whoopsy2006 hat geschrieben:
was denkt ihr darüber`? stärkt es das selbtsbewußtsein und selbstwertgefühl eines kindes wenn es zb in der 1. klasse weiter ist als die anderen kinder?
Ich seh das gerade und hab jetzt nicht mal den Thread zu Ende gelesen, aber hier kann ich aus eigener Erfahrung ne ganz klare Antwort geben:
NEIN
Also ich kann nur für mich sprechen.. Ich würde sagen, ich war in der 1. Klasse deutlich weiter als alle anderen Kinder. Ich konnte lesen und schreiben und zwar so, daß ich mit 5 Jahren Postkarten aus dem Urlaub (war so'n Kindererholungsaufenthalt von der DB;-) an meine Eltern geschickt habe und aus der Erinnerung war ich damals ganz stolz, daß ich ein Taschenbuch mit 5 mein eigen nennen konnte, daß laut Einband für Kinder ab 10 Jahre war (ich glaub, das war "die Zitronenkinder aus der Haifischgasse"

). Auf gut Deutsch ich konnte lesen und schreiben sagen wir wie ein Schulkind in der dritten Klasse oder so. So, ich schreib das hier ja nicht zum ersten Mal, aber ich muß das immer wieder erwähnen, denn ich denk wirklich, daß ich ein regelrechtes Trauma habe, was die Grundschulzeit betrifft. Nicht weil es so schrecklich war, einfach weil es eine sinnlose, leere Zeit war mit einer pädagogisch vollkommen unfähigen Lehrerin. Unfähig deshalb, weil sie z. B. nach 3 Wochen in der ersten Klasse, die Aussage machte, daß die und die Kinder später mal auf's Gymnasium kommen und Abitur machen würden. Sie machte das vor der Klasse, es handelte sich um 5 Kinder, und sie deutete mit den Fingern auf die Kinder und lobte sie über alles. Ich war dabei, aus o. g. Grund, die anderen 4 Kinder waren dabei, weil es sich um die eindeutig "bravsten" Kinder handelte.
Ich habe mein erstes Schuljahr damit verbracht den anderen Kindern ihre Hausaufgaben ins Hausaufgabenheft einzutragen (also nicht die HA selbst, sondern nur eben die Aufgaben, die sie zu Hause lösen sollten), einfach weil ein Großteil dies eben mangels Schreibfähigkeit selbst nicht konnte. In der zweiten Klasse hatte ich dann meine Trotzphase, was kein Wunder nach dem ersten Schuljahr war. Ich hasste die Lehrerin, die Lehrerin hasste mich (klar, ich konnte alles, ließ aber die Lehrerin spüren, daß ich sie nicht leiden konnte). In der dritten und vierten Klasse hatte ich dann wieder eine Lehrerin, die mich über den grünen Klee lobte und als wir Mitte der vierten Klasse umzogen, bekam ich ein Abschlußzeugnis mit lauter Einsen, obwohl noch nicht mal die Mitte des Schuljahres erreicht war ("Vorschußlorbeeren").
Sagen wir so, ich hätte Spaß haben können an der Grundschule, mit der "richtigen" Lehrerin eben....
Was dann in der 5. Klasse Gymnasium passierte, muß ich jetzt wohl nicht ausführen. Eine wahre Katastrophe! Es hagelte einen 5er nach dem anderen, u. a. deswegen weil ich ja noch nie gelernt habe zu lernen....
Zur Frage selbst:
Ich war bestimmt nicht selbstbewußter als andere Kinder. Schon gar nicht weil ich Lesen und Schreiben konnte und die anderen nicht. Das war kein Selbstbewußtsein, das Gefühl. Evtl. eine gewisse Überheblichkeit, eine Geringschätzung der anderen, da mir ja vor allem die Lehrerin (!!!!

) immer wieder vermittelte, daß die anderen "ein bißchen doof" seien. Es kann sich kein besseres Selbstwertgefühl herauskristallisieren, wenn einem immer wieder gesagt wird wie toll man angeblich ist und wie doof die anderen seien. Vor allem, wenn man, um dies zu erreichen nichts, absolut nichts tun mußte. Im Gegenteil, das sind eher schädliche Gefühle für ein Kind, wenn es immer wieder gelobt wird ohne sich jemals angestrengt zu haben.
