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Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 03.02.2009, 17:47
von kja1985
Sandküste hat geschrieben:kja: so kam das bei mir auch an ;-) - ich habe das auch so verstanden.
Ich fühle jedoch nicht so - ich muss da keinen schützen.
Ich habe jahrelang nie darüber geredet, weil ich mich schämte.
Nun weiß ich, dass ich mich nicht dafür schämen muss.
Ne, ganz sicher musst du das nicht. Und ich fände es - wenn ich mir deine Geschichte so ansehe - total lächerlich, wenn ich schildern würde, dass meine Mama mich mal angeschrien hat oder ich mal eine unverdiente Ohrfeige verdient habe. Das sind Sachen, die verzeihbar sind und verblassen. Und viele viele andere Menschen wie du haben wirklich die Hölle durchmachen müssen. Da will ich nicht rumjammern a la "mir gehts so schlecht". Das fände ich widerum anmassend wenn ich mir die Lebensgeschichten von anderen Menschen so ansehe. Das Schlimmste was ich jemals erlebt habe ist der Tod meines Bruders und das ist eigentlich gar nicht schlimm, immerhin hatte ich fast 20 Jahre Zeit mit ihm.
Klar kann ich sagen, ich will meine Kinder nie damotivieren, blöd anreden, gängeln oder so....aber ich muss genauso klar sagen: ICH schaffe das nicht immer!!! (Und wenn jemand Tipps hat, wie das klappt - her damit! :-) )
Davon hab ich mich auch verabschiedet und siehe da - der Druck ist weg und komischerweise bin ich viel perfekter, seit ich nicht mehr den Anspruch an mich habe perfekt zu sein ;-)

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 03.02.2009, 17:49
von Lösche Benutzer 1828
kja1985 hat geschrieben:
Ne, ganz sicher musst du das nicht. Und ich fände es - wenn ich mir deine Geschichte so ansehe - total lächerlich, wenn ich schildern würde, dass meine Mama mich mal angeschrien hat oder ich mal eine unverdiente Ohrfeige verdient habe. Das sind Sachen, die verzeihbar sind und verblassen.


Davon hab ich mich auch verabschiedet und siehe da - der Druck ist weg und komischerweise bin ich viel perfekter, seit ich nicht mehr den Anspruch an mich habe perfekt zu sein ;-)
Letzteres muss ich auch mal probieren- an manchen Tagen bin ich förmlich zerfressen von schlechtem Gewissen udn liege abends heulend im Bett. Ich möchte halt so gerne alles perfekt machen -und daran muss ich ja wohl scheitern.

Lächerlich: nein, auch Dein "Leid" ist nicht lächerlich. Ganz sicher nicht und ich empfinde das auch nicht so. Woran mißt man so was denn?

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 03.02.2009, 17:56
von kja1985
Sandküste hat geschrieben:
Lächerlich: nein, auch Dein "Leid" ist nicht lächerlich. Ganz sicher nicht und ich empfinde das auch nicht so. Woran mißt man so was denn?
Ich glaube daran, ob es einem schwer auf dem Herzen liegt. Und das tut es bei mir nicht. Meine Eltern haben immer versucht das Beste für uns zu geben. Klaro haben sie manchmal Fehler gemacht. Aber keine, die ich nicht verzeihen könnte. Vielleicht liegt das auch daran dass meine Eltern die Gabe der Selbstkritik besitzen und sich für Fehler entschuldigen können. Selbst heute noch wenn mir mal was einfällt, was ich früher unschön fand. Das rechne ich ihnen hoch an.

Ich durfte meine ganze Kindheit lang Kind sein. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung und es tut mir sehr leid für dich, dass du soviel Verantwortung tragen musstest und so ungerecht behandelt wurdest *drück*

@whoopsy

Hab mir jetzt auch deinen Beitrag zu deiner Kindheit durchgelesen (hab bevor ich gesenft habe natürlich wieder nur die Hälfte gelesen) und auch für dich tut es mir unendlich leid. Du hattest wirklich eine schlimme Kindheit und ich habe vollstes Verständnis dafür wenn du das mit jemandem teilen möchtest. Bei mir sind die Dinge die ich anders machen würde eben wirklich nur Kleinkram und überhaupt nicht mit deiner Lebensgeschichte vergleichbar.

