Hallo!
Ich finde das Thema auch sehr interessant. Wir sind in unseren Familien ein bunter ex-jugoslawischer Haufen, ich sage deshalb mal "mehrsprachig". Und mein Mann und ich möchten schon, dass unsere Tochter auch BKS (bosnisch-kroatisch-serbisch) lernt. Ich drück' mich mal so umständlich aus, weil ich's jetzt echt nicht besser ausdrücken kann ...
Mein Vater war Deutscher, meine Mutter ist Kroatin (streng genommen halb Slowenin und halb Kroatin). Leider hatten sich meine Eltern damals entschieden, mir zuerst ordentliches Deutsch beizubringen, ich sollte ja schließlich in Deutschland leben und dort keine Nachteile in Kindergarten oder Schule haben. Tja, später ab dem Kindergartenalter wollte mir meine Mutter Kroatisch beibringen, aber da habe ich schon dicht gemacht. Kein Interesse. Meine Mutter fand das sehr schade, aber als Kind fand ich das irgendwie blöd, plötzlich mit meiner Mutter eine andere Sprache sprechen zu müssen. Das war mir so künstlich und außerdem verstand sie ja deutsch. Zum muttersprachlichen Unterricht musste ich nicht, hätte aber gehen können. Leider hatte mir meine Mum die Entscheidung offen gelassen und natürlich hatte ich kein Interesse.
Später habe ich das bitter bereut, weil ich mit meiner Verwandtschaft in Kroatien und Slowenien überhaupt nicht kommunizieren konnte. Die konnten kein Deutsch, ich konnte zwar bisschen was verstehen, aber null sprechen. Tja ... Ich habe dann Slavistik studiert!

und mühsam BKS und Slowenisch gelernt.
Mein Mann ist aus Bosnien. Zuhause sprechen wir sowohl Deutsch als auch BKS, je nach Sachverhalt. Mit meiner Tochter spreche ich hauptsächlich BKS, solange es mir natürlich vorkommt. Sie versteht es offensichtlich ganz gut. Manchmal, wenn meine Mutter zu ihr etwas auf Deutsch sagt, reagiert sie nicht. Dann sag' ich zu ihr: Versuch's auf Kroatisch! und es klappt.

Und sie hat ja noch Großeltern, die kaum Deutsch sprechen, und die mit ihr nur auf Bosnisch kommunizieren.
Für unsere Familiensituation wäre es nicht passend zuhause "nur" BKS zu sprechen, auch wenn's theoretisch möglich wäre. Es sind beide Sprachen präsent. Aber wir achten darauf, nicht beide Sprachen in einem Gespräch (oder sogar in einem Satz) durcheinander zu bringen.
Worauf ich hinaus will: Ich denke, dass es wahrscheinlich kein allgemeines Rezept gibt, wie man zuhause Zweisprachigkeit am besten rüberbringt. Das ist wohl schon sehr von Familiensituation zu Familiensituation verschieden. Ich hoffe einzig, dass es bei uns einigermaßen klappen wird. Ich lass mir jetzt schon Kinderbücher und -filme von unten mitbringen in der Hoffnung, dass wir damit bei unserer Tochter das Interesse an der Sprache später mit aufrecht erhalten können.