Liebe Strahl,
ich springe mal vorübergehend mit ein heute. Ich hoffe, das ist okay für Dich

.
Zunächst mal: ich lese bei Dir gerade einen ganz großen Motivations- und Energieschub heraus - das ist toll

! In so einer Situation möchte man am liebsten alles gleichzeitig angehen und verändern - ich kenn das, ich bin auch so ungeduldig

. Ich möchte dennoch eeeetwas bremsen und dazu ermutigen, einen Schritt systematisch nach dem nächsten zu gehen. Ich erklär auch gleich, warum:
Strahl hat geschrieben:Liebe Tania,
ich habe gestern die Pumpe auf der Seite gelegt da ich irgendwie das Gefühl habe dass sie es nicht wirklich brauchen ....Ich finde die menge die ich an FMilch gebe nicht so viel . Ich versuche mal ohne vor ich die Waage hole.
Die 24-Stunden-Trinkmenge eines Stillbabys ist von mehreren Faktoren (Alter, Geschlecht, Gewicht, Gesundheitszustand etc.) abhängig. Lawrence und Lawrence geben in "Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession", Ausgabe 1999, folgende Durchschnitts-Trinkmengen (in ml, mit Standardabweichung) in 24 Std. an:
jünger als ein Monat 673 +/- 192
1 bis 2 Monate 756 +/- 170
2 bis 3 Monate 782 +/- 172
3 bis 4 Monate 810 +/- 142
4 bis 5 Monate 805 +/- 117
5 bis 6 Monate 896 +/- 122
Deine Kinder sind jetzt zwei Monate alt. In diesem Alter liegt die Tagestrinkmenge der meisten Babys irgendwo im Bereich von ca. 600 bis 950 ml.
Am Sonntag schriebst Du Abends:
bis jetzt seit in der Früh um 9 haben sie 270ml ( 150ml von fertige Milch) der Junge und
390ml (100ml von Fertige Milch) das Mädchen
Je nachdem, ob die Tagestrinkmenge Deines Mädchens eher bei 600 oder eher bei 950 ml liegt, entsprechen 390 ml also bis zu 65 % des Tagesbedarfs, die Du bisher (mehr oder minder regelmäßig?) per Flasche zugefüttert hast.
Dass Du eine bestimmte Menge Milch durch Pumpen gewinnen kannst, ist toll

,
bedeutet aber leider NICHT, dass Dein Baby momentan in der Lage ist, die gleiche Menge aus der Brust zu bekommen. Besonders bei Deiner Tochter scheinen Probleme zu bestehen, effektiv an der Brust zu trinken. Du schreibst von Schmerzen beim Stillen und von schnellem Einschlafen an der Brust - beides können Hinweise darauf sein, dass Deiner Tochter der Wechsel von der Flasche an die Brust noch nicht so gut gelingt und sie ineffektiv und mit noch unzureichender Technik saugt. Auch sehr lange Nuckelzeiten können darauf ein Hinweis sein.
Zudem sind die Stillabstände, die Du beschreibst sehr groß:
Strahl hat geschrieben:Die Nacht war wunderbar !!!um 24Uhr alle beide zusammen angelegt....um 4 dann wieder....allerdings mit eine kurze Einsatz um 5:15 meines Mannes damit sie einschlaffen (das habe ich immer noch nicht geschafft , sie zusammen zum schlaffen zu bringen....und dann um 9 wieder zusammen an der Brust .
Einmal vier Stunden, einmal fünf Stunden Abstand (gerechnet wird immer
vom Beginn der Mahlzeit an) sind sehr große Stillpausen in dem Alter!
Gut gedeihende Stillkinder haben haben
normalerweise 8-12 erfolgreiche Stillmahlzeiten in 24 Stunden - als Orientierung sagt man: tagsüber spätestens zwei Stunden nach Beginn der letzten Mahlzeit wieder anbieten, nachts nach drei Stunden.
Wenn Stillprobleme bestehen, ganz besonders dann, wenn per Flasche zugefüttert wird/wurde (und zudem ein Schnuller im Einsatz ist), ist es wichtig, systematisch an eine Reduktion der Zufüttermenge heranzugehen. Systematisch bedeutet in Absprache mit der Hebamme, dem Kinderarzt oder einer kompetenten Stillberaterin (vor Ort oder online):
* schrittweise
* langsam und
* gut durch Daten abgesichert (=Gewichtsentwicklung, Anzahl der Stillmahlzeiten pro Tag, Anzahl der Windeln)
vorzugehen.
So ist jederzeit sichergestellt, dass beide Babys gut versorgt sind und mit den Veränderungen der Zufütterart und -menge auch langfristig gut zurecht kommen.
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Es ist supertoll, dass Du es nun schon so oft geschafft hast, beide Kinder gleichzeitig anzulegen!
Lass uns jetzt, wo so viel Bewegung in die Sache gekommen ist, diesen wunderbaren Schwung nutzen, um die Sache gemeinsam, gut abgesichert und systematisch anzugehen. Was meinst Du? Magst Du das versuchen?
Tania wird Dich gern auf diesem Weg begleiten - dazu braucht sie aber Deine Hilfe in Form von Daten. Das ist für die Internet-Beratung unerlässlich.
Strahl hat geschrieben:Ich habe heute gestillt und gestillt und gestillt. Keine FM gegeben und nichts gepumpt. Sie haben nicht geschrien und waren auch ganz ruhig. Ich glaube inzwischen dass sie keine FM brauchen. Sie sind auch richtig proper !!! Ich meine wenn ich andere lese meine Junge braucht sicher keine FM und das Mädchen glaube ich auch. Es wird sich zeigen...ich mache weiter so.
Da "bei Mama an der Brust sein" sich toll anfühlt und wunderbar beruhigend ist, lässt sich am Verhalten allein leider nicht einschätzen, ob ein Baby genügend Milch bekommt, um gut zu gedeihen - dafür braucht es die schon erwähnten Daten: Gewichtsentwicklung, Ausscheidungen (= Windelzahl) und Anzahl der täglichen Stillmahlzeiten.
In diesem Text können Du und Dein Mann (prima, dass er zuhause ist, und sich jetzt auch mit einlesen kann in die Thematik!

