Pflegekind stillen - Relaktation

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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cornucopia
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von cornucopia »

Ihr Lieben,

so geht die Zeit ins Land… Noch eine Woche, dann lebt er schon genauso lange bei uns wie er im Heim war. Ich hoffe, dass er die Heimzeit dann auch immer deutlicher hinter sich lässt. Wobei das Heim ein gutes war, aber eben doch kein Zuhause.

Es hat sich sehr viel getan. Dennoch bin ich manchmal nicht wirklich fröhlich. Das hat dann aber weniger mit der Pflegschaft zu tun. Ich glaube, bei einem leiblichen Kind ginge es mir nicht anders. Es ist so ein bisschen wie Babyblues, das Gefühl, „auf ewig“ diesem Kind ausgeliefert zu sein und kein eigenes Leben mehr zu haben. Ich weiß natürlich, dass das Quatsch ist. Nächstes Jahr um diese Zeit wird es schon ganz anders aussehen. Selbst im Herbst wird es anders sein. Dann kommt die Große in die Schule, wir müssen uns also neu organisieren, was z.B. Essens- und Schlafenszeiten anbelangt. Den Kleinen schicke ich dann ein- bis zweimal die Woche für gut zwei Stunden in eine „Vorkindergartengruppe“ ohne Mama. Damit gehen wir in eine völlig neue Phase.

Sein Ess- und Trinkverhalten hat sich von ganz alleine normalisiert. Die Püree- und Breizeit ist definitiv vorbei. Es will nur noch das, was wir auch essen. Natürlich mag er nicht alles, aber er probiert, auch mehrfach. Heute z.B. gab es Wassermelone, und das war ihm nichts. Das muss erst „einwirken“. Beim nächsten Versuch wird es sicher schon besser. Mittlerweise mag er ja auch Bananen oder Erdbeeren, was zuerst direkt wieder ausgespuckt wurde.

Er trinkt nun manchmal auch „freiwillig“ aus dem Nuckelfläschchen. Morgens kriegt er ca. 200 ml Pulvermilch, und am Abend kommt das Highlight, wenn er meine Muttermilch bekommt, die ich weiterhin über den Tag sammele. 150 ml schaffe ich immer, manchmal auch mehr. Aber es ist mühsam, einfach die Zeit fürs Pumpen zu finden.

Dieses Abendfläschchen wird durch ein Pulvermilchfläschchen ergänzt, falls gewünscht, damit er auf die erforderliche Flüssigkeitsmenge kommt. Man merkt aber, dass ihm die Brustmilch deutlich lieber ist.

Schon beim Abpumpen möchte er sie am liebsten sofort direkt trinken. Seit er auf das Sofa krabbeln kann, macht er mir deutlich, dass er gerne die abgepumpte Milch haben möchte. Aber das mit dem Sammeln finde ich sinnvoller als zwischendurch mal 30 ml zu geben. Passt auch besser in die Alltagsroutine.

Er sieht leider nicht ein, dass er die Milch auch direkt trinken könnte. Er hat zwar ein paar Mal „aus Sympathie und Freundschaft“ meine Brustwarze in den Mund genommen, aber nicht gesaugt. Er hat sich nicht einmal vom Vorbild der großen Tochter oder meines Mannes inspirieren lassen. Von alleine kommt so ein großes Kind wohl nicht mehr auf die Idee zu saugen. Schade. Ich hatte noch mal bei meiner Hebamme von damals angerufen, aber die ist in Urlaub. Mal sehen, ob ich nach dem Urlaub noch einen Versuch starte, mit ihrer Hilfe das Brusternährungsset mal auszuprobieren. Viel Lust habe ich nicht, das Leben ist so schon anstrengend genug.

Was das Bindungsverhalten angeht, zeigen sich viele positive Entwicklungen. Er ist schon viel kuscheliger geworden, kommt von alleine auf den Schoß. Ich bin sehr glücklich darüber. Wenn mein Mann von der Arbeit kommt, reagiert der Kleine; man könnte denken, er ruft Papa. Er steht auch nicht mehr sofort im Bett, sobald er wach wird, sondern bleibt noch ein bisschen tagträumend liegen und lässt sich auch streicheln. Wir sind auf einem guten Weg.

