Natürlich kann man so lange vorne tragen, wie man will, aber es ist für die tragende Person nicht sehr physiologisch. Der beste und rückenschonendste Platz des Kindes für die tragende Person ist am Rücken.
Je schwerer das Kind, desto eher muss man eine Ausgleichshaltung einnehmen, was wiederum Rückenschmerzen nach sich ziehen kann.
Auch für das Kind ist es sehr wichtig, dass es etwa mit 3 bis 4 Monaten auf den Rücken kommt. Denn in dem Alter entwickelt sich sein Sehsinn: es lernt, nicht mehr nur in der Nähe scharf zu sehen, sondern auch in die Ferne. Sie lernen, von nahe auf weit zu fokussieren und umgekehrt.
Gerade dann ist es wichtig, die Kleinen nach hinten zu nehmen. Denn dann können sie lernen, die Bewegungen der Mutter 1 : 1 mit dem in Einklang zu bringen, was sie auch wahrnehmen. Sie speichern Bewegungsabläufe richtig herum und nicht "gegen die Fahrtrichtung". Die Vernetzung im Gehirn verläuft insgesamt ausgewogener.
Das ist die rein theoretische Sicht auf die Angelegenheit. In Praxis sieht es anders aus....
Da sind die Ängste, sich das Kind auf den Rücken zu binden, weil wir eine seh-zentrierte Kultur sind und das eine Fühlen beinahe schon verlernt haben - denn am Rücken kommuniziert man nicht etwa weniger mit dem Kind! Nur anders, eben übers Fühlen und weniger übers Sehen! Die nonverbale Kommunikation mit dem Kind am Rücken gehören zu meinen schönsten Erinnerungen an die Babyzeit meiner Töchter.
Oder die Angst, das Baby könnte herunterfallen beim Binden. Eine gute Beraterin hilft da sehr! Auch ich habe den Rucksack nicht alleine gelernt, das hat mir jemand beigebracht!
Oder vermeintliche Sachzwänge wie "keine Tragejacke" - dabei kann man mit wenig Geld (1 bis 2 Fleecedecken aus der IKEA und vielleicht einigen Druckknöpfen) einen Poncho herstellen. Solche Argumente sind meist ein Vorwand, um nicht das Kind hinten tragen zu "müssen", weil da irgendeine tiefer liegende Abneigung ist.
Das soll jetzt nicht anklagend sein! All die Ängste sind berechtigt und real. Ich möchte nur zeigen, dass es auch anders gehen könnte und dass es immer irgendeinen Ausweg gibt, wenn man nur etwas über den Tellerrand hinausschaut. Und wenn man es gerne so mag wie bis anhin, ist es auch voll OK - solange sich Mama und Kind wohl fühlen.
Ich wollte einfach Euch Infos geben, aber wie so oft im Leben ist es so, dass man Infos so umsetzt (und auch so umsetzen soll!), wie es am besten ins tägliche Leben passt. Auch wenn das nicht immer dem Ideal entspricht!
Herzliche Grüsse
Dorothea