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AW: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 22.04.2012, 13:53
von eve
Ich möchte bei Dickkopf-Mama unterschreiben..
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★ vom Handy versendet ★
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 22.04.2012, 14:49
von Minchen
Ich lese hier auch still mit uns bin sehr beeindruckt - mich interessiert das Thema sehr, ich kann es mir aber mit eigenen (kleinen) Kindern nicht vorstellen.
Das Verhalten Deiner Tochter finde ich irgendwie normal - sie bekommt halt höchstwahrscheinlich deutlich weniger Aufmerksamkeit, als das "Baby" mit den Windeln - sie handelt da in meinen Augen ganz logisch, ich bin aber auch nur Laie...
Ansonsten möchte ich auch bei Dickkopf-Mama unterschreiben und mal festhalten, dass ein Monat eine sehr kurze Zeit ist. Er braucht sicher viel viel länger, um sich einzufinden und anzukommen. Er hat viel hinter sich und muss das erst verarbeiten (wenn er das überhaupt kann). Kennst Du Klöters? Dort wird irgendwo auch mal ein solcher Pflegekind-Fall beschrieben.
Ich wünsche Euch das Allerbeste.
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 22.04.2012, 21:26
von cornucopia
Ich schätze eure Meinungen und freue mich über die Anteilnahme. Ich möchte allerdings klarstellen, dass unser Sohn nicht auf Nahrungsentzug ist. Im Gegenteil er nimmt ja ziemlich deutlich zu, weil wir ihn essen und trinken lassen, was er möchte bzw. womit er klar kommt. Die Muttermilch gehört nicht zu seiner notwendigen Ernährung. Sie wird ihm auch nicht entzogen. Ich finde es aber schon wichtig, dass er lernt, dass es diese Leckerei nicht im Stehen gibt.
Und ja, es ist mir sehr wichtig, dass er körperliche Nähe lernt. Das ist auch nicht nur ein persönlicher Wunsch, sondern nach Meinung einiger Beraterinnen auch dringend erforderlich für seine weitere gedeihliche Entwicklung. Wozu bräuchten wir sonst auch ein Familienbett? Wozu die Tragehilfe (die er übrigens mag)? Ich fände es eine vorschnelle Schlussfolgerung, ihm keine Nähe mehr zu geben, weil er sie noch nie gekannt hat und deshalb nicht will und anscheinend auch nicht braucht. Lieber versuche ich, ihm immer wieder eine posititve Erfahrung mit körperlicher Nähe anzubieten, und da sehe ich das Fläschchen mit der abgepumpten Milch als einen hilfreichen Ansatz.
Außerdem sind wir keine Fachpflegefamilie (also z.B. mit einer Ausbildung in Psychologie, Sonderpädagogik oder so). Wir können nur das einbringen, was wir an persönlichen Ressourcen haben. Ganz stark sind wir eben im zärtlichen Körperkontakt und in der verbalen Kommunikation. Ein Kind, das darauf nicht anspricht, ist bei uns einfach falsch platziert. Deshalb haben wir nur diese Chance, ihn für unsere Ressourcen zu gewinnen. Wir möchten ihm nicht zumuten, wieder ins Heim oder noch mal in eine andere Familie zu müssen. Die Möglichkeit steht aber immer noch im Raum und wird das sicher auch noch eine ganze Weile.
Nein, ich erwarte keine Wunder in Tagen oder Wochen. Lasst uns mal nächstes Jahr um diese Zeit gucken, falls er dann noch bei uns ist.
Unterstützung von außen ist schwierig. Man kann alles beantragen, muss aber selber mit einem Vorschlag kommen, welche Art von Unterstützung man braucht, also Therapie xy in der-und-der Institution oder so. Auf diese Weise habe ich mir Supervision eingefordert. Aber ich habe keine Ahnung, welche Art von Hilfe für unseren Jungen sinnvoll und hilfreich wäre, also kann ich auch nichts beantragen. Ich fand es ja schon mal toll, dass uns die Frühförderfrau an die Logopädin verwiesen hat und dass meine Internistin mir ein Rezept dafür ausgestellt hat, obwohl sie den Kleinen gar nicht kennt.
Wie ich schon sagte ist das Stillen and er Brust längst in den Hintergrund getreten. Es ging mir dabei auch nie um Selbstverwirklichung, sollte der Eindruck fälschlicherweise entstanden sein. Es ging darum, ihm und auch mir zu helfen, durch Nähe eine Bindung aufzubauen. Bindung ist das, was ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Wie sonst soll Bindung entstehen wenn nicht durch Nähe und positive körperliche Zuwendung? Und natürlich durch körpereigenes Oxytocin. Wenn wir das mit der Bindung nicht hinkriegen, ist der Rest sowieso vergebliche Liebesmüh. Das sieht man ja auch an schlecht laufenden Beziehungen zwischen leiblichen Eltern und Kindern.
Sollte unser Weg also nicht der passende sein, gibt es keinen anderen Weg. Wir sind nur Menschen und können uns nicht völlig selbst verdrehen. Dann muss wirklich ein Elternpaar ran, das von seiner Ausbildung her befähigt ist, flexibel zu reagieren und erlernte Methoden anzuwenden. Ich kann Erziehung nur intuitiv und aus dem Bauch heraus.