Sein Temperament ist nach wie vor eine Herausforderung, weil es so anders ist als bei den anderen Familienmitgliedern. Ist es nur das Temperament oder sind es die Vorerfahrungen? Ich habe erfahren, dass die Mutter in der Schwangerschaft mehrfach geschlagen wurde. Geht seine Anspannung und Unruhe darauf zurück? Man wird es nie wissen. Ich kann mich von diesem Wissen und anderen Ahnungen und auch Stereotypen leider nicht frei machen und ihn einfach so annehmen, wie er ist. Ich denke zu oft darüber nach, woran sein Verhalten wohl liegt und ob ich es beeinflussen oder ändern kann. Es fällt mir schwer, mit seinen aggressiven oder auch nur höchst impulsiven Ausbrüchen zurecht zu kommen.

Und das bringt mich wieder dazu, dass es eigentlich wie ein Babyblues beim leiblichen Kind ist. Das Gefühl, machtlos zu sein, ausgeliefert zu sein, die Hintergründe nicht zu kennen und von daher nicht wirklich etwas tun zu können. Immerhin bin ich aber nicht mehr „hilflos“. Ich habe jetzt eine Schülerin, die in den nächsten Wochen mehrmals die Woche am frühen Abend für zwei Stunden kommt und sich um die Kinder kümmert, insbesondere um den Kleinen. Dann kann ich wenigstens mal ohne schlechtes Gewissen eine Wanne Wäsche falten oder das Waschbecken putzen. Oder eure Posts lesen. Diese letzten zwei Stunden bis mein Mann nach Hause kommt sind nämlich immer die schwierige Phase. Da kann ein Tag noch so gut gelaufen sein, in den zwei Stunden kann alles kippen. Dank der Schülerin läuft das jetzt besser. Ich hoffe, dass ich auch ab August eine Lösung finde, wenn sie mir nicht mehr zur Verfügung steht.

Kurzum, ich bin von der positiven Wirkung von Muttermilch, Familienbett und Tragehilfe überzeugt. Was schon beim ersten Kind zumindest nicht geschadet hat, hat auch bei unserem Pflegekind viel für seine Entwicklung gebracht. Ist natürlich auch eine Glaubenssache, wissenschaftlich beweisen kann ich es nicht. Zum Glück bin ich in einem Alter, wo kaum jemand mir direkt sagen würde, dass ich spinne und dem Kind nichts Gutes tue und nur mein Ego ausleben will, indem ich das Kind derart für meine eigenen Interessen missbrauche.

So, das war lang, aber es ist ja auch viel passiert.

Liebe Grüße und Danke für euer Interesse und eure Anteilnahme

cornucopia
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Ellipirelli
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Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Ellipirelli »

Meine liebe,

Trotz der eigentlich schönen Neuigkeiten, da sich recht viel eingependelt hat, liest du dich nicht glücklich, nicht leichtfüßig, nicht frei.

Darf ich so direkt sein? Bereust du diesen weg?

Antworten auf deine hintergrundfragen wird es nie geben und es wird dich immer begleiten.
In jeder anstrengenden Phase.

Ich Wünsche euch weiterhin viel kraft und liebe und freue mich, wenn du uns weiterhin teilhaben lässt.

Lg


iPhone- Worterkennung ist mein Untergang.
liebe Grüsse von Elli
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
Du fehlst mir.... http://www.andischmitt-online.de
Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
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cornucopia
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von cornucopia »

Glücklich, leichtfüßig, frei? Nein, bestimmt nicht. Aber dafür bin ich auch gar nicht der Typ. Insofern wäre es vermessen von mir gewesen zu denken, dass mein Leben nun mit dem zweiten Kind Glückseligkeit pur würde.

Ja, das Glück vermisse ich, aber ich bin andereseits froh, dass ich wenigstens ab und zu zufrieden bin und mehr oder weniger in mir ruhe.

Ob ich den Schritt bereue? Naja, ich würde das nicht wieder tun, und hätte ich vorher gewusst, wie das wird und hätte ich keine Hoffnung, dass es besser wird, dann hätte ich es gelassen. Aber man weiß eben nie, wie es wirklich sein wird, egal was. Leben ist Zeichnen ohne Radiergummi - stand auf einer der Glückwunschkarten zur Pflegschaft.

