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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 17.01.2024, 16:48
von Norrsken
ShinyCheetah hat geschrieben: 17.01.2024, 16:16
Es gibt halt viel weniger Daten/Studien für Kinder Ü1 und so extrem viele Einflussfaktoren... Aber allein schon, dass man mit Stillen sein Kind so hydriert hält, dass man bei MD selten ins Kkh muss, ist ein unschlagbarer Vorteil. Soweit ich weiß gibt es quasi kein Getränk /Lebensmittel, aus dem Wasser so gut resorbiert wird wie aus Mumi.
Aber ich mag gerade nicht auf Quellensuche gehen, die Kinder kommen jeden Moment zu Hause an...
Ja guter Punkt, das ist für mich persönlich auch ein wichtiger Grund weiter zu stillen. Bei jedem Infekt (nicht nur MD), bei dem mein Kind mal wieder die Aufnahme fester Nahrung komplett einstellt, bin ich heilfroh, dass er zumindest viel stillt.
Ein Paper zur Zusammensetzung der Milch im 2. LJ hab ich auf die Schnelle gefunden:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26776058/
Allerdings ist die Stichprobengröße gerade in der Gruppe der Mütter, die Kinder im 2. LJ stillen sehr klein und die Stillkinder sind mit max. 17 Monaten auch recht jung.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 18.01.2024, 13:06
von Furlica
Norrsken hat geschrieben: 17.01.2024, 16:02
Furlica hat geschrieben: 17.01.2024, 12:47
Mein Dreh- und Angelpunkt ist das Lactoferrin in der Muttermilch. Durch dieses wird u.a. E.coli daran gehindert sich rasant zu vermehren. Die Prophylaxe vor Magen-Darm-Gschichten ist für mich einfach das non-plus-ultra, vorallem im Baby- und Kleinkindalter wo Durchfall ratzfatz fatal werden kann.
Falls du noch Quellen brauchst oder zu bestimmten Punkten was: Ich hab 'Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession' daheim. Das ist von medizinischem Fachpersonal eben für selbiges. Das sollte den Herrn Biologen wohl ansprechen
Steht dort evtl. drin, wie sich der Lactoferrin Gehalt bei langer Stilldauer entwickelt bzw. ob er konstant bleibt, unabhängig von der Stilldauer?
Der Schutz vor (schwerem Verlauf von) Durchfallerkrankungen scheint ja bisher nur für Kinder bis 1 Jahr wissenschaftlich belegt zu sein, aber mir erscheint es nur plausibel, dass er auch darüber hinaus wirkt…es wird ja kein Schalter umgelegt nur weil das Kind 1 Jahr alt wird.
Ich werds raussuchen die Woche!
Was ich mich erinnere, was fix drinstand ist dass Cholera bei Erwachsenen (!) schneller vergeht, wenn sie Muttermilch bekamen. Und ja, den Schalter würd ich gern sehn
Keine Evidenz und vl unser hauseigener Spleen, aber mein Freund trinkt regelmäßig ein kleines Glaserl meiner Milch und beschwört, dass er das Gerotze vom Kleinen seitdem nicht mehr so schnell bekommt hahaha.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 18.01.2024, 15:07
von ShinyCheetah
Nicht nur euer Spleen. Gibt durchaus Firmen, die HMOs (humane Milcholigosaccharide, also bestimmte komplexe Zucker, die eigentlich nur in Muttermilch vorkommen) in irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel mischen, weil das theoretisch irgendwelche positiven Effekte haben könnte.
Ist aber nicht belegt

Und die HMOs sind dann nicht aus Mittermilch gewonnen (wäre viel zu teuer und wahrscheinlich sehr unethisch), sondern biotechnologisch hergestellt.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 18.01.2024, 20:14
von Mau
Vielleicht sollte ich mal meine eigene Milch trinken, damit sich meine empfindliche Verdauung bessert. Erkältungen erwischen das Kind auch viel weniger heftig als mich...
Nur keine Ahnung, wir ich da rankommen kann.
Oder wirkt nur die Milch anderer Leute?

