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Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 04.11.2015, 13:00
von Maral
Liebe Alessia,

es tut mir sehr leid, dass ihr euch grade so quälen müsst. Ich hoffe sehr, dass ihr bald einen Weg finden könnt, eine schöne und entspannte Babyzeit zu verbringen.

Darf ich dir von der Stillzeit mit meiner ersten Tochter erzählen? Denn in Vielem was ich von euch lese, erkenn ich mich wieder.

Ich kannte das Stillen ja vom Zusehen bei meiner Frau. Bei ihr lief es grob vereinfacht so: Baby hat Hunger, kommt an die Brust, trinkt genüßlich und wird dann müde und zufrieden zum Schlafen oder Kuscheln abgelegt. Die Gewichtszunahme aller ihrer Kinder war immer vorbildlich.
Ich habe nie in Frage gestellt, dass es bei mir anders sein könnte. War es aber. Es begann schon im Krankenhaus mit einer Kinderschwester, die mir mit einem achtlos dahingeworfenen Satz mein Selbstvertrauen in die Stillfähigkeit meines Körpers arg erschüttert hat: "Sie lassen Ihr Baby aber nicht hungern, oder?", als ich mit quängelndem Baby aus dem Stillzimmer kam.
In den folgenden Wochen wunde Brustwarzen, Milchstaus, zu viel Milch, zu wenig Milch, stagnierende Gewichtskurve beim Baby...

Bei meiner Frau klappte Stillen problemlos, und bei mir nicht? Also muss ich was falsch gemacht haben, dachte ich, und habe wie eine Verrückte jeden noch so kleinen Stilltipp umgesetzt, habe Stunden verbracht mit Brust kühlen, wärmen, ausstreichen, sterilisieren von Pumpe usw.. Besser geworden ist es dadurch trotzdem nicht. Im Gegenteil, ich war so gestresst und mit den Nerven am Ende, dass ich Wochen später schmerzgeplagt als heulendes Bündel Elend den Entschluss fasste, nicht mehr vollstillen zu können.

Genau wie bei dir war das Baby mit zusätzlichem Fläschchen wie ausgewechselt, hatte sonnige Laune (und sich übrigens auch genauso wie du es beschreibst erbrochen) und schlief viel länger am Stück. Mein schlechtes Gewissen, dass ich mein Baby zuvor wochenlang aus egoistischer Ideologie hungern gelassen habe, war heftig. Schwupp, hatte ich den nächsten Milchstau und damit quasi die Bestätigung, eben nicht vernünftig stillen zu können.

Rückblickend bin ich mir sicher, meine seelische Verfassung und meine Probleme mit der Brust sind Hand in Hand gegangen. Und dass mein Baby mit Fläschchen erstmal zufriedener war, lag auch an meiner Erwartungshaltung. Wie Teazer so schön schrieb, liegt man nach einem deftigen Schweinebraten mit Knödeln erst mal im Verdauungskoma :D . Und anders als beim Stillen kann man den "Ernährungserfolg" an der Skala auf der Flasche ablesen. Wir moderne Menschen sind es gewohnt, über so vieles Kontrolle zu haben. Die Smartphone-App klingelt zur nächsten Flaschenmahlzeit und protokolliert auch gleich die Trinkmenge (und spuckt dann vielleicht noch das zu erreichende Zielgewicht unseres Babys aus, haha). An der Brust hast du das nicht, das kann verunsichern. Ich habe jedes Zetern und jedes Motzen als Versagen meiner mütterlichen Fähigkeiten gedeutet. Natürlich habe ich gewusst, dass Babys anstrengend sind, dass sie nach ihrnen eigenen Zeiten leben und sich in keinen Terminkalender quetschen lassen. Aber trotzdem war ich der Meinung, wenn ich nur alles richtig mache, dann muss mein Baby rundum satt und zufrieden sein und alles ist gut.

