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Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 09:58
von GwAMg
Ne, es ist totaler Blödsinn...also laut "meiner" IBCLC ist die Milch nach 45 min verdaut, aber selbst wenn das Kind halbstündlich stillt, bekommt es davon schon kein Bauchweh....und wo bitte trifft die unverdaute Nahrung auf verdaute? Ich meine, Die Milch wandert durch Magen, Darm udn wenn sie sich an einer stelle des Darm treffen sollte (was wohl eher unwahrscheinlich ist), dann müsste sie ja den gleichen Verdauungsgrad haben?
I
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 12:26
von Nachtfrau
ich weiß nicht, ob ich in ein anderes forum verlinken darf.
bei den raben gab es vor ein paar wochen einen thread über das thema, in dem das märchen von der frischen auf "angedaute" milch wunderschön logisch widerlegt wurde. eine userin erzählte noch, dass dieser quatsch tatsächlich in den ausbildungsbüchern von hebammen steht.
hier erklärt jusl, wieso stillen nach bedarf so wichtig ist.
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 14:14
von jusl
Etwas genauer: selbstverständlich ist Muttermilch nicht "nach 45 Minuten verdaut" - würde dies stimmen, dann müsste alle Babys ja jedes Mal nach dem Stillen innerhalb einer Stunde ausscheiden (Ausscheidung = Verdauung abgeschlossen).
Was jedoch stimmt: der allergrößte Teil der Muttermilch verlässt innerhalb von 60-90 Minuten den MAGEN. Dies erklärt, warum sehr viele Babys sehr gerne alle 1-2 Stunden stillen, sie mögen gerne "immer ein bisschen was im Magen", sehr einleuchtend. Und etwas off-topic: dies belegt auch den Fakt, dass das (Durch-)Schlafverhalten nur SEHR WENIG mit Stillen/Essen/Hunger/Sattsein zu tun hat. Schließlich gibt es unzählige Stillkinder, die nachts (oder auch tags) durchaus mehrere Stunden am Stück schlafen. Dies tun sie eben nicht "weil sie satt sind".
Egal, ob alle halbe Stunde oder nur strikt alle 4 Stunden gestillt wird - IMMER wird frische auf angedaute Milch treffen! Es gibt keine Trennwände im Darm zwischen den einzelnen Mahlzeiten, sondern spätestens dort schiebt sich alles zusammen. Dies gilt nicht nur für den Darm, sondern sogar schon im Magen selbst: Jeder, der schon mal vollgespuckt wurde von einem Baby, dessen letzte Stillmahlzeit nur wenige Minuten her ist, weiß: diese Milch IST bereits angedaut! (die Milch ist nämlich zum Teil schon sauer, flockig, geronnen). WÄHREND JEDER EINZELNEN Mahlzeit trifft im Magen frische Milch auf angedaute Milch - die angedaute Milch ist die vom Beginn der Stillmahlzeit, und die frische ist logischerweise die, die am Ende der Mahlzeit getrunken wurde.
Von daher, ohne wenn und aber: Der Hinweis, bei Stillkindern zur Verhütung von Bauchweh Mindeststillabstände einzuhalten, damit nicht frische auf alte Milch trifft, ist 100% unlogisch, überholt, widerlegt. Ein Fachmensch, der diesen Unsinn heute noch empfielt, disqualifiziert sich selbst.
Wohl gemerkt: dies gilt für STILLKINDER und ist nicht automatisch auf künstlich ernährte Babys übertragbar. Aber erfreulicherweise vertragen heute auch viele künstlich ernährte Babys moderne Pre-Milch so gut, dass dort nach Bedarf - ohne Mindestabstände - gefüttert werden kann.
