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Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:05
von cocotte
hennnamae hat geschrieben: Ich weiß, übelstes Schubladenbeispiel
Und!? Warum schreibst du es dann trotzdem????
Sorry, hennamae, aber mich regt diese Argumentation wirklich total auf.

Und ja genau: Es geht hier um eine SPIELGRUPPE und um eine Kommunikation à la "Schau mal da", "Komm mal her", "Möchtest du XY vielleicht dein Spielzeug geben?", "Ich möchte dir die Nase putzen" oder was halt so zwischen Mutter und Kind abläuft. Nicht um etwas wirklich konspiratives, mein Gott.
asujakin hat geschrieben:Wir hatten dieses Problem mal am Arbeitsplatz...da haben Kollegen sich untereinander ab und an in der Muttersprache unterhalten. Trägt nicht unbedingt zum Teamgefühl bei...
Das verstehe ich wirklich gut, Asu, aber ich finde, dass man das nun wirklich nicht mit einer Waldspielgruppe für Kinder vergleichen kann.

Mein Mann spricht immer Französisch mit den Kindern, wenn wir uns in Spielgruppen oder im Bekanntenkreis unter Kindern aufhalten, wo keiner diese Sprache wirklich versteht, dann versucht mein Mann immer, Wichtiges in beiden Sprachen zu formulieren, damit die anderen Kinder eben auch verstehen, um was es geht.
Aber ich finde es wirklich ziemlich blöde von der Gruppenleiterin, darin etwas Unhöfliches oder sogar eine "Ausgrenzung" zu sehen, dass eine Mutter mit ihrem Kind eben in der Muttersprache spricht.

Als Lösungsvorschlag für die Threadstarterin:
Das Thema noch mal ansprechen, der Dame sagen, dass dich das ziemlich getroffen hat, was sie zu dir sagte. Und als Kompromiss einfach wichtige Dinge übersetzen, bzw. halt in beiden Sprachen sagen.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:07
von Susanne
@hennnamae

Ich kann dir aus Erfahrung sagen das ein Kind was zu Hause nur die Sprache der Mutter spricht und in den Kindergarten geht automatisch die Landessprache lernt.Auch ein Kind was in der 1.Klasse noch nicht die Landessprache spricht,war meinem Grossen so,wird er es in einigen Monaten aufholen.In der 1.Klasse sind diese Kinder vielleicht etwas schlechter in der Schule,weil sie zu Hause vielleicht die Vorschuluebungen in einer anderen Sprache gemacht haben,aber warte mal ab,wie das Ganze sich im Verlaufe der Schulzeit aendern kann,dann kommen diese auslaendischen Kinder besser zurecht in der Schule als die Kinder die zum Schulanfang schon lesen konnten.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:09
von hennnamae
Seerose hat geschrieben:
hennnamae hat geschrieben: Also soll die muslimische Hausfrau brav weiter ihre Muttersprache sprechen, bloß kein Deutsch lernen, damit das Kind wenigstens kein falsches Deutsch lernt?
:shock: Also von Muslimen war nirgends die Rede. Religion und Sprache mischt sich auch nicht gut.

Aber um die Frage zu beantworten, wenn man mich fragen würde:
Ja, die nichtdeutsche Mutter sollte weiter ihre Muttersprache mit ihrem Kind sprechen, wenn (hab ich schon mal geschrieben heute) Mutter und Kind sich dabei wohl fühlen.

Mein Beispiel, das mir am nächsten ist, ist die beste Freundin meiner Tochter, eine evangelische Christin (nur wegen oben:), deren Mutter mit ihr beharrlich ein grausliges Deutsch spricht nach dem Motto "wenn wir schon äußerlich so auffallen, dann wenigstens nicht akkustisch auch noch auffallen"... Sehr traurig diese Aussage. :(
Also lieber kein Deutsch als falsches Deutsch, richtig? Damit es das dann in der Grundschule von den Lehrern - die es ja richtig können - beigebracht bekommt und noch mehr bei der Bildung benachteiligt wird?
Das richtige Deutsch konnte o. g. Kind während einer vierjährigen Kindergartenvollzeit gut lernen, aber die falsche Grammatik der Mutter stiftete wohl Verwirrung wodurch das Kind, das nun in der ersten Klasse ist, erhebliche Nachteile hat.

Eigentlich schrieb ich das vorherige Posting nur für lala, quasi als Erklärung. Wollte keine neue Diskussion anstoßen.
Ich wollte es nur weiterspinnen, und das ist nun mal ein nicht zu verachtender Anteil an Kindern mit nicht-deutschen Eltern. Ich hab ja gesagt, Klischee-Kiste. Das war nicht böse gemeint, nur lernen dort gerade oft die Frauen kein Deutsch (nein, das ist kein Klischee, ich hab eine Arabistik- und Islamwissenschaftlerin im Freundeskreis, die dorthingehend viele Projekte betreut), was den Kindern zum Nachteil gereicht. Und die gehen eben oft NICHT in den Kindergarten und holen da auf.