Wenn ich darf, dann möchte ich dir den Tipp geben, die Vernunft mal auszuknipsen. :lol:

Ernsthaft, ich fühle soo sehr mit dir mit, du Ärmste! Egal, was man macht, es ist falsch, die blöden Sche*ß-Milchstaus kommen immer wieder, die Bruswarzen stressen und ans Verlassen des Hauses ist mangels Rythmus nicht zu denken. Dabei macht man eigentlich alles richtig. Frustriert und trotzig hab ich dann das ganze Drumherum auf ein Minimum reduziert, hab den Wecker, der mich alle zwei Stunden an die Einnahme homöopathischer Kügelchen erinnern sollte an die Wand geklatscht (ist durchaus wörtlich zu nehmen :oops: ), und habe nur noch gemacht, was mir ganz unmittelbar gut getan hat. (Dem vorausgegangen war übrigens ein heftiger Streit mit meiner Frau, die mich unterstützt hatte wo sie nur konnte, aber sah, dass ich mich nur noch im Kreis gedreht habe).

Eis vorm Fernseher nachmittags um drei? Genemigt.
Brust kühlen, obwohl laut Lehrbuch wärmen drangewesen wäre, einfach weil es sich richtig angefühlt hat? Jupp.
Schmerzmittel genommen? Auch, obwohl ich laut Hebamme eigentlich mal ohne auskommen sollte (NEIN, ich rate nicht zum Arzneimittelmissbrauch, du verstehst schon).
Kurz gefasst, ich habe mich auf mein Wohlbefinden konzentriert (soweit ich es mir zugestehen konnte...). Und ganz langsam haben sich die Knoten gelöst. Ja, auch die Knoten in der Brust :lol:
Ich habe zunächst Fläschchen gegeben, einfach weil ich viel zu fertig war um mich erneuten Stillkonflikten zu stellen. Habe die Brust als besonders genossenes Dessert für meine Tochter gesehen. Und nach und nach haben wir unseren Takt zum vollstillen gefunden, ohne dass wir danach gesucht hätten.

Für mich war der Knackpunkt, meine Erwartungshaltung an mich und ans Stillen und auch an den möglichst bald stabil etablierten Wach-Schlaf-Rythmus meiner Tochter loszulassen.

Liebe Alessia, ich bin kein Stillmod, aber: Gönn dir jeden kleinen Luxus, den du haben kannst und gehe die Sache so entspannt wie es dir möglich ist, an. Ein zu verzweifeltes Festklammern am Stillen hat mir damals im Weg gestanden. Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass ihr entspannter ans Ziel kommt!

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 06.11.2015, 14:33
von Teazer
Hallo Alessia,

wie geht es Euch?

Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 05:08
von Alessia
Hallo Teazer,

Ich würde gerne gutes Feedback geben, aber es ist eher durchwachsen. Letzte Woche hatte ich versucht den Kleinen so oft wie es geht anzulegen. Leider reicht aber die Milchmenge nach wie vor nicht. Ich höre kaum Schluckgeräusche, im schlafenden Zustand wird ewig genuckelt, im wachen Zustand wird die Brust angebracht bzw. dagegen gehauen. Der Kleine weint direkt nach dem Stillen. Er tut mir so leid, dass ich ihm dann doch noch Flasche gebe. Ich kann ihn doch nicht hungern lassen. Hast du da einen baby freundlichen Tipp, wie man da ohne Flasche auskommt?

Am Wochenende waren wir mit meinem Mann jeweils 4 Stunden aus dem Haus. Ich brauche diese Ausflüge, weil ich ansonsten in der Woche das Haus nicht verlasse. Logischerweise kann ich draußen unmöglich 1 Stunde lang stillen. Also immer nur kurz angelegt. Die Rache kam schnell. Die Brust war vollständig leer auch Stunden nach dem wir zurück waren. Es ist schade, weil ich die Ausflüge nicht so genießen kann. Ich weiß ja, was dadurch kommt. Warum "merkt" meine blöde Brust, wenn weniger gefordert wird, interessiert sich aber null für Cluster Feeding. Das mit Nachfrage und Angebot funktioniert bei mir irgendwie nur in eine Richtung.