LG
Julia
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 14:21
von honigtopf2010
Hallo, stillen nach der Uhr ist auch stillen nach Bedarf! Bloß nicht nach Bedarf des Kindes

. Es passt gut in unsere kinderfeindliche Welt, dass solche Empfehlungen propagiert werden. Unsere Eltern und viele Bekannte waren entsetzt von dem was wir da tun. Vier Stunden? Ich glaub mit 8 Monaten das erste Mal. Da war ich ganz verwirrt. Aber was solls. Die Natur hat es so eingerichtet und fertig. Wir hatten großes Glück mit unserem stillverrücktem Hebammenteam! Und ja, ich hab das mit der anverdauten Milch auch mal gelesen. Nur war der Kolikenspuk nach 3 Monaten vorbei. Das engmaschige Stillen aber bis heute nicht. Bei uns gibt es auch mit 15 Monaten Brust nach Lust, wenn ich halt in der Nähe bin. Da hält die Zwergin währenddessen auch gerne in der anderen Hand einen Apfel fest. Der Weg damit entspannt zu sein, hat mich auch viel zweifeln lassen. Unser Kind ist trotzdem unabhängig, bei der Tagesmutter, ich arbeite Vollzeit und sie ist mehr als altersgerecht entwickelt

.
Es gibt aus meiner Sicht nur ein echtes Pro für die Uhr: wenn ansonsten gar nicht gestillt würde ...
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 15:27
von Nachtfrau
honigtopf2010 hat geschrieben:Brust nach Lust
hihi, das ist ja mal ein toller spruch! darf ich den verwenden?
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 19.06.2011, 17:39
von Lösche Benutzer 6191
Nachtfrau hat geschrieben:honigtopf2010 hat geschrieben:Brust nach Lust
hihi, das ist ja mal ein toller spruch! darf ich den verwenden?
ja, das dachte ich auch im ersten moment - was für ein perfekter t-shirt spruch
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 20.06.2011, 00:48
von Kitabuna
jusl hat geschrieben:Etwas genauer: selbstverständlich ist Muttermilch nicht "nach 45 Minuten verdaut" - würde dies stimmen, dann müsste alle Babys ja jedes Mal nach dem Stillen innerhalb einer Stunde ausscheiden (Ausscheidung = Verdauung abgeschlossen).
Was jedoch stimmt: der allergrößte Teil der Muttermilch verlässt innerhalb von 60-90 Minuten den MAGEN. Dies erklärt, warum sehr viele Babys sehr gerne alle 1-2 Stunden stillen, sie mögen gerne "immer ein bisschen was im Magen", sehr einleuchtend. Und etwas off-topic: dies belegt auch den Fakt, dass das (Durch-)Schlafverhalten nur SEHR WENIG mit Stillen/Essen/Hunger/Sattsein zu tun hat. Schließlich gibt es unzählige Stillkinder, die nachts (oder auch tags) durchaus mehrere Stunden am Stück schlafen. Dies tun sie eben nicht "weil sie satt sind".
Egal, ob alle halbe Stunde oder nur strikt alle 4 Stunden gestillt wird - IMMER wird frische auf angedaute Milch treffen! Es gibt keine Trennwände im Darm zwischen den einzelnen Mahlzeiten, sondern spätestens dort schiebt sich alles zusammen. Dies gilt nicht nur für den Darm, sondern sogar schon im Magen selbst: Jeder, der schon mal vollgespuckt wurde von einem Baby, dessen letzte Stillmahlzeit nur wenige Minuten her ist, weiß: diese Milch IST bereits angedaut! (die Milch ist nämlich zum Teil schon sauer, flockig, geronnen). WÄHREND JEDER EINZELNEN Mahlzeit trifft im Magen frische Milch auf angedaute Milch - die angedaute Milch ist die vom Beginn der Stillmahlzeit, und die frische ist logischerweise die, die am Ende der Mahlzeit getrunken wurde.
Von daher, ohne wenn und aber: Der Hinweis, bei Stillkindern zur Verhütung von Bauchweh Mindeststillabstände einzuhalten, damit nicht frische auf alte Milch trifft, ist 100% unlogisch, überholt, widerlegt. Ein Fachmensch, der diesen Unsinn heute noch empfielt, disqualifiziert sich selbst.
Danke für eure Ausführungen. Ich überlege auch schon die ganze Zeit, wo ich das gelesen habe, komm aber nicht drauf. Eine Nachfrage: Macht es nicht doch einen Unterschied, ob die "Verdauungsunterschiede" vom "ersten bis zum letzen Tropfen" einer Mahlzeit nur z.B. eine halbe Stunde betragen und dann erstmal für besagte 1,5 h keine neue Milch mehr nachkommt. Oder wenn nach der 1. Mahlzeit ständig (!) neue Milch dazukommt. Hoffe, man kann die Frage verstehen, bin in Verdauungsvorgängen nicht so firm.