Und ja, natürlich ist es normal, wie meine Tochter reagiert. Trotzdem nehme ich das nicht leichtfertig hin, sondern mache mir Gedanken auch um sie. Schließlich wollen wir, dass alle in dieser neuen Familienkonstellation zu ihrem Recht kommen und wenigstens annähernd glücklich, mindestens aber zufrieden sind.
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 24.04.2012, 11:46
von kruemelkeks83
Ich bin sehr beeindruckt von dem, was ihr da leistet und dem Kleinen versucht zu bieten.
Ich wünsche euch viel Kraft!
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 24.04.2012, 12:02
von Minchen
Ich hoffe, Du hast meinen Beitrag nicht als Kritik empfunden, eigentlich wollte ich Dir Mut machen, dass das alles vollkommen normal erscheint...

Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 07.05.2012, 12:23
von Urmeline
Hallo,
wollte dir erstmal etas Kraft schicken.....ich kann mir ansatzweise vorstellen wie es ist wenn man ständig abgewiesen wird denn meine (leibliche) Tochter hat es auch nicht akzeptiert von anderen, auch vom Vater nicht, auf den Arm genommen etc. zu werden. Nur meine Mutter, meine Schwester und mich bei anderen hat sie sich gewunden und geschrien.
Mit zunehmendem Alter wurde es besser heutzutage geht sie wenn Sie es möchte auch auf die anderen Familienmitglieder zu....bei meiner Tochter wurde eine Wahrnehmungsstörung; zudem KISS festgestellt ich kann nur vermuten das es damit zusammenhängt.
Warst du schonmal im SPZ oder dergleichen ?
ganz liebe Grüße
Christine
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 12.05.2012, 12:19
von cornucopia
Ihr Lieben,
hier mal wieder ein Zwischenstand. Es geht inzwischen ein wenig besser. Der Kleine trinkt morgens und abends insgesamt ca. 450 ml. Knapp 200 davon sind abgepumpte Muuttermilch. Ich sammele sie über den Tag, und abends gibt es das ins Fläschchen, ergänzt durch Pulvermilch. Und neulich hat er sogar mal „spaßeshalber“ eine Brustwarze in den Mund genommen, dann aber auch gleich zugebissen.
Das zeigt jedoch auch, dass er schon viel mehr Nähe zulässt als zu Beginn. Da hat sich durchaus einiges getan. Wenn es so weitergeht, bin ich zufrieden. Aber ich bin auch realistisch genugt zu wissen, dass es immer wieder Rückschläge geben wird. Und so ist es auch prompt gekommen. Ich bin gerade arbeitsbedingt nicht zu Hause, und mich ereichte die Nachricht meines Manns, dass sie eine Krise haben und er nun auch versteht, dass wir Supervision brauchen. Was auch immer das heißen soll – ich werde es wohl erst heute Nacht nach meiner Rückkehr erfahren.
Jedenfalls habe ich in der zurückliegenden Woche schöne Momente erlebt, wo der Kleine zu mir oder zu meinem Mann kam, um Sicherheit zu tanken. Das war bei der Frühförderung und im Musikgarten, aber auch zu Hause. Er bleibt dann zwar nicht lange auf dem Schoß, aber er weiß, wo er Schutz und Sicherheit bekommt. Und er wehrt sich auch nicht mehr ganz so vehement auf dem Wickeltisch. Und er hat gestern sogar Tomate gegessen – bisher ging noch kein Obst oder Gemüse durch seinen Hals. Er hat auch die Breiphase hinter sich. Ich hatte ja in den ersten Wochen alles Essen püriert, doch er will nur noch von unserem Teller essen. Da ist also schon ganz viel passiert.
Was mich aber sehr hoffnungsfroh stimmt, ist sein sonniges Gemüt. Er hätte ja allen Grund, in Depressionen zu verfallen. Aber er ist ein Clown, soweit man das in diesem Alter schon sagen kann. Er hat eine fröhliche, optimistische Grundhaltung, die allerdings durch Frusterlebnisse schnell in ein Rumpelstilzchen-Verhalten kippt. Daran müssen wir noch arbeiten, doch das bleibt sicherlich eine lebenslange Aufgabe.
Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 12.05.2012, 19:29
von Ellipirelli
Zwei Schritte vor, einer zurück!
Geb den kleinen Mann nicht auf, ich finde es toll wie ihr das macht.
Bin gespannt was dein Mann meinte und hoffe es ist nichts zu schlimmes passiert.
Lg
iPhone- Worterkennung ist mein Untergang.
Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 12.05.2012, 20:24
von Melli22
Ellipirelli hat geschrieben:Zwei Schritte vor, einer zurück!
Geb den kleinen Mann nicht auf, ich finde es toll wie ihr das macht.
Bin gespannt was dein Mann meinte und hoffe es ist nichts zu schlimmes passiert.
Lg
iPhone- Worterkennung ist mein Untergang.
Seh ich genauso... Bin sehr gespannt wie sich das bei euch alles entwickelt
Pflegekind stillen - Relaktation
Verfasst: 31.05.2012, 13:27
von CarpeDiem
Wie geht es Euch jetzt?
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