Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern
Verfasst: 18.01.2014, 05:59
Danke für die Links und das spannende Gespräch hier! Die von Miffi zitierte Studie, laut der das Ferbern nicht schadet, finde ich interessant. Ich kenne ja die Hintergründe und Testverfahren nicht, aber rein von der Mütterbefragung her, wundert es mich gar nicht. Es ist doch logisch, dass Leute, die nach drei harten Tagen Kasteiung beider Seiten nun ein durchschlafendes Kind haben, zunächst mal total erleichtert sind, den eigenen Schlaf genießen und von dieser Methode überzeugt sind. Wie schlimm erscheinen im Nachhinein drei Tage im Vergleich zu Monaten und Jahren? Schaut, ich liege hier stillend mit meinem 2,5-Jährigen, der “nur noch “ ca. zweimal nachts aufwacht. Ich selbst liege leider schon seit über zweieinhalb Stunden wach, weil das letzte Aufwachen mich scheinbar in einer ungünstigen Phase erwischt hat. Für mich klingt es wie blanker Hohn, wenn ich von Frau Kast-Zahn lese, es bestünde eine Schlafstörung, wenn ein einjähriges Kind 1-2 Mal aufwache. Zu dem Zeitpunkt ist unser Kind ca. 10x aufgewacht. Ohne Übertreibung. Viele von euch kennen das ja. Für uns ist da als ok. Es gab natürlich harte Zeiten. Sehr harte. Aber ich konnte mich mit dieser Art des Schlafens und Wachens arrangieren und dank Sears und Gonzales auch im scheinbaren Wahnsinn die Normalität entdecken und annehmen lernen. Doch wie mag es einer Mutter gehen, die diese Lektüre nicht kennt, keinen sutigen Austausch hat und stattdessen von allen Seiten darin bestätigt wird, dass mit ihrem sechsmonatigem Kind was nicht stimme und sie jetzt sich echt mal Schlaf brauche, um eine einfühlsame Mutter überhaupt erst sein zu können. Noch dazu muss sie vielleicht bei jedem Aufwachen ins Kinderzimmer gehen.
Was mich viel mehr interessiert: Wie ist der generelle Umgang miteinander? Gibt es eine Art Muttertyp, der einfach “anfälliger “für Schlafprogramme ist? Damit will ich nicht in “Gute Mutter “- “Schlechte Mutter “ einteilen, sondern eher Dinge kategorisieren wie “Wert auf konsequentes Verhalten legen“, “Werten anhängen, wie “ein Kind muss lernen, dass...“ etc. Und gibt es wechselseitige Effekte zwischen Eltern und Kindern in distanzorientierteren Beziehungen?
Hinzu kommt dann natürlich noch die Frage nach dem “normalen “ Verhalten eines Babys und Kindes. In der Studie nennen sie als Positivfaktor, das Kind weine tagsüber weniger. Aber ist das ein Gütekriterium? Für die Eltern vermutlich ja, logisch, deshalb sicher auch wieder mehr Zufriedenheit. Aber ist es nicht genau das Verhalten, das wir hier erwarten, wenn das Kind lernt, dass sein Weinen nicht gehört wird? Ist das Resignation? Das ist dann gutes Verhalten? An welchen Maßstäben orientiert sich diese Wertung.
Als Beispiel: Unsere, sehr netten, Nachbarn haben einen Sohn, der genauso alt ist wie unserer. Ob sie geferbert haben, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie ansonsten relativ distanzorientiert mit ihm Leben, inkl. z.B. frühe Fremdbetreuung ohne Eingewöhnung, wenn die Tamu im Urlaub ist, kommt das Kind in die Krippe ohne Eingewöhnung, nach Abholen um 17 Uhr geht es ab in Fitnessstudio, wo es wieder zwei Stunden Kinderbetreuung von wechselndem Personal gibt. Schlafen natürlich im Kinderzimmer und durch. Dieses Kind ist total pflegeleicht, weint sehr selten (wird aber auch sehr selten getröstet nach Hinfallen o.ä.).
Im Vergleich äußerer Faktoren könnte man nun auf die Idee kommen, dass ihre Methode erfolgreicher sei als unsere. Ich sehe allerdings hier neben mir ein kleines Kind, das sich anschmiegt und Nähe sucht und findet (ganz normal in meinen Augen) und auch sonst wach und glücklich ist. Auf der anderen Seite sehe ich dort ein Kind, das quasi bindungslos ist, zwar mit jedem mitgeht, dabei aber ausdruckslos guckt und oft, aus meiner Sicht, sehr destruktiv spielt. Die Eltern übrigens lieben ihr Kind und sind wie gesagt ansonsten auch echt nette Menschen. Aber dies nur als Illustration meiner Überlegungen.
Ich hoffe, das war jetzt alles nicht allzu wirr. Mittlerweile liege ich drei Stunden wach, wer weiß, wie sich mein Text morgen liest...
Was mich viel mehr interessiert: Wie ist der generelle Umgang miteinander? Gibt es eine Art Muttertyp, der einfach “anfälliger “für Schlafprogramme ist? Damit will ich nicht in “Gute Mutter “- “Schlechte Mutter “ einteilen, sondern eher Dinge kategorisieren wie “Wert auf konsequentes Verhalten legen“, “Werten anhängen, wie “ein Kind muss lernen, dass...“ etc. Und gibt es wechselseitige Effekte zwischen Eltern und Kindern in distanzorientierteren Beziehungen?
Hinzu kommt dann natürlich noch die Frage nach dem “normalen “ Verhalten eines Babys und Kindes. In der Studie nennen sie als Positivfaktor, das Kind weine tagsüber weniger. Aber ist das ein Gütekriterium? Für die Eltern vermutlich ja, logisch, deshalb sicher auch wieder mehr Zufriedenheit. Aber ist es nicht genau das Verhalten, das wir hier erwarten, wenn das Kind lernt, dass sein Weinen nicht gehört wird? Ist das Resignation? Das ist dann gutes Verhalten? An welchen Maßstäben orientiert sich diese Wertung.
Als Beispiel: Unsere, sehr netten, Nachbarn haben einen Sohn, der genauso alt ist wie unserer. Ob sie geferbert haben, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie ansonsten relativ distanzorientiert mit ihm Leben, inkl. z.B. frühe Fremdbetreuung ohne Eingewöhnung, wenn die Tamu im Urlaub ist, kommt das Kind in die Krippe ohne Eingewöhnung, nach Abholen um 17 Uhr geht es ab in Fitnessstudio, wo es wieder zwei Stunden Kinderbetreuung von wechselndem Personal gibt. Schlafen natürlich im Kinderzimmer und durch. Dieses Kind ist total pflegeleicht, weint sehr selten (wird aber auch sehr selten getröstet nach Hinfallen o.ä.).
Im Vergleich äußerer Faktoren könnte man nun auf die Idee kommen, dass ihre Methode erfolgreicher sei als unsere. Ich sehe allerdings hier neben mir ein kleines Kind, das sich anschmiegt und Nähe sucht und findet (ganz normal in meinen Augen) und auch sonst wach und glücklich ist. Auf der anderen Seite sehe ich dort ein Kind, das quasi bindungslos ist, zwar mit jedem mitgeht, dabei aber ausdruckslos guckt und oft, aus meiner Sicht, sehr destruktiv spielt. Die Eltern übrigens lieben ihr Kind und sind wie gesagt ansonsten auch echt nette Menschen. Aber dies nur als Illustration meiner Überlegungen.
Ich hoffe, das war jetzt alles nicht allzu wirr. Mittlerweile liege ich drei Stunden wach, wer weiß, wie sich mein Text morgen liest...