carolina hat geschrieben:Du weisst aber nicht, wie es den anderen Frauen in Deiner Familie wirklich mit dem abstillen /nicht-stillen ging damals. Vielleicht waren sie auch zutiefst unglücklich und völlig ohne Unterstützung und mussten irgendwelche Strategien entwickeln, um damit fertig zu werden. Eine beliebte Strategie (und zutiefst menschlich) ist, dem eigenen Erlebten Sinn zu verleihen, indem man sich selbst und alle anderen zu überzeugen versucht, dass es so richtig und gut war und insofern auch für dich richtig und gut sein wird. Oder "nicht anders möglich" bei der körperlichen Variante, "alle Frauen in unserer Familie können nicht stillen", diese Schiene. Ich will damit nicht das Verhalten Deiner Familie schönreden oder sagen, dass ihr Verhalten für dich irgendwie hilfreich sei, nein, nur so einen kleinen Denkanstoß in eine andere Richtung geben. Ich wünsch Dir und Deiner Familie alles Gute, kuschelt schön!
Liebe Carolina,
danke für deinen Hinweis. Ich weiß wirklich nicht, wie es ihnen ging. Zu der Zeit habe ich noch nicht hier bei meinem Freund gelebt, also kann ich nur von dem ausgehen, was sie mir sagen. Und wenn sie mir sagen, dass sie zur der Zeit halt noch jung/jünger als ich waren und sich darüber keine großen Gedanken darüber gemacht haben, und es so genommen haben, wie es gekommen ist, dann glaube ich ihnen das. Ich verurteile sie deswegen ja auch nicht, aber ich für mich könnte/kann das einfach nicht so abtun. Wenn es ihnen damit aber in Wirklichkeit auch nicht gut ging, dann tut es mir für sie sehr leid

. Ich würde mir dann aber auch wünschen, dass sie ehrlich zu mir sind.
Nautilus hat geschrieben:Ich unterschreibe bei Carolina und möchte noch betonen dass ich ganz sicher NICHT beabsichtigt habe, Dir die Verantwortung für diese Enttäuschungen auch nur teilweise zuzuschieben! Oje, das ist wohl falsch rüber gekommen, das tut mir sehr leid! Ganz im Gegenteil nämlich, ich sehe es KOMPLETT wie Du, dass es weder empathisch noch liebevoll noch hilfreich ist, wie Deine Familie und Deine Ärzte mit Deinem Stillwunsch umgegangen sind. Ich an Deiner Stelle hätte eine Stinkwut um ehrlich zu sein. Denn ich finde es selbstverständlich, dass zumindest meine Familie nicht einfach meine Bedürfnisse und Wünsche bei einem derart wichtigen Thema so ignoriert bzw. aus vermeintlichen "Vernunftsgründen" negiert.
Und ich schrieb ja auch, auch für mich war es -ohne jemals stillskeptischen Ärzten ausgesetzt bzw. mit Stillproblemen konfrontiert gewesen zu sein - ein WEG, dahin zu kommen, meinen Beratungs- bzw. Unterstützungsbedarf klar zu formulieren, ohne mich Rechtfertigungsdruck oder ähnlichem auszusetzen. JEDE Frau ist nach einer Geburt besonders verletzlich und schutzbedürftig. Eine erfolgreiche Stillbeziehung trotz Problemen ohne Unterstützung durch Fachpersonal und /oder wenigstens der Familie oder gar noch gegen deren Widerstand aufzubauen, ist nach meiner Einschätzung sehr schwer bis unmöglich.
Was die Frauengeneration vor uns betrifft: die haben in Sachen Fremdbestimmung bei Geburt und Erziehung des eigenen Kindes derart viel mehr als wir erdulden müssen, dass man ihnen kaum vorwerfen kann, sich damit arrangiert zu haben. Selbstreflexion kann nicht jede (r)...:/
Liebe Nautilus,
bitte mach dir keine Sorgen. Ich habe das, was du geschrieben hast, überhaupt nicht so aufgefasst, als dass ich etwas für die Situation kann. Sicherlich habe ich im ersten Monat jede Menge dummes Zeug verzapft, aber wie bei der Geburt auch, hat mein Gehirn einfach total abgeschaltet und ich habe einfach das getan bzw. für richtig gehalten, was all die anderen Leute mir gesagt haben. Und das war ja auch nicht nur meine Familie, sondern am Anfang vor allem die Kinderkrankenschwestern. Ich habe mich inzwischen schon damit auseinander gesetzt, dass ich mir da nichts vorwerfen muss. Ja, ich bin wütend und enttäuscht, aber leider kann ich die Zeit nicht mehr zurückdrehen.