Ich weiß nicht, irgendwie finde ich es von meinem Gefühl her "sympathischer", wenn die einzelnen Mahlzeiten noch auseinander zu halten sind und nicht alles so verschwimmt in einem "Tages-Einheitsbrei" (Und eigentlich bin ich gar
kein "Mein-Kind-braucht-unbedingt-einen-Rythmus-Mensch".
Und ja, ich weiß auch, dass auch das Saugbedürfnis an der Brust gestillt wird/werden kann, genauso der Durst (an heißen Tagen ist es eh noch ein anderes Thema) und in vielen Kulturen die Kinder deutlich öfter angelegt werden als hier - trotz allem wahrscheinlich noch - üblich.
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 20.06.2011, 07:41
von jusl
Naja, die eigenen Gefühle, was man "sympathischer" findet, sind wohl Privatsache. Fakt ist, es gibt nunmal Kinder, die dann am besten gedeihen und sich offensichtlich am wohlsten damit fühlen, wenn sie sehr häufig, auch mehrmals in der Stunde, trinken können. Diesen Kindern "ordentliche Mahlzeiten" aufzuzwingen, wäre ungünstig (und wenig sympathisch

).
Davon abgesehen:
Macht es nicht doch einen Unterschied, ob die "Verdauungsunterschiede" vom "ersten bis zum letzen Tropfen" einer Mahlzeit nur z.B. eine halbe Stunde betragen und dann erstmal für besagte 1,5 h keine neue Milch mehr nachkommt. Oder wenn nach der 1. Mahlzeit ständig (!) neue Milch dazukommt.
Für diese Vermutung gibt es keinerlei Hinweise. Aber es gibt Beobachtungen an bestimmten Völkern aus dem afrikanischen und südostasiatischen Raum, bei denen
mehrmaliges Stillen pro Stunde rund um die Uhr die Norm ist. Dort gibt es keine Berichte über Beobachtungen von vermehrtem Bauchweh, im Gegenteil. Diese Babys schreien extrem wenig und gedeihen bestens.
LG
Julia
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 20.06.2011, 10:31
von greenie bird
da hätte ich jetzt noch eine Frage: wie lange 'darf' denn dieses sehr häufige Trinken anhalten?
Mein Krümel ist ja nun fast 11 Monate alt und macht das zu Hause immernoch sehr oft- während des Spielens wird er alle paar Minuten quengelig, es dauert sehr lang bis er weiter spielt, wenn ich ihn anderweitig versuche zu beruhigen, nach kurzem Nuckeln ist er aber wieder froh- und dann wieder nach 2 Minuten (wenn überhaupt). Nach Hunger sieht mir das nicht aus, obwohl ich schon mal daran gedacht habe, denn richtig zu erkennende Mahlzeiten hat er vielleicht 2 Mal am Tag- dazu kommt dann eben das Stillen vor dem Schlafen und danach oder auch mal mittendrin. Wasser trinkt er auch sehr gern, aber nicht als Ersatz, wenn er Brust will, dann nur die.
Ist das normal? Auf dem Spielplatz macht er das nicht.
Re: Argumente Pro/Contra Stillen nach der Uhr
Verfasst: 20.06.2011, 10:55
von jusl
Dafür gibt es keine Vorschriften.

Gerade beim Übergang Babyalter-Kleinkindalter sind viele Mütter verunsichert, was die Stillhäufigkeit betrifft. Dabei sollte man auch berücksichtigen, dass das Baby mit zunehmendem Alter auch NEUE Bedürfnisse entwickelt. Beispiel: junge Babys sind 100% damit glücklich und zufrieden, wenn sie einfach den ganzen Tag gestillt und getragen werden und auf diese Weise am Alltag teilhaben, beobachtend, quasi als "nebenbei"-Beobachter. Ältere Babys und Kleinkinder hingegen brauchen aber mehr ANREGUNG, interessante Umgebungen, viel Kontakt zu anderen lieben Menschen usw., sonst macht sich leicht lange Weile und "Schmoren im eigenen Saft" breit. Dies wäre eine Erklärung dafür, dass er das Stillen auf dem Spielplatz eher vergisst: dort ist es so interessant. (und soll es auch sein!)
Vielleicht ist dies ja ein Ansatzpunkt für Dich.
LG
Julia