Hmm ok, also in der Kombination klingt das schon nach einem Schub würde ich sagen. Also wird es sicher bald wieder besser!
Also, von jetzt auf gleich fünf Stunden lang nicht zu stillen ist vielleicht schon eine zu große Umstellung. So habe ich das nicht unbedingt gemeint

Es ging ja nur darum, nicht mehr unbedingt 10x am Tag mehr oder weniger aus Langeweile zu stillen - aber keinesfalls jetzt sofort annähernd abzustillen! Vielleicht kannst Du einen anderen Rhythmus finden für seine "Stillanfragen", z.B. 2x ablenken, beim dritten Mal stillen? Isst und trinkt er denn genug anderes? Vollstillkinder sind ja durchaus gewöhnt oft kleine Portionen zu sich zu nehmen, also vielleicht mag er auch tatsächlich öfter im Vorbeigehen mal von einer Banane abbeißen, einen Hirsekringel lutschen, einen Schluck Wasser trinken. Andererseits gibt es auch Kinder, die gut damit klar kommen, nur zu festen Mahlzeiten zu essen. Muss man wirklich ausprobieren.
Hat er etwas, was ihm beim Zahnen hilft? Beißring oder so? Wobei manche Kinder so ein Zeug auch hassen. Wie ist es mit Homöopathie: Osanit, Viburcol, Weleda Zahnungszäpfchen? Also natürlich nur wenn die Schmerzen ihn stark beeinträchtigen und er vielleicht deshalb gar nicht zur Ruhe kommt.
Also, wenn ich das richtig verstehe, hat er vor allem abends eine Schreistunde vor der Schlafenszeit? Das haben tatsächlich viel Kinder. Die Selbstregulation ist in dem Alter wirklich noch schwierig.
Es ist VÖLLIG ok, wenn Du ihn dann nicht stundenlang trägst, sondern einfach nur körperliche Nähe und Anwesenheit bietest. Zwei meiner Kinder hatten das auch, ich weiß, dass das sehr anstrengend ist. Kennst Du das Buch "Das 24h-Baby" von Sears? Darin gibt es hilfreiche Gedanken, auch wenn man kein "echtes Schreikind" hat, sondern einfach eins mit einer niedrigen Reizschwelle. Ich kann es Dir gerne per Post leihen, falls Du Bücher üblicherweise nicht erst nach zwei Jahren zurückgibst
Also, wenn er abends sowieso schreit, egal wie viel ihr tut, dann versucht es doch mal mit: weniger tun. Sehr viel weniger. So gut es geht, selbst in eine Akzeptanz und innere Ruhe kommen und dann versuchen, dem Kind diese innere Ruhe anzubieten zum Runterkommen. Sprich mit ihm vorher, erklär ihm kurz was Du tust, und dann sei einfach da. Also: "Du bist sehr müde und möchtest zur Ruhe kommen. Ich verstehe, dass Du deswegen weinst. Wir setzen uns jetzt hier hin, ich halte Dich, Du darfst weinen bis Du den Druck losgeworden bist." Und dann setzt Du Dich mit ihm in den Schaukelstuhl ODER auf den Boden ODER mit der Decke auf den Balkon und schaukelst sanft oder gehst auf und ab in einem monotonen Rhythmus, der unabhängig von seiner Reaktion ist. Du bleibst in Deinem Rhythmus, atmest möglichst tief und ruhig. Wenn Du möchtest, wiederhol immer in tiefem Tonfall die gleichen Floskeln, z.B. "Ich bin bei Dir. Ich bin da. Du bist hier bei mir. Ich bin bei Dir. Wir sind zusammen. Ich bin da. Du bist hier sicher. Ich passe auf Dich auf. Ich bin bei Dir, ..." Er kann weinen, schreien, toben, alles was er braucht um die Anspannung loszuwerden. Er ist ja nicht alleine. Das ist kein Schreienlassen! Er hat weiter ständig Körperkontakt und Nähe, aber darüberhinaus keine weiteren sich verändernden Reize, mit denen er wieder klarkommen muss. Am Anfang braucht er so vielleicht etwas länger als den wechselnden Interventionen, aber normalerweise funktioniert die neue Strategie innerhalb weniger Tage deutlich besser als das vorherige Muster.
Er wird bessere Kompensationsstrategien für die innere Unruhe finden als zu schreien oder stundenlang zappelig zu stillen. Aber das wird dauern, es ist eine Sache der Gehirnreifung. Leider ist es furchtbar anstrengend. Aber es ist seine eigene Reifungsleistung, ihr könnt hunderttausend Sachen machen und euch alle Arme und Beine ausreissen und den Rücken ruinieren, das wird es nicht beschleunigen. Das Beste ist tatsächlich, einen Weg zu finden, wie man selbst die innere Ruhe behalten kann und dann mit klarer Entschlossenheit einfach nur "da" ist, Nähe, Atemrhythmus und monotone Bewegungen/monotones Gemurmel anbietet und sein Kind den Rest machen lässt. Also viel mehr Leuchtturm im Sturm sein als ein hektisches Rettungsboot, was selbst mit rumgeschüttelt wird.
Wenn er beim Stillen nicht angefasst werden will ist das natürlich ok. Dann bleibt allerdings nur noch, ihn mit Worten zu mehr Sanftheit zu bringen. Akzeptiert er Deine Hand auf seinem Oberarm/Schulter/Oberkörper? Wenn dort etwas wärmender Druck ist nimmt das auch Anspannung raus, aber manche Kinder mögen das nicht.
Bleibt dran, wenn ihr durch diesen Schub durch seid wird es wieder für einige Wochen einfacher!