luise90 hat geschrieben: 20.07.2020, 13:57
Hallo cecily,
Also ich sehe das auch so wie deine Freundin und wie Schneekugel.
Ich selbst bekomme regelmäßig von meinem Freund auf den Deckel, weil ich mich nicht nach den Erwartungen anderer bedankt, begrüßt, verabschiedet etc. habe. Meine Mutter war da nie hinterher als ich ein Kind war, aber ich glaube es ist auch nicht schlimm, zumindest in meinen Augen.
Ja, vermutlich wirke ich oft dadurch arrogant, undankbar usw.,aber nur auf Leute die mich nicht kennen. Wer mich wirklich kennt, weiß dass ich das so gar nicht bin. Sondern schüchtern und zurückhaltend.
Und wie deine Freundin sagt, dein Dank oder der deines Sohnes ist einfach viel mehr wert, weil er nur kommt wenn er wirklich aus tiefstem Herzen so gemeint ist.
Schüchterne Menschen werden dadurch manchmal in eine falsche Schublade gesteckt.
Ich musste für mich lernen, es nicht allen recht machen zu müsse, dein Sohn scheint da ja schon ein gutes selbstbewusstsein zu haben.
Ich kann mich zum Beispiel auch nur entspannt an Unterhaltungen beteiligen, wenn ich mich in der Gesellschaft wohl fühle. Wenn nicht, sage ich nur das nötigste um nicht in irgendein Fettnäpfchen zu treten. Ich kann nur "frei" sprechen oder gar nicht. Verstellen und ähnliches kann ich einfach nicht und werde es wohl auch nicht mehr lernen bzw. will es auch nicht. Deswegen fällt mir auch smalltalk unglaublich schwer.
Ich glaube dein Sohn wird seinen Weg finden um nur soweit anzuecken wie er selbst aushält, auf seine Weise. Und sonst wird er für die auserwählten die ihn gut kennen ein ehrlicher Freund sein, bei dem man immer genau weiß woran man ist.
Hattest du es denn selbst schwer in der Schule?
Ich bin eigentlich nur angeeckt, weil ich eben nicht alle "coolen" Sachen wie rauchen, trinken mitgemacht habe. Dadurch war ich eine zeitlang nicht super beliebt, aber geduldet und habe mir meinen Respekt nach und nach auf anderem Wege erarbeitet. Das war aber später, vorher hatte ich eigentlich keine Probleme.
Mir fällt smalltalk auch total schwer.
Ich hatte nie Probleme in der Schule. Das war aber auch sicher Glückssache, weil ich eine Clique hatte, in der alle ähnlich getickt haben, wir konnten einfach gut miteinander.
Später im Studium hatte ich es sehr schwer. Alle (in meinen Augen) "coolen" Leute, die mit mir angefangen haben und mit denen ich mich sehr gut verstanden habe, haben nach dem Grundstudium festgestellt, dass es doch nicht das wahre ist. Danach war ich ziemlich allein an der Uni. Das war ne Scheißzeit. Zum Glück hatte ich außerhalb Freunde. Und später, im Referendariat, habe ich auch gute Freunde gefunden.
Und die sind, wenn man denn Egoismus / Egozentrik so interpretiert wie meine Freundin, mir sehr ähnlich. Es tut keiner einem einen Gefallen aus "Mitleid". Es ist eher so, dass man sich gegenseitig hilft, weil man zusammengehört. Geht es meinen Freunden schlecht, geht es mir auch schlecht. (Ich habe auch einen sehr kleinen, aber engen, seit Jahren bestehenden Freundeskreis, nur wenige Bekannte).
soda hat geschrieben: 20.07.2020, 14:20
Ich habe zwei sehr unterschiedliche Kinder. Obwohl es mir klar ist, dass das normal ist, fällt es mir oft schwer, das zu akzeptieren, wenn die Eine etwas tut, was die andere leider/zum Glück nie tut.
Meine kleine zeigt mit drei Jahren gute Fähigkeiten, Gefühle, Mimik, Stimmlage, Wortwahl zu interpretieren. Sie weiß, wenn ich ärgerlich bin, sie weiß, warum ich ärgerlich bin (wenn es mal an ihr lag wegen Blödsinn anstellen zB). Sie kann ihre Gefühle äußern, sagen was ihr wichtig ist und was sie sich wünscht, worüber sie nachdenkt. Sie sagt „bitte“ und „danke“.
Meine Große beginnt damit, diese Dinge eventuell ohne Aufforderung in ihr Repertoire aufzunehmen (vorsichtig formuliert). Sehr oft, eigentlich überwiegend, zeigt sie kein besonderes Interesse für die Gefühle anderer und findet sich selbst ganz schön wichtig. Das ist schon manchmal problematisch, wenn es um Teamsport geht oder um unser Familienleben.
Noch denke ich, dass ich das so laufen lasse, da sich immer wieder kleine Verbesserungen ergeben und unter dem Strich alles funktioniert. Was Leistungen betrifft, läuft es sogar prima. Im Zeugnis stand allerdings der ungefähr so formulierte Satz: „im Unterricht fühlt sie sich nun immer öfter als Teil der Gemeinschaft.“ Der Satz spricht ja Bände...
Ist euer Sohn denn zugänglich für eure Erklärungen?
Meine eher nicht. Ich kann nur auf das Geschehen oder das Bevorstehende einwirken, hinterher „pädagogische Gespräche“ führen schaffe ich nicht (oder nur getarnt. Wenn man ein Problem besprechen will, indem man es „Problem“ nennt, blockt sie ab.)
Deine Kinder hören sich ähnlich wie meine an. Ich hab schon mal überlegt, ob das damit zu tun hat, dass die Kleinen einfach Rücksichtnahme gewohnt sind? (Oder, mit anderen Worten: Habe ich den Großen zu sehr verwöhnt?).
Teamsport geht bei meinem Großen gar nicht derzeit (wir hatten Fußball probiert). Judo geht gut, er respektiert auch seine Lehrerin oder nimmt die - in seinen Augen sinnige und daher faire - Strafe in Kauf (am Rand stehen).
Der Satz aus dem Zeugnis ist wirklich sehr hübsch, so könnte ich mir das auch vorstellen.

