter. Unterstützung der Grosseltern im Alltag haben weder wir noch hatten die unsere Eltern damals. Aber dank der Art, wie ich aufgewachsen bin, weiss ich, dass meine Mutter, mein (verstorbener) Vater und meine Schwiegereltern jederzeit für uns da sind, sollte es brennen.
Und trotz aller Anstrengung: ich mag es genau so und habe keine grossen Erwartungen an regelmässige me time oder so. Feierabend habe ich ab ca. 22 h, respektive bereite ich dann meist für die Schule noch was vor. Das letzte Mal eine Nacht alleine war ich im Frühjahr 2016. Meine Kinder schlafen nicht auswärts, verabreden sich selten, tolerieren nur mässig wenn Besuch kommt und lassen sich auch nur im Notfall betreuen. Der Haushalt ist weit entfernt von perfekt, mit Freunden halte ich online Kontakt. Kann ich mittlerweile alles gut akzeptieren. Diese Akzeptanz hilft mir die Anstrengung auszuhalten. Und, um auf Kambly zurückzukommen, diese Resilienz gegenüber Stress, respektive das Gefühl von ‚es wird alles gut!‘ führe ich zurück auf meine behütete Kindheit, in der ich zu jeder Zeit wusste: Mama und Papa sind da wenn ich sie brauche!
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…
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sandra86
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Soweit ich weiß geht die Forschung auch davon aus, das ein großer Teil der Resilienz angeboren ist. Ich muss aber nochmal nachlesen, wieviel das war.
Auf jeden Fall gehören mehrere Faktoren dazu.
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Mau
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ja eigentlich ein echt erstaunlicher Rat so 1960 rum. Und schade, dass das scheinbar nur in Extremfällen empfohlen wurde. Meine Oma war übrigens total dagegen, aber mein Opa hat es durchgesetzt. Er hat sich dann auch besonders intensiv um meinen Vater gekümmert und sie hatten bis zum Tod meines Opas ein besonderes enges Verhältnis. Auf all das waren die Geschwister natürlich auch eifersüchtig…Kambly hat geschrieben: 27.02.2025, 07:48 Positiv überrascht bin ich aber vom Arzt der Maus Vater mit Hospitalismus verordnete, im Bett der Eltern zu schlafen. Da hat man also doch erkannt, dass dies heilsam für Körper und Seele ist?
Bei den Kinder alleine lassen Geschichten fällt mir noch ein, dass mein Vater und seine 3 Brüder manchmal abends in ihrem Zimmer eingesperrt wurden, wenn die Eltern unterwegs waren. Alter bin ich mir nicht sicher… jedenfalls haben sie dann aus dem Fenster gepinkelt, weil sie ja nicht zum Klo konnten. Sowas hat er erstaunlicherweise gar nicht negativ in Erinnerung.
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Kambly
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe grad zu wenig Zeit, um mich bei der Resilienz genau einzulesen. Ich habe es so im Kopf:Sabina hat geschrieben: 27.02.2025, 08:43 Kambly, ich gebe dir recht zum Thema Resilienz. Möchte aber ergänzen, dass es in meinen Augen verschiedene Arten von Resilienz gibt. Die Eine entsteht meiner Meinung nach durch das Erfahren von Selbstwirksamkeit. Wenn man alleine oder mit den Freunden durch Wald, Feld und Dorf streift, mal einem seltsamen Kauz begegnet und etwas Angst hat, mal hinfällt und das Knie aufschürft, mal den Weg nicht mehr findet oder wenn man mal alleine zuhause bleiben muss, etwas Angst hat, sich aber selbst etwas zu essen richtet, wenn man alleine einkaufen darf oder den Schulweg meistern muss, dann fördert das, finde ich eine Resilienz im Sinne von ‚ich kann Situationen überstehen, die mir Angst machen‘. Das können Eltern natürlich kaputt machen, indem sie ihre Kinder keine Selbstwirksamkeit erfahren lassen.
Die andere Art von Resilienz ist jene vom ‚inneren Sicherheitsgefühl‘, eigentlich dem Urvertrauen. Das, was andere vielleicht als behütet bezeichnen würden. Dieses Urvertrauen, so glaube ich, kann aber nur weiterbestehen, wenn man in den frühen Jahren liebevoll und geborgen aufwächst also genau das Gegenteil von schreien lassen und im Gitterbett einsperren.
Die von dir beschriebene Selbstwirksamkeit ist sicherlich ein wichtiger Punkt, der zu einer guten Resilienz führt. Aber es ist nicht eine „andere Art von Resilienz“.