Natürlich wäre es toll, in dieser neuen Situation die Leichtigkeit des Seins zu spüren. Aber nur weil es so nicht ist, heißt das ja nicht, dass alles verkehrt ist. Ja, ich bereue in gewisser Weise, aber nicht so, dass ich die Notbremse ziehe, den Radiergummi ansetze und alles ungeschehen zu machen versuche. Der Weg kann nur nach vorne gehen, denn das ist das Leben.

Liebe Grüße

cornucopia
basti1
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von basti1 »

Hallo
Jetzt möchte auch ich endlich mal was dazu schreiben:
Ich finde dich sehr sehr bewundernswert!!!! Du bist diesen Weg freiwillig gegangen und wusstest nicht genau, was auf dich zu zukommen wird. Vielleicht bereust du es, aber ich muss dir sagen, dass du unheimlich stolz auf dich sein kannst. Du hast in deinem Leben etwas bewegen können und etwas wirklich Tolles erreicht. Ich bin auch stolz, zwei Kinder großziehen zu dürfen und finde auch, dass ich so etwas "geschafft" habe, aber sich auch für eine so kleines hilfloses und vor allem armes Kind wirlklich aufzuopfern, so wie du es tust ist nochmal etwas Besonderes. Danke, dass du das machst. So Menschen wie dich brauchen wir v.a. dieses Kind und wer weiß, wieviel du bewirken kannst , auf jeden Fall bewirkst du , dass er Liebe erfährt und kann dies dann vielleicht sogar mal weitergeben. Das hast du schon mal erreicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Alles Gute!
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mayra
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von mayra »

Meinst du nicht er merkt deine Gefühle? Erwägst du nicht, die Pflege zu beenden? So wie du dich liest kann ich mir nicht vorstellen, das es ein harmonisches Leben für eure Familie geben kann. Klar hättest du ihn geboren dann wäre es so, ihr müsstet klarkommen. Aber ist es fair, ihm eine evtl. besser passende Familie "vorzuenthalten"? Ich habe das Gefühl deine Erwartungen und die Realität sind weit voneinander entfernt... und du schaffst es nicht, dich davon freizumachen .

Das ist nicht böse gemeint! Aber du bist doch offensichtlich auch unzufrieden. Soll das ein Leben lang so bleiben?
mayra mit Schlawiner 07/08 und Lockenkopf 07/10
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Atlasnaja
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Atlasnaja »

Hallo Mayra,

ja auf der einen seite klingt es so, aber vielleicht ist cornucopia auch einfach nur sehr ehrlich und ein Mensch, der schnell mit sich hadert. Ich bin z.b. oft so und kann schlecht Dinge einfach sein lassen wie sie sind. Ich denke immer auf der anderen SEite des Zauns wäre das Gras grüner. Ich wünsche mir Leichtigkeit und übersehe manchmal, dass ich einfach nicht der Typ dafür bin. Klar könnte ich mir das leben einfacher machen, wenn ich anders wäre, bin ich aber leider nicht.

Vielleicht ist Cornucopia genauso und dann ist eigentlich alles gut, nur sie hadert trotzdem, weil sie einem Ideal hinterherrennt, was niemand erfüllen kann.

Ich weiss nicht, ob es verständlich ist, was ich sagen will.... Wenn nciht noch mal fragen.
honigtopf2010
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AW: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von honigtopf2010 »

Puh, das klingt alles sehr anstrengend. Ich hoffe, ihr findet eine gute Begleitung vor Ort für euch. Ich möchte ein paar Gedanken dazu äußern.

Ich habe verstanden, dass du stillen wolltest. Ich verstehe allerdings nicht, weshalb du pumpst, wenn du nun weißt, dass es nicht klappen wird und dich das Pumpen eher stresst. Du schreibst selbst, dass es nicht nahrungsrelevant ist und ich möchte lieber auch nicht wissen, was du mit VORBILD deiner Großen und deines Mannes in dem Zusammenhang meinst. Ich finde es wichtig, dass du dir bewusst machst, welches deine Beweggründe dafür sind. Hat es mehr mit dir zu tun oder welchen Grund gibt es?

Ich kann mir auch nicht erklären, weshalb du ihn mehr oder minder erpresst auf deinem Schoß zu bleiben. Ich finde das übergriffig. Du schreibst, dass es Probleme beim Wickeln usw. gibt und sehe es so, dass dein Sohn dort in seinen Grenzen, die er wahrscheinlich lange Zeit brauchte um zu existieren. Das lässt sich doch nicht so schnell überwinden. Ich glaube ganz fest, dass du mit Geduld auch über Distanz Nähe erreichen wirst. Denn das Wichtigste ist doch zuverlässig zu sein und dazu gehört es auch Grenzen zu akzeptieren.

