Hallo britje, es tut mir sehr sehr leid, dass Du das durchmachen musst. Was für eine furchtbare Situation!
Als allererstes möchte ich hier drauf eingehen:
britje hat geschrieben:
Rational weiß ich, dass ich für den Unfall nichts kann, aber trotzdem denke ich,
ich hätte vielleicht noch öfter pumpen müssen, aber es kam einfach nicht mehr und häufiger konnte
ich einfach nicht.
Alles Pumpen der Welt hätte daran nichts geändert. In lebensbedrohlichen Stresssituationen verläuft das mit der Milch so:
1. Bei einem Unfall/einem schweren psychischen Schock/Verfolgung durch ein Raubtier/starke Schmerzen... (auswechselbar gegen jede massive Bedrohung körperlicher oder psychischer Art, dabei steigen automatisch die Stresshormone in astronomische Höhen. Dies bewirkt, dass das milchbildende Hormon Prolaktin
ansteigt (damit die Mutter _nach_ dem Stress wieder ihr Kind beruhigen und ernähren kann)
2.
Das Milchspendereflex auslösende Hormon Oxytocin wird aber gehemmt! (Damit die Mutter keine tropfende Milchspur hinterlässt, der der Säbelzahntiger folgen kann.) Niemand hätte in der Situation pumpen können, auch nicht mit 20x am Tag wäre Milch gekommen! Stress, Schmerzen, Trennung, jetzt die Angst wegen der Milch- das alles ist Stress pur, da kann man nicht pumpen.
Das mag jetzt alles albern klingen mit Säbelzahntiger und Milchspur... Ich möchte aber durch so ein Höhlenmensch-Szenario verdeutlichen, wo es herkommt und wie überlebenswichtig dieses Prinzip früher mal war. Denn wenn es ums Überleben geht, dann rechnet die Natur knallhart- und zur Not wird das Kind dann nicht mehr ernährt, aber die Mutter überlebt. Denn das Kind konnte früher eh nicht ohne die Mutter überleben. Daher kommt das.
Heute und bei Euch ist das aber alles anders. Ihr seid in Sicherheit und das Überleben Eures Kindes ist gesichert.
Du hast nicht versagt. Dein Körper hat reagiert, wie es seit Jahrmillionen vorgesehen ist.
Wenn Du Dir das klar machst, können wir uns also ganz entspannt daran machen, die hormonellen Wechselwirkungen wieder in andere Bahnen zu leiten und Deine Milchbildung wieder anzukurbeln. Denn es spricht überhaupt nichts dagegen, jetzt wieder zu stillen, im Gegenteil. Ich denke, das würde Dir in dieser Situation sicher helfen, über die schwere Zeit, die hinter Euch liegt, hinwegzukommen. Dass Dein Kind gut an die Brust geht ist super und hilft uns dabei ganz toll. Und zeigt auch, dass er noch möchte. Dein Körper ist nur immer noch auf "Stress" gepolt, das ist ganz normal. Das kann man aber ändern.
Wie machen wir das?
1. Wir machen uns die üblichen Methoden für die Oxytocin-Ausschüttung zunutze. Gemeinsam kuscheln, stundenlang im Bett liegen und stillen,
Haut an Haut. Letzteres ist ganz wichtig! Wärme, Zeit, Ruhe, Hautkontakt. Alles was Entspannung bringt. Darfst Du baden? Dann badet gemeinsam.
2. Stress raus. Nicht mehr pumpen. Ich würde das Pumpen wirklich ganz lassen und mich nur aufs Kind konzentrieren. Bring ganz viel Ruhe rein. Nicht aufs Schlucken horchen, einfach das Stillen genießen. Zur Not mach leise angenehme Musik an, damit Du aufs Schlucken nicht automatisch horchst.
3. Ganz wichtiger technischer PUnkt: Flasche und alle anderen künstlichen Sauger möglichst ganz weg lassen. Du könntest gut mit
dem BES anlegen, andere können Dein Kind mit dem
Becher füttern.
Ich bin mir sicher, dass wir auf diese Art und Weise Deine Milchbildung wieder zurückbekommen. Was meinst Du dazu?
Liebe Grüße, Mondenkind, ModTeam Stillberatung