Und diesen Aspekt sehe ich durchaus. Also dass das teilweise in der heutigen Zeit (oder auch schon vor 30-50 (?) Jahren) zu kurz kommt. Für mich schliesst sich „behütet aufwachsen“ und „Selbstwirksamkeit erfahren“ aber nicht aus.
Dein Spruch mit den Wurzeln und Flügeln finde ich da sehr passend.
sandra86 hat geschrieben: 27.02.2025, 08:47 Soweit ich weiß geht die Forschung auch davon aus, das ein großer Teil der Resilienz angeboren ist. Ich muss aber nochmal nachlesen, wieviel das war.
Auf jeden Fall gehören mehrere Faktoren dazu.
Da bin ich gespannt, ob du da etwas findest. Ich lese das gerne auch noch einmal nach. Im Kopf habe ich, dass gewisse positive Faktoren vererbbar sind, die eine gute Resilienz begünstigen.
Kambly mit kleinem 🦊 (5) und kleiner 🧚🏼♀️ (2.5)
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sandra86
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich habe es gerade mal überflogen, man geht von etwa 30-50% genetischer Faktoren aus und dann sind es verschiedene Faktoren, die Resilienz fördern (vieles vom genannten, Bindung, Familie, Ressourcen wie Finanzielle Sicherheit, Familie, Bindung, Intelligenz, Selbstwirksamkeit) oder gefährden (Trauma zb).
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- Schneekugel
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Resilienz finde ich etwas ganz spannendes und ich habe das Glück eine hohe zu besitzen. Meine Kindheit war, naja speziell. Wie ich letztens bei einem Gespräch feststellte, ich hatte keine verlässliche Erwachseneperson - wobei doch meine Lehrmeisterin.
Und eine Freundin die sehr behütet war hat gar keine.
Wenn ich das richtig im Kopf habe, ist vieles angeboren, kann aber verstärkt oder dementiert werden. Grundsätzlich hilft es sicher enorm wenn man Wurzeln hat und diese nicht mühsam erarbeiten/suchen muss. Dann braucht man für diesen Teil keine Energie, weil das ist ja da - also hat mehr von seiner Resilienz für anderes. Es gibt auch Möglichkeiten die Resilienz auszuweiten, für Stresssituationen, aber nicht ewigs, weder zeitlich noch von der Weite. Und ich glaube so unterschiedlich wars schon immer.
Meine Grossmütter wuchsen beide sehr liebevoll und behütet für ihre Zeit auf, meine Eltern dann leider beide nicht - beide nicht aus den gleiche Gründen, interessanterweise. Und beide bekamen auf unterschiedliche Art Macken die schwierig waren und sind. Von denen von meinem Bruder und mir reden wir dann mal nicht
Trotzdem bekomme ich den Haushalt nicht so hin, weil ich im Gegensatz zu meiner Mutter chaotisch des Grauens bin und halt online oder im Buch versumpfe, wenn noch vieles zu erledigen wäre
Ja und ein Punkt ist sicher auch, die Bedürfnisse die nicht der Norm entsprechen meiner Kinder sehe ich und ich reagiere. Bei uns wurde nur mein Bruder gesehen und reagiert
Und eine Freundin die sehr behütet war hat gar keine.
Wenn ich das richtig im Kopf habe, ist vieles angeboren, kann aber verstärkt oder dementiert werden. Grundsätzlich hilft es sicher enorm wenn man Wurzeln hat und diese nicht mühsam erarbeiten/suchen muss. Dann braucht man für diesen Teil keine Energie, weil das ist ja da - also hat mehr von seiner Resilienz für anderes. Es gibt auch Möglichkeiten die Resilienz auszuweiten, für Stresssituationen, aber nicht ewigs, weder zeitlich noch von der Weite. Und ich glaube so unterschiedlich wars schon immer.
Meine Grossmütter wuchsen beide sehr liebevoll und behütet für ihre Zeit auf, meine Eltern dann leider beide nicht - beide nicht aus den gleiche Gründen, interessanterweise. Und beide bekamen auf unterschiedliche Art Macken die schwierig waren und sind. Von denen von meinem Bruder und mir reden wir dann mal nicht
Trotzdem bekomme ich den Haushalt nicht so hin, weil ich im Gegensatz zu meiner Mutter chaotisch des Grauens bin und halt online oder im Buch versumpfe, wenn noch vieles zu erledigen wäre
Ja und ein Punkt ist sicher auch, die Bedürfnisse die nicht der Norm entsprechen meiner Kinder sehe ich und ich reagiere. Bei uns wurde nur mein Bruder gesehen und reagiert
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!