Es freut mich, dass du explizit von DEINEM Sohn schreibst und natürlich darfst du Zweifel haben. Das ist aus meiner Sicht gesünder als sich nicht in Frage zu stellen.

Und auch dafür ist so ein Forum ja auch da. Ich denke, du darfst dich auch um dich kümmern. Hast du so eine Gelegenheit? Und hast du auch die Chance deine Tochter mehr in den Mittelpunkt zu rücken?

Wäre Emmi Pikler was für dich? Denn tatsächlich passt doch nicht jedes Konzept auf jedes Kind. Auch nicht AP. Alles Gute weiterhin
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
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cornucopia
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von cornucopia »

Jetzt wird es hier ja richtig kontrovers. Vielleicht ist es da nötig, noch ein paar Dinge zu erläutern.

Ja, sicher erwägen wir, die Pflege zu beenden, immer wieder. Immer wieder überlege ich, ob es gut ist und was das Beste ist. Es wäre fahrlässig, sich keine Gedanken darüber zu machen. Bisher ist das Ergebnis solcher Überlegungen, weiterzumachen. Ja, wenn es eine konkrete Familie gäbe, von der ich wüsste, dass es unserem Kleinen dort besser ginge als bei uns, dann wäre es eine einfache (relativ einfache) Sache. Aber einfach nur alles aufgeben, weil es schwierig ist und wir kein Ideal leben können? Das wäre doch wohl zu billig und auch ein wenig zu naiv.

Es stimmt schon, was Atlasnaja andeutete. Ich denke eher zu viel als zu wenig nach, was bisweilen zu trüben Gedanken führt. Letztlich zählt aber das Ergebnis. Und, in aller Bescheidenheit, ich finde, dass wir es gar nicht so schlecht machen. Immerhin lacht unser Pflegekind täglich mehrmals, und wir wachsen täglich über uns hinaus, trotz allen Belastungen und auch Tränen.

Ich finde es völlig richtig, dem Kleinen in dieser Situation eine „eventuell besser passende Familie vorzuenthalten“. Woher soll denn diese Familie plötzlich kommen? Wie gesagt, wenn es sie gäbe, ganz konkret, wäre das etwas Anderes. So aber würde er wieder eine Ehrenrunde im Heim drehen und vielleicht sogar dort für immer bleiben. Immerhin ist er schon von anderen potenziellen Eltern vor uns abgelehnt worden. Es ist also nicht so, dass die Paare oder Familien für ein solches Kind Schlange stehen.

Übrigens bin ich nicht unzufrieden. Ich bin manchmal traurig, manchmal verzweifelt, manchmal am Ende meiner Kräfte. Ich weiß, dass manches verbessert werden kann, anderes nicht, und trotzdem wünsche ich mir Verbesserung oder Erleichterung. Aber es gibt durchaus auch andere Gefühle, die eher auf der Positiv-Skala angesiedelt sind. Es ist jedoch nicht so interessant, darüber hier zu reflektieren. Es bringt mich weiter, mich mit den widersprüchlichen oder auch negativen Gefühlen auseinanderzusetzen.

Nur weil die Muttermilch für seine Ernährung nicht ausschlaggebend ist, heißt das doch nicht, dass sie überflüssig ist. Er isst mittlerweile alles von unserem Teller. Aber bedeutet das, dass die Mumi abgeschafft gehört? Meine Große habe ich drei Jahre gestillt, und auch sie hat natürlich schon alles andere gegessen.

Meine Hauptmotivation für das Abpumpen ist, dass ihm die Milch so gut schmeckt. Außerdem halte ich nichts von Tiermilch für Menschenkinder, aber das ist ein anderes Thema. Ob die MuMi immunologisch etwas bringt, ist bei nicht leiblichen Kindern umstritten. Mein Bauchgefühl sagt aber, dass sie zumindest nicht schadet, mit Sicherheit nicht mehr schadet als Kuhmilch. Ich habe mir auch mit Sicherheit viele Gedanken über meine Motivation, ihn zu stillen, gemacht. Falls das ein Vorwurf sein sollte, kann ich ihn nur entschieden zurückweisen.