Ich würde so gerne voll stillen. Aber seit dem ich Zufüttern auf 1-2 Fläschchen jeweils 120 ml reduziert habe, nimmt der Kleine wieder nicht mehr zu. Er hat sogar 100 Gramm wieder abgenommen. Und ist wieder quengeliger geworden. Für mich ist eindeutig, dass er permanent Hunger hat und ich frage mich, ob das noch gesund ist und es Wert ist dafür zu kämpfen? Was denkst du? Kann nicht dauerhaftes Hungergefühl in diesem Alter sich später negativ auswirken?

Es gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Diese Nacht hatte ich um 22:00, dann um Mitternacht, um 1:30, 2:00, 2:30, 3:00 und jetzt seit 4:00 Uhr ununterbrochen, also über eine Stunde. Da hat man verdammt viel Zeit zum Nachgrübeln...

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 11:05
von Teazer
Hallo Alessia!

Tut mir leid, dass es nicht besser läuft. Das ist sicher sehr anstrengend. Ich kann Deine Traurigkeit und Sorge verstehen. Ich bin überzeugt, dass wir das Ruder herum reißen können und Ihr bald zufrieden voll stillen könnt. Da Du anfangs genügend Milch hattest, stehen die Chancen auch sehr gut, dass Du bald vollstillen wirst.
Alessia hat geschrieben:Leider reicht aber die Milchmenge nach wie vor nicht. Ich höre kaum Schluckgeräusche, im schlafenden Zustand wird ewig genuckelt
Nicht jedes Baby macht Schluckgeräusche, viele stillen ganz leise. Dauernuckeln im Halbschlaf ist kein Zeichen für zu wenig Milch. Das machen die meisten Babys, denn es beruhigt sie.
im wachen Zustand wird die Brust angebracht bzw. dagegen gehauen.Der Kleine weint direkt nach dem Stillen. Er tut mir so leid, dass ich ihm dann doch noch Flasche gebe. Ich kann ihn doch nicht hungern lassen.
Es kann gut sein, dass die Flasche maßgeblich zu Eurem Problem beiträgt. Zum einen reduziert jede gegeben Flasche die Nachfrage an Deiner Brust. Zum anderen werden viele Babys vom Sauger verwirrt und wissen nicht mehr wie sie an der Brust trinken können. Die Technik von Sauger und Brust ist nämlich völlig verschieden. Daher macht es Sinn, stillfreundlich zuzufüttern. Dann hat das Baby die Chance sich ganz auf das Stillen zu konzentrieren und bekommt gleichzeitig genügend Nahrung.
Hast du da einen baby freundlichen Tipp, wie man da ohne Flasche auskommt?
Ja, da gibt es viele Möglichkeiten. Dafür müssten wir systematisch zusammen arbeiten. Wenn Du von mir engmaschig begleitet werden möchtest, bräuchte ich einige Daten von Dir. Das Vorgehen sähe so aus:

Du besorgst eine Babywaage aus der Apotheke (die kann man dort leihen). Mit dieser wiegst Du dann täglich unter den gleichen Bedingungen (siehe Grundinfo Gewichtskontrolle).

Diese Dokumentation ergänzt Du um

- die Stillhäufigkeit
- die Zufüttermenge (PRE und ggf. Muttermilch)
- die Windeln (alle ausschließlich nassen als Urin, alle schmutzigen als Stuhl)

Alle diese Daten postest Du dann täglich hier, so dass ich sehen kann, ob die Entwicklung gut ist. Das sähe so aus:

02.04. 3050 g Geburt KH
05.04. 2800 g Entlassung KH
09.04. 2900 g Hebamme
15.04. 3060 g Hebamme
15.05. 3800 g, 11x gestillt, 150 ml PRE, 50 ml MuMi, 0x Stuhl, 5x Urin
16.05. 3770 g, 12x gestillt, 130 ml PRE, 50 ml MuMi, 3x Stuhl, 4x Urin
17.05. 3810 g, 10x gestillt, 130 ml PRE, 50 ml MuMi, 2x Stuhl, 5x Urin


Bitte schreibe mir alle Gewichtsdaten auf, die Du hast, mit Klardatum und wer gewogen hat. Wenn Du es noch rekonstruieren kannst, dann schreibe auch die Zufüttermengen der letzten Tage auf.