Ich find diese Einstellung reichlich kurz gedacht, da das ein Hauptproblem bei der Integration darstellt und es schwer macht, diese Kinder in der Gesellschaft so einzugliedern, wie es eigentlich ihren Fähigekeiten im Allgemeinen entspräche.

Sprache ist eine unsichtbare Grenze und mir läge sehr viel daran, diese gemeinsam mit meinen Kindern zu "überwinden", wenn wir in einem Land leben würden, in denen nicht unsere Muttersprache gesprochen wird. Mehr Sprache kann eine Bereicherung sein - aber nur, wenn man sich dadurch nicht ausgrenzt :?

Tja, wir leben (zum Glück) in einem Kaff. Aber ich muss im Krabbel- und Kindergartenalter noch nicht die internationale Konkurrenzfähigkeit meiner Kinder im Auge behalten :roll:

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:20
von cocotte
hennnamae hat geschrieben:Aber ich muss im Krabbel- und Kindergartenalter noch nicht die internationale Konkurrenzfähigkeit meiner Kinder im Auge behalten :roll:
Ach so, klar, aber die Gruppendynamik! Die muss man natürlich im Auge behalten. Und die übelste Ausgrenzung der 10 anderen Kinder, weil EINE Mutter mit EINEM Kind in einer anderen Sprache spricht...


Und übrigens: Ich wohne auch in einem Kaff. Und wir hatten sogar projektmäßig eine französische Muttersprachlerin als Erzieherin im Kiga für 1 Jahr. DAS ist dann wohl ganz übel.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:21
von asujakin
Nein für mich ist das kein Unterschied...hatte ja auch vorgeschlagen einfach als Kompromiss beide Sprachen zu sprechen, sodass verstanden wird was gesagt wird aber gleichzeitig die gewohnte Muttersprache beibehalten wird.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:24
von Seerose
hennnamae hat geschrieben: ich hab eine Arabistik- und Islamwissenschaftlerin im Freundeskreis,
Ich hab bestimmt an die 20 o. g. im Freundeskreis, was nun auch kein Zufall ist und diskutiere seit Jahrzehnten dieses Problem (was mich nicht mehr befähigt als andere, aber um aufzuzeigen, daß ich mir durchaus seit langem darum Gedanken mache).
Ich find diese Einstellung reichlich kurz gedacht, da das ein Hauptproblem bei der Integration darstellt und es schwer macht, diese Kinder in der Gesellschaft so einzugliedern, wie es eigentlich ihren Fähigekeiten im Allgemeinen entspräche.
Ich finde wiederum Deine Einstellung reichlich kurz gedacht, da sie genau dieser Erkenntnis widerspricht:
Maja hat geschrieben: Die Forschung zur bilingualen Erziehung sagt ganz klar: one parent - one language. Und wenn ein Kind, welches die Landessprache vom anderen Elternteil aus lernt und (fast) perfekt spricht, mal nicht mit anderen Kindern spielen will, dann liegt das wohl kaum an den Sprachkenntnissen.
Sprache ist eine unsichtbare Grenze und mir läge sehr viel daran, diese gemeinsam mit meinen Kindern zu "überwinden", wenn wir in einem Land leben würden, in denen nicht unsere Muttersprache gesprochen wird. Mehr Sprache kann eine Bereicherung sein - aber nur, wenn man sich dadurch nicht ausgrenzt :?
Leider hinkt der Vergleich, da "wir" andere Grundvoraussetzungen haben, wenn "wir" ein einem anderen Land sind.

Die Ausgrenzungen sind leider beidseitig und haben nicht nur mit Sprache zu tun.
Tja, wir leben (zum Glück) in einem Kaff. Aber ich muss im Krabbel- und Kindergartenalter noch nicht die internationale Konkurrenzfähigkeit meiner Kinder im Auge behalten :roll:
Da hast Du alles nun gründlich mißverstanden, wer spricht denn von "Konkurrenzfähigkeit"??? :shock:

Nein, im Gegenteil, das Thema Sprache beginnt (und endet meist, was die Perfektion betrifft) genau im Krabbel- und Kindergartenalter, leider. Der Zug für meine inzwischen 6jährige ist leider schon abgefahren.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:27
von Seerose
Ach so, vergesst mal "das Kaff", ich bin gerade wieder von meiner Nachbarin zusammengestaucht worden, weil ich angeblich wieder nicht geputzt hätte, das hat mich über "das Kaff" schimpfen lassen. :oops:

Ich finde gut, daß genau über "unser Thema" diskutiert wird, denn es liegt mir wirklich seit Jahren am Herzen.

Also weiter mit der Diskussion, aber lassen wir mal "das Kaff" außen vor.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:28
von cocotte
asujakin hat geschrieben:Nein für mich ist das kein Unterschied...
Echt nicht?

Also, in einer Spielgruppe, wo es nur um die Kommikation zwischen EINER Mutter und ihrem Kind geht, sehe ich das Problem irgendwie nicht.