Es fällt mir schwer, Grenzen zu setzen, das gebe ich zu. Aber nun habe ich schon zu Beginn eine Grenze aufgestellt, nämlich die, dass es MuMi nicht im Vorbeigehen gibt, sondern im Körperkontakt. Das mag manche von euch anders sehen, das ist dann euer Bier. Mir ist Körperkontakt u.a. für die Kommunikation wichtig, deshalb versuche ich, meine Kinder in diese Richtung zu erziehen. Diese Einstellung muss man nicht teilen. Mit „übergriffig“ fühle ich mich aber nicht richtig verstanden. Und „über Distanz Nähe zu erreichen“ mag ein gangbarer Weg sein, aber es ist nicht meiner.

Tja, und da war dann noch die Sache mit dem Vorbild… Ja, ich stehe dazu, dass mein Mann zuweilen meine Brustwarze in den Mund nimmt. - Schlimm? Und meine große Tochter will auch ab und zu nuckeln, was in einem Forum für Langzeitstillende wohl auch niemanden wirklich schocken sollte.

Falls jemand Marta Guóth-Gumberger kennt, sie hat drei Adoptivkinder gestillt und darüber geschrieben. Sie hat mir empfohlen, unserem Pflegekind Videos von großen, langzeitstillenden Kindern zu zeigen. Nun will der Kleine aber nicht so lange vor dem PC still halten und schauen. Eine Stillgruppe mit großen Kindern gibt es vor Ort nicht. Warum also nicht das Vorbild zu Hause nutzen?

Einen Fehler muss ich allerdings zugeben: Es ist nicht richtig von „unserem“ Sohn zu schreiben. Er ist es nicht, das lässt sich auch nicht schönreden. Er ist der Sohn seiner leiblichen Mutter, die ihn sehr, sehr liebt. Er soll sie ja auch regelmäßig sehen. Er ist und bleibt ihr Sohn und ist „nur“ unser Pflegesohn. Das ist etwas anderes und darf sich auch anders anfühlen. Ich würde mir selber in die Tasche lügen, wenn ich etwas anderes behauptete. Vielleicht wird sich das irgendwann ändern, wenn sich z.B. das Verhältnis zwischen seiner leiblichen Mutter und ihm ändert. Im Moment sehe ich das aber nicht.

Ich finde es prima, wenn ihr mit euren Familien in Harmonie und Fröhlichkeit zusammenlebt. Sicher ein erstrebenswerter Zustand. Ich wünsche mir das auch. Ich kann mich aber nicht meiner Aufgabe verweigern, nur weil sie mir nicht den Seelenzustand bringt, den ich mir erträume. Da wäre ich mir selber nicht treu.

Ganz weit weg vom Stillthema habe ich euch hoffentlich nicht gelangweilt oder verärgert, doch die vielen freundlichen Kommentare bestätigen mich, hier weiter zu posten, und die weniger freundlich klingenden sind mir Anlass, mich noch mal klarer auszudrücken.

Schönen Sonntag!

cornucopia
honigtopf2010
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AW: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von honigtopf2010 »

Hallo,

Schön, dass einige Dinge noch einmal beschrieben hast. Ich glaube niemand bezweifelt, welche Kraft und Überwindung eure Situation kostet. Ich will nicht verhehlen, dass ich ein paar Dinge an deinen Schilderungen befremdlich finde. Dies aber nicht weiter vertiefen. An meiner Signatur wirst du erkennen, dass ich die Vorteile von Muttermilch sehr wohl zu schätzen weiß - allerdings nicht um jeden Preis. Dein, nun doch, Pflegesohn ist ja durchaus in einem Alter, in dem er auch KuhMilch-frei ernährt werden könnte.

Zwei Dinge möchte ich richtig stellen:

Dies ist kein LangzeitstillForum, nur weil hier viele lange Stillen.

Ein Forum vereint viele Meinungen und Wege. Mit Rückfragen darf man ruhig rechnen, wenn man hier schreibt.
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
kiska
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von kiska »

ich finde es soo toll, was ihr für dieses kind leistet...
jede kleinigkeit würde ich wojl auch nicht genau so machen, wie du, aber darum geht es hier doch auch nicht.
ich finde toll, dass du für ihn pumpst, aber wenn allein der gedanke an das bes dich stresst, warum lässt du das nicht einfach (erstmal)?
Annabell 08/10
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