N 06/2009
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- Meeresbrise
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich kann mir das absolut nicht vorstellen, wie ein Bany 4 (!!) Stunden ins Gitterbett gelegt werden konnte. Das kann doch kein Mama/Papa Herz aushalten? Das hält kein Baby aus, das kollabiert ja doch irgendwann?
Gestern ist mir die Soße angebrannt und das Nudelwasser gleichzeitig übergegangen. Die Meeresprinzessin war frisch gestillt und gewickelt. Und ich habe sie ins Gitterbett gelegt - mit Blick zu mir - während ich schnell mit den heißen Töpfen hantiert habe. Sie hat in der Zwischenzeit geschrien als wäre sonst was und hätte sich niemals selbst beruhigt. In den paar Minuten gingen meine Alarmglocken an und ich dachte hinterher, das macht doch kein Mensch freiwillig, das hält man ja nicht durch und kann man ja selbst vor 40 Jahren nicht gewollt haben für seine Kinder? Noch dazu ganz alleine.
Gestern ist mir die Soße angebrannt und das Nudelwasser gleichzeitig übergegangen. Die Meeresprinzessin war frisch gestillt und gewickelt. Und ich habe sie ins Gitterbett gelegt - mit Blick zu mir - während ich schnell mit den heißen Töpfen hantiert habe. Sie hat in der Zwischenzeit geschrien als wäre sonst was und hätte sich niemals selbst beruhigt. In den paar Minuten gingen meine Alarmglocken an und ich dachte hinterher, das macht doch kein Mensch freiwillig, das hält man ja nicht durch und kann man ja selbst vor 40 Jahren nicht gewollt haben für seine Kinder? Noch dazu ganz alleine.
I tried to hold on but it hurts too much
I tried to forgive but it′s not enough
To make it all okay
You can't play on broken strings
You can′t feel anything
That your heart don't want to feel
I can't tell you something that ain't real
Oh, the truth hurts and lies worse
How can I give anymore
When I love you a little less than before?
Meeresbrise ist so glücklich mit Sonnenstrahl (02/21) und Meeresprinzessin (06/24) an der Hand
Gute Reise ihr kleinen Sternchen *** - 02/23 u. 07/23
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- GemeineEsche
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Die Reaktion hängt ja auch von Erfahrungen und Erwartungen ab. Für viele von uns ist ein schreiendes Kind oder weinendes Baby ein Geräusch, das man nicht oft hört. Da schaltet man innerlich gleich um. Ich glaube das war früher auch nicht so. Dieses Alles dafür tun, dass ein Baby nicht weint... war einfach nicht notwendig. Es war nicht so schlimm, wenn ein Baby geweint hat. Also hat es die Eltern auch nicht so gestresst. Tendenziell eben.
Früher waren da vielleicht Gedanken - schreien kräftigt wie Lunge - meine Mutter, Großmutter, Hebamme, der Kinderarzt sagt, das Kind muss auch mal schreien - gefüttert und sauber, das muss nur die Gefühle rauslassen
Heute - was denken die Nachbarn - was denken die anderen Mütter - mein Kind wird traumatisiert - es hat keine sichere Bindung und kein Urvertrauen...
Früher waren da vielleicht Gedanken - schreien kräftigt wie Lunge - meine Mutter, Großmutter, Hebamme, der Kinderarzt sagt, das Kind muss auch mal schreien - gefüttert und sauber, das muss nur die Gefühle rauslassen
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Elena
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Ich finde es total schwer zu sagen, ob ich sowas heute als Vernachlässigung bezeichnen würde - eigentlich ist es fast meine Idealvorstellung. Klar, Kleinkind alleine zuhause finde ich auch schrecklich. Aber alles andere klingt für mich gut. Womit ich persönlich gar nichts anfangen kann, ist diese "Qualitytime mit Kind", wo Eltern ihr Kind um 17 Uhr aus der Betreuung abholen und sich dann ausschließlich aktiv mit dem Kind beschäftigen, bis es schläft. Das ist mein persönliches Empfinden, dass ich das irgendwie unnatürlich finde. Das Kind ist bis dahin schon den ganzen Tag in einer eher künstlichen Umgebung mit "Profibetreuern" und festen, von Erwachsenen gemachten Regeln unterwegs, und wird dann den Rest des Tages auch noch von seinen Eltern quasi unterhalten? Klar, das ist jetzt überspitzt ausgedrückt.Amber hat geschrieben: 26.02.2025, 14:18 Ich glaube, viele haben verklärte Vorstellungen vom Leben in früherer Zeit. Ich hab vor Jahren meine Großmutter gefragt. Kriegswitwe mit zwei kleinen Jungs. Ganz einfach: der Kleine im Laufstall in der Küche, während die Mutter aufm Feld gearbeitet hat. Der Große mit den anderen Kindern des Dorfs draußen unterwegs. Später waren dann beide draußen mit der Kinderbande, Hauptsache zum Sonnenuntergang wieder Zuhause. Irgendwann dann die Dorfschule, mein Vater hat's sogar aufs Gymnasium geschafft. Kurz nach sechs aus'm Haus, wenn's dunkel wurde zurück. Hausaufgaben wurden auf der Zugfahrt erledigt. Und die Mutter hat gearbeitet, beim Bauern, Zuhause. Heute würde man von Vernachlässigung sprechen, damals war's ganz normal. Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen.