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 03.02.2009, 19:08
von milkshake
duduja hat geschrieben:Ich finde es total schwer (oder auch anmaßend? ;-) ) zusagen: Dies und Jenes tu ich nie!!!
Vor allem hat man selber seine Verletzungen, die man vielleicht beim Kind vermeiden kann, wenn man sehr bewußt an sich arbeitet und damit umgeht...
da gebe ich dir recht! und du hast da mit deinen vielen kindern noch viel mehr erfahrung als ich.

ich habe mir auch geschworen niemals zu schreien... und ich habe es doch getan.niemand ist unfehlbar.

ich klage meine eltern auch nicht an für ihr verhalten, ich merke ja jetzt selbst wie schwer es ist seine eigenen prägungen "abzuschütteln".

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 03.02.2009, 19:10
von milkshake
kja1985 hat geschrieben:@whoopsy

Hab mir jetzt auch deinen Beitrag zu deiner Kindheit durchgelesen (hab bevor ich gesenft habe natürlich wieder nur die Hälfte gelesen) und auch für dich tut es mir unendlich leid. Du hattest wirklich eine schlimme Kindheit und ich habe vollstes Verständnis dafür wenn du das mit jemandem teilen möchtest. Bei mir sind die Dinge die ich anders machen würde eben wirklich nur Kleinkram und überhaupt nicht mit deiner Lebensgeschichte vergleichbar.
dank dir. und jetzt verstehe ich auch besser was du meintest. habe wohl wieder nur mit meinem einen auge gelesen :wink:

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 10.02.2009, 22:23
von markan2211
Hallo,

es hat mich schon sehr berührt, was ich hier so alles gelesen habe... und leider kamen da wieder die vielen Dinge hoch, die ich so in meiner kindheit erlebt habe. Das schlimmt ist, dass meine Eltern sich dessen nicht bewußt sind, und vieles wohl auch falsch (aus meiner Sicht) gemacht haben, weil sie es nicht anders kannten. :(

Das größte Problem für mich an diesen Erfahrungen ist, dass mein Mann eine ganz andere Kindheit hatte. Seine Eltern sind zwar beide Ärzte gewesen, aber er hatte immer eine Oma da, die für ihn sorgte. Zudem hatte sich sein Bruder mit 18 aus liebeskummer das leben genommen und seine Eltern haben von da an sowieso alles erdenklich für ihn getan... aus heutiger sicht, auch nicht gerade der beste weg, aber absolut nachvollziehbar.... :(

nun kollidieren aber diese erfahrungen oftmals miteinander.... sind wir uns auch in vielen dingen sehr einig, was die erziehung angeht, ich sehe oft meinen Vater vor mir, der mich immer sehr klein gemacht hat ( sein standardspruch... du kannst nichts, du bist nichts, und du weißt nichts!).... nicht dass mein mann jemals so mit unseren kids umgehen würde.... himmel nein.... aber der gedanke kommt mir ganz oft, und ich reagiere dann oftmals völlig übertrieben, wenn er doch mal etwas lauter wird, was ja eigentlich absolut menschlich ist :oops: er ist dann natürlich auch sauer und sagt, ich bin nicht dein vater!

ist mir ja klar, aber ich bin da echt geprägt... ach prügel war bei uns an der tagesordnung... hatte nicht selten ein blaues auge... meine großmutter wollte meinen vater sogar mal anzeigen... ich habe sie angebettelt es nicht zu tun.... heute weiß ich, dass er einfach mit dem leben und allem total überfordert war... sicher keine entschuldigung... aber ich kann es zumindest bedingt verstehen..... und das schlimme daran ist, mir ist auch schon mal die hand ausgerutscht... nicht ins gesicht, aber auf den po hat meine kleine auch schon mal nen klaps bekommen... mir war sofort auch meine hilflosigkeit klar, und ich fühlte mich elende... aber die kontrolle hatte ich eben verloren... hab manchmal so panische angst, wie meine eltern zu werden...

meine mutter hat es fertig bekommen, mich tagelang zu ignorieren, wenn ich nicht, wie gewünscht funktioniert habe... sie schlug eher selten, dafür war sie klasse, wenn es um liebesentzug ging....das gipfelte dann auch schon mal darin, dass beim abendessen für mich nicht mitgedeckt wurde... ich war einfach luft.... fühlte mich selten von meinen eltern geliebt, hatte aber dem himmel sei dank meine großmutter, durch die ich bedingungslose zuwendung erfahren habe, und durch diese erfahrungen, so glaub ich, kann ich auch meine kinder bedingungslos lieben....

