Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 01.06.2012, 01:37
Ihr Lieben,
so geht die Zeit ins Land… Noch eine Woche, dann lebt er schon genauso lange bei uns wie er im Heim war. Ich hoffe, dass er die Heimzeit dann auch immer deutlicher hinter sich lässt. Wobei das Heim ein gutes war, aber eben doch kein Zuhause.
Es hat sich sehr viel getan. Dennoch bin ich manchmal nicht wirklich fröhlich. Das hat dann aber weniger mit der Pflegschaft zu tun. Ich glaube, bei einem leiblichen Kind ginge es mir nicht anders. Es ist so ein bisschen wie Babyblues, das Gefühl, „auf ewig“ diesem Kind ausgeliefert zu sein und kein eigenes Leben mehr zu haben. Ich weiß natürlich, dass das Quatsch ist. Nächstes Jahr um diese Zeit wird es schon ganz anders aussehen. Selbst im Herbst wird es anders sein. Dann kommt die Große in die Schule, wir müssen uns also neu organisieren, was z.B. Essens- und Schlafenszeiten anbelangt. Den Kleinen schicke ich dann ein- bis zweimal die Woche für gut zwei Stunden in eine „Vorkindergartengruppe“ ohne Mama. Damit gehen wir in eine völlig neue Phase.
Sein Ess- und Trinkverhalten hat sich von ganz alleine normalisiert. Die Püree- und Breizeit ist definitiv vorbei. Es will nur noch das, was wir auch essen. Natürlich mag er nicht alles, aber er probiert, auch mehrfach. Heute z.B. gab es Wassermelone, und das war ihm nichts. Das muss erst „einwirken“. Beim nächsten Versuch wird es sicher schon besser. Mittlerweise mag er ja auch Bananen oder Erdbeeren, was zuerst direkt wieder ausgespuckt wurde.
Er trinkt nun manchmal auch „freiwillig“ aus dem Nuckelfläschchen. Morgens kriegt er ca. 200 ml Pulvermilch, und am Abend kommt das Highlight, wenn er meine Muttermilch bekommt, die ich weiterhin über den Tag sammele. 150 ml schaffe ich immer, manchmal auch mehr. Aber es ist mühsam, einfach die Zeit fürs Pumpen zu finden.
Dieses Abendfläschchen wird durch ein Pulvermilchfläschchen ergänzt, falls gewünscht, damit er auf die erforderliche Flüssigkeitsmenge kommt. Man merkt aber, dass ihm die Brustmilch deutlich lieber ist.
Schon beim Abpumpen möchte er sie am liebsten sofort direkt trinken. Seit er auf das Sofa krabbeln kann, macht er mir deutlich, dass er gerne die abgepumpte Milch haben möchte. Aber das mit dem Sammeln finde ich sinnvoller als zwischendurch mal 30 ml zu geben. Passt auch besser in die Alltagsroutine.
Er sieht leider nicht ein, dass er die Milch auch direkt trinken könnte. Er hat zwar ein paar Mal „aus Sympathie und Freundschaft“ meine Brustwarze in den Mund genommen, aber nicht gesaugt. Er hat sich nicht einmal vom Vorbild der großen Tochter oder meines Mannes inspirieren lassen. Von alleine kommt so ein großes Kind wohl nicht mehr auf die Idee zu saugen. Schade. Ich hatte noch mal bei meiner Hebamme von damals angerufen, aber die ist in Urlaub. Mal sehen, ob ich nach dem Urlaub noch einen Versuch starte, mit ihrer Hilfe das Brusternährungsset mal auszuprobieren. Viel Lust habe ich nicht, das Leben ist so schon anstrengend genug.
Was das Bindungsverhalten angeht, zeigen sich viele positive Entwicklungen. Er ist schon viel kuscheliger geworden, kommt von alleine auf den Schoß. Ich bin sehr glücklich darüber. Wenn mein Mann von der Arbeit kommt, reagiert der Kleine; man könnte denken, er ruft Papa. Er steht auch nicht mehr sofort im Bett, sobald er wach wird, sondern bleibt noch ein bisschen tagträumend liegen und lässt sich auch streicheln. Wir sind auf einem guten Weg.