Darf ich fragen, ob sie andere stört? Davor habe ich ja auch Angst....
Zugänglich, ph. Wenn ich einen guten Moment erwische, hört er mir zu. Höflichkeitsregeln versteht er nicht so richtig. Ihm hat gar nicht eingeleuchtet, warum er sich jetzt bedanken sollte. Allerdings ist er reingegangen und hat Oma und Opa zum Abschied umarmt, das macht er immer und hatte es vergessen. Bei vielen Sachen ist die Situation auch so, dass ich nicht den richtigen Moment erwische. Wir haben so eine Murmelkiste, in die wir abends "Das war heute schön.../Das war heute doof-Murmeln" werfen. Ich finde es aber blöd, über solche Sachen abends Vorwürfe zu machen. Ich erwähne lieber Sachen, die ich toll gefunden habe. Z.B., wenn er sich schnell fertig gemacht hat und wir ausgiebig Zeit zum reden, kuscheln und vorlesen hatten. Von selbst spricht er kaum über Gefühle - eher über Ungerechtigkeiten.
Problem benennen geht gar nicht, da geht er entweder weg oder macht irgendwelche Übersprungshandlungen (er lenkt ab, macht eine CD an, geht unter die Bettdecke...).
Schneekugel hat geschrieben: 20.07.2020, 14:37
Ja ich fand Mitläufer auch immer doof, nun wären sie mir manchmal - aber nur manchmal - lieber
Meine Grosse gilt überigens als sozial, ABER das gelingt ihr nur, wenn sie genügend Zeit ohne Leute ausserhalb der Familie hat. Sie ist in zwei Vereinen, und da nun auch bereits manchmal als Hilfsleiterin eingesetzt, es sind aber beides Einzelsportarten, also der Verein trainiert zusammen, geht auch zusammen an Wettkämpfen, aber jeder ist für sich am Ende.
Der Kleine der HB ist, ist dafür mega empathisch, der erträgt keiner der unglücklich ist und macht Handstände auf seine Kosten, auch doof. Geht aber im Mannschaftssport total auf. Und auch er läuft absolut nicht mit, einleuchtend muss es dann schon sein.
Und die Kleine hat den Spitznamen Terrorelfe
Ich selber, wie geschrieben bin eine Sozialenulpe, wer meine Freundschaft hat, hat sie ehrlich, der Rest ist mir recht schnuppe