aus all diesen dingen lebe ich ständig mit der angst, die kleinen kinderseelen zu brechen... das macht mich manchmal ganz schön fertig :cry:

habe auch wg. einiger dieser dinge, die ich hier so schrieb eine therapie gemacht und da auch meine ängste bzgl. meiner eigenen elternschaft angesprochen... der doc sagte mir, ich bin eine gute mum.... schon allein deswegen, weil ich mir so viele gedanken mache....das hält mich hoch :)

viele dinge aus meiner kindheit spielen bis heute in mein leben hinein, und beeinträchtigen es ungemein..... mein prüfungsangst (die dazu führst, dass ich es einfach nicht schaffe, mein studium abzuschließen)... meine unfähigkeit, mich fallen zu lassen.. bei niemandem... auch für eine ehe eine belastung.... sich nicht wirklich über etwas freuen können... da ich eh immer das gefühl habe, es wird mir irgendwann vorgehalten.... auch daraus resultierend kann ich nur schlecht unerwartete geschenke annehmen....

ohje... jetzt habe ich mich hier aber ganz schön ausgeheult :oops: ich möchte von niemandem mitleid haschen..... nur einfach zum ausdruck bringen, wie sehr ein mensch von der kindheit geprägt wird......

das mal so aufzuschreiben und loszuwerden, tat gut... hoffe, habe niemanden zu sehr gelangweilt...

lg markan

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 11.02.2009, 08:44
von Lösche Benutzer 1828
Ja, diese Erlebnisse verfolgen einen immer, das ist leider so...... :-(
Ich knabbere auch ständig daran.

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 11.02.2009, 11:47
von milkshake
markan2211 hat geschrieben:habe auch wg. einiger dieser dinge, die ich hier so schrieb eine therapie gemacht und da auch meine ängste bzgl. meiner eigenen elternschaft angesprochen... der doc sagte mir, ich bin eine gute mum.... schon allein deswegen, weil ich mir so viele gedanken mache....das hält mich hoch :)

ohje... jetzt habe ich mich hier aber ganz schön ausgeheult :oops: ich möchte von niemandem mitleid haschen..... nur einfach zum ausdruck bringen, wie sehr ein mensch von der kindheit geprägt wird......
ich fühle mit dir!

ich bin fast schon ein fan von therapien - aber es muß die richtige therapieform sein, und die zu finden ist zum einen glück und zum anderen eine geduldsfrage :wink: ich jedenfalls fand dadurch mehr zu mir selbst und konnte im endeffekt tatsächlich meinen eltern ein wenig verzeihen.

grundsätzlich ist es natürlich eine lebensaufgabe, aber vielleicht hilft es dir auch zu glauben, daß das schicksal dich ausgewählt haben mag damit du an deinen erfahrungen wachsen kannst! hättest du diese kindheit nicht genau so erlebt wie du es hast, wärst du sicher nicht die mutter die du heute bist!

ich hatte bis zur geburt meiner tochter eine höllenangst ob ich überhaupt liebesfähig bin, und ich muß mir nun "auf die schulter klopfen" und finde - vor allem angesichts meiner eigenen kindheit - ich meine sache gut, denn ich gebe ihr soviel liebe wie ich kann.

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 11.02.2009, 17:22
von markan2211
ganz lieben dank für das mitgefühl....

genau diese angst hatte ich auch ganz fürchterlich.... die panik, mein kind nicht lieben zu können war entsetzlich... und ich muss auch sagen, am anfang war das schwer... es hat nicht sofort zooom gemacht... aber ich kann mich noch genau an den moment erinnern, als ich mich in meine anna verliebte... ich hatte sie gerade gestillt und auf einmal überkam mich so ein umheimliches gefühl, dass ich heulen musste und mir bewußt wurde, was ich für ein glück habe und dass ich alles für dieses kind tun werde..... :D

lg markan

Re: meine Vergangenheit und das mache ich bei meinem Kind anders

Verfasst: 11.02.2009, 17:24
von Lösche Benutzer 1828
In dieser Hinsicht habe ich wohl keinen Schaden genommen- ich habe meine Kinder schon ungeboren geliebt udn als ich sie dann endlich sah, berührte, da war es um mich geschehen. Ich wäre auf der Stelle für sie gestorben, es war jedes MAl überwältigend. Noch nie zuvor habe ich so starke Gefühle für einen anderen Menschen gehabt.