Sein Temperament ist nach wie vor eine Herausforderung, weil es so anders ist als bei den anderen Familienmitgliedern. Ist es nur das Temperament oder sind es die Vorerfahrungen? Ich habe erfahren, dass die Mutter in der Schwangerschaft mehrfach geschlagen wurde. Geht seine Anspannung und Unruhe darauf zurück? Man wird es nie wissen. Ich kann mich von diesem Wissen und anderen Ahnungen und auch Stereotypen leider nicht frei machen und ihn einfach so annehmen, wie er ist. Ich denke zu oft darüber nach, woran sein Verhalten wohl liegt und ob ich es beeinflussen oder ändern kann. Es fällt mir schwer, mit seinen aggressiven oder auch nur höchst impulsiven Ausbrüchen zurecht zu kommen.
Und das bringt mich wieder dazu, dass es eigentlich wie ein Babyblues beim leiblichen Kind ist. Das Gefühl, machtlos zu sein, ausgeliefert zu sein, die Hintergründe nicht zu kennen und von daher nicht wirklich etwas tun zu können. Immerhin bin ich aber nicht mehr „hilflos“. Ich habe jetzt eine Schülerin, die in den nächsten Wochen mehrmals die Woche am frühen Abend für zwei Stunden kommt und sich um die Kinder kümmert, insbesondere um den Kleinen. Dann kann ich wenigstens mal ohne schlechtes Gewissen eine Wanne Wäsche falten oder das Waschbecken putzen. Oder eure Posts lesen. Diese letzten zwei Stunden bis mein Mann nach Hause kommt sind nämlich immer die schwierige Phase. Da kann ein Tag noch so gut gelaufen sein, in den zwei Stunden kann alles kippen. Dank der Schülerin läuft das jetzt besser. Ich hoffe, dass ich auch ab August eine Lösung finde, wenn sie mir nicht mehr zur Verfügung steht.
Kurzum, ich bin von der positiven Wirkung von Muttermilch, Familienbett und Tragehilfe überzeugt. Was schon beim ersten Kind zumindest nicht geschadet hat, hat auch bei unserem Pflegekind viel für seine Entwicklung gebracht. Ist natürlich auch eine Glaubenssache, wissenschaftlich beweisen kann ich es nicht. Zum Glück bin ich in einem Alter, wo kaum jemand mir direkt sagen würde, dass ich spinne und dem Kind nichts Gutes tue und nur mein Ego ausleben will, indem ich das Kind derart für meine eigenen Interessen missbrauche.
So, das war lang, aber es ist ja auch viel passiert.
Liebe Grüße und Danke für euer Interesse und eure Anteilnahme
cornucopia
so geht die Zeit ins Land… Noch eine Woche, dann lebt er schon genauso lange bei uns wie er im Heim war. Ich hoffe, dass er die Heimzeit dann auch immer deutlicher hinter sich lässt. Wobei das Heim ein gutes war, aber eben doch kein Zuhause.
Es hat sich sehr viel getan. Dennoch bin ich manchmal nicht wirklich fröhlich. Das hat dann aber weniger mit der Pflegschaft zu tun. Ich glaube, bei einem leiblichen Kind ginge es mir nicht anders. Es ist so ein bisschen wie Babyblues, das Gefühl, „auf ewig“ diesem Kind ausgeliefert zu sein und kein eigenes Leben mehr zu haben. Ich weiß natürlich, dass das Quatsch ist. Nächstes Jahr um diese Zeit wird es schon ganz anders aussehen. Selbst im Herbst wird es anders sein. Dann kommt die Große in die Schule, wir müssen uns also neu organisieren, was z.B. Essens- und Schlafenszeiten anbelangt. Den Kleinen schicke ich dann ein- bis zweimal die Woche für gut zwei Stunden in eine „Vorkindergartengruppe“ ohne Mama. Damit gehen wir in eine völlig neue Phase.
Sein Ess- und Trinkverhalten hat sich von ganz alleine normalisiert. Die Püree- und Breizeit ist definitiv vorbei. Es will nur noch das, was wir auch essen. Natürlich mag er nicht alles, aber er probiert, auch mehrfach. Heute z.B. gab es Wassermelone, und das war ihm nichts. Das muss erst „einwirken“. Beim nächsten Versuch wird es sicher schon besser. Mittlerweise mag er ja auch Bananen oder Erdbeeren, was zuerst direkt wieder ausgespuckt wurde.
Er trinkt nun manchmal auch „freiwillig“ aus dem Nuckelfläschchen. Morgens kriegt er ca. 200 ml Pulvermilch, und am Abend kommt das Highlight, wenn er meine Muttermilch bekommt, die ich weiterhin über den Tag sammele. 150 ml schaffe ich immer, manchmal auch mehr. Aber es ist mühsam, einfach die Zeit fürs Pumpen zu finden.
