Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen
Verfasst: 20.02.2015, 13:32
ich habe jetzt eine gegenantwort kopiert, weiss nicht ob erlaubt? Quelle posth rüdiger, forum rund ums baby
Hallo, die so genannte Festhaltetherapie, die von Jirina Prekop in Deutschland verbreitet worden ist, ist ein Versuch, gestörte Bindung bei behinderten und seelisch auffälligen Kindern zu heilen. Aber dieser Ansatz beruht auf der fehlerhaften Grundannahme, dass man Gefühle erzwingen kann, die nicht existieren. Bindung muss wachsen, und sie entsteht durch die einfühlsame Beziehung zwischen Mutter und danach auch Vater und Kind hauptsächlich in den ersten 3 Lebensjahren. Konnte die Bindung nicht entstehen, entwickeln sich gestörte Verhaltensmuster im Sinne der desorganisierten Bindung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass man durch das Festhalteprogramm im Nachhinein eine gestörte Bindung heilen kann. Es ist sogar gefährlich, solche Maßnahmen durchzuführen, denn die Abneigung des Kindes gegen die Zielperson der misslungenen Bindung kann dadurch in Hass umschlagen. Schließlich nimmt man dem Kind seinen Freiheitsdrang und unterdrückt die Selbstbestimmung. So betrachtet gibt es auch rechtliche Bedenken gegen diese Vorgehensweise, die sich selbst als Bindungstherapie verkauft.
zitat ende.
zum Thema ausweinen lassen, bzw selbst beruhigen.
wieder quelle posth rüdiger, forum rund umd baby
Ein Säugling ist z.B. kein kleiner Erwachsener und ein Säugling ist auch kein Wesen, das es schaffte, allein mit seine emotionalen Zuständen fertig zu werden, auf jeden Fall nicht mit den schlechten. Da hilft es auch nicht, ihm ein Recht darauf anzudichten. Vielmehr ist es die Pflicht seiner Bezugspersonen, richtig zu reagieren. Die Natur hat dieses Verhältnis von beschützendem Erwachsenen und schutzlosem Säugling -sagen wir durch evolutorische Erfahrung- gezielt so eingerichtet, damit die ersten Grundlagen zu einem funktionieren Sozialverhalten unter Menschen schon vom ersten Tag an angelegt werden.
Der Säugling hat nichts davon, aus irgendeinem konstruierten menschlichen Rechtsemfinden heraus zu schreien, um damit irgendwelche nie nachweisbaren Gefühle zu verarbeiten. Auch ein Wille dazu existiert bei ihm nicht. Er ist von der Natur zu Willenlosigkeit angehalten, damit er sich den sozialen Zuwendungen seiner Bezugspersonen nicht aus falscher Selbsteinschätzung widersetzt. Den Willen entwickelt er ziemlich kompliziert aus den positiven Zuwendungen seiner Mitmenschen und seinen eigene dranghaften Handlungen. Der Wille ist ein unterdrücktes "ich muss oder lasse zu". Am Anfang als Säugling kann er nur zulassen. So ist es z.B. für den Säugling von überlebenswichtiger Bedeutung, dass er seine primäre Bezugsperson liebt, egal wie sie aussieht, wie sie riecht oder wie sie sich sonst verhält. Entscheidend ist, dass sie für ihn immer treusorgend und fürsörglich da ist, wenn er sie braucht. Gerät sie aus seinem Blickfeld und aus der Zone der Erreichbarkeit, überfällt ihn über kurz oder lang Angst (Urangst), dass sie ihn verloren oder vergessen hat, und er schreit nach ihr, notfalls sich auch die Kehle aus dem Leib. Dann aber braucht er kein starres Festhalten und schon gar keine Bezugsperson, die ihn schreien lässt, weil sie sich einredet, er können damit schlechte Gefühle abbauen. Der Säugling kennt wenigstens meiner Auffassung nach (das ist vielleicht etwas Neues in der Entwicklungspsychologie) keine Trauer, nicht einmal Traurigkeit, denn dafür müsste er kompliziert denken können. Angst und Wut reichen der Natur, um die ersten und wesentliche Bedürfnisse eines Menschen nach außen ausreichend zu signalisieren. Gelingt es dem Säugling nicht, darüber seine Bedürfnisse gestillt zu bekommen, verfällt er in einen Zustand der Stumpfheit und Gefühllosigkeit, den Rene Spitz richtig als anaklitische Depression bezeichnet hat und nicht in Trauer (die er dann per Weinen die Gefühle verarbeitend für sich nutzen könnte). Geschieht das über lange Zeiträume und fehlt die primäre Bezugsperson ganz, entstehen daraus Deprivation und Hospitalismus.