Dass mich dann, als ich mich informiert und versucht habe, die Situation irgendwie wieder zu verbessern, niemand unterstützt hat, bzw. sie mir die ganze Zeit in mein Vorhaben reingeredet haben, ist für mich noch immer ein hartes Stück, das ich erst noch verdauen muss. Manchmal kam es mir so vor, als würden sie mit mir wie mit einem Kind reden, das nur Unsinn im Kopf hat, und nicht mit einer 31-jährigen Frau, die nie etwas tut, ohne sich vorher genau damit auseinander zu setzen und genau zu planen und abzuwägen.
Velen Dank auf jeden Fall für dein Verständnis. Es tut wirklich gut, ab und zu auch zu hören, dass das was man denkt nicht komplett aus dem Nichts gegriffen ist.
kerstin10 hat geschrieben:Liebe RegenbogenMama,
ich habe gelesen, daß Du mit dem BES nicht so gut zurecht gekommen bist. Aber das war ja als Du versucht hast, schrittweise Richtung vollstillen zu kommen.
Wäre das BES was für Euch, um die Pre-Nahrung zu geben? Anstatt der Flasche und ganz ohne jeden Versuch, die Pre zu reduzieren und Dein Baby dazu zu bringen, mehr aus der Brust selbst zu trinken. Also wirklich ganz ohne Streß, eher so wie z.B. eine Adoptivmama. Dann hättest Du soviel Stillen wie nur geht und müßtest an dem, wie es jetzt ist nichts ändern. Und vielleicht würde sich ja noch was ergeben. Da spürt man bei Dir ja immer noch die Hoffnung, daß das passieren könnte.
Alles Gute,
Kerstin
Liebe Kerstin,
vielen Dank für deine Nachricht. Ich würde mich sehr freuen, wenn das mit dem BES so funktionieren würde. Vollstillen war nicht unbedingt mein Ziel. Sicher wäre das das absolute Nonplusultra, aber mir war schon sehr bewusst, dass dies nur sehr schwer realisierbar gewesen wäre. Meine Wünsche wären gewesen (die Reihenfolge zeigt die Priorität an):
1. Ich will NICHT Abstillen
2. Wenn möglich würde ich anstatt zu pumpen, dem Kleinen die Muttermilch, und wenn es nur wenig, 1-2x am Tag, auf direktem Weg zukommen lasse bzw. Kuschelstillen (Weniger Zeit, mehr Kuscheln und wahrscheinlich auch mehr Milch, statt pumpen)
3. Die Milchmenge wieder steigern
Das mit dem BES wird so leider nicht funktionieren, auch wenn es eine tolle Idee ist. Ich schaffe das leider nicht ohne Unterstützung, bzw. wenn ich mich jedes Mal dafür rechtfertigen muss, wenn ich auch nur irgendwas in dieser Richtung versuche ("Du pumpst schon wieder? ich dachte du hörst auf?!" oder "Aha, hast du heute wieder mit den Hütchen experimentiert?").
Und ja, die Hoffnung ist noch immer irgendwo da, obwohl sie leider mit jedem Tag schrumpft, da immer wieder etwas neues dazukommt. Und so ganz alleine packe ich das nicht.
Danke aber für die Aufmunterung und den Tipp!
FrauMahlzahn hat geschrieben:Freut mich sehr, dass Du uns erhalten bleibst.
Ich hab mal irgendwo zum Thema nach dem Tod gelesen: Wenn wir eines Tages vor Gott stehen, dann wird er nicht fragen "Warst Du Mutter Teresa?" oder "Warst Du Franz von Assisi? "Nein, er wird fragen "Warst Du du?"
Mir hilft dieser Gedanke meinen Weg zu gehen oder besser gesagt zu suchen mit all den Irrungen und Wirrungen, die das Leben so ab sich hat. Nicht rücksichtslos, nicht über andere drüber rollend - aber eben auch nicht den Weg eines anderen.
Am Ende des Tages muss nämlich ich in den Spiegel schaun können und vor mir (oder wem auch immer, keine Ahnung) verantworten können was ich getan oder nicht getan habe.
Alles Gute beim Suchen!
Liebe Frau Mahlzahn,
ja, so schnell wird man mich nicht los!
Ich bin zwar nicht gläubig, aber diese Worte finde ich dennoch sehr inspirierend.
Ich weiß, dass ich mich und meine Wünsche in meinem Leben (leider) schon viel zu oft zurückgenommen habe, um den Erwartungen von anderen gerecht zu werden. Wie ich schon geschrieben habe, bin ich sehr emotional und harmoniebedürftig. Und ich vergesse mich selber viel zu oft, wenn es darum geht, dass ich anderen helfen oder es ihnen angenehmer zu machen. Im Arbeitsbereich habe ich da schon viel an mir gearbeitet, aber im privaten Bereich ist das noch immer eine ganz andere Sache.
Ganz lieb aber, dass du diesen Gedanken mit mir geteilt hast!