und einem Chef folgen der nur doofe Ideen hat - leider nein. Daher muss ich mich oft selber an der Nase nehmen, wenn mir das bei den Kids auffällt.

ich bin auch schlecht im nicht ehrlich sein und ganz schlecht im Begeisterung zeigen wo ichs nicht bin (das wäre manchmal nützlich)
Aber hey, wenn es drauf ankommt, kann ich mich auf sie verlassen und ihre Freunde auch, und das ist etwas das für mich wichtig ist.
und wer weiss, ob der Kleine auch mit 6 noch brav danke sagt

die wissen doch auch genau, wie sie niedlich sind
Ich bin auch schlecht im heucheln, allerdings gelingt es mir inzwischen oft, den guten Willen hinter einer Sache zu sehen und nicht ganz blöd zu reagieren.
Chef habe ich nicht ohne Grund keinen, ich bin ganz schlecht in der Untergebenerolle und - wie man mir sagt - überhaupt nicht teamfähig. Letzteres stimmt, ich hasse es, wenn jemand mir in meine Arbeit reinredet. Ich bin aber immer froh und dankbar für Hilfe und Unterstützung, wenn ich Fragen habe. Ich arbeite nicht gerne alleine, sondern bespreche gerne Sachen. Bearbeiten will ich meine Sachen aber selbst.
Mein Mann meint zu der ganzen Sache, dass Maxis Freund Y. genauso wäre und das an unserem antiautoritären Erziehungsstil liegt. Ich musste dann doch grinsen, weil ich einen Erziehungsstil nicht wirklich feststellen kann bei uns.

Wir geben einfach unser Bestes, besser / anders können wir nicht. Oder nur mit hartem Training.
Zuletzt habe ich einen empörten Menschenauflauf am Waldeingang vorgefunden, wo mein 6-jähriger bockig stand. Der Hund musste raus, der 6-jährige wollte nicht mit. Ich bin daher einen geraden Weg gegangen, von wo aus er mich und ich ihn sehen konnte. Tragen konnte ich ihn nicht und der Hund wollte auch ein bisschen spielen / rennen. Auf meine tollen Spielvorschläge als Ein-Hut-ein-Stock-ein-Damenunterrock" oder "Nichts reimt sich auf" hatte er keinen Bock. Darauf, den Hund Pipi machen zu lassen und dann nach hause zu gehen, hatte ich keinen Bock. Da muste er eben am Waldeingang warten. Übrigens fand er die Lösung auch fair.
Ach, es ist alles schwierig. Gestern hat er erst die Parkplatschilder aus der Erde gezogen und dann seine Schuhe das Treppenhaus runtergeworfen. Folge: er musste die Schilder wieder reinhämmern (hat er gemacht) und die Schuhe holen (hat er nicht gemacht, deshalb musste er heute barfuss gehen, im Kiga hat er Gummistiefel).
Ich schreib immer nur so blöde Sachen, dabei ist er auch so toll. Ich könnte auch seitenweise tolle Sachen schreiben, die schreibe ich aber nicht hier, sondern in mein Tagebuch abends. Also, nicht, dass ihr denkt, ich habe einen Totaltyrannen. Er ist ein superduper Kind mit anstrengenden Seiten.