Dieses Abendfläschchen wird durch ein Pulvermilchfläschchen ergänzt, falls gewünscht, damit er auf die erforderliche Flüssigkeitsmenge kommt. Man merkt aber, dass ihm die Brustmilch deutlich lieber ist.
Schon beim Abpumpen möchte er sie am liebsten sofort direkt trinken. Seit er auf das Sofa krabbeln kann, macht er mir deutlich, dass er gerne die abgepumpte Milch haben möchte. Aber das mit dem Sammeln finde ich sinnvoller als zwischendurch mal 30 ml zu geben. Passt auch besser in die Alltagsroutine.
Er sieht leider nicht ein, dass er die Milch auch direkt trinken könnte. Er hat zwar ein paar Mal „aus Sympathie und Freundschaft“ meine Brustwarze in den Mund genommen, aber nicht gesaugt. Er hat sich nicht einmal vom Vorbild der großen Tochter oder meines Mannes inspirieren lassen. Von alleine kommt so ein großes Kind wohl nicht mehr auf die Idee zu saugen. Schade. Ich hatte noch mal bei meiner Hebamme von damals angerufen, aber die ist in Urlaub. Mal sehen, ob ich nach dem Urlaub noch einen Versuch starte, mit ihrer Hilfe das Brusternährungsset mal auszuprobieren. Viel Lust habe ich nicht, das Leben ist so schon anstrengend genug.
Was das Bindungsverhalten angeht, zeigen sich viele positive Entwicklungen. Er ist schon viel kuscheliger geworden, kommt von alleine auf den Schoß. Ich bin sehr glücklich darüber. Wenn mein Mann von der Arbeit kommt, reagiert der Kleine; man könnte denken, er ruft Papa. Er steht auch nicht mehr sofort im Bett, sobald er wach wird, sondern bleibt noch ein bisschen tagträumend liegen und lässt sich auch streicheln. Wir sind auf einem guten Weg.
Sein Temperament ist nach wie vor eine Herausforderung, weil es so anders ist als bei den anderen Familienmitgliedern. Ist es nur das Temperament oder sind es die Vorerfahrungen? Ich habe erfahren, dass die Mutter in der Schwangerschaft mehrfach geschlagen wurde. Geht seine Anspannung und Unruhe darauf zurück? Man wird es nie wissen. Ich kann mich von diesem Wissen und anderen Ahnungen und auch Stereotypen leider nicht frei machen und ihn einfach so annehmen, wie er ist. Ich denke zu oft darüber nach, woran sein Verhalten wohl liegt und ob ich es beeinflussen oder ändern kann. Es fällt mir schwer, mit seinen aggressiven oder auch nur höchst impulsiven Ausbrüchen zurecht zu kommen.
Und das bringt mich wieder dazu, dass es eigentlich wie ein Babyblues beim leiblichen Kind ist. Das Gefühl, machtlos zu sein, ausgeliefert zu sein, die Hintergründe nicht zu kennen und von daher nicht wirklich etwas tun zu können. Immerhin bin ich aber nicht mehr „hilflos“. Ich habe jetzt eine Schülerin, die in den nächsten Wochen mehrmals die Woche am frühen Abend für zwei Stunden kommt und sich um die Kinder kümmert, insbesondere um den Kleinen. Dann kann ich wenigstens mal ohne schlechtes Gewissen eine Wanne Wäsche falten oder das Waschbecken putzen. Oder eure Posts lesen. Diese letzten zwei Stunden bis mein Mann nach Hause kommt sind nämlich immer die schwierige Phase. Da kann ein Tag noch so gut gelaufen sein, in den zwei Stunden kann alles kippen. Dank der Schülerin läuft das jetzt besser. Ich hoffe, dass ich auch ab August eine Lösung finde, wenn sie mir nicht mehr zur Verfügung steht.
Kurzum, ich bin von der positiven Wirkung von Muttermilch, Familienbett und Tragehilfe überzeugt. Was schon beim ersten Kind zumindest nicht geschadet hat, hat auch bei unserem Pflegekind viel für seine Entwicklung gebracht. Ist natürlich auch eine Glaubenssache, wissenschaftlich beweisen kann ich es nicht. Zum Glück bin ich in einem Alter, wo kaum jemand mir direkt sagen würde, dass ich spinne und dem Kind nichts Gutes tue und nur mein Ego ausleben will, indem ich das Kind derart für meine eigenen Interessen missbrauche.
So, das war lang, aber es ist ja auch viel passiert.
Liebe Grüße und Danke für euer Interesse und eure Anteilnahme
cornucopia