Nicht ganz ernst gemeint
Jedenfalls cool, wie du für die Anerkennung des längeren Stillens kämpfst!
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 18.01.2024, 20:58
von feuerdrache
Kleines Detail am Rande- vor ein paar Jahren waren hier in meiner Gegend so Direktvertriebspartys voll im Laufen, bei denen Biestmilch Präparate vermarktet wurden.
Biestmilch ist die Kolostralmilch von Rindern, Schafen und anderen Säugetieren. Sie ist so wie die Erstlingsmilch sehr inhaltsstoffreich.
Und diese Präparate wurden wirklich um Sündgeld verkauft- zur Steigerung der Immunabwehr, für schöne Haut und was weiß der Kuckuck noch. Vielleicht hätten sie ja sogar verlorene Gliedmassen nachwachsen lassen, wer weiß. Beim Menschen.
Also ich kann mir schon vorstellen, dass die menschliche Muttermilch einen positiven Einfluss auf das Immunsystem von Erwachsenen hat. Nur laut sagen darf man das in Internet bitte nicht, da treiben sich auch eine Menge an Freaks herum die auf Erwachsenenstillbeziehungen stehen. Soll jeder halten wie er will und was beiden gefällt. Ist ok. aber nicht in einem Bereich wo es um Babys und kleine Kinder geht. Dafür gibt es eigene Gruppen im Netz.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 18.01.2024, 21:23
von GemeineEsche
Gibt's nicht auch Bodybuilder, die Muttermilch trinken?
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 19.01.2024, 11:54
von Jana208
Ich hab auf jeden Fall auch mal gelesen, dass es für Robinson (oder Tom Hanks in Cast Away oder so) bestimmt besser gewesen wäre und sie weniger Mangelerscheinungen hätten, wenn sie sich auf ihrer einsamen Insel nur von Muttermilch ernährt hätten.
Noch mal eine vllt doofe Frage zu nem Thema, das auch in meiner Diskussion mit dem nervigen Vater kurz aufkam und auf das ich dann aber natürlich nicht schnell genug reagiert habe. Passt zu diesem "Schalter umlegen"-Ding.
Er behauptete, dass Abwehrstoffe in der Muttermilch ja nicht magensäureresistent seien und deswegen Muttermilch beim älteren Kind nix positives mehr zur Immunabwehr beitragen würde.
Aber Babys haben doch auch Magensäure? Und wie funktioniert sonst der Nestschutz?
Folgt man seinem Argument, würde die Magensäure ja immer alles zerstören und Muttermilch nie was bringen.
Trotzdem hat besagter Vater den Nestschutz und Sinn von Muttermilch im 1. Lebensjahr (bis 6 Monate auf jeden Fall, vllt bis 12, darüber hinaus zweifelt er ja) nicht negiert.
Also wie ist das mit der Magensäure? Ist die erst sukzessive aggressiv(er) oder ist die als Faktor generell zu vernachlässigen?
Sorry, wenn ich jetzt ne total dämliche Frage stelle und sich die Experten hier die Hand an die Stirn schlagen.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 19.01.2024, 11:57
von Serafin
Komisch ist ja, dass die Immunglobuline ab eins wieder ansteigen und bei um zwei rum den Stand von beim Neugeborenen haben. Die Natur verschenkt nix. Wir also schon seinen Sinn haben
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 19.01.2024, 12:33
von Seiltänzerin
Nestschutz kommt ja eigentlich nicht primär durchs Stillen, sondern durch Antikörper, die am Ende der Schwangerschaft durch die Nabelschnur übertragen werden (deshalb zum Beispiel die Impfung gegen Keuchhusten im letzten Drittel).
Total subjektive Einschätzung: das was beim spucken raus kommt, ist mit zunehmendem Alter schon anders geworden, viel stärker verdaut.
Würde die Magensäure ALLES kaputt machen, wäre ja auch der Verzehr von Joghurt und ähnlichem nicht förderlich - gleichzeitig bräuchte man sich wohl um Salmonellen keine Gedanken machen.
Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht
Verfasst: 19.01.2024, 12:54
von Norrsken
Hier noch ein interessanter längerer Artikel zum Thema Abwehrstoffe in der Muttermilch:
https://www.spektrum.de/magazin/immunsc ... lch/822831
Was die Magensäure angeht steht Folgendes im Artikel:
„Die Sekret-Antikörper bestehen aus zwei verbundenen IgA-Grundmolekülen, um die sich eine sogenannte Sekretkomponente schlingt, die sie offenbar gegen die Zersetzung durch Magensäure und Verdauungsenzyme abschirmt (Bild 2).“
Diese Sekret-IgA sind laut des Artikels die häufigsten Antikörper in der Muttermilch. Ich würde also sagen dein Gesprächspartner hat unrecht

.
Es macht ja auch evolutionär nur Sinn, dass Stillen auch im Kleinkindalter Schutz bietet, da das eigene Immunsystem erst später voll ausgereift ist.