Ich nehme an, die Idee, Lob könne schaden kommt von dem sog. "Korrumpierungseffekt" (bei Wikipedia gibt es einen guten Eintrag dazu, inkl. kleinem Abschnitt zur Pädagogik). Im wesentlichen ist es so: Intrinsische Motivation (=etwas tun, weil es einem Freude/Spaß macht) kann durch extrinsische Motivation (=etwas tun, weil man belohnt wird) quasi überschreiben werden, d.h. wenn man eine extrinische Belohnung (Lob, Geld, Süßkram...) für etwas bekommt, was man eigentlich intrinsisch motiviert tut (=schlicht gerne mag), dann sinkt die intrinsische Motivation: Es macht keinen Spaß mehr.
Das wirkt aber nur, wenn man (fast) immer extrinisch motiviert, also z.B. jedes Mal in helle Freude ausbricht, wenn das Kind ein selbstgemaltes Bild bringt und wenn das Kind vorher weiß, dass es diese Belohung eben immer bekommen wird. M.E. spricht überhaupt gar nichts dagegen, sich ehrlich und authentisch zu freuen, wenn das Kind etwas getan hat, auf dass es selbst stolz ist oder wenn es einem Frühstück macht.
Ich halte es mit dem Lob hier so, dass ich es wirklich schlicht nach Gefühl tue - manchmal zeigt das Kletterkind mir etwas und ich merke, sie will eigentlich bloß, dass ich gucke, mich mit ihr beschäftige - es wäre komplett unsinnig, dann ihr selbstgemaltes Bild zu loben. Manchmal bekommt sie aber Sachen hin und freut sich unwahrscheinlich - heute war es ein in der Kita gebastelter Drache. Es war total ersichtlich, dass SIE ihn toll fand und sie kam damit auf mich zugerannt und wollte sofort, dass ich ihn begutachte - da fand ich es angebracht, ihre Freude zu teilen und ihr zu bestätigen, dass ich ihn auch toll finde. Klar, damit bewerte ich das Ergebnis, nicht die Tat. Aber das ist, denke ich ok - solange man eben nicht immer NUR die Resultate bewertet. "Da hast du dir aber Mühe gegeben" oder "Das war aber sicher schwierig" o.ä. hört das Kletterkind hier vermutlich ebenso oft wie "Oh, das finde ich auch hübsch!" oder eben gar kein Lob, wenn es eher um den Kontakt geht. Ich folge da wirklich einfach meinem Gefühl - und das sagt mir, dass intrinische und extrinsische Motivation sich nicht gegenseitig ausschließen. (Ich erzähle euch dann in 16 Jahren, ob das geklappt hat....

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