Parallel würden wir an der Milchsteigerung arbeiten und stillfreundlich zufüttern (s.o.). Welche Methode für Euch passt, gucken wir gemeinsam. I.d.R. kommt das Brusternährungsset oder ein Becher zum Einsatz. Beide sorgen dafür, dass Dein Baby effektiv an der Brust üben kann, ohne durch Sauger verwirrt zu sein.
Am Wochenende waren wir mit meinem Mann jeweils 4 Stunden aus dem Haus. Ich brauche diese Ausflüge, weil ich ansonsten in der Woche das Haus nicht verlasse. Logischerweise kann ich draußen unmöglich 1 Stunde lang stillen. Also immer nur kurz angelegt. Die Rache kam schnell. Die Brust war vollständig leer auch Stunden nach dem wir zurück waren.
Woran machst Du fest, dass die Brust leer ist?
Es ist schade, weil ich die Ausflüge nicht so genießen kann. Ich weiß ja, was dadurch kommt. Warum "merkt" meine blöde Brust, wenn weniger gefordert wird, interessiert sich aber null für Cluster Feeding. Das mit Nachfrage und Angebot funktioniert bei mir irgendwie nur in eine Richtung.
Angebot und Nachfrage können sich nur aufeinander einstellen, wenn sie ungehindert sind. Da Du momentan zufütterst entsprechen sie ja nicht 1:1. Wir werden die Zufütterung in einer Geschwindigkeit reduzieren, in der Deine Brust sich an den tatsächlichen Bedarf gewöhnen kann.
Ich würde so gerne voll stillen. Aber seit dem ich Zufüttern auf 1-2 Fläschchen jeweils 120 ml reduziert habe, nimmt der Kleine wieder nicht mehr zu. Er hat sogar 100 Gramm wieder abgenommen. Und ist wieder quengeliger geworden. Für mich ist eindeutig, dass er permanent Hunger hat und ich frage mich, ob das noch gesund ist und es Wert ist dafür zu kämpfen? Was denkst du? Kann nicht dauerhaftes Hungergefühl in diesem Alter sich später negativ auswirken?
Unser Ziel ist immer ein zufriedenes, gut genährtes Kind. Wenn wir gemeinsam systematisch daran arbeiten Deine Milchmenge auf den Bedarf Deines Sohnes anzuheben, dann wird er definitiv nicht hungern.
Es gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf. Diese Nacht hatte ich um 22:00, dann um Mitternacht, um 1:30, 2:00, 2:30, 3:00 und jetzt seit 4:00 Uhr ununterbrochen, also über eine Stunde. Da hat man verdammt viel Zeit zum Nachgrübeln...
Beim Grübeln drehen sich die Gedanken irgendwann im Kreis. Den ersten Tipp, den ich Dir geben möchte: Guck nicht auf die Uhr. Das macht einen völlig kirre. Gerade nachts stillen Babys häufig. Deshalb ist es wichtig, es sich richtig bequem zu machen. Mit zunehmendem Alter und Erfahrung kannst Du ihn irgendwann einfach andocken und weiter schlafen.

Gerne helfe ich Dir auf dem Weg zum zufriedenen Vollstillen. Du bist nicht mehr allein mit Deinen Fragen und Sorgen. Möchtest Du es mit mir zusammen anpacken?

Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 11:54
von Alessia
Hallo Teazer,

Leider stimmt etwas mit Forum nicht. Ich schreibe lange Antworten und das Forum "friert" plötzlich ein. Dann kann ich die Antwort nicht speichern und absenden und alles geht verloren. Das Problem tritt auf dem Tablett auf. Hier schreibe ich mit einer Hand und es ist schon mühsam genug. Daher versuche ich mit kurzen Antworten und Gedanken über den Tag verteilt. Ist es OK so?

