lalelu2 hat geschrieben:Und ehrlich gesagt, finde ich die Idee das ganze Haus auf einmal zu entrümpeln bisher noch eher befremdlich. Nur mal abgenommen, ich hole aus allen Ecken des Hauses sie Klamotten zusammen, Winter, Sport, Karneval, bereist gepackte Altkleidersäcke und sortiere sie, das würde ich vermutlich innerhalb von einem Tag gar nicht schaffen. Auserdem finde ich die Vorstellung von riesigen Kleidebergwn eher demotivieren, bis jetzt finde ich die FlLykadSchritte besser, aber vielleicht kommt das beste noch.
Diese Art des Entrümpelns (alles auf einmal) macht total Sinn und ist wesentlich effektiver. Ich habe meinen Kleiderschrank an einem Nachmittag geschafft. Ich mache mir Einteilungen, die ich schaffen kann. Also nicht alle Klamotten auf einmal, sondern ebend personenbezogen (wobei ich nie über die Sachen von meinem Mann entscheiden würde - das schreibt Marie Kondo auch).
Also habe ich an einem tristen Winternachmittag ALLE meine Sache aus dem Kleiderschrank geholt. Ich habe sie auf das Bett gelegt und war verblüfft, wie viel das tatsächlich ist. Ehrlich, vor dieser Aktion hätte ich geschworen, ich habe nichts anzuziehen

. Das Rausräumen geht schnell und unklompiziert. Der Schrank wird komplett leer gemacht, ausgewischt und dann fängt die "Arbeit". Du musst jedes Stück in die Hand nehmen und entscheiden, ob es bei Dir bleiben darf oder nicht. Nach einer Weile war ich richtig im - sprichwörtlichen - Groove und wußte beim Anfassen des Kleidungsstückes sofort, ob es mir gefällt, ob es mich glücklich macht, ob es mich kleidet. Ich habe dabei nicht geschaut, wie neu oder teuer die Sachen gewesen sind (ganz neu für mich, denn danach habe ich sonst IMMER geguckt beim Aussortieren). Ich habe mich immer nur gefragt "Machst Du mich glücklich?". Die Entscheidung kommt innerhalb von Bruchteilen von Sekunden - kein langes Überlegen. Ich habe alles nach Bauchgefühl entschieden. Alles was mich nicht mehr glücklich gemacht hat, habe ich ins Sozialkaufhaus gebracht - in der Hoffnung, dass es jemanden anders glücklich macht. Ich jedenfalls habe bis heute nichts davon vermisst.
Aber das eigentliche Wow-Erlebnis kam dann nach Fertigstellung: mein Kleiderschrank war sooo ordentlich und übersichtlich, wie noch nie in meinem Leben. Das Klamotten raussuchen und anziehen, macht richtig Spaß. Wäsche einräumen - kein Thema mehr. Der Anblick ist traumhaft. Und das ist jetzt ein Jahr her und im großen und ganzen konnte ich diesen wunderbaren Anblick beibehalten. Ein Erfolg für mich, den ich mit FlyLady nie geschafft hätte. Ich habe das schnelle Erfolgserlebnis unbedingt gebraucht. Es hat mich sehr motiviert.
Auch wenn Marie Kondo schreibt ALLE Sachen einer "Sorte", habe ich an jenem Nachmittag nur meinen Kleiderschrank gemacht und ein anderes Mal die Klamotten in meiner Kommode aussortiert. Ausserdem habe ich ihre Methode der Shirtaufbewahrung übernommen und auch die gefühlten tausend T-Shirts meines Mannes so eingeräumt und wir wollen das nicht mehr anders haben

.
So habe ich das mit den meisten Schränken und Schubladen gemacht. Und es hat funktioniert gut. Aber manchmal ebend auch nicht, wie bei meinem Bücherregal - ich habe alles in allem ca. 400 Bücher aussortiert. Aber ich brauchte dafür mehrere Durchgänge, da ich mich von Büchern schwerer trennen kann als von z. B. Klamotten. Auch wenn es nicht den Regeln des Magic Cleaning entspricht, finde ich das legitim. Denn oft merke ich erst nach und nach, was mir wichtig ist und Bedeutung hat. Ganz nach dem altbewährten Motto "Weniger ist mehr!" bin ich so in mehreren Durchläufen zu einem Bücherregal gekommen, dessen Anblick mir unglaublich viel Freude bereitet.
Hach, je mehr ich hier schreibe, desto dringender wird mein Wunsch, das Buch erneut zu lesen und dort weiterzumachen, wo ich aufgehört habe. Ich habe noch genug Ausmist-Potential, aber jetzt kommen die schwierigen Sachen, wie Fotos, Briefe, Schreibkram u. a. Vielleicht wähle ich als Einstieg auch noch mal meinen Kleiderschrank, denn nicht alles was ich behalten habe, hatte ich auch tatsächlich letztes Jahr an. Vielleicht macht es mich gar nicht mehr glücklich?
Wir brauchen viel weniger zum leben als wir denken. Das vergesse ich sehr leicht.