Es wär vielleicht anders, wenn es jetzt um mehrere russisch sprechende Mütter in dieser Gruppe ginge, die sich dann ständig nur in der Muttersprache unterhalten. Dann könnte ich das Argument der Ab- bzw. Ausgrenzung nachvollziehen. Und dann könnte ich auch eine Gruppenleiterin verstehen, die dann eben gerne möchte, dass die betreffenden Mütter sich möglichst auf Deutsch verständigen sollen.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:31
von lala
hennnamae hat geschrieben:
Seerose hat geschrieben:
lala hat geschrieben:Was mich oft noch viel viel mehr stört bzw. innerlich aufregt: wenn Menschen, die nur gebrochen Deutsch sprechen, so mit ihren Kindern sprechen (falls sie es häufig tun sollten), weil ich einfach denke, das ist für die Kinder nachteilig.
Dazu mag ich nur mal kurz was schreiben, da ich an Beispielen sehe, warum dies getan wird.
Aus blanker Unwissenheit bzw. noch schlimmer, mit dem Anspruch nicht aufzufallen bzw. es allen recht zu machen. :(

Besonders häufig (meine Privatstatistik) machen die es, die nicht nur durch ihre Sprache auffallen sondern auch zudem durch womöglich weitere Dinge wie Äußerlichkeiten etc. Sie möchten an ihre Kinder weitergeben nicht aufzufallen, sich anzupassen und haben dadurch den Druck mit ihnen die ihnen fremde Sprache zu sprechen, die sie selbst nicht unbedingt gut beherrschen.

Der Druck scheint so groß zu sein (verständlicherweise wie man ja oft genug sieht an den Mitmenschen), daß auch ausführliche Erklärungen nichts nutzen, ob von Erziehern, Lehrern, von Freunden..

Der Lösungsansatz ware genau dort, den Menschen eben nicht diesen Druck zu machen, das andere anders sein zu lassen...
Also soll die muslimische Hausfrau brav weiter ihre Muttersprache sprechen, bloß kein Deutsch lernen, damit das Kind wenigstens kein falsches Deutsch lernt? Also lieber kein Deutsch als falsches Deutsch, richtig? Damit es das dann in der Grundschule von den Lehrern - die es ja richtig können - beigebracht bekommt und noch mehr bei der Bildung benachteiligt wird?

Ich weiß, übelstes Schubladenbeispiel - aber darauf läufts hinaus :wink:
Ich finde, da vermischen sich zwei Dinge, und zwar ganz gewaltig auf eine Art und Weise, die nicht gut tut: da ist zum einen der Spracherwerb eines Kindes, der aus falsch verstandener Anpassung heraus massiv gestört wird, denn das Kind lernt weder die Muttersprache der Mutter fehlerfrei, noch richtig Deutsch. Auf der anderen Seite ist da das Klischee von unselbständigen Frauen, die sich einer möglichen Integration durch mangelnde Sprachkenntnisse verwehren. In Bezug auf die Integration macht es meiner Meinung nach überhaupt keinen Unterschied, ob nun mit den Kinder brüchig Deutsch gesprochen wird oder nicht. Zumal hier eben die seltsame Vermischung stattfindet: da sprechen Frauen mit ihren Kindern schlecht Deutsch aus dem Wunsch heraus nicht noch mehr aufzufallen.

Und zu lieber kein Deutsch als schlechtes Deutsch (bezogen auf die Kinder): wieso sind bildungsmäßig diejenigen Kinder nicht benachteiligt, deren Eltern selbstbewusst die Zweisprachigkeit nicht ausleben, in Schubladen ausgedrückt die "guten" Ausländer? Die eben nicht ein falsches Deutsch mit ihren Kinder sprechen? Ich denke, das steht doch schon ein Aspekt der richtigen Antwort.

Bei uns im Kindergarten beim Sommerfest ergibt es sich immer mal, dass Eltern gleicher Herkunft sich in ihrer Muttersprache unterhalten und ich verstehe kein Wort. Ich freue mich dann immer eher für sie, dass sie mal einfach drauf los sprechen können. Wenn die Mütter ihre Kinder abholen kommen, dann spricht eigentlich nur eine belgische Mama französisch mit ihren Kindern. Viele andere sprechen Deutsch, was aber vermutlich auch daran liegt, dass diese Eltern oft selbst in Deutschland aufgwachsen sind und zwei Muttersprachen haben.

Re: Ist Mehrsprachigkeit unhöflich?

Verfasst: 20.12.2011, 15:32
von asujakin
Es geht um eine Gruppe. Ob sich nun 2 (Mutter und Kind) abgrenzen oder 2 (Mutter und Mutter) macht ja keinen Unterschied. Es ist für die anderen so, dass sie nichts verstehen. Dieser Fakt bleibt gleich und ich verstehe schon, dass man für alle in der Gruppe die gleichen "Regeln" haben möchte für das Miteinander.