Meine erste Frage: soll ich ihn nuckeln lassen? Gerade schläft er an der Brust mit BW im Mund, nuckelt leicht und schläft ansonsten ziemlich fest. Ziehen und Schlucken tut er nicht. Wenn ich ihn jetzt abdocke, dann wird er wach und weint. So angedockt kann er locker Stunde schlafen. Was soll ich tun? Ich möchte nicht als Schnuller "missbraucht" werden. Wenn es mal wäre, ist OK. Aber das macht er mehrmals am Tag. Ich kann mich nicht bewegen und frage mich, ob es der Sache dient. Wenn er weint, dann lege ich ihn sofort wieder an und er nuckelt dann weiter. Wenn er nicht weint, dann schläft er im Arm und lässt sich nicht ablegen. Wird dann wach und weint. Ich habe also 3 Möglichkeiten : angedockt lassen und Schnuller spielen, oder schlafen lassen und Matratze spielen oder weinen lassen. Was soll ich machen? Und zählt diese Zeit als Wach- oder Schlafzeit oder als Stillzeit?

Alessia

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 12:48
von Schlumpentump
Hallo Alessia,

ich möchte dir was zum Thema nuckeln schreiben. Mein Baby hat die ersten Monate auch am liebsten dauernuckelnd im Arm geschlafen. Ich glaube, das ist genetisch so programmiert, denn so stellen die Kleinen jederzeit sicher, dass sie nicht allein sind (schlaue Dinger sind das :wink: ). Zwischenzeitlich war ich auch verzweifelt und dachte, das hört niiiiee auf, aber weißt du was? Das gibt sich von ganz allein. Die Wachphasen werden mehr, aus 5 Schläfchen werden 3 längere und insgesamt werden sie einfach älter. Meinen Kleinen konnte ich mit ca. 6 Monaten erst schlafend ablegen (in einer Phase mit sehr geringer Zuahme übrigens), ganz plötzlich, ohne dass ich irgendetwas anders gemacht habe als die 562314 Versuche zuvor...

Ich habe es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht wenn er müde wurde, ihn zum Schlafen in der Zeit entweder auf dem Arm gelassen (und die Auszeiten mit Buch, TV oder so etwas sehr genossen) oder ins Tragetuch genommen. Beim Einbinden ist er zwar wieder aufgewacht aber hat dann noch kurz am Finger genuckelt und weiter geschlafen oder war wach zufrieden. Das könnte dir auch Entlastung bringen, hast du eine gute Tragehilfe?

Also aus eigener Erfahrung würde ich ihn nuckeln lassen (solange du es eben gut aushälst), denn auch trocken nuckeln ist ja gut für die Milchbildung. Und dein Baby ist noch sooo klein, der tankt da eben auch ganz viel Sicherheit und Mama dabei. Beim ersten Kind konnte ich mich darauf nicht einlassen, ich fand diese Zeit des Rumsitzens immer irgendwie vertan... Mittlerweile sehe ich das anders, denn in dieser Zeit kümmerst du dich ja trotzdem und ganz besonders um die Bedürfnisse deines Babys und hilfst ihm beim Großwerden. Es ist abgedroschen aber wahr, aber plötzlich sind sie groß und brauchen diese Nähe gar nicht mehr.

Du machst das toll, euch alles Gute!