) genau nachlesen, wie das funktioniert:
Grundinfo Gewichtsentwicklung - Gedeihen - Gewichtskontrolle
Eine
moderne elektronische Babywaage bekommt Ihr in der Apotheke geliehen (gegen geringe Gebühr).
Bis der momentane "Ist-Zustand" festgestellt ist, möchte ich Dir ans Herz legen, Änderungen sehr behutsam vorzunehmen und die Zufüttermenge erstmal relativ konstant zu halten. Mach Dir erstmal keine Gedanken, falls Du es mit dem Pumpen nicht in so großem Umfang schaffst und evtl. mehr PRE gibst. Sobald Deine Kinder effektiv an der Brust trinken, steigerst Du die Milchmenge auch schnell wieder auf das schonmal erreichte Niveau, ganz sicher.
Deine Kinder wurden zu Weihnachten (24.12.) zuletzt gewogen, richtig? Haben Hebamme oder Kinderarzt seitdem noch weitere Wiegedaten, die Du erfragen könntest?
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Meine konkreten Vorschläge sind:
1. Dokumentation beginnen, wie im verlinkten Text beschrieben. Wichtig: es reichen auch einfache STRICHLISTEN für den Überblick:
einen Zettel mit zwei Spalten (eine Spalte der Junge, eine Spalte das Mädchen) an den Wickeltisch und dann ein Strich für jede nasse Windel oder Töpfchenpipi machen. Ist Kaka in der Windel, wird statt des Strichs ein Kringel gemacht. Am Ende des Tages ein Querstrich und den neuen Tag hinschreiben usw.
Genauso beim Stillen: für jede erfolgreiche Stillmahlzeit, bei der gut gesaugt und geschluckt wurde, ein Strich in die Spalte des jeweiligen Kindes. Zettel auf den Nachttisch/in die Hosentasche/...
Zufüttermengen in der Küche aufschreiben, wo die Fläschchen vorbereitet werden und der übrige Rest weggekippt wird.
Einmal täglich zählen und hier posten.
2. Für
jedes Kind mindestens 10-12 Mahlzeiten täglich anpeilen (effektive Stillmahlzeiten oder Flasche mit MuMi oder PRE). Dabei die Brüste unter den Kindern regelmäßig abwechseln.
3.
ganz bald eine Waage besorgen und mit dem Wiegen beginnen, wie im Text beschrieben.
4.
Schnuller auf ein Minimum reduzieren: Saugbedürfnis und Nahrungsbedarf hängen eng zusammen. Bei Saugbedürfnis also wann immer möglich stillen, sonst lieber den kleinen Finger anbieten als den Schnuller (und/oder Tragen). Habt Ihr evtl. eine Federwiege, in der Du mal eins der Kinder ablegen und nebenbei schuckeln kannst (gibt es sogar als Zwillingsmodelle)?
5. Gemeinsam mit Tania (oder mit dem Kinderarzt oder einer Beraterin/der Hebamme vor Ort) an der Verbesserung der Stilltechnik arbeiten und systematisch die Reduktion der Zufüttermenge angehen.
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Wenn Du Sorge hast, dass das Zufüttern wegen der Flasche die Stilltechnik Deiner Babys bis dahin (weiterhin) beeinträchtigen könnte, und DESHALB jetzt so zügig reduzieren möchtest, könntest Du mit Tania auch über eine geeignete
stillfreundliche Zufüttermethode sprechen. Beispielsweise mit dem Softcup könnte Dein Mann mal eins der Kinder versorgen, während Du mit dem anderen in Ruhe das Anlegen übst. Softcupgeben geht mit ein bisschen Übung genauso gut wie Flaschegeben, beeinflusst aber die Saugtechnik Deiner Kinder nicht negativ.
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Ich bin zuversichtlich, dass sich der Aufwand ganz bald auszahlen wird!

Was denkst Du dazu? Fragen immer gern!
LG, blueberry