Ich will an dieser Stelle abbrechen, obwohl noch viel mehr zu sagen wäre, um nur die wesentlichen Fakten in der psychoszialen Entwicklung des Menschen zu erwähnen. Ich wollte zeigen, dass sehr viel zu bedenken ist, bevor man etwas einigermaßen Zuverlässiges über die Empfindungswelt der Säuglinge aussagen kann. Das wollte ich mit dem Beispiel der Impfung im körperlichen Bereich zum Ausdruck bringen. Ob etwas in dieser Aussage stichhaltig ist oder nur ein Konstrukt der Vorstellungen aus der Erwachsenenwelt, lässt sich heutzutage ganz gut durch die bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung nachprüfen. Ich meine, da mit meinen eigenen Ansichten auf einem sehr guten Kurs zu liegen. manch Andere können das, glaube ich, nicht von sich sagen. Ihre beiden letzten Sätze zeigen, dass Sie auf dem richtigen Wege sind. Viele Grüße und verzeihen Sie meine Ausschweifigkeit
Hallo, die so genannte Festhaltetherapie, die von Jirina Prekop in Deutschland verbreitet worden ist, ist ein Versuch, gestörte Bindung bei behinderten und seelisch auffälligen Kindern zu heilen. Aber dieser Ansatz beruht auf der fehlerhaften Grundannahme, dass man Gefühle erzwingen kann, die nicht existieren. Bindung muss wachsen, und sie entsteht durch die einfühlsame Beziehung zwischen Mutter und danach auch Vater und Kind hauptsächlich in den ersten 3 Lebensjahren. Konnte die Bindung nicht entstehen, entwickeln sich gestörte Verhaltensmuster im Sinne der desorganisierten Bindung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass man durch das Festhalteprogramm im Nachhinein eine gestörte Bindung heilen kann. Es ist sogar gefährlich, solche Maßnahmen durchzuführen, denn die Abneigung des Kindes gegen die Zielperson der misslungenen Bindung kann dadurch in Hass umschlagen. Schließlich nimmt man dem Kind seinen Freiheitsdrang und unterdrückt die Selbstbestimmung. So betrachtet gibt es auch rechtliche Bedenken gegen diese Vorgehensweise, die sich selbst als Bindungstherapie verkauft.
zitat ende.
zum Thema ausweinen lassen, bzw selbst beruhigen.
wieder quelle posth rüdiger, forum rund umd baby
Ein Säugling ist z.B. kein kleiner Erwachsener und ein Säugling ist auch kein Wesen, das es schaffte, allein mit seine emotionalen Zuständen fertig zu werden, auf jeden Fall nicht mit den schlechten. Da hilft es auch nicht, ihm ein Recht darauf anzudichten. Vielmehr ist es die Pflicht seiner Bezugspersonen, richtig zu reagieren. Die Natur hat dieses Verhältnis von beschützendem Erwachsenen und schutzlosem Säugling -sagen wir durch evolutorische Erfahrung- gezielt so eingerichtet, damit die ersten Grundlagen zu einem funktionieren Sozialverhalten unter Menschen schon vom ersten Tag an angelegt werden.
Der Säugling hat nichts davon, aus irgendeinem konstruierten menschlichen Rechtsemfinden heraus zu schreien, um damit irgendwelche nie nachweisbaren Gefühle zu verarbeiten. Auch ein Wille dazu existiert bei ihm nicht. Er ist von der Natur zu Willenlosigkeit angehalten, damit er sich den sozialen Zuwendungen seiner Bezugspersonen nicht aus falscher Selbsteinschätzung widersetzt. Den Willen entwickelt er ziemlich kompliziert aus den positiven Zuwendungen seiner Mitmenschen und seinen eigene dranghaften Handlungen. Der Wille ist ein unterdrücktes "ich muss oder lasse zu". Am Anfang als Säugling kann er nur zulassen. So ist es z.B. für den Säugling von überlebenswichtiger Bedeutung, dass er seine primäre Bezugsperson liebt, egal wie sie aussieht, wie sie riecht oder wie sie sich sonst verhält. Entscheidend ist, dass sie für ihn immer treusorgend und fürsörglich da ist, wenn er sie braucht. Gerät sie aus seinem Blickfeld und aus der Zone der Erreichbarkeit, überfällt ihn über kurz oder lang Angst (Urangst), dass sie ihn verloren oder vergessen hat, und er schreit nach ihr, notfalls sich auch die Kehle aus dem Leib. Dann aber braucht er kein starres Festhalten und schon gar keine Bezugsperson, die ihn schreien lässt, weil sie sich einredet, er können damit schlechte Gefühle abbauen. Der Säugling kennt wenigstens meiner Auffassung nach (das ist vielleicht etwas Neues in der Entwicklungspsychologie) keine Trauer, nicht einmal Traurigkeit, denn dafür müsste er kompliziert denken können. Angst und Wut reichen der Natur, um die ersten und wesentliche Bedürfnisse eines Menschen nach außen ausreichend zu signalisieren. Gelingt es dem Säugling nicht, darüber seine Bedürfnisse gestillt zu bekommen, verfällt er in einen Zustand der Stumpfheit und Gefühllosigkeit, den Rene Spitz richtig als anaklitische Depression bezeichnet hat und nicht in Trauer (die er dann per Weinen die Gefühle verarbeitend für sich nutzen könnte). Geschieht das über lange Zeiträume und fehlt die primäre Bezugsperson ganz, entstehen daraus Deprivation und Hospitalismus.
Ich will an dieser Stelle abbrechen, obwohl noch viel mehr zu sagen wäre, um nur die wesentlichen Fakten in der psychoszialen Entwicklung des Menschen zu erwähnen. Ich wollte zeigen, dass sehr viel zu bedenken ist, bevor man etwas einigermaßen Zuverlässiges über die Empfindungswelt der Säuglinge aussagen kann. Das wollte ich mit dem Beispiel der Impfung im körperlichen Bereich zum Ausdruck bringen. Ob etwas in dieser Aussage stichhaltig ist oder nur ein Konstrukt der Vorstellungen aus der Erwachsenenwelt, lässt sich heutzutage ganz gut durch die bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung nachprüfen. Ich meine, da mit meinen eigenen Ansichten auf einem sehr guten Kurs zu liegen. manch Andere können das, glaube ich, nicht von sich sagen. Ihre beiden letzten Sätze zeigen, dass Sie auf dem richtigen Wege sind. Viele Grüße und verzeihen Sie meine Ausschweifigkeit