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 13:04
von Teazer
Hallo Alessia!
Alessia hat geschrieben:Leider stimmt etwas mit Forum nicht. Ich schreibe lange Antworten und das Forum "friert" plötzlich ein. Dann kann ich die Antwort nicht speichern und absenden und alles geht verloren. Das Problem tritt auf dem Tablett auf. Hier schreibe ich mit einer Hand und es ist schon mühsam genug. Daher versuche ich mit kurzen Antworten und Gedanken über den Tag verteilt. Ist es OK so?
Klar. :) Gehst Du mit Tapatalk oder über die Browser-App ins Forum?
Meine erste Frage: soll ich ihn nuckeln lassen? Gerade schläft er an der Brust mit BW im Mund, nuckelt leicht und schläft ansonsten ziemlich fest. Ziehen und Schlucken tut er nicht. Wenn ich ihn jetzt abdocke, dann wird er wach und weint. So angedockt kann er locker Stunde schlafen. Was soll ich tun? Ich möchte nicht als Schnuller "missbraucht" werden.
Diese Frage kann ich nicht mit ja oder nein beantworten. Tatsache ist, dass unsere Babys Säuglinge sind und das Saugen auch unabhängig von der Nahrungsaufnahme brauchen. Auch das trockene, non-nutritive Stillen hat eine Auswirkung auf die Milchbildung.

Ich kann gut verstehen, dass Du Dich eingeschränkt dadurch fühlst. Daher gilt es, im jeweiligen Moment abzuwägen, wie die Situation für alle zufriedenstillend gelöst werden kann.

In manchen Situationen ist das Tragen in Tuch oder Tragehilfe eine Alternative. Manchmal ist es das Beste, es sich stillend auf Bett oder Sofa bequem zu machen, z.B. mit einem schönen Buch, einer DVD oder dem Tablet. Ein andermal ist es vielleicht gut, den kleinen Finger zum Nuckeln anzubieten oder während des Tragens zu stillen.

Dein Baby erwartet zu nuckeln. Das braucht er um sich regulieren zu können. Mit der Zeit wird er es immer weniger brauchen. Das ist die normale Entwicklung.
Wenn es mal wäre, ist OK. Aber das macht er mehrmals am Tag. Ich kann mich nicht bewegen und frage mich, ob es der Sache dient.
Aus physiologischer Sicht: ja. Das bedeutet aber nicht, dass Du es immer "aushalten" musst.
Wenn er weint, dann lege ich ihn sofort wieder an und er nuckelt dann weiter. Wenn er nicht weint, dann schläft er im Arm und lässt sich nicht ablegen. Wird dann wach und weint. Ich habe also 3 Möglichkeiten : angedockt lassen und Schnuller spielen, oder schlafen lassen und Matratze spielen oder weinen lassen. Was soll ich machen?
Weinen lassen ist nicht die Lösung, aber das siehst Du sicher auch so. Evolutionsbiologisch sind wir Mütter tatsächlich Schnuller und Matratzen für unsere kleinen Babys. Wir kennen das bloß nicht, weil uns Kinderzimmer-Kataloge erzählen, dass alle Babys friedlich in ihren Bettchen schlafen und sich nur zum Stillen melden. Aber so sind nicht alle Babys von Natur aus. Die meisten brauchen ihre Mama (oder einen anderen vertrauten Erwachsenen) als ihr "Bett" und die Möglichkeit jederzeit an die Brust zu gehen.
Und zählt diese Zeit als Wach- oder Schlafzeit oder als Stillzeit?
Der Anthropologe und Schlafforscher James J. McKenna sagt dazu: "There is no such thing as infant sleep, there ist no such thing as breastfeeding, there is only breastsleeping."

Bei Babys macht es keinen Sinn Schlafen und Stillen gedanklich zu trennen. Zur Beruhigung brauchen Babys die Brust. Nur beruhigt können sie ein- und weiterschlafen. An der Brust haben sie die Sicherheit nicht verloren zu gehen. Unsere Babys haben Steinzeitgene und ihr Sicherheitsprogramm lautet: immer nah bei Mama bleiben.

Das kann für uns Mamas sehr anstrengend sein. Wir sind es nicht gewohnt 24h am Tag einem Menschen verpflichtet zu sein, der uns so stark braucht wie ein Baby. Das Gute ist jedoch, dass diese so intensive Zeit recht kurz ist. Schon bald wird Dein Kleiner sich von Dir fort bewegen, die Welt erkunden. Auch dann noch wirst Du sein sicherer Hafen sein. Aber anders als jetzt.