Für mich ist das Familienleben dann am entspanntesten für alle, wenn die Kinder zumindest zeitweise nebenher laufen. Und sich - besonders, wenn Geschwister vorhanden sind, sonst aber auch in der Nachbarschaft - selbst organisieren und beschäftigen. Meine Eltern sind in der Kinderherde der Nachbarschaft groß geworden und haben sehr gute Erinnerungen daran. Und mein Bruder und ich sind zwar sehr behütet aufgewachsen, wurden gestillt und getragen und nicht schreiengelassen, waren nur bis mittags in der Betreuung und hatten immer liebevolle Ansprechpartner. Aber meine Eltern haben nachmittags auch Hausarbeit und Gartenarbeit gemacht, sie waren niemals mit uns auf dem Spielplatz. Beim Schwimmen und in der Musikschule schon, aber es gab auch viele Zeiten am Tag, wo wir nebenher liefen. Ab Grundschulalter ohnehin, da waren wir auch in den Schulferien alleine zuhause. Aber auch vorher - ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern mal mit uns Lego gebaut hätten oder so.
So wichtig ich es finde, dass es heutzutage mehr Betreuungsmöglichkeiten gibt, so schade finde ich es, dass die "selbstorganisierte" Zeit dadurch für Kinder so viel weniger wird. Aber es ist schwer, da eine Balance zu finden.
Hier gehts zu meinen Bewertungen:
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- JuliKlee
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Re: Wie haben unsere Mütter/Großmütter das geschafft?
Das glaube ich nicht. Bei uns war K1 und K4 ein absolutes Schreibaby. Ich habe definitiv oft Babys schreien gehört. Und mir schnürt es jedesmal die Luft ab, wenn ich ein Baby weinen sehe, was nicht auf dem Arm ist. Sobald es auf dem Arm ist, ist es für mich etwas völlig anderes. Dann ist es halt ein weinendes Baby. Was zwar anstrengend für beide ist, aber dieses existenzielle schwingt dabei nicht mehr so mit. Ich kann das nicht so gut beschreiben. Versteht man, wie ich das meine? Was ich sagen will, ich glaube, es steckt tief in uns drin, ein Baby, was weint, auf den Arm nehmen zu wollen.GemeineEsche hat geschrieben: 27.02.2025, 09:45 Die Reaktion hängt ja auch von Erfahrungen und Erwartungen ab. Für viele von uns ist ein schreiendes Kind oder weinendes Baby ein Geräusch, das man nicht oft hört. Da schaltet man innerlich gleich um. Ich glaube das war früher auch nicht so. Dieses Alles dafür tun, dass ein Baby nicht weint... war einfach nicht notwendig. Es war nicht so schlimm, wenn ein Baby geweint hat. Also hat es die Eltern auch nicht so gestresst. Tendenziell eben.
Früher waren da vielleicht Gedanken - schreien kräftigt wie Lunge - meine Mutter, Großmutter, Hebamme, der Kinderarzt sagt, das Kind muss auch mal schreien - gefüttert und sauber, das muss nur die Gefühle rauslassen
Heute - was denken die Nachbarn - was denken die anderen Mütter - mein Kind wird traumatisiert - es hat keine sichere Bindung und kein Urvertrauen...
mit dem Julikind (07/13), dem Novemberkind (11/15),
dem Junikind (6/20) und dem Oktoberbaby (10/22)
und *(4/19)
dem Junikind (6/20) und dem Oktoberbaby (10/22)
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