Ich bin davon überzeugt, dass Dir vieles leichter fallen wird, wenn Du die Gewissheit hast, dass Dein Sohn gut an Deiner Brust versorgt wird.

Daran arbeiten wir jetzt. Der erste Schritt dazu ist, dass Du ihn bewusst regelmäßig anlegst: tagsüber nach spätestens 2h, nachts nach 3h (jeweils von Stillbeginn zu Stillbeginn gerechnet).

Wechselstillen und Brustkompression sind Methoden, das Stillen effektiver zu gestalten. Wenn Du das für 20-30 min jeweils machst, hat Dein Sohn eine ordentliche Portion Muttermilch im Bauch.

Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 14:59
von Alessia
@Schlumpentump, danke für Deine Erfahrung. Ich lasse ihn meistens nuckeln, aber glücklich macht es mich nicht.

@Teazer, danke für Deine Antwort. Ich musste ein paar Mal schmunzeln. Da hast Du nett geschrieben. Ich gehe vom Tablet ohne App oder Tapatalk rein. Vielleicht sollte ich mit einer App probieren.

Aber jetzt weitere Frage:
Nach dem der kleine Mann fertig genuckelt hat, konnte ich halbe Stunde mit ihm spielen, da war er wieder hungrig. Ich habe ihn angelegt. Meine Brust fühlt sich wirklich leer. Ich weiß, wie es ist, wenn es weich aber voll ist. Also habe ich nicht viel erwartet. Der Kleine saugte rechts mit paar kräftigen Zügen und deutlichen Schluckgeräuschen. Dann saugte er gut weiter, aber die Schluckgeräusche waren weg. Nach einigem Saugen fing er an zu knottern, dann den Kopf mit der Brustwarze ruckartig zurückzuziehen, dann mit der Hand gegen die Brust schlagen, dann BW loslassen und die Brust anbrüllen. Ich versuche dann auszustreichen und da kommt wirklich nichts, nicht ein Tropfen. Ich lege ihn an die andere Seite und da macht er wieder genau das Gleiche, einige kräftige Züge und Schlücke, dann Saugen, feststellen, dass nichts kommt und Randale. Das ganze dauert keine Minute. Als ich ihn da wütend sah, habe ich ihm die Flasche gegeben. Was hätte ich sonst machen sollen? Was wäre richtiges Verhalten?

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 15:22
von Alessia
Und gleich eine weitere Frage: wenn er schläft und ich wecke ihn, damit er trinkt, dann weint er beim Aufwachen, nimmt zwar die Brust, schläft aber sofort wieder ein und nuckelt. Ich habe es noch nie geschafft, ihn zum Trinken zu zwingen, wenn er nicht will. Es hat schon damals beim Milchstau nicht funktioniert. Jetzt klappt es genau so wenig. Entweder hat er Hunger und saugt gut, oder er pennt direkt an der Brust ein und jegliche Bespaßung schlägt fehl. Es ist also schwierig alle zwei Stunden anzulegen, da er teilweise 3-4 Stunden am Tag schläft (dafür kommt er nachts jede Stunde, aber das ist eine andere Geschichte). Mir geht's darum, ihn jetzt, wo er schläft zum Saugen zu kriegen. Was ich bereits ohne Erfolg ausprobiert habe:
- Ausziehen
- Wechselstillen (müsste small 30 Sekunden gemacht werden und das stresst uns beide)
- Kopf, Nacken, Handflächen, Füße, Rücken kraulen
- Fernseher laut anmachen
- Wickeln
Hast du da vielleicht ultimativen Tipp? Denn, wenn er nicht saugt, dann wird auch nichts produziert.

Re: Milchstau alle 1-2 Tage

Verfasst: 09.11.2015, 15:23
von blauelagune
Richtig oder falsch ist immer schwierig zu beantworten.

In der Situation hätte ich meinem Kind wieder die andere Seite gegeben. Soweit ich weiß, wird die Milch auch während des Stillens gebildet.